• Ich finde es schon komisch, wie wenig Rücksicht Dein Mann auf Dich nimmt.

    Ich finde es normal, denn der Partner muss ja auch erstmal damit zurecht kommen das jetzt einiges anders ist.

    Ich finde es gut das du alles was dich bewegt und auch ein Risiko für dich bedeutet aussprichst.oder ansprichst.

    Hoffe mit der Zeit wird sich was ändern, denn ein nicht abhängiger kann es nicht verstehen, ausser man sagt es.

    Bleib dran

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Lieben Dank Stromer für deine Wünsche.

    Ich möchte das Verhalten meines Mannes hier nicht schön reden, aber er trinkt nur noch am Samstag Abend und war vorhin ohne jegliches Murren sofort bereit, das Wohnzimmer zu verlassen. Insoweit nimmt er ja durchaus Rücksicht auf mich.
    Ich gehe davon aus, dass ihm die Konsequenzen meiner Krankheit gar nicht richtig bewusst sind. Ihm ist nicht klar, dass bei mir aufgrund eines Triggermoments (sogar noch zu einem späteren Zeitpunkt) Saufdruck entstehen kann, der bei freiem Zugang zu irgendwelchem Alkohol im Haus dann zur Gefahr werden kann. Ich glaube, er geht davon aus, dass einfach nicht mehr trinken wollen für eine dauerhafte Abstinenz ausreicht.
    Mir wird das alles ja auch erst gerade bewusst, nachdem ich viel über Alkoholismus gelesen und mir eure Berichte hier im Forum durchgelesen habe. Deshalb hoffe ich auf die Beratung, Ich möchte, dass er mich beim zweiten Mal begleitet und von einer Expertin erfährt, wie wir unser gemeinsames Leben umgestalten müssen.

    Vielleicht versteht er mich dann und wird den notwendigen Änderungen zustimmen, da er mich durchaus liebt. Er stand mir bisher bereits in mehreren emotionalen Tiefpunktphasen ohne Einschränkungen zur Seite.

  • Ich finde es normal, denn der Partner muss ja auch erstmal damit zurecht kommen das jetzt einiges anders ist.

    Meine Frau war von Anfang an mit der Situation überfordert und wusste überhaupt nicht, wie sie mit mir umgehen soll. Deshalb habe ich sie, wenn sie Lust hat, in meine reale Selbsthilfegruppe mitgenommen, worüber sie sehr dankbar ist. Sie kann da genau so über alles reden wie ich. Angehörige sind in unserer Gruppe sehr willkommen.

    Meine Frau hat aber am Anfang ganz bewusst auf Alkohol verzichtet worüber ich sehr dankbar war. Heute ist es mir egal geworden, was sie mit Alkohol macht, ich habe gelernt, mit Alkohol trinkenden Menschen umzugehen. Wegen mir braucht die Welt nicht aufhören, sich zu betäuben. Wird sie auch nicht.

    Meine Frau ist heute wegen meiner Geschichte aber so sensibilisiert, daß sie gar keinen Alkohol mehr trinken möchte. Finde ich gut :)

  • Hallo Bolle,

    Ich finde es gut das du alles was dich bewegt und auch ein Risiko für dich bedeutet aussprichst.oder ansprichst.

    Nun ja, ich spreche gerade einiges an, aber immer nur in dosierten Mengen. Denn mein Mann muss ja auch, wie du ebenfalls schreibst, in das Thema eintauchen. Und es bringt mir wiederum nichts, wenn ich ihn abrupt vor den Kopf stoße und er dicht macht, weil ihm das Ganze noch gar nicht richtig bewusst ist.

    Und versprochen, ich bleibe dran. Dafür ist mir meine Abstinenz viel zu wichtig. Mein Körper verspürt mittlerweile die positiven Veränderungen. Der morgendliche Würgereiz ist nicht mehr da, ich habe sogar schon 2 kg abgenommen, ich fühle mich frischer, habe mehr Elan, achte wieder auf mich. Das will ich nie wieder aufgeben.


    Hallo Alex

    mir ist gerade spontan eine Idee gekommen. Vielleicht kann er den Alk in einen Schrank einschließen, zu dem nur er den Schlüssel hat?

    Das ist eine gute Idee. Ich dachte ja schon an einen abgeschlossenen Kellerraum, aber in die Räume muss ich auch rein. Und den Wein im Regal im Keller kann mein Mann schlecht im Auto verstauen, solange wir noch keine dauerhafte Lösung gefunden haben.
    Wir können uns ja gemeinsam nach einem passenden stabilen Schrank umschauen und ich lade ihn danach zu einem Essen ein.

