Vayana - Wie schätzt ihr das ein?

  • Es ist nicht so, dass die betroffene Person böswillig denkt denn dieses Verhalten ist charakteristisch für co-abhängige Personen.

    Nein, um Gottes Willen, sie ist sicher auch co-abhängig. Aber in erster Linie ein toller Mensch, der unvoreingenommen auf Menschen zu gehen kann und das Ganze im Blick behält.

  • Mich interessiert es einfach, deswegen frage ich hier, ich hoffe, es ist ok:

    Gibt es einen Unterschied, von der Stärke der Sucht(kann man das so sagen?), zwischen einem Pegel-Trinker und jemanden, der (fast) jeden Abend 2 Feriersbend“Bierchen“ trinkt und dem Quartalstrinker?

  • Gibt es einen Unterschied, von der Stärke der Sucht(kann man das so sagen?), zwischen einem Pegel-Trinker und jemanden, der (fast) jeden Abend 2 Feriersbend“Bierchen“ trinkt und dem Quartalstrinker?

    Die Menge und Frequenz ist meiner Meinung nach völlig unerheblich bei der Alkoholsucht. Wenn ich nicht mehr darauf verzichten kann ohne psychische/physische Entzugserscheinungen zu bekommen, bist ich süchtig.

    Und auch die körperlichen Schäden lassen sich nicht an der Menge direkt festmachen. Manch einer trinkt nicht viel aber hat dennoch bescheidene Blutwerte und ein anderer schüttet sich seit Jahren zu und ist (noch) fit unterwegs.

  • Denke auch, Sucht ist Sucht, da gibt's kein bisschen oder bisschen mehr. Oberflächlich betrachten sieht jemand, der täglich trinkt natürlich intensiver und tiefer in der Alkoholsucht und Suchtspirale aus, aber auch jemand der immer "Mal" richtige Aussetzer bekommt hat schwere Alkoholprobleme, die dauerhaft sind und nicht einfach so verschwinden. Der eine braucht es täglich, der andere immer mal wieder und wenn dann richtig stark.

  • Da komme ich dann selbst an meine Toleranzgrenze

    Das klingt sehr nett. Ich komme in solchen Fällen weit darüber hinaus.

    Es gab und gibt auch unter Suchtmedizinern offenbar einige Anhänger des kontrollierten trinkens. Die Studienlage dazu ist schwierig, weil man die Endpunkte nicht vergleichen kann mit ganz abstinenten Alkoholikern. Außerdem ist schwer definierbar was ‚kontrolliertes Trinken‘ eigentlich heißt.

    Offenbar wird es in den Studien als Erfolg gewertet, dass die gesamtmenge an Alkohol reduziert wurde und laut Fragebogen sich auch die Lebensqualität etwas verbessert hat und - Überraschung- Rückfälle sind seltener, aber da beißt sich die Katze in den Schwanz.

    Ist zwar jetzt das was ich eigentlich ablehne, nämlich anekdotische Evidenz, aber bei mir persönlich funktioniert kontrolliertes Trinken nicht- wie viele hier hab ich das jahrelang versucht.
    Hier im Forum lässt sich dazu allerdings ganz und gar keine repräsentative Umfrage zu durchführen, weil wir uns alle klar als Alkoholiker bezeichnen und eine lebenslange Abstinenz anstreben.

    Wie gesagt es ist schwierig bei kontrolliertem Trinken den ‚Erfolg‘ zu messen. Ich würde es wirklich keinem Alkoliker raten. Aber ich bin ja auch keine Suchtmedizinerin sondern Alkoholikerin und gerade sehr glücklich nicht ‚kontrolliert‘ sondern gar nicht mehr zu trinken.

  • Guten Morgen.

    Eine Diskussion über kontrolliertes Trinken ist im Grunde genommen völlig sinnlos.

    Kontrolliertes Trinken… die Fälle, wo beispielsweise im betreuten Wohnen hilflosen Menschen jeden Tag „ihr Bierchen“ zugeteilt wird? Ja, das mag funktionieren, weil diese Menschen auch nicht mehr selbstständig an alles rankommen und mehr trinken können (wollen sicher schon)

    Ja ein gruseliges Beispiel. Entspringt aber nicht meiner Fantasie, sondern ist Realität.

    Grundsätzlich gilt:

    Alkoholiker können nicht kontrolliert trinken, sonst würden sie es ja tun. Ist doch logisch.
    Wenn sie es könnten, wären sie keine Alkoholiker….

