Rennschnecke - bin froh, hier zu sein

  • der punkt, wo nasse veranstaltungen und deren auswirkungen für mich keine gefahr mehr sind, der ist noch nicht da. das kommt vielleicht, vielleicht auch nicht.

    Ich habe diesen Punkt in den ganzen Jahren nie erreicht. Warum? Weil mir Treffen, bei denen der starke Konsum von Alk im Vordergrund steht, einfach auf die Nerven gehen. Nicht, weil ich mich gefährdet sehe, sondern weil ich so was im Kopf nicht mehr aushalte. Der Anblick, der Gestank und der Lärm von Zechern gehen mir auf die Nerven. Was soll ich dort? Meine Lebenszeit verschwenden? Da habe ich Besseres vor. Mit einem spürbar alkoholisierten Menschen kann und will ich mich nicht austauschen. So einfach ist es, zumindest für mich.

  • Carl Friedrich : ja, das verstehe ich. mich nervt es auch, wenn ich betrunkenen oder angetrunkene menschen im bekannten- und freundeskreis erlebe. es riecht nicht gut, die gespräche sind nicht gut, die menschen verändern sich (oft zum aggressiven). dann entziehe ich mich auch.

    aber es gibt eben auch situationen, die -sagen wir mal- sozial verpflichtend sind: weihnachten, ostern, hochzeiten, familienfeiern ganz allgemein. das versuche ich für mich gut zu steuern. (lieber nachmittags zum kaffe, oder zum vormittgasbrunch (warum muss da eigentlich immer sekt sein?) und wenn's dann nass wird gehe ich. das ist nicht so das problem. )

    aber diese situationen gibt's eben und die sind immer eine herausforderung. und an manchen tagen nervt das.

    Abstinent seit dem 22.9.2023

  • Und das führt mich eben wieder zu der grundsätzlichen Frage, wie ich nach außen mit meiner Sucht umgehe.

    ich begründe seit einiger zeit überhaupt nichts mehr, wenn mir ein glas angeboten wird. ich sage einfach "Nein". oder: "ich trinke keinen alkohol." punkt. ich finde, das ist selbstbewusst genug und klingt nicht nach entschuldigung, so wie "alkohol schadet meiner gesundheit." ich finde, man muss nix erklären. nur tun.

    was weihnachtsmärkte anbetrifft: ich hasse sie, weil sie unter dem deckmäntelchen der romantik nichts anderes sind als organisiertes saufen. und das sage ich dann auch so, bzw weniger drastisch ;)

    Abstinent seit dem 22.9.2023

  • aber es gibt eben auch situationen, die -sagen wir mal- sozial verpflichtend sind: weihnachten, ostern, hochzeiten, familienfeiern ganz allgemein

    Ich sprach von Ereignissen, bei denen der heftige, nicht der moderate Konsum von Alk im Vordergrund steht und letztlich das wahre Bindeglied der Beteiligten ist.

    Wenn die Situation ins Saufen umschlägt, bin ich weg, weil es dafür keinerlei soziale Verpflichtung gibt.


    ich bin ja schon ein paar Jährchen dabei, bei mir hat sich alles eingeschliffen. Daher weiß ich, wann es Zeit ist zu gehen oder wo ich gar nicht erst aufkreuze. Was die übrigen Teilnehmer der Veranstaltung davon halten, ist mir wurscht. Ich bin ich, ich weiß was ich vor anderen, aber auch vor mir verantworten kann.


    Hier hieß es früher einmal so wunderschön: "Sorgen Sie dafür, dass es Ihnen gut geht." Und das mache ich, so gut ich eben kann.

  • Ich frage mich öfter, ob ich als Alkoholikerin einen gewissen Hang zur Forums-Co habe, und versuche mich dann zu bremsen.

    Aber das möchte ich doch mal loswerden: Mich macht es immer traurig, wenn Leute das Forum verlassen, die sich hier länger oder kürzer engagiert eingebracht haben.

    Die Gründe dafür möchte ich hier gar nicht infrage stellen oder gar diskutieren.

    Dieses Forum lebt von seiner - aus leidvoller Erfahrung und nicht nur angelesenem Wissen - gewachsenen klaren Kante gegenüber Alkohol. Und das ist gut so, denn die Sucht kennt nun mal nur Schwarz und Weiß, keine Zwischentöne.

    Großartig und unschätzbar wertvoll finde ich, dass die grundlegenden Informationen UND die im offenen Bereich geteilten Erfahrungen und Austausche auch für stille Mitleser offen sind. Und wie die tâgliche Anmeldestatistik zeigt, wird das ja auch rege genutzt.