    Insgesamt fühle ich mich gerade wieder sehr gut, meine negativen Gefühle hielten Gott sei Dank nur eine gute halbe Stunde an.

    LG

  • Ich verstehe Deine Überlegungen, Kyra, dass Ihr Euch beide erst an die neue Situation gewöhnen müsst.

    Deine Sicherheit geht allerdings vor. Sucht ist keine Schwäche, die man mit etwas gutem Willen in den Griff bekommen kann, sondern eine schwere Krankheit, die lebenslang bleibt.

    Wenn Du z. B. Asthma hättest, würdest Du doch auch darauf bestehen, dass in der Wohnung gar nicht geraucht wird, oder? Das ist einfach eine Notwendigkeit.

    Extra einen Schrank kaufen würde ich an Eurer Stelle nicht, der verschlossene Alk-Schrank sollte nur eine Übergangslösung sein.

    Das erschreckend hartnäckige und einfallsreiche Suchtgedächtnis hat den sonst immer im Hinterkopf und könnte Dich bei akutem Suchtdruck sogar zum Aufbrechen treiben. Ich würde mich damit in meinem Zuhause nicht wohlfühlen.

    Zum Thema alkoholfreies Zuhause und "Mitziehen" von Angehörigen gibt es hier einen klugen Spruch: "Wer kein Problem mit Alkohol hat, hat auch keins ohne."

    D. H., wenn Dein Mann nicht selbst süchtig ist oder missbräuchlich trinkt, sollte ein alkoholfreies Zuhause keine Zumutung für ihn sein (oder ein Opfer, für das Du ewig dankbar sein müsstest). Er kann ja ggf. auswärts, ohne Dich, was trinken.

    Alles Gute!

  • Hallo Rennschnecke,

    ich verstehe deine Einwände, ich bin leider noch nicht zur Konfrontation bereit, da ich davon ausgehe, dass auch mein Mann zumindest missbräuchlich trinkt. (Nicht nur wenige) Versuche in der Vergangenheit, über unseren gemeinsamen zu hohen Alkoholkonsum zu reden, schlugen immer fehl. Vorschläge, gemeinsam mehrere Wochen auf Alkohol zu verzichten, um zu sehen, ob und wie der Alkohol unser Leben bestimmt, wurden mit dem Hinweis abgelehnt, das brauche er nicht, er habe kein Problem und er lasse sich sein Bier nicht verbieten, das gehöre für ihn zum genussvollen Leben dazu. Zur Zeit stelle ich fest, dass er zum Wochenende hin immer gereizter wird.

    Er wird meine Forderung nach einem alkoholfreien Zuhause ebenfalls ablehnen und als übertrieben abtun, da er sich ein Leben ohne Alkohol nicht vorstellen kann. Bisher akzeptiert er ja auch nicht, dass ich Alkoholikerin bin.
    Ich lege daher meine Hoffnung in die Suchtberatung, dass auch er ins Grübeln kommt, zumindest von dritter Stelle gesagt bekommt, wie wichtig ein alkoholfreies Zuhause ist. Wenn er dann weiterhin das ablehnt, muss ich weiter schauen.

    Wahrscheinlich rede ich mir selbst die Situation schön, will das Ausmaß meines Problems selbst noch nicht in völliger Konsequenz wahrhaben.
    Nur ihn jetzt vor die Wahl zu stellen, entweder ich und alkoholfreies Zuhause oder räumliche Trennung, schaffe ich nicht. Da würde ich, wie ich mich kenne, in eine erneute Depression schlittern.

    Deshalb ist die Anschaffung eines Schrankes für mich weiterhin eine vorübergehende Lösung. Wir können ihn ja später anderweitig verwenden oder wieder verkaufen.

    Zumindest befinde ich mich gerade in einem ganz schönen Gefühlschaos.

    LG

  • Hallo, Kyra,

    du gehst sehr geordnet und strukturiert vor. Das hört sich auf jeden Fall klasse an!

    Ich war, als ich im August aufgehört habe, auch in der Situation, einen trinkenden Mann an meiner Seite zu haben. Zum Glück orientiert er sich in diesem Bereich an mir und hat nicht nur vorangegangene Trinkpausen mitgemacht, sondern auch die nun lebenslang angelegte Abstinenz. Für mich weiß ich hundertpro, dass ich es nicht geschafft hätte, überhaupt den Ausstieg zu finden, wenn er weitergetrunken hätte. Ich könnte