wieweiter - Was tun?

  • liebe wieweiter,

    gib dir ganz viel zeit bei der verarbeitung. gefühle des verlustes kenne ich auch sehr gut, und ich kann dir aus erfahrung sagen, es dauert lange. aber es wird besser! ich wurde vor vielen jahren von heute auf morgen verlassen, das war so mit das schmerzhafteste was ich je erleben musste. er ist nicht gestorben, aber er wollte mich quasi über nacht nicht mehr, nachdem wir sehr lange zusammen waren, ich hab uns alt werden sehen... er nicht. und ich stand also quasi ueber nacht vor einem seelischen scherbenhaufen. hab monate so viel geweint, daß ich dachte es kann doch gar nichts mehr kommen an tränen. in der zeit habe ich sehr viel geschrieben, war endlos lange draußen, drinnen wurde es mir oft zu eng in der seele. hatte auch freunde, die mir zur seite standen, aber es hat ein gutes jahr gedauert, bis ich wieder klar kam. weil letztlich war ich dann doch mit dem schmerz alleine. weil ihn auch jeder anders empfindet.
    eins erinnere ich, ich war in der zeit durchsichtig wie nie und hab so viel wahrgenommen, was auch schön war um mich herum. durch die tränen glitzert alles, ich weiß noch das mich der gedanke irgendwann richtig überrascht hat.
    die trauer ist ein ausnahmezustand. tröstlich ist, sie/er (?) bleibt nicht, jedenfalls nicht in der intensität, dazu sind unsere körper zu schlau, die machen da ja auch mit, nicht nur dein geist. gib dir zeit.
    gut daß du hier schreibst,
    einen ganz lieben gruss zu dir
    koda

    2 Mal editiert, zuletzt von koda (28. April 2025 um 08:58)

  • Hallo wieweiter!

    Du hast ja mit ihm eine sehr intensive Zeit erlebt in der die Gefühle sicher manchesmal Achterbahn gefahren sind. Es hat leider sehr traurig geendet und deine Hoffnungen auf einen guten Ausgang sind mitgestorben. Die Endgültigkeit des Todes ist sehr schwer zu begreifen und es dauert lange bis man den entsprechenden Menschen nur noch im Herzen trägt und die Trauer nachlässt.

    Ich habe vor 5 Jahren eine liebe Jugendfreundin an den Krebs verloren und habe sehr darunter gelitten. Wir hatten so Vieles gemeinsam und ich wünsche mir heute noch manchmal mit ihr zu telefonieren und ihr Stimme zu hören. Wir beide hatten noch viele Pläne und wollten zusammen nach Neuseeland fliegen weil dort ihr Sohn lebt.

    Leider war die Krankheit schneller und ich bin immer noch traurig daß ich sie nie wieder sehen werde. Es hat lange gedauert bis die Trauer leise wurde.

    Ich drücke dich mal <3

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Moin meine Liebe, sag mal, kann es sein dass du dir irgendwie die Schuld gibst für seinen Tod.? Das du glaubst nicht genug getan zu haben? Ich meine Cos einrede das sie Schuld haben ist ja nu Usus bei Alkis.

    Wie ist das bei dir? Siehst du eine Schuld bei dir? Das wäre dann der Punkt an dem du ansetzen solltest, denn du hast keine Schuld.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Liebe Dorothea, nein die Schuld gebe ich mir nicht an seinem Tod. Seine Leber war schon lange schwer geschädigt und selbst wenn er es das letzte Jahr geschafft hätte mit dem Trinken aufzuhören, wäre er auch nicht alt geworden. Er hat mir auch nie die Schuld daran gegeben, dass er trinkt.

    Aber vielen Dank für die Denkanstöße und auch vielen Dank für Eure Beiträge. Sie geben mir Kraft und Hoffnung.