    Und darum schreibe ich das auch bewusst hier: Nutzt diese Chance, liebe stillen Mitleser, und vielleicht schreiben wir uns eines Tages hier (wieder), wenn Ihr so weit seid. Alles Gute!

  • Ich danke dir für deine Post- Ich möchte dazu mal etwas schreiben was eventuell zur Klarheit beiträgt.

    Dieses Forum lebt von seiner - aus leidvoller Erfahrung und nicht nur angelesenem Wissen - gewachsenen klaren Kante gegenüber Alkohol. Und das ist gut so, denn die Sucht kennt nun mal nur Schwarz und Weiß, keine Zwischentöne.

    So sieht es aus:

    Die jahrelangen Erfahrungen der Langzeit-Trockenen, die die Grundbausteine mit größtmöglicher Risikominimierung ins Leben gerufen haben, und die nachgewiesene Funktionalität geben den Usern die größtmögliche Chance, hier trocken zu werden und vor allem zu bleiben. Es ist ein schnelllebiges Geschäft, und Rückfälle sind an der Tagesordnung. Nicht jeder überlebt so einen Rückfall.

    Ich sehe es auch als Teil der Mitverantwortung des Forums an, Rückfälle zu vermeiden. Aus der Sicht des Alkoholikers ist jedoch jeder für sich selbst verantwortlich.

    Es werden auch in Zukunft User hierherkommen, die ihre eigene Philosophie mitbringen und auf Meinungen mehr Wert legen als auf Fakten. Oder weil sie irgendwo anders gehört oder gelesen haben, dass es angenehmere Wege gibt.

    User, die nicht bereit sind, sich hier in einer Online-SHG für Alkoholiker als Alkoholiker zu bezeichnen, sehen wir als kritisch an. Wie sie sich anderswo bezeichnen, ist egal. Jedoch geht es erst ab dieser Erkenntnis hier eben weiter.

    Dann kommen User und suchen nach einer neuen 'Work-Life-Alkoholiker-Trocken-Werd-Balance', wenn ich es mal so nennen darf. Statt auf die Grundbausteine zu setzen, suchen sie lieber im Internet nach Podcasts und Videos im Influencer-Stil. Diese Ansätze wollen sie natürlich auch hier einbringen, weil sie überzeugt davon sind.

    Sie wollen genau das tun, was sie uns vorwerfen: etwas überstülpen. Sie können sich doch dort austauschen, wo es für sie persönlich abgestimmt wird. Wir hier legen jedenfalls das Augenmerk auf Selbsthilfe und nicht auf hypothetische Annahmen.

    Ich frage mich nur, warum das sinnvoll sein soll, wenn altbewährte Methoden die besten Erfolgsaussichten haben. Es geht ja nicht um Smalltalk, sondern ums Überleben. Und wer länger hier dabei ist, hat auch einen Weg in den Grundbausteinen für sich gefunden, auch wenn er nicht alles aus diesen umsetzen konnte.

    Es ist auch nicht so, dass wir es den Usern hier übelnehmen, wenn sie sich nicht mit uns identifizieren können. Bei weitem nicht. Wenn sie woanders zufrieden trocken werden, haben sie doch alles richtig gemacht. Und ich freue mich für jeden Einzelnen persönlich.

    Zudem kamen in den letzten 20 Jahren immer wieder Rückkehrer, die genauso willkommen geheißen werden, egal wie sie damals eingestellt waren oder gegangen sind.

    Habe Fertig :mrgreen:

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo,

    ich habe fast über ein halbes Jahr still mitgelesen, bevor ich mich angemeldet habe. Ich habe auf vielen Forenthemen rumgekaut. Bin ich wirklich Alkoholikerin? Kann ich mir eine ‚lebenslängliche‘ Abstinenz vorstellen? Was sind überhaupt Trinkpausen? Wann nass, trocken oder abstinent? Warum keine alkoholfreien Ersatzgetränke? Warum ein alkoholfreies Zuhause und Umfeld? Ich hatte keine Lust mich an all diesen Themen öffentlich abzuarbeiten. Durch das stille Mitlesen hatte ich die Möglichkeit mich weiter zu entwickeln und vieles umzusetzen. Und im Nachhinein den Sinn zu verstehen!
    Die Forumsregeln sind klar kommuniziert und jede*r kann sich überlegen ob es passt. Ich finde das Forum muss niemanden retten. Hop oder top. Ich bin mittlerweile sehr froh über die klaren Regeln und super froh, dass ich nicht so Sätze lesen muss, wie „ Oh, jetzt habe ich doch leider wieder getrunken, aber gar nicht sooo viel und nächste Woche fange ich wieder an aufzuhören, Mimmimmi“

    Fazit: desto trockener ich werde, desto besser finde ich die klare Forumslinie. Sich selbst als Alkohliker*in zu bezeichnen, finde ich grundlegend.