    LG Cadda

  • Ach und was die „Schwere der Sucht“ angeht:

    Sucht ist Sucht. Es gibt nicht leichte Sucht oder komplizierte Sucht. Sie unterscheidet sich im Ausmaß doch lediglich dadurch, wie weit der Alkoholiker in der Abwärtsspirale schon nach unten gestrudelt ist.

    Ist eine Grenze erstmal überschritten und die Sucht da, gibts kein Zurück mehr. „Normales/kontrolliertes“ Trinken ist dann nicht mehr möglich. Auch nicht nach etlichen Jahren. Kenne ich inzwischen viele Beispiele, die dachten, nach z.B. 10 Jahren Trocken-sein, müsste das Hirn doch bei Null wieder anfangen können. Nö. Das dauerte nicht lange, dann hatten sie ihren Standart von damals.

    Die Alkoholkrankheit kann nicht geheilt werden, nur gestoppt durch lebenslange Abstinenz.

    Gedanken, ob es nicht vielleicht doch anders ist, sind „Schön-Rederei“ und „Hoffnungs-Macher“, die komplett sinnlos und unnütz sind.

    Reine Zeitverschwendung.

    LG Cadda

  • Gibt es einen Unterschied, von der Stärke der Sucht(kann man das so sagen?), zwischen einem Pegel-Trinker und jemanden, der (fast) jeden Abend 2 Feriersbend“Bierchen“ trinkt und dem Quartalstrinker?

    Nein, es gibt keinen "Alkoholiker Light". Sucht ist Sucht. Es gibt ja auch kein bisschen schwanger, um den Vergleich mal zu machen.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Vayana,

    du kommst nur selten ins Forum und wenn, dann fragst du uns nach unseren Einschätzungen. Diese ganze Diskussion um die Ansichten einer Person, die hier kein Mensch kennt, die könnte hier noch endlos weitergehen.

    Kann es sein, daß du diese Fragen für dich selber stellst?

    Wie geht es eigentlich dir? Bist du für dich weitergekommen?

    Viele Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Gibt es einen Unterschied, von der Stärke der Sucht(kann man das so sagen?),

    Ich bin ein gutes Beispiel dafür dass es das eben nicht gibt. Ich hatte kein Problem mal ne Zeit lang nichts zu trinken. Dry January hab ich jahrelang gemacht. Von außen sah alles super gut geregelt aus. Guter Beruf, funktionierender Haushalt, alleinerziehend mit zwei Kindern, Sport, gesunde Ernährung (bis auf Alkohol). Meine eigene Mutter ist aus den Wolken gefallen als ich ihr gesagt habe dass ich Alkoholikerin bin. Dennoch hat sich mein Denken und fühlen durch den Verzicht auf Alkohol so stark verändert, dass mir jetzt erst klar wurde wie stark und prägend die Sucht war. Und Suchtdruck habe ich auch genauso wie alle anderen. Körperliche Entzugserscheinungen hatte ich keine. Dennoch bin ich eine genau so starke Alkoholikerin wie jemand der jeden Morgen zitternd eine Flasche Wodka getrunken hat .

    Der körperliche Entzug ist schnell vorbei. Der seelische ist bei allen das was dauert.

  • Liebe Linde, ich habe über deinen Beitrag nachgedacht und weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Vielleicht ist mein Verständnis von dieser Selbsthilfegruppe falsch. Ich habe Fragen, die mich beschäftigen. Die habe ich gestellt. Muss ich dafür häufiger im Forum aktiv sein, um Fragen stellen zu können?
    Ich setze mich mit dem Alkoholismus auseinander, mit meinem eigenen Umgang mit Alkohol, mit dem meines Partners aber auch dem Alkoholismus im allgemeinen. Wozu auch die Aussagen meiner Freundin zählen, die ich hinterfrage. Ob ihr sie nun kennt oder nicht, erscheint mir erstmal herzlich egal. Ihr kennt mich doch auch nicht „wirklich“und meinen Partner auch nicht. Ich euch auch nicht. Es sind Fragen, die nichts mit meiner Freundin zu tun haben sondern mit Alkoholismus. Und warum sie nicht hier stellen? Beantworten muss meine Fragen niemand. Aber hier sitzen die Profis, die Experten. Und ich freue mich über Antworten vonnEuch. Für mich ist das sehr hilfreich. Und ich empfinde den Nutzen der SHG im allgemeinen auch darin, sich selbst immer wieder ein bisschen zu ordnen, mit Abstand auf Dinge zu blicken- oft auch durch das Teilen eigener Erfahrungen. Muss es ein ausgeglichenes Geben und Nehmen sein? Ich war länger nicht aktiv, na und? Ich lese regelmäßig mit. Und selbst wenn nicht, warum keine Fragen stellen? Vielleicht interessiert es ja auch andere. Vielleicht auch nicht.
    Du schreibst, dass ich ständig nach euren Einschätzung frage. Erstmal finde ich, das der Eindruck täuscht. Mein Thread heißt so- und auf Fragen, die ich anfänglich hatte, gab es Antworten- dass das zum Beispiel nur ein Alkohiler selbst einschätzen kann ob er einer ist. Ich stelle einige Fragen- Ja und? Was spricht dagegen, Experten- und das sind ja nun mal viele von Euch mittlerweile- nach ihrer Meinung zu fragen? Was für eine Ressource das hier an Wissen ist- warum es nicht nutzen? Ich bin der Typ Mensch, der verstehen will, Zussmmenhänge gerne durchdringt. Warum nicht durch Fragen?

