Ein freundliches Hallo in die Runde.
Ich habe mich heute in diesem Forum angemeldet, weil ich mich mit 65 Jahren und nach einer fast 40jährigen Ehe mit einem Alkoholiker mein Leben neu überdenken muss. Gedanklich setze ich mich mit einer Scheidung auseinander - in meinem Alter und als Frau sicher keine leichte Entscheidung.
Kurz zu mir:
Ich komme aus einem Elternhaus, in dem beide Elternteile alkoholabhängig waren. Vater gewalttätig, hat mich schon im Kindergartenalter verprügelt, Mutter schwach und abhängig sowohl vom Vater als auch vom Alkohol. Beide sind in Folge des jahrzehntelangen Alkoholmissbrauchs verstorben.
Ich kenne meinen Mann seit Kindertagen, sein Elternhaus schien wenig problematisch. Er ist nicht gewalttätig, aber sein Alkoholkonsum hat sich über die Jahre bis heute verschärft. Bereits als Heranwachsender hat er Bier konsumiert, da sein Vater in einer Brauerei arbeitete und jede Woche eine Gratiskiste bekam. So wurde es zur Gewohnheit, zum Essen oder zu Feierabend ein "Bierchen" zur Entspannung zu trinken.
Mein Mann hat das verinnerlicht, es ist für ihn ein völlig normales Verhalten. Aber ich sehe eine fürchterliche Fehlentwicklung, denn seit ca. 15 Jahren trinkt er jede Woche zwischen 20 und 40 Flaschen Bier, also 1 - 2 Kästen Bier pro Woche! Alle bisherigen Andeutungen, Versuche, Apelle bis hin zu Drohungen sind an ihm abgeprallt. Ganz im Gegenteil: er nimmt meine Einwände als Begründung sowohl für sein Trinken als auch sein Fremdgehen. Seit 20 Jahren tauchen immer wieder Frauen auf, mit denen er nicht nur sexuell verkehrt, sondern auch "Freundschaften" pflegt (alle Frauen waren selbst verheiratet).
Er geht zwar regelmäßig arbeiten, aber ich glaube, seine Arbeitsleistung leidet bereits ebenfalls unter seinem Alkoholkonsum. Ebenso seine Gesundheit, aber zum Arzt geht er nicht.
Nun habe ich vor kurzem entdeckt, dass er "Geheimvorräte" angelegt hat, um nicht mehr offen vier oder mehr Kisten Bier zu lagern und um den Eindruck zu erwecken, er reduziere seinen Konsum. Mir gegenüber gibt er an, höchsten 10 Flaschen Bier in der Woche zu trinken.
Aber diese Entdeckung hat in mir den Wunsch reifen lassen, dass ich mich aus dieser Situation befreien muss. Ich werde in ca. einem Jahr in Altersrente gehen, aber meine Rente wird nicht üppig sein. Unser gemeinsames Haus ist im Grundbuch auf seinen Namen eingetragen, einen Ehevertrag gibt es nicht.
Die erste Auskunft meiner Rechtsanwältin war ernüchternd und aus meinem Freundeskreis erhalte ich nur den Ratschlag, es "die paar Jahre" doch noch auszuhalten, ich würde doch nicht geschlagen und fremdgehen würde doch auch fast jeder.
Aber ich möchte einen Partner, der mich begleitet und schätzt, der vertrauenswürdig und zuverlässig ist. Bleibe ich in dieser Situation, nehme ich mir die Möglichkeit, vielleicht noch einmal eine neue Beziehung aufzubauen. Bleibe ich, wäre ich vielleicht (!) finanziell abgesichert - aber wer weiß, ob die nächste Frau nicht noch kostspieliger werden wird als die bisherigen.
Gehe ich, erwartet mich vermutlich die Altersarmut, trotz Zugewinn- und Versorgungsausgleich.
Ich möchte mich hier gern austauschen, weil ich total verunsichert bin und für mich noch keinen Weg gefunden habe.