Hi,
uns wurde vor 3 Tagen der Tod meines alkoholkranken Bruders mitgeteilt. Er starb an einer geplatzten Ader, Folge einer Leberzirrhose. Er war 46. Er lag bereits 14 Tage tot in seiner Wohnung, weil wir davon ausgegangen sind, dass er auf einer Geschäftsreise ist.
Wie kann ich nur mit sowas klar kommen?
Mein Bruder hat schon seit er 18 ist regelmäßig Alkohol getrunken. Er war immer schön sehr exzessiv. Vor 15 Jahren hatte ich den ersten ernsthaften Versuch unternommen ihn zu einem Entzug zu bewegen.Habe ihm Beratungsstellen genannt, war selbst bei Beratungen, hab ihm eine Entzugsklinik auf Mallorca empfohlen und ihm angeboten die Kosten zu übernehmen. Erst kam kurze Einsicht, eine Woche später, dann die Aussage er könne das alleine, ich solle mich nicht einmischen. Ich war am Boden zerstört. Hatte aber irgendwie noch Hoffnung. Die wurden bald zerstört, was kam waren Abstürze, Führerscheinentzug, Lügen, Verlust verschiedenster Arbeitsplätze (Schuld war natürlich immer der Alkohol, auch wenn er das vor uns verheimlicht). Jedes Familienfest fand unter enormer Anspannung statt. Hat er ein a geschwollene, rotes Gesicht? Zittert er wieder? Ist er wieder extrem schwachnervig? Aber wie das eben so ist, wenn man ihn darauf ansprach wurde er aggressiv, legte sofort auf. Einsicht also gleich null. Dann erneuter Verlust des Führerscheins und 1 Jahr arbeitslos. Seine Frau war leider auch keine große Hilfe, hat Abends selbst bis zur Bewußtlosigkeit getrunken, allerdings nicht täglich und auch nicht tagsüber. Dann noch ein Versuch meinerseits, ihn zur Therapie zu bewegen. Mit einem Plan wie das gehen könnte, wenn er sich doch dazu entscheiden würde. Leider hat er auch diesen Ratschlag nicht befolgt. Daraufhin habe ich noch einen Brief verfasst weil ich psychisch völlig am Ende war und ihm gesagt, es wäre sein Leben, wenn er Hilfe braucht wäre ich immer für ihn da, aber ich würde jetzt nicht mehr persönlich aktiv werden. Außerdem hatte ich ihn gebeten mich nur noch in nüchternen Zustand anzurufen. Reaktion war ein gerührtes, Sorry dass ich dir soviel Sorgen bereite., geändert hat er trotzdem nichts. Ab da habe ich mich distanziert, wir haben nur noch selten telefoniert.
Dann kam vor 3 Jahren die Trennung von der Frau. Daraufhin hat er tatsächlich versucht wieder auf die Beine zu kommen.War in einer Entzugsklinik (hat sich allerdings selbst vorzeitig entlassen) Hat MPU gemacht, hat angefangen zu joggen (auch das sehr exzessiv). Er sah super aus, Neuen Job hatte er auch wieder. Hoffnungschimmer am Horizont.
Leider konnte er sich nach der Bestandene MPU nicht damit anfreunden den Alkohol sein zu lassen. Erst war es alkoholfreies Bier, dann 1,2 Bier abends und trotz meiner Warnungen war er ganz schnell wieder im alten Fahrwasser. Was er natürlich versucht hat vor uns zu verheimlichen oder runterzuspielen. Irgendwie habe ich mich immer mehr zurück gezogen, denke ich habe schon geahnt, wie das ganze ausgeht.
Dann Frau wieder weg und seine Gesundheit machte ihm zu schaffen. Seine Beine waren wie taub, angeblich von einem reinen Vitamin Mängel. Ausserdem schlechte Leberwerte. Wieder Probleme wegen Alkohol in der Arbeit (haben wir allerdings erst jetzt im Nachhinein erfahren). Dann seine letzte Geschäftsreise nach 3 Tagen ohne Mitteilung abgebrochen.
Es standen 10 Bier auf seinem Tisch, er muss wohl eine Arterien an der Speiseröhre geplatzt sein. Ich denke nicht dass er mit diesen schweren Konsequenzen gerechnet hat.
Jetzt ist er tot.
Ich weiß nicht mehr weiter. Ich mache mir Vorwürfe. Hätte ich doch irgendetwas tun können? Einige schaffen es ja doch? Meine Mutter dreht völlig durch.
Wie komme ich da nur wieder raus?