Boss, Wenn das erste Bier den Tag beendet

  • Ich fühle mich jetzt nicht verzweifelt. Habe dieses Jahr aber auch mit Yoga angefangen und es hilft mir gegen alle möglichen Zipperlein.
    Dass ich gerade angefangen habe zu häkeln, erzähle ich besser nicht.

    Es ist definitiv für das Hirn gut etwas anderes zu machen. Damit meine ich nicht nur mit den Daumen zu dödeln, sondern auch Bewegungtechnisch. Da zählen auch kleine Bewegungen, wie Häkeln, Modellbau und eben auch kochen. Und viele andere Möglichkeiten. (Bin auch recht gut im Origami)

    Ich kann mich gut erinnern, wie es ungewohnt war, dass mein Hirn abends noch so abgeht. Das war ja normalerweise bald einigermaßen ruhig gestellt.
    Aber ich kann dich beruhigen, das wird nicht besser. 🤪

    Also ist es sinnvoll, sich Dinge zu suchen, die das Hirn angenehm beschäftigen. Ich bin jetzt nicht generell gegen das Zocken. Aber ruhigere Sachen machen das Gehirn auch ruhiger.

  • BÄM.

    Ein richtig fettes Craving.

    So ein „Jetzt ein Bier und alles wäre gut“-Moment.

    So ein richtiger automatischer Gedanke.

    Ich habe alles in Frage gestellt. Eine Stunde lang lief mein Kopf Amok.

    Notfallkoffer!!!! Situation verlassen und aktiv werden. Spazieren gehen und jmd anrufen. Habe jetzt chillisoße und 1,5 L stilles Wasser zum Saufen drin

    Abstinent seit 10.11.2025

  • Moin Bro, na hat sich die schlechtwetterfront verzogen? Ich wünsch dir auf jedenfall einen entspannten Tag falls das gerade möglich ist.

    Gruß R/no

    Moin,

    ja, hat sich gelegt. Gleich geht’s auf ein Konzert. Freu mich schon wie Bolle. Also nicht wie der Bolle hier aus dem Forum. 😛

    Ich finde es auch nicht sonderlich glücklich, dass dein erstes Jahr der Abstinenz (was ja auch erstmal „geschafft“ werden muss) und dein erstes Jahr der Selbstständigkeit aufeinander fallen. Das birgt Stress! Und du schriebst doch auch, dass Stress bei dir ein Auslöser sei!?

    So abwegig fand ich daher den Beitrag von Kazik nicht.

    Kazik : ich hab deinen Beitrag nochmal gelesen und hätte dich wirklich nicht so von der Seite anfahren sollen. War maximal übertrieben. Die Selbstständigkeit ist ein wunder Punkt bei mir.

    In meinen Angestelltenjahren hab ich immer hart gearbeitet, war überall schnell „oben“, aber am Ende hat es mich genervt, für andere zu ackern und deren Karrieren zu pushen. In großen Unternehmen geht es selten um Sachlichkeit, sondern um Politik und Machtspielchen. Nach 12 Jahren hatte ich genug davon.

    Für mich ist die Selbstständigkeit deshalb auch ein Stück Erlösung.

    Keine Existenzängste. Ich könnte locker 5–7 Jahre leben, ohne meinen Standard zu senken. Das Einzige, was mich nervt, sind die Steuer-Vorauszahlungen, weil sie mein geplantes Budget durcheinanderbringen. Aber gut. Das gehört dazu.

    Ich kann mir die Zeit nehmen und es ruhig angehen lassen… aber manche Dinge will ich einfach nicht ruhig angehen. Von nix kommt nix.

    Mein 🗑️-Kommentar war also überzogen. Sorry dafür. Ich hoffe trotzdem, du bleibst im Faden und meidest mich nicht.

    Und zu alternativen Beschäftigungen würde ich dir Sport empfehlen, da tust du was für Körper und Geist. Hast du früher mal Sport gemacht? Wenn Yoga nichts für dich ist und dann geh doch ins Fitnessstudio oder so. Was ich von Zocken halte (auch hinsichtlich der Vorbildwirkung für Kinder) schreibe ich jetzt mal lieber nicht - sonst landet mein Beitrag auch hier —> 🗑️:mrgreen:

    Grüße KW

    Ich geh schon ins Fitnessstudio. Allerdings tagsüber, weil mein Sohn an 2–5 Tagen die Woche bei mir ist. Den kann ich nicht abends allein lassen.

    Ehrlich gesagt sehe ich die größeren Vorbildprobleme bei Alkohol und Rauchen. Das sind gerade die Themen, die ich aktiv angehe. Rauchen ist dran, sobald ich beim Alkohol komplett stabil bin.

    Zum Zocken hab ich keine große Abneigung. Mein Sohn hat durchs Minecraft-Zocken überhaupt erst die Motivation bekommen, lesen zu lernen. Der ist fünf.

    Solange das alles im Rahmen bleibt, ist das für mich völlig okay.

    Was ist deine genaue Sorge beim Gaming? 🚮

    Ich fühle mich jetzt nicht verzweifelt. Habe dieses Jahr aber auch mit Yoga angefangen und es hilft mir gegen alle möglichen Zipperlein.
    Dass ich gerade angefangen habe zu häkeln, erzähle ich besser nicht.

    Jeder soll machen, was ihm hilft. Für mich persönlich sind Yoga und Häkeln… sagen wir: nicht ganz Boss-Level. 😅

    Aber im Ernst. Ich brauch abends definitiv noch irgendwas. Ich probiere mich gerade aus und bleibe dran. Das richtige Ding wird schon kommen.

    Notfallkoffer!!!! Situation verlassen und aktiv werden. Spazieren gehen und jmd anrufen. Habe jetzt chillisoße und 1,5 L stilles Wasser zum Saufen drin

    Wasser hilft mir tatsächlich. Und die Situation verlassen sowieso.

    Manchmal merke ich nur gar nicht, dass ich MITTEN in der Situation bin, weil der Autopilot läuft. Aber auch das wird besser.

    Nach jedem größeren Craving kommt bei mir übrigens so ein richtig starkes Gefühl von Zufriedenheit und Erleichterung. Ich glaub, das ist die Biochemie, die sich neu einpendelt.

    LG

  • Hi Boss,

    es ist, wie es ist. Das ist schließlich kein Bällebad hier.;) Wenn es um meine eigene Sucht geht, hört der Spaß für mich schneller auf als Du kucken kannst. Wenn Du irgendetwas von dem, was ich Dir schreibe, für Müll hältst. Fein. Dieser Müll hat dafür gesorgt, dass ich jetzt ein Jahr stabil abstinent bin. Und ich hatte nicht so einen Saufdruck wie Du. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich mit 300 km/h durch den Berufsverkehr gerast bin. Hätte ich das gehabt, hätte ich sofort noch einmal alles, was ich bis dahin abstinent geändert habe, auf den Prüfstand gestellt. Das habe ich übrigens auch gemacht, wenn ich nur mit 100 durch den Berufsverkehr gerast bin. Denn, wenn ich Saufdruck habe, gibt es einen Grund und den muss ich abstellen.

    Als ich mich hier angemeldet habe, wusste ich nicht viel. Aber ich wusste eins genau, dass ich, wenn ich überhaupt eine Chance haben will, dass ich alles in die Tonne treten muss, was ich jemals in Zusammenhang mit Alkohol gedacht, gefühlt oder gemacht habe. Alles. Positiv wie negativ. Und zwar so tief in die Tonne, dass es da nie wieder rauskommt. Das gute ist, dass ich hier einen schlichten und einfachen Weg und das dazugehörige Mindset lerne und gelernt habe. Und das von Menschen, die diesen Weg schon lange erfolgreich gehen. Und dann habe ich etwas gemacht, was ich sehr selten mache. Ich bin einfach gefolgt. Ohne Wenn und Aber. Ich habe einfach nur umgesetzt, was ich hier gelernt habe. Meine Sucht ist zu stark, dass ich auch nur ein einziges Experiment mache.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Liebe Leute, und:

    In Bezug auf Dich, lieber "Boss":

    Ich bringe es mal aus meiner Sicht so auf den Punkt:

    Lieber "Boss": Frage: Wäre es nicht besser, Deine letzten Auftritte - nicht in Bezug auf Die Alkoholfrage, sondern, naja, in Bezug auf den Rest insgesamt halt - hier im Forum ein wenig zu überdenken (reflektieren)?

    Wir alle haben hier dasselbe Problem: Die Sucht, die Krankheit, die Abhängigkeit... und noch vieles mehr. Um DAS geht es doch.

    Dass Du manchen hier - aus meiner Sicht - ziemlich hart konterst, ja, das ist Dein Recht und jedermanns (Deine!) Sache. Manche akzeptieren es; manchen gefällt es. Sei es so. Ich persönlich denke mir hier in der Tat oft meinen Teil - und finde das - persönlich - dann doch gelegentlich nicht in Ordnung. Aber natürlich zählt das nicht; das ist nur eine (meine) Einzelmeinung. Wenn es andere goutieren und es anderen hilft, dann sei es drum und gut. Meinung ist im Endeffekt vollkommen irrelevant, das weiß ich. Letztlich zählt die dauerhafte Abstinenz.

    Vielleicht aber dann doch, so mein Input: Ein mehr Sensibilität könnte womöglich auch Dir, lieber Boss, helfen (oder zumindest nicht schaden)... [Bin ein wenig älter als Du und der jugendliche Elan ist bei mir halt auch nicht mehr so da, drum sehe ich manches anders].

    Man kann mich übrigens dahingehend auch gerne "schelten" (ja, in der Tat, das halte ich locker aus - und ich verkrafte das):

    "Boss" bedeutet für mich: "Chef", der "Macher", der "König", der Leiter eines Unternehmens, Geschäftsführer, Vorstand. Der mit dem Schlips, der weiß, wo es lang läuft. Neumoderne Bezeichnungen gibt es auch dafür. Da hat man ein Unternehmen (eine Firma), Mitarbeiter, eine ansehnliche Bilanzsumme und und und.

    Du, lieber Boss, bezeichnest Dich im für mich noch jungen Alter als "Boss" und zeigst Dich im Avatar mit Hemd und Kravatte und (sagt man das neuerdings so?) sinnbildlich als "Macher". Sinnierst über Umsatzzahlen und Gewinne... - Wie man es eben so nimmt. Umsatz, Gewinn und GELD, ja wie immer halt. Das jugendliche Ideal. Das alles ist ja schließlich auch gut und wichtig und ich wünsche Dir natürlich auch die von Dir gewünschten Zahlen, auch, dass die Sterntaler (Bitcoins) vom Himmel regnen mögen. Wenn es glücklich macht...

    Ich weiß nicht, was Du beruflich machst, aber bei diesen von Dir schon zu Beginn der Selbständigkeit annoncierten Umsätzen, als Einzelunternehmer, na dann "Daumen hoch!". Echt. Da ist doch so mancher (ich auch) blöd, wenn er nicht umsteigt. Ich hoffe jedenfalls, Du wirst Millionär. Ich wüsche es Dir; meine Chance habe ich anscheinend verpasst.

    Allerdings kommen mir bei mir - ich komme letztlich auch auch aus der (und bin nach wie vor in der) Wirtschaft - ein wenig doch die Fragezeichen. Ach wie gerne wäre ich doch eine (zwei?) Etagen höher! *Smiley*

    Aber dafür sind wir HIER nicht HIER! Auch bin ich hier wohl der bloß Wurm im Angesicht des Löwen.

    Und letztlich vor allem: Was alles hat das alles bitte mit der Abstinenz zu tun? Meinst Du nicht auch, dass es besser, wäre, Dir vor der Selbstständigkeit ein gefestigtes (dauerhaftes) abstinentes Umfeld zu schaffen?

    Ich persönlich habe (aber das ist tatsächlich für dieses Forum hier auch so was von irrelevant) doch ein paar Angestellte und Arbeiter. Das ist aber für die (meine) Abstinenz so was von irrelevant! Ob ich 10, 100 oder 1000 Angestellte habe; ob ich 1 Mio., 10. Mio. oder 100. Mio. oder noch mehr an Umsatz im Jahr mache... Was bringt mir das, wenn ich (tot-)krank bin und vor die Hunde gehe!? Nichts.

    Und: Warum sollte man sich, wenn man eh schon durch die Alkoholabhängigkeit kränker als krank ist, über irgendwelche Positionen irgendwo definieren... Was bringt das? Nichts!

    Und mit einem nüchternen Chef kommen die meisten (Mitarbeiter, Kunden, Geschäftspartner) wesentlich besser zurecht als mit einem, naja...

    Fazit: Ist nicht die Gesundheit wichtiger alles berufliche Bestreben? :)

    LG, Stef.

  • Hi Boss,

    es ist, wie es ist. Das ist schließlich kein Bällebad hier.;) Wenn es um meine eigene Sucht geht, hört der Spaß für mich schneller auf als Du kucken kannst. Wenn Du irgendetwas von dem, was ich Dir schreibe, für Müll hältst. Fein. Dieser Müll hat dafür gesorgt, dass ich jetzt ein Jahr stabil abstinent bin. Und ich hatte nicht so einen Saufdruck wie Du. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich mit 300 km/h durch den Berufsverkehr gerast bin. Hätte ich das gehabt, hätte ich sofort noch einmal alles, was ich bis dahin abstinent geändert habe, auf den Prüfstand gestellt. Das habe ich übrigens auch gemacht, wenn ich nur mit 100 durch den Berufsverkehr gerast bin. Denn, wenn ich Saufdruck habe, gibt es einen Grund und den muss ich abstellen.

    Als ich mich hier angemeldet habe, wusste ich nicht viel. Aber ich wusste eins genau, dass ich, wenn ich überhaupt eine Chance haben will, dass ich alles in die Tonne treten muss, was ich jemals in Zusammenhang mit Alkohol gedacht, gefühlt oder gemacht habe. Alles. Positiv wie negativ. Und zwar so tief in die Tonne, dass es da nie wieder rauskommt. Das gute ist, dass ich hier einen schlichten und einfachen Weg und das dazugehörige Mindset lerne und gelernt habe. Und das von Menschen, die diesen Weg schon lange erfolgreich gehen. Und dann habe ich etwas gemacht, was ich sehr selten mache. Ich bin einfach gefolgt. Ohne Wenn und Aber. Ich habe einfach nur umgesetzt, was ich hier gelernt habe. Meine Sucht ist zu stark, dass ich auch nur ein einziges Experiment mache.

    Nur nochmal zur Klarstellung: Ich habe nicht dich oder deinen Weg als Müll bezeichnet. Der Kommentar von mir zielte auf genau einen Punkt ab, der für mich schlicht nicht umsetzbar ist. Für andere mag das funktionieren. Für mich nicht. Und da ging bei mir kurz die Hutschnur hoch. Das war überzogen und das habe ich ja inzwischen auch eingesehen.

    Was deinen Weg angeht: Respekt. Ein Jahr stabil abstinent ist stark. Und ja, dein Mindset hat dich dahin gebracht. Das spreche ich dir nicht ab im Gegenteil.

  • Hi Stef,

    hmm...

    Du spekulierst hier eine ganze Menge über mich. Über mein Alter, meinen Beruf, meine Motive, meinen Avatar, meinen Nickname, meine Umsätze, meine Haltung, meinen „jugendlichen Elan“ und meine angebliche Fixierung auf Geld.
    Kurz: Du konstruierst ein Bild von mir, das mit der Realität ungefähr so viel zu tun hat wie ein Horoskop mit Astronomie.

    Ich schreibe hier über mein Leben, weil es zu meinem Weg gehört. Nicht, um jemanden zu beeindrucken. Nicht, um Status zu zeigen. Und schon gar nicht, um mich über andere zu stellen.
    Dass dich das triggert, kann ich akzeptieren, aber es ist nicht mein Problem.

    Du fragst, was das mit Abstinenz zu tun hat?
    Eine Menge. Mein Beruf, meine Selbstständigkeit, meine Verantwortung, all das sind Faktoren, die meinen Stress triggern. Und Stress ist bei mir ein ganz konkreter Auslöser.
    Wenn ich darüber schreibe, dann weil es Teil meines Weges ist. Nicht Teil deines. Und das ist völlig okay.

    Was mich aber stört, ist, dass du meine Offenheit benutzt, um mir unterschwellig eine Rolle zuzuschreiben, die ich nie eingenommen habe.
    Ich definiere mich nicht über Umsatz, Position oder Macht.
    Wenn ich das gebraucht hätte, wäre ich heute nicht hier und würde nicht öffentlich zugeben, dass ich süchtig bin.

    Du sagst, Sensibilität könnte mir helfen.
    Mag sein.
    Aber vielleicht hilft es dir auch, nicht jede Person anhand deiner eigenen Lebenserfahrung zu bewerten.

    Denn nur weil du mit „Boss“ etwas Bestimmtes verbindest, muss das für mich nicht gelten.

    Und um ganz ehrlich zu sein:
    Mir ist es ziemlich egal, ob dich mein Stil manchmal irritiert.
    Ich bin hier, um nüchtern zu bleiben.
    Nicht, um mich in ein Format zu pressen, das anderen besser schmeckt.

    Wenn meine Art dir zu viel ist, okay. Dann überlies mich.
    Wenn nicht, gut.

    Aber bitte hör auf, mir Motive oder Charakterzüge anzudichten, die du aus einer Krawatte und ein paar Zahlen herausliest.

    LG

  • So, und jetzt zu meinem Tag.

    Ich war auf einem Konzert. Und was soll ich sagen: es war noch besser als beim letzten Mal. Nüchtern Konzerte zu erleben ist einfach eine andere Liga. Intensiver, klarer, irgendwie echter. Das Trinkverhalten der anderen hat mich null interessiert. Ich habe nicht mal bewusst darauf geachtet. Beim letzten Mal war das ja noch anders.

    Ich hatte richtig viel Spaß und konnte mich super mit meinen Freunden unterhalten. Der Kollege, der ohnehin nie trinkt, war wieder dabei und diesmal auch ein anderer Freund, der mich noch als Trinker kennt. Er fragte locker, ob ich mir auch ein Bier hole. Ich habe nur gesagt: „Ne, ich muss auf meine Libido achten.“ Den Spruch habe ich hier aus dem Forum und er hat direkt gezündet. Lacher inklusive.

    Natürlich weiß ich, dass ich trotzdem aufpassen muss, damit ich nicht irgendwo unvorsichtig werde. Aber heute war es einfach rund. Kein inneres Gezappel, kein Druck, kein Hin und Her im Kopf.

    Wenn jeden Abend ein Konzert wäre, hätte ich meinen Abend komplett im Griff und müsste nicht mehr überlegen, was mich runterfährt. Leider ist das nächste erst im März.

    Wie gesagt, es war der erste Tag ohne Druck. Ich sehe das Ganze inzwischen pragmatischer. Weniger Selbstanalyse, weniger innere Therapie. Einfach akzeptieren, was Sache ist. Ich bin süchtig. Punkt. Suchtgedanken gehören dazu, das ist eine Nebenwirkung. Fertig.

    Und mit dieser Haltung hatte ich heute wirklich mal keine Cravings und auch keine Gedanken an Alkohol. Nicht mal ein Hauch davon. Hoffe sehr, dass es so bleibt.

    Ich habe mir heute sogar kaum Gedanken über meine Vergangenheit mit Alkohol gemacht. Es ist vergangen. Scheiß drauf. Für mich zählt nur noch: was triggert mich, welche Situationen sollte ich vermeiden, was kann ich aktiv steuern.

    Heute Mittag habe ich mich dann noch um zwei Themen gekümmert. Erstens habe ich bei einer örtlichen Suchtberatung Kontakt aufgenommen. Ich will eine Offline SHG ausprobieren. Mal schauen, was das für mich tut.

    Zweitens habe ich bei meiner Krankenkasse angerufen und mich nach Kursen zur Stressbewältigung erkundigt. Ich habe jetzt eine Liste bekommen, die sie sogar bezahlen würden. Problem ist nur, dass ich zum Jahreswechsel die Krankenkasse wechsle. Egal, dann zahle ich es eben selbst, wenn es sein muss.

    Und dann gab es leider noch eine Kacksituation auf dem Rückweg. Autobahn. Baustelle. Blitz. Keine Ahnung, wie viel man da regulär fahren durfte. Ich tippe auf 30 zu viel, vielleicht sogar 50. Das wäre dann ein Fahrverbot für einen Monat. Kann ich mit leben, bin nicht auf das Auto angewiesen, aber es nervt trotzdem. Habe das Schild gar nicht gesehen und bin einfach im Fluss der anderen mitgeschwommen. Ich glaube, es hat zwei oder drei erwischt.

  • Nach jedem größeren Craving kommt bei mir übrigens so ein richtig starkes Gefühl von Zufriedenheit und Erleichterung.

    Wenn ich den Saufdruck überstanden habe fühle ich mich super, da ich trocken bin und nicht die ganzen negativen Folgen des Alkohols die nächsten 7 Tage habe. Dann geht es mir die nächsten Tage nämlich gut

    Abstinent seit 10.11.2025

  • Hi, du gehst schon auf Risiko, ist dir das bewusst? Dass einen Craving auch im Nachhinein einholen kann? Konzerte sind toll, keine Frage, trotzdem sind da trinkende Mitmenschen. Du siehst das und unterbewusst kann sich da schon was aufbauen. Hast du da gar keine Bedenken?

  • Hi, du gehst schon auf Risiko, ist dir das bewusst? Dass einen Craving auch im Nachhinein einholen kann? Konzerte sind toll, keine Frage, trotzdem sind da trinkende Mitmenschen. Du siehst das und unterbewusst kann sich da schon was aufbauen. Hast du da gar keine Bedenken?

    Ja, das habe ich hier schon öfter gelesen, und ich glaube auch, dass da grundsätzlich etwas dran ist. Nur: Bei mir hat bisher keines dieser sozialen Events etwas ausgelöst. Im Gegenteil, sie haben mir sogar gutgetan.
    Der einzige Auslöser bin aktuell ich selbst und zwar dann, wenn ich abends alleine bin. Da kommt die Unruhe, da kommt das Kopfkino. Nicht auf Konzerten, nicht im Stadion, nicht unter Leuten.

    Damit sage ich nicht, dass ich „besonders“ bin. Es gibt schon Gründe, warum hier immer wieder vor solchen Situationen gewarnt wird. Und ich nehme das ernst.
    Ich wollte mir die zwei Konzerte nur nicht nehmen lassen, weil sie lange geplant waren und mir auch wirklich etwas bedeuten.

    Bin im Nachhinein aber ehrlich gesagt froh, dass jetzt erstmal ein paar Monate Ruhe ist. Nicht dass ich irgendwann doch naiv oder blauäugig in eine Situation laufe, die mich kalt erwischt.

  • Der Kommentar von mir zielte auf genau einen Punkt ab, der für mich schlicht nicht umsetzbar ist.

    Mich würde interessieren, was daran nicht umsetzbar sein soll und ob du dabei überhaupt ein Risiko eingehst, das deine Nüchternheit gefährden könnte? Ich habe damals alles umgesetzt . Wäre ich rückfällig geworden, wäre der ganze Rest gleich mit zerbrochen.


    Auffällig ist, dass du stark in die Abwehr gehst, dich erklärst und in die Konfrontation rutschst. Das ist menschlich, aber es bringt dich keinen Schritt weiter. Wichtig sind die Risiken. Aber Interpretationen sind normal, sobald sich jemand öffnet. Das hier ist Austausch, kein Monolog. In der nassen Zeit dachte ich auch, ich wüsste, wie der Hase läuft , nur ist meiner zuverlässig zur Theke gelaufen.

    Sich mitteilen auf die Sucht runterbrechen und gut ist..

    Wenn ich lese, dass du erst Suchtdruck hattest und kurz darauf auf ein Konzert gegangen bist – obwohl im ersten Jahr klar empfohlen wird, Feste zu meiden, bei denen viel gesoffen wird oder man selbst früher gesoffen hat , dann ist das schlicht nicht prall. Es lässt sich zwar nie sauber nachvollziehen, wann dein Suchtgedächtnis anspringt oder warum der Suchtdruck ein paar Tage später wieder hochkommt. Aber naheliegend ist. Es sind die alten Muster.

    Es geht hier nicht darum, was ich oder andere denken, und auch nicht darum, welchen Weg du gehst. Es geht darum, Risiken sichtbar zu machen, damit du sie überhaupt wahrnimmst. Genau da sitzt am Anfang der größte Irrglaube, dass das eigene Denken automatisch richtig liegt. Jahrelang war das Denken auf Saufen eingestellt und entsprechend verbogen.


    Gerade am Anfang ist es deshalb wichtig, das eigene Denken bewusst in Frage zu stellen , nicht, um sich kleinzumachen, sondern um die alten Muster zu durchbrechen. Und ja, das klingt hart. Ich habe mir damals auch gedacht. „Ich bin doch nicht bescheuert, ich weiß doch, was ich denke.“ Nur läuft Sucht eben anders. Sie denkt für dich, lange bevor du es merkst.

    Ob du wieder säufst oder nicht, interessiert am Ende nur am Rande. Fakt ist: Die meisten Rückfälle passieren, weil alte Muster greifen. Die Rückfallquote zeigt überdeutlich, dass viele mehrere Anläufe brauchen und manche daran schlicht verrecken.


    Genau deshalb halte ich meinen Fokus auf die Sucht und nicht auf irgendwelche Nebenschauplätze.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Also ich verstehe Boss insofern schon, dass man eine lange geplante Selbständigkeit nicht mal eben wieder rückgängig machen kann und dem bisherigen Arbeitgeber sagt "ich muss noch ein Jahr bei dir bleiben, ich arbeite jetzt an meiner Alkoholsucht".

    Klar ist das Timing nicht perfekt, aber die Erkenntnis, dass es saufend nicht mehr weitergeht, kam bei mir nach einer vollkommen durchzechten Nacht, da war nix mit Planung o.ä.

    Und ein Jobwechsel bzw. eine Veränderung muss ja auch funktionieren, deshalb klemmt er sich gerade so dahinter. Denn wenn das Gerüst aus finanzieller Sicherheit und der 8, 9, 10 Stunden, die ich im Job "aufgeräumt" bin, wegbrechen würde, würde ich sicher ganz schnell wieder trinken, da bräuchte ich dann keine hinterlistigen Trigger, sondern da käme der Rückfall durch die offene Vordertür spaziert, um es mal bildlich zu sagen.

    Also ich frage mich da ehrlich gesagt schon, was Boss eurer Meinung nach jetzt tun soll. Die Selbständigkeit nach hinten schieben sehe ich wie er als keine Lösung.

    VG Soapstar

  • Also ich verstehe Boss insofern schon, dass man eine lange geplante Selbständigkeit nicht mal eben wieder rückgängig machen kann und dem bisherigen Arbeitgeber sagt "ich muss noch ein Jahr bei dir bleiben, ich arbeite jetzt an meiner Alkoholsucht"

    Nun, das kann Boss nur selbst entscheiden. Wir machen hier keine Einzelfallanalyse, das muss jeder für sich selbst verantworten..

    Sucht hat kein Verständnis, sie verfolgt nur ein Ziel, wieder saufen . Wie jemand damit umgeht und welche Schritte er macht, ist zweitrangig. Entscheidend bleibt. Rückfälle vermeiden.

    Also ich frage mich da ehrlich gesagt schon, was Boss eurer Meinung nach jetzt tun soll. Die Selbständigkeit nach hinten schieben sehe ich wie er als keine Lösung.

    Also ist Saufen und Rückfall eine Option? Und damit wäre dann die „Selbstständigkeit“ gesichert? Liegt da nicht der Denkfehler?

    Es geht nicht darum, was ich mache . Hier geht es darum, Risiken sichtbar zu machen, nicht darum, jemanden zu führen, zu kontrollieren oder mit Durchhalteparolen zu versorgen. Selbsthilfe heißt nicht. „Mach einfach, wird schon.“ Selbsthilfe heißt. Hinweisen, warnen, klar benennen, wo es gefährlich wird. Der Rest liegt beim Einzelnen.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Also ist Saufen und Rückfall eine Option? Und damit wäre dann die „Selbstständigkeit“ gesichert? Liegt da nicht der Denkfehler?

    Hier wird so getan, als wäre der Rückfall oder das Nichtdurchhalten der Abstinenz bereits in Stein gemeißelt durch seine Selbständigkeit.

    Klar ist der Stress ein enormes Risiko, aber ein enormes Risiko sehe ich auch im Verlust der finanziellen Sicherheit und einen Weg muss er gehen, denn Stillstand würde wohl in jeder Hinsicht große Probleme mit sich bringen.

    Dass die Vermeidung von Rückfällen oberste Priorität hat, ist klar! Aber ein bisschen Individualität sollte ja schon gegeben sein. Ein Ausflug nach Malle in den Bierkönig hilft keinem von uns und sollte für jeden tabu sein, keine Diskussion. Aber Job und Karriere bzw. die Rahmenbedingunge hierzu muss ja schon jeder für sich entscheiden können. Also das ist halt meine Meinung, aber ich kann leider auch nur aus der Sicht eines Frischlings sprechen ;)

    VG Soapstar

  • Guten Morgen,

    das ist doch schon mal eine Erkenntnis, dass du herausgefunden hast, dass Stress dein größter Risikofaktor ist und es gleichzeitig gilt, deine Abende sinnvoll zu füllen 💡

    Ab dem 5. Lebensjahr meines Sohnes habe ich begonnen, ihm jedem Abend während des Abendbrotessens vorzulesen. Er mit seinen Schnittchen auf dem Sofa und ich lesend. Ein Ritual, dass wir bis zu seinem 12. Lebensjahr beibehalten haben. Es gibt unglaublich gute Kinder-und Jugendbücher 😁. Das war jeden Abend unsere einstündige Primetime, auf die wir uns beide immer gefreut haben. Wir kamen beide vom Tag runter und konnten entspannt in die Nacht gehen. Vielleicht eine Option für dich mit deinem Kind ?

    Viele Grüße Martha

    Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten ...

    Trocken seit 2010

  • Hier wird so getan, als wäre der Rückfall oder das Nichtdurchhalten der Abstinenz bereits in Stein gemeißelt durch seine Selbständigkeit.

    ch weiß nicht, wie du darauf kommst und was dich da persönlich gerade triggert. Das ist aber dein Thema.

    In Stein gemeißelt sind die Risiken – die lassen sich nicht wegdiskutieren. In Stein gemeißelt ist auch, dass Sucht bei einem Rückfall tödlich enden kann. Und genauso in Stein gemeißelt ist, Rund 95 % werden rückfällig, inklusive all der „Individualisten“, die glauben, sie seien die Ausnahme.

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was diese Diskussion jetzt soll. Wenn es dich betrifft, können wir beide uns gerne bei dir austauschen. Aber das hier ist der Thread vom Boss. Wir sprechen hier nicht übereinander, sondern miteinander.

    Also das ist halt meine Meinung, aber ich kann leider auch nur aus der Sicht eines Frischlings sprechen

    Das ist auch gut so, weiter so. Das meine ich ernst. Nur so entsteht ein Austausch, der jedem das eine oder andere bringt.

    An der Armlänge ändert sich nichts. Ob ich am Bierkönig sitze und ein Glas vor mir steht oder zuhause in einem Lokal oder bei irgendeinem anderen Event , die Nähe zum Alkohol bleibt dieselbe.

    Und wenn meine Emotionen verrücktspielen, Suchtdruck kommt oder eine Gruppendynamik entsteht, dann greife ich eben zu. Genau deshalb geht es zuerst darum, stabil zu werden.

    Und das schaffte ich auch nicht allein mit Denken , dafür brauchte es Abstand. Zumindest, wenn sich all die Langzeit‑Trockenen, die diese Grundbausteine ins Leben gerufen haben, nicht irren.

    Und ich weiß selbst, wie es ist, an Meetings oder Events teilzunehmen und in der Gruppe zu sitzen. Das ist kein theoretisches Gerede, das ist gelebte Erfahrung.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

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