    Liebe Grüße Rina

  • Danke Rennschnecke für die Thematisierung und ich möchte meine Gedanken auch hier lassen.

    Für viele, der hier neu ankommen, mag es erstmal befremdlich und unbequem sein, wie die Rückmeldungen im eigenen Vorstellungs-Thread oder bei anderen empfunden werden. Es braucht ein bisschen Zeit, bis man erkennt, wie das Forum tickt und was die Grundwerte sind. Stilles Mitlesen hilft auf jeden Fall.
    Es hat einen Grund, warum die Statistiken bezüglich Rückfällen nicht ermutigend sind. Es gibt viele Foren und Online-Chats, die sich mit dem Thema Alkohol beschäftigen.
    Einige davon empfinde ich als Zeitverschwendung und sogar als gefählich.
    Den Weg in ein abstinentes Leben zu finden, ist kein Spaziergang, sondern eine Bergwanderung mit höchstem Schwiergigkeitsgrad. Wenn ich eine Rückmeldung oder Empfehlung bekomme und sie passt nicht in mein Denkschema, dann fühlte ich mich zuerst falsch verstanden, vermisste mehr Verständnis und Empathie, oder manche empfinden es gar als Diktat. Niemand zwingt mich hier zu sein, niemand kontrolliert mich. Ich bin für mich hier um Hilfe für meine Selbsthilfe zu erfahren. Ich musste meine Selbsthilfe erst aufbauen und verinnerlichen, damit sie wirksam werden konnte. Und wenn ich dann an die Punkte ran gehe, die mich besonders emotional getroffen haben,
    dann habe ich die Chance, mich weiterzuentwickeln, sei es indem ich meine Denke revidiere oder dass ich mich sogar bestätigt fühle.

    Das Forum hat ein Wertegerüst mit Grundregeln und Grundbausteinen. Ich konnte sie bald ohne Einwände für mich annehmen, wie viele andere auch hier.
    Ich bin froh, dass es dieses Wertegerüst gibt und dass es durch die Moderatoren, aber auch durch die User geschützt und angewendet wird.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • ich habe in diesem forum auch manchmal -gerade am anfang- eine "reingesemmelt" bekommen. zumindest habe ich es so empfunden. aber, bei genauerem nachdenken hatten die erfahreren immer recht. ich habe manchmal erst nach einiger zeit kapiert, was gemeint war. und das war dann hilfreich. genau genommen waren es die widerworte oder die gegenthesen, die mich oft weitergebracht haben, weil ich gezwungen war meine eingelaufenen pfade zu überdenken. insofern empfinde ich die manchmal harten worte als nicht hinderlich, sondern hilfreich.

    aber das ist sicherlich auch persönlichkeitsabhängig. der eine mensch lässt das eher zu, der andere weniger.

    ich jedenfalls profitiere von anderen meinungen, auch wenn's manchal im ersten moment schmerzhaft ist.

    Abstinent seit dem 22.9.2023

  • Hi Rennschnecke,

    Ich habe gerade in einem anderen Faden gelesen, dass Du jetzt Dein Einjähriges hattest. Du hast Dich ja gar nicht feiern lassen.
    Herzlichen Glückwunsch! Starke Leistung. Sei stolz auf Dich.

    Liebe Grüße Rina

  • Nicht böse sein, erst hab ich wieder so lange bei anderen gelesen und geschrieben und dann, um mich "anständig" vorzubereiten, mal wieder meine eigenen ( zum Glück nich nicht so langen) Fäden durchgelesen, und nun bin ich platt.

    Komme wohl erst am WE dazu, anlässlich meines ersten Trockengeburtstags mal alles ein bisschen Revue passieren zu lassen, hatte manches schon vergessen....Gute Nacht!

  • Nicht böse sein, erst hab ich wieder so lange bei anderen gelesen und geschrieben und dann, um mich "anständig" vorzubereiten, mal wieder meine eigenen ( zum Glück nich nicht so langen) Fäden durchgelesen, und nun bin ich platt.

    😅 ...da muss ich schmunzeln! Das kenne ich zu gut. 😂

  • Liebe Rennschnecke, nun habe ich eben erst gelesen, dass du 1 Jahr hast. Wow da gratuliere ich dir herzlich. Ganz große Klasse. Freue mich jetzt schon drauf wenn auch ich mein erstes Jahr habe.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

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