  • Liebe wieweiter, Deine Geschichte beschäftigt mich auch - und ich möchte Dir zu dem Gedanken, ob Du nicht vielleicht mehr hättest tun können, noch etwas schreiben: Nein, das hättest Du nicht - unter keinen Umständen. Ich habe Deinen Faden von Beginn an gelesen. Dein Xy konnte unter Einfluss seiner Sucht den Wert eines gemeinsamen Lebens mit Dir nicht (mehr) erkennen und schätzen, so unverständlich es auch ist. Das hat der Alkohol ihm genommen. Er hat getrunken, obwohl es klar war, wie schlecht es um seine Gesundheit steht und Hilfsangebote für ihn da gewesen wären. Er hätte den Schalter umlegen müssen. Klick hätte es machen müssen, wie es hier häufig zu lesen ist. Das hat es leider nicht, und das ist sicher auch im Nachhinein noch schwer zu ertragen - aber Du hättest ihm das nicht abnehmen können. Nichts, was ihm vom Leben an Gutem gegeben wurde, hat ihm ausreichend Halt und Basis gegeben, um seinen Weg zu überdenken, zu ändern, positiver zu gestalten. Etwas ähnliches erlebe ja auch ich. Anfangs konnte ich nicht fassen, dass meine Rückkehr zu Xy nach vielen Jahren, die er sich angeblich so gewünscht hat, nichts Positives bei ihm bewirkt. Dass er nicht drum kämpft. Aber das ist einfach zu viel verlangt gewesen, und ich hab lernen müssen, dass ich von falschen Voraussetzungen ausgegangen bin. Vielleicht erging es Dir ähnlich - alles was Dich ausgemacht hat, Deine Zuneigung und ja, zum Schluss auch auch Deine Mühen mit ihm, konnte nicht mehr ankommen. Was hättest Du da ausrichten können.

    Das ist schwer zu begreifen, deshalb bleibt uns Co's glaub ich nur, es irgendwann zu akzeptieren und es als eine sehr intensiv traurige Erfahrung zu verarbeiten und zur Seite zu legen, es vielleicht ab und zu mal wieder anzuschauen. Vielleicht auch daraus zu lernen, was wir in Zukunft nicht mehr für unser Leben wollen. Auch wenn mein Xy noch lebt, stelle ich mich ja auf einen ähnlichen Verlauf ein.

    Bin ganz sicher , denn das lese ich aus Deiner warmherzigen, Art heraus, mit der Du hier schreibst und aus der - verzeih mir den gar nicht negativ gemeinten Begriff - sturen Beharrlichkeit, mit der Du ihn bis zum Schluss begleitet hast: Du hast alles getan, was Du konntest. Mehr als das. Du warst über Deine Grenzen hinaus. Du hast mehrmals geschrieben, dass Du nicht mehr kannst. Und das muss einfach reichen. Eigentlich ist es schon zu viel. Und es spricht für Deine große Stärke, dass Du überhaupt so weit gegangen bist. Ich wünsche Dir, dass es für Dich leichter wird mit der Zeit.

  • Ich weiß nicht was mit mir los ist. Der Verstand sagt mir, er ist erlöst. Aber ich komme nicht darüber weg. Es wird jeden Tag schlimmer. Ich habe noch nie in meinem Leben so um jemanden getrauert.

    Liebe wieweit

    Es tut mir leid, dass die Trauer dich überrennt. Eine Trauerbegleitung oder Gruppe finde ich sind gute Vorschläge. Ich denke, dass es immer wieder diese Auf und Ab gibt, aber irgendwann gibt es sie in kürzeren Abständen. Ich drücke dich.

  • Heute habe ich meine Vorgängerin getroffen. Sie war 15 Jahre mit meinem XY zusammen und hat sich wegen seiner Sucht getrennt. Wir haben 4 Stunden gequatscht, es tat gut. Wir haben gelacht und geweint. Und wir waren zusammen an seinem Grab.

  • Ich hatte heute einen richtigen Tiefpunkt. Ich wünsche mir, dass das bald vorbei geht.

    Ich habe schöne Kontakte zu netten Menschen, übernehme bald eine wichtige Funktion in einem Verein. Trotzdem weine ich jeden Tag über diesen sinnlosen Verlust eines Menschen, der es nicht geschafft hat von seiner Sucht los zu kommen. Soviel Leid.

  • Ich habe schöne Kontakte zu netten Menschen, übernehme bald eine wichtige Funktion in einem Verein. Trotzdem weine ich jeden Tag über diesen sinnlosen Verlust eines Menschen, der es nicht geschafft hat von seiner Sucht los zu kommen. Soviel Leid.

    Beides darf nebeneinander stehen. Du trauerst und blickst andererseits auch positiv in eine erfüllte Zukunft mit netten Menschen um dich. Ich sehe da keinen Widerspruch. Das Leben hat eben unterschiedliche Facetten auch wenn manchmal Extreme gleichzeitig stattfinden.

    Wie schön dass du trotz Trauer mitten im Leben stehst!

  • Ich will mich mal wieder melden. Mein Leben könnte eigentlich nicht besser sein. Ich bin gesund, habe viele soziale Kontakte, meine Kinder und Enkelkinder und habe mich wieder in einem Fitnesstudio angemeldet.

    Ich hatte mir mein Leben zurück gewünscht, ich habe es wieder.

    Ich müsste glücklich sein, trotzdem weine ich jeden Tag um diesen sinnlosen Tod. Dann sage ich mir wieder, er ist erlöst, er hat keine Angst, keine Panik und keine Schmerzen mehr. Ich hatte den Eindruck, dass er das letzte Jahr keinen Lebenswillen mehr hatte und sich selbst aufgegeben hat.

    Ich hatte oft Angst, dass er Suizid begeht oder dass ihm unterwegs etwas passiert oder er eines Tages tot in der Wohnung liegt.

    Rückblickend war ich in einer ständigen Stresssituation. Langsam komme ich dazu mich mit mir selber auseinanderzusetzen. Das braucht Zeit.

    Ich wünsche Euch schöne Pfingsten,

    Wie Weiter, immer nach vorne

  • Liebe wieweiter,

    Langsam komme ich dazu mich mit mir selber auseinanderzusetzen. Das braucht Zeit.

    Das finde ich echt schön, dass du langsam zu dir selbst findest. Na klar braucht das Zeit. Es ist gut, dass du aktiv bist, Dinge machst, die dir guttun. Das ist so hilfreich auf diesem Weg.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Liebe Wieweiter

    Hadere nicht mit dir. Ich weiss nicht was genau was sich vom Stress erholen muss (der Geist, die Seele, der Körper-ich kenne mich zu wenig aus).... aber ich kann dir von mir sagen, dass egal wie stressig oder bedrohlich eine Situation für mich war, sich der Stresslevel nach einer gewissen Zeit gelegt hat. Mal früher, mal später. Als hätte sich die Seele oder was es auch ist wieder selbst geheilt. Ich denke mit der Trauer wird es ähnlich sein oder wie siehst du das? Du warst über lange Zeit einem extremen Stress ausgesetzt, zusätzlich zur Trauer spielt vielleicht noch eine Erschöpfung mit rein? Auch davon wirst du dich sicher mit der Zeit erholen.

    Ich finde es toll wie du mitten im Leben stehst, soziale Kontakte pflegst und jetzt auch noch Sport treibst. Ich wünsche dir auch ganz schöne Pfingsten.. und weiterhin viel Krat und Zuversicht.

  • Es ist eine ganze Zeit vergangen. Vor drei Monaten habe ich einen Mann kennengelernt. Er ist viel jünger als ich aber wir verstehen uns sehr gut. Will sagen, das Leben geht weiter und es gibt immer wieder neue, schöne Beziehungen, wenn man sie zulässt. Ich genieße die Zeit mit ihm, aber ich genieße auch die Zeit alleine. Ich bin bei mir selbst angekommen.

    Trotzdem werde ich XY nicht vergessen.

    Liebe Grüße wieweiter, ja es geht weiter, wenn man es zulässt

  • moin wieweiter,

    ob es passt oder nicht hängt nicht mit einem datum zusammen. sowas spielt nur in kindesalter ne rolle. und evtl wenns dem ende zugeht obwohl es da auch sehr relativ ist. genieße die neue liebe.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

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