Momo2006 - Irgendwie hilflos- Ich weiß gerade nicht weiter

  • Die Alkoholiker die aber trocken wurden und es geblieben sind, konnten aber aufhören zu trinken. Also hat es ja doch mit "Wille" zu tun.

    Ich bin Alkoholiker.
    Und das habe ich auch ziemlich schnell gewusst. Ich habe die ganze Welt um mich herum belogen, mir selbst aber nie was vorgemacht.
    Ich wollte mit dem Alkohol trinken aufhören. Ich wollte das so sehr wie nichts anderes auf dieser Welt. Viele viele Jahre.
    Ich habe das jeden Morgen gewollt ….und jeden Nachmittag habe ich neuen Alkohol gekauft. Ganz oft stand ich dann da mit meiner Flasche und wollte den Inhalt dann einfach nur wegkippen….ich habe mich so geekelt vor dem Wein und ich fand mich eklig…. ich wollte so gerne damit aufhören.
    Ich konnte es nicht. Ich konnte einfach nicht damit aufhören, obwohl ich es so sehr wollte.
    Selbst sterben wäre die bessere Wahl gewesen…als immer weiter trinken zu müssen. Ich habe es nicht geschafft.

    Erst als mein Kartenhaus aus Lügen zusammengefallen ist, konnte ich langsam akzeptieren, dass ich Alkoholiker geworden bin.
    Ich hatte ja immer dieses Bild vom Alkoholiker im Kopf, der runtergekommen hinterm Bahnhof seinen billigen Fusel säuft…dass ich genau da dazu gehören soll, konnte ich nie akzeptieren. Ich habe mich nach Außen nie zu erkennen gegeben.
    Für mich zu akzeptieren, dass ich genau dieser Alkoholiker geworden bin, dann die Erkenntnis, dass ich krank bin und die hoffnungsvollen Worte in diesem Forum, dass es möglich ist, die Sucht zum Stillstand zu bringen, gaben mir die Hoffnung, dass auch ich das schaffe….nüchtern werden und nüchtern bleiben.

    Die vielen ,normalen’ Menschen hier haben mir gezeigt, dass es möglich ist, die Sucht zu stoppen. Der Wunsch aus tiefstem Herzen reichte dafür nicht aus.

    Am Anfang steht die Erkenntnis, krank zu sein Alkoholiker…. süchtig…. abhängig… Egal, wie man das Kind nennt, es musste im Kopf ankommen, dass die Alkoholsucht eine Krankheit ist und dass die nie wieder weg geht und dass es nur mit absoluter Abstinenz möglich ist, diese Krankheit zum Stillstand zu bringen. Es gibt sie…diese Möglichkeit, wieder normal leben zu können.

    Ich musste akzeptieren, dass ich Alkoholiker geworden bin. Ich glaube, dass war für mich das Schwerste überhaupt. Aber es war auch mein Start in mein nüchternes Leben.
    Es musste im Kopf ankommen, dass es nur diesen einen Weg gibt: kein Alkohol mehr. Nie wieder.

    Dieses ‚nie wieder‘ hat ja etwas Endgültiges. Kann auch Angst machen.
    Mir machte das keine Angst.
    Mir machte das Hoffnung…..weil ich es so sehr wollte.

    Ich werde die Sache mit dem Willen, der Einsicht und dem Krank-Sein vermutlich niemals verstehen.

    Vielleicht helfen dir meine Gedanken ein wenig dabei.

    Momo, wie geht es dir heute?
    Was kannst du aus den Gedanken hier für dich mitnehmen?

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Momo2006 ,

    Wenn es dir in diesem Thread verwässert wird , sag einfach Bescheid, dann trennen wir die Diskussion ab.

    Ist ja nicht mehr dein Thema als Co. Oder passt das noch für dich?

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hi Zusammen,

    Es passt noch für mich, da mich zwischendurch immer wieder ähnliche Gedanken einholen, obwohl ich weiß, dass sie nicht richtig sind.

    Wenn es aber für viele hilfreich ist, können wir es auch gerne abtrennen. Ist ja doch ein längerer Austausch entstanden.

    LG Momo

  • Am Anfang steht die Erkenntnis, krank zu sein Alkoholiker…. süchtig…. abhängig… Egal, wie man das Kind nennt, es musste im Kopf ankommen, dass die Alkoholsucht eine Krankheit ist und dass die nie wieder weg geht und dass es nur mit absoluter Abstinenz möglich ist, diese Krankheit zum Stillstand zu bringen. Es gibt sie…diese Möglichkeit, wieder normal leben zu können.

    Ich musste akzeptieren, dass ich Alkoholiker geworden bin. Ich glaube, dass war für mich das Schwerste überhaupt. Aber es war auch mein Start in mein nüchternes Leben.
    Es musste im Kopf ankommen, dass es nur diesen einen Weg gibt: kein Alkohol mehr. Nie wieder.

    Lieber Stern

    Vielen Dank für deinen Beitrag. Eine sehr interessante Unterhaltung finde ich... Also ist es so als müsste der Betroffene nicht kämpfen sondern kapitulieren. Die Sucht eingestehen, akzeptieren und es wirklich als Krankheit ansehen. Ich kann dir und jedem, der sich aus dieser Suchtspirale befreit hat nur gratulieren. Es hört sich wirklich nach grösster Not an, etwas so sehr zu wollen, und doch keine Chance zu haben sein Vorhaben durchzuziehen. Wie so viele andere hier wünsche ich meinem ExPartner so sehr, dass er es schafft.

  • @ Stromer, mich triggert das gar nicht. Aber hier werden ja Erfahrungen und Erlebnisse ausgetauscht. Und ich kann mir das für mich eben nicht vorstellen, wie man den Geruch nicht bemerken kann.
    Ist ja gut für euch, wenn deine Frau nur manchmal das Leergut gestört hat und sonst nichts großartig. Da haben hier viele Angehörige ganz andere Erfahrungen gemacht.

    Hier wurde aber eben auch schon von Alkoholiker Seite öfter berichtet, dass sie dachten, dass ihr Konsum kaum bemerkt wurde bzw aufgefallen war, und als sie dann nüchtern waren/ wurden, ist doch einigen klar geworden, wie viel andere doch wussten und mitbekommen hatten.

  • Liebe Momo, ich hole das mal zu dir:

    Rückblickend betrachtet, bin ich jemanden hinterher gerannt, der mich immer wieder auch seelisch verletzt hat, um wieder seelisch verletzt zu werden

    Ich weiß genau was du meinst. Also nicht, weil ich das von mir selbst kenne, aber ich kenne die "Theorie".

    Ich weiß aber manchmal nicht, ob auch das ein Versuch ist, rückwirkend doch noch irgendwie einen Sinn drin zu finden und so das Gefühl von "Kontrolle" über die Situation zu bekommen.

    Ich denke da an die Alkoholiker, die sagen: ich wurde süchtig, weil ich getrunken habe. Punkt.

    Bei mir glaube ich, ich wurde Co, weil ich mit einem nassen Süchtigen zusammen war. Punkt.

    Klar gibt es bei beiden möglicherweise noch viele andere Gründe, weshalb es so weit kam...das will ich nicht absprechen. Ich sag's mal anders herum: wäre ich nicht mit einem nassen Alkoholiker zusammen, wäre ich nicht Co-abhängig. Kann aber nur von mir reden.

    Aber wir Co's neigen halt auch oft dazu uns extrem zu hinterfragen und vermeintliche Schuld, auch ein "Selber-Schuld", auf uns zu nehmen.


    Und irgendwie habe ich mir wohl gefallen in dieser Rolle. Die starke, tapfere Frau, die das Alles erträgt und hinbekommt. Die, die ihn auf die richtige Spur bekommen wird, Alles regelt, etc. *Bravo*...

    Und das zuzugeben ist echt schwer für mich. Die Märtyrerin...

    Dafür schäme ich mich vor mit selbst.

    Ja, die Scham ist ein großes Thema. Auf beiden Seiten. Kenne ich gut.

    Und das mit der starken tapferen Frau ebenfalls.

    Aber manchmal beschleicht mich auch der Gedanke, dass ich regelrecht "Schlechtigkeiten" bei mir selbst suche, um ihn dadurch aus dem Schussfeld zu holen. Und um mir auch auf diese Weise wieder so eine vermeintliche Kontrolle einzuräumen. Alles ist besser als mir meine Hilflosigkeit einzugestehen.

  • Scham und Schuld, ja...

    Mittlerweile geht es mir nicht mehr um Schuld. Ich bin immer noch auf meinem Weg. Verändere Dinge, lerne das Zauberwort Nein anzuwenden etc.

    Gesunde Grenzen habe ich wenig gesetzt in meinem Leben. Die Erfahrungen die ich jetzt so langsam damit mache, sind für mich gut.

    Ob ich vor der Beziehung schon ungesunde Muster hatte oder nicht, ist für mich gerade nicht mehr ausschlaggebend. Für mich ist es jetzt wichtig auf die Füße zu fallen und mein Leben wieder zu gestalten.

    LG Momo

  • Hallo Momo, du kennst dich so gut mit Literatur zum Thema aus 🤓.

    Kannst du mir ein spezielles Buch empfehlen? Ich will jetzt doch endlich mal damit anfangen.

    Es gibt mehrere Titel, die mich ansprechen, aber ich will jetzt auch nicht tausend Bücher lesen...welches ist das ultimative? 😜

  • Hi Jump,

    Ultimative Buch Tipps habe ich nicht. Aber schau mal nach Gallus Bischoff und Anja Bischoff vom Universitätsklinikum Schleswig -Holstein zum Thema Mythos Co-Abhängigkeit. Oder beim ZI Mannheim, da gibt es einige Studienberichte.

    Ansonsten gibt es einige guten Studienberichte in den USA.

    Bücher wie Co-dependent no more sind für mich nichts. Es gibt noch in der Sucht gefangen. War aber auch nicht meins.

    LG Momo

  • Hallo Jump,

    darf ich auch ;)

    Kannst du mir ein spezielles Buch empfehlen?

    Kennst du "Ich befreie mich von deiner Sucht" von Helmut Kolitzus.

    Das Buch fand ich ziemlich gut, mir sind damals beim lesen, viele Lichter aufgegangen.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Oh, Studienberichte hört sich bisschen anstrengend an 🙈. Ich schau' mal.

    Danke Morgenrot! Das kommt mir vom Namen bekannt vor.

    Ich hatte in ein Buch von einer Amerikanerin rein geschaut, das hat mich durch die knackige Art angesprochen (sie schreibt in der Einleitung wie nervig und seltsam sie die kontrollierenden Cos fand, als sie selbst noch trank) - aber dann erschien es mir doch zu aufgeladen.

    Dann ein neueres von Julia Maria Kessler.

    Und ein Fachbuch von Jens Flassbeck, das aber schon etwas älter ist.

    Mal sehen... 🤓

  • Das von 2003?

    Mir fällt der Titel nicht ein.

    Es heißt schlicht: Co-Abhängigkeit. Ist in der 3. Auflage von 2011, weiß nicht wann es erschienen ist.

    Es richtet sich in erster Linie an Psychotherapeut*innen, Suchtberater und so, aber soll auch explizit zusätzlich für Betroffene geschrieben sein.

    Er hat aber auch 2014 ein reines Selbsthilfebuch geschrieben: Ich will mein Leben zurück!

    Tja, dann habe ich jetzt weiterhin die Qual der Wahl 🤔

  • Hallo, Flassbeck ist super. Ich hatte persönlich mit ihm Kontakt. Kann ich nur jedem empfehlen vor allem die Illustrationen in diesem Buch oder bitte auch auf der Homepage schauen, da steht ganz viel drauf. Er bringt es eigentlich auf den Punkt. Sich lösen, und nur auf sich schauen.

    Er hat mir gesagt, er macht es zum Beispiel so. Wenn er Frauen von Alkoholikern in der Gesprächstherapie hat, dürfen sie nicht über ihren Partner sprechen, sondern nur über sich. Das ist anfangs sehr schwierig aber dann kommen die Frauen rein und sind bei sich und nicht bei ihrem Partner.
    Diese Perspektive hat mir sehr gut getan.

  • Lolli, du meinst aber das Selbsthilfebuch von ihm, oder?

    Wenn er Frauen von Alkoholikern in der Gesprächstherapie hat, dürfen sie nicht über ihren Partner sprechen, sondern nur über sich

    Das kommt mir irgendwie bekannt vor 😂. Hab ich hier im Forum auch schon meeehrmals gesagt bekommen.

  • Ich meine die beiden letzten Bücher. Das eine Buch ist ein Fachbuch das bezieht sich viel. Auch auf Kinder, die mit Alkoholkranken Eltern aufgewachsen sind, kann man aber auch übertragen auf Kinder, die mit psychisch kranken Eltern aufgewachsen sind, deshalb habe ich mir das besorgt. Ich bin ja eine ausgebildete Therapeutin, Insofern verstehe ich die Ansätze, die er da bringt. Aber als Betroffene ist das etwas Hölzern zu lesen.
    das Schöne, finde ich das Selbsthilfe Buch: ich will mein Leben zurück, heißt es, glaube ich. Das sind Illustrationen vom Froschkönig drin, die sind richtig richtig super. Die Bilder habe ich auch versucht nach zu malen. Ich bin keine große Malerin, aber es hat mir Freude bereitet und mir auf meinem Weg aus der CoAbhängigkeit sehr geholfen.

  • So, ich hab gedacht ich veröffentlicht das mal😅. Ich finde diese Bilder so treffend der Froschkönig ist praktisch der Suchtkranke und die Prinzessin der co.

    Ob man dafür eine Prinzessin als Metapher braucht, weiß ich nicht, da kann man sich darüber streiten aber er hat sich halt an das Märchen der Froschkönig angelegt, wo der Froschkönig die Prinzessin doch immer wieder unter Druck setzt, wenn er ihre Kugel holt, dass er von ihrem Tellerchen essen darf, in ihrem Bettchen schlafen…
    Die Prinzessin fügt sich immer wieder willig, bis es am Schluss eskaliert und sie ihn an die Wand wirft.
    naja, da kommt dann ein Königssohn raus😂, das mag bei uns vermutlich weniger funktionieren. Aber die Verstrickungen ist in diesen Bildern so schön verdeutlicht.

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