  • Die Arbeit der User an sich selbst steht hier in der Selbsthilfegruppe im Mittelpunkt. Du fragst aber nichts über Co-Abhängigkeit, sondern nur über Alkoholismus.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Vayana,

    bei diesem Forum handelt es sich um eine Online-Selbsthilfegruppe.

    Alkoholsucht belastet nicht nur den Säufer, sondern auch die Angehörigen.

    Du hast dich als Angehörige angemeldet, und kannst daher hier Unterstützung finden, um dich von dieser LAST, die der Alkohol verursacht, zu befreien.

    Du beschäftigst dich jedoch hauptsächlich mit dem Befinden des Alkoholikers. Das spricht für eine starke Co-Abhängigkeit.

    Auch ich habe viel bei den Alkoholikern gelesen. Zu wissen, dass es eine Krankheit ist, machte mich weniger wütend auf meinen Mann. Er hatte also keine Schuld für die Krankheit. Allerdings ist und war es seine Entscheidung, wie er mit dieser Krankheit umging. Wollte er weiter trinken, war das seine Entscheidung und Schuld.

    Ich habe mich damals, wie vermutlic viele Angehörige, hier angemeldet, weil ich wieder mal auf der Suche nach Hilfe für meinen alkoholabhängigen Mann war, nachdem die letzten Ansätze, zu denen ich ihn überredete, wieder mal erfolglos waren und im Rückfall endeten.

    Während ich hier las, um festzustellen, ob dieses Forum für meinen Mann geeignet wäre, habe ich in den Berichten anderer Angehörigen erstmals meine eigene Coabhängigkeit erkannt.

    Mit dieser Erkenntnis, dass ich zu einer Abhängigen wurde, obwohl ich doch gar keinen Alkohol trinke, erreichte ich meinen Tiefpunkt. Um diese Abhängigkeit zu stoppen, habe ich mich sofort von meinem Mann getrennt, und versucht mich wieder nur auf mich zu konzentrieren, wie es den Angehörigen hier auch immer wieder geraten wird.

    Mein Mann ging und wir hatten nur noch minimalen Kontakt.

    Es hat noch einige Zeit gedauert, bis er seinen Tiefpunkt erreichte, und sich plötzlich aus eigenem Antrieb um professionelle Hilfe für sein abstinentes Leben kümmerte. )

    Auch das ist kein Geheimnis. Ein Alkoholiker kümmert sich erst selbst um Hilfe, wenn er will. Solange sich Angehörige kümmern, trinken viele weiter .

  • Ich finde auch, dass es ein Trugschluss ist zu glauben, dass jemand der Pegeltrinker oder Quartalstrinker ist ein stärkeres bzw. schwächeres Alkoholproblem hat.

    Mein Mann hat zu Beginn auch nur 9 Bier am Abend getrunken und hat dann in der Corona Zeit begonnen auch Schnäpse zu trinken. Er hat lange Zeit auch viel Sport gemacht, so dass ihm die Auswirkungen des Alkohols gar nicht so aufgefallen sind. Nachdem er mit dem Sport aufgehört hat, ging es ihm sukzessive wesentlich schlechter. Und trotzdem noch gut genug um weiter zu trinken.

    Ich halte mich immer noch für co-abhängig, aber ich habe mich von ihm getrennt, damit es mir besser geht. Er wollte auch kontrolliert trinken. Soweit ich weiß ist er noch Gast in der Stammkneipe. Aber mein Kind erlebt ihn wenigstens nur noch nüchtern, wenn auch viel weniger. Und ich habe das Gefühl, dass mein Mann auch froh ist, wenn das Kind dann am Abend wieder bei mir ist. Da ist dann wohl doch Saufdruck da. Deshalb funktioniert KT einfach nicht.

    Ach ja, und noch ein Beispiel. Ich bin "noch" co-abhängig, je mehr Kontakt ich zu meinem Mann habe, umso schlechter geht es mir. No-Contact funktioniert am besten. Ich habe da schon diverse Rückschritte gemacht. Je mehr mein Mann Kontakt zu mir hat, desto mehr gerate ich in die Abhängigkeit durch seine Manipulationen. Ich kann also auch nicht "kontrolliert trinken".

    Einmal editiert, zuletzt von SummerSun (4. Januar 2025 um 08:40)

  • Liebe Vayana,

    ich kann deine Fragen gut verstehen.

    Für mich ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Krankheit Alkoholismus auch wichtig (gewesen). Ich hatte ähnliche Fragen wie du und musste Antworten dazu finden und habe auch so lange weiter gesucht bis ich das innerlich abschließen konnte. Ich bedaure es auch, dass die Fragen der Angehörigen sofort als Co-Verhalten gewertet werden. Ich sehe das anders.

    ABER ich habe verstanden, dass dies hier ein Selbsthilfe-Forum ist und die "wissenschaftliche" Auseinandersetzung hier weg führt vom eigentlichen Sinn und Zweck des Forums, nämlich meine ganz eigene persönliche Auseinandersetzung. Und das Teilen von eigener Erfahrung.

    Meine beste Freundin, die gar nicht im Sucht-Thema drin ist, aber sehr gut analysieren kann, die hat mir selbst vor einiger Zeit meinen empörten Kopf zurecht gerückt. Denn sie meinte auch ganz klar, dass meine "wissenschaftliche" Auseinandersetzung in einem SH-Forum nun mal unpassend ist. Weil es hier um das eigene Erleben geht.

    Ich habe meinen Wissensdurst dann anders gelöscht.

    Bei meinem Mann habe ich durchaus im Laufe der Zeit unterschiedliche "Schweregrade" der Sucht miterlebt. Also hin zu immer schlimmer und immer weniger Kontrolle. Körperliche Entzugserscheinungen sind Höllenqualen und nach dem was ich miterlebt, gesehen, gehört habe, macht das einen großen Unterschied.

    Ich bin froh, dass ich das nicht mehr miterlebe! Und du hast dich auch raus gezogen und gehst deinen eigenen Weg.

    Ich würde mich freuen, wenn du nochmal ein bisschen von dir selbst erzählen würdest. Was dir hilft? Was deine Anker sind?

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

  • Hallo Vayana,

    hast du dir schon mal einzelne Threads von anderen Angehörigen und Alkoholikern von Anfang an durchgelesen?

    Beim Lesen wirst du erkennen, dass nur der Alkoholiker die Krankheit stoppen kann.

    Ansonsten verläuft die Krankheit überall gleich, je nachdem in welchem Stadium sie sich befindet.

    Als Angehörige kannst du lediglich entscheiden, bis zu welchem Stadium die Krankheit von dir (und Kindern) miterlebt wird.

    Wer das als Angehörige erkennt, und trotzdem nicht handelt, trägt die Schuld und Verantwortung für die Folgen der Krankheit auf sich selbst und, - noch schlimmer -, für die Folgen wie sie hier von denjenigen geschildert werden, die als KINDER zum Miterleben gezwungen wurden.

  • Ich bedaure es auch, dass die Fragen der Angehörigen sofort als Co-Verhalten gewertet werden. Ich sehe das anders.

    Mein Interesse war nicht durch Co-Verhalten motiviert. Ich registriere , dass das hier im Forum nicht erwünscht ist und kann das akzeptieren. Manche Kommentare führen bei mir jedoch mittlerweile dazu, dass ich anfange zu überlegen, was ich schreiben „darf“ und was nicht. Das finde ich schade.

  • Leider bin ich zu müde, um noch viel von mir zu berichten und auch etwas verprellt. Aber ein kurzer Abriss: mein Mann trinkt ab und an alkoholfreies Bier. Ansonsten nichts mehr. Er hat sich dadurch sehr verändert. Die Beziehungsprobleme sind auch ohne Alkohol geblieben- surprise, surprise- aber ich habe den Eindruck, dass wir ohne die Last des Alkohols erstmals effektiv daran arbeiten. Er geht in regelmäßigen Abständen zu einer systematischen Therapieutin, da ist Alk auch Thema. Mehr weiß ich darüber aber nicht. Aber es ist Bewegung. Und es hat sich viel familiär entspannt und mach Mut und Zuversichtlich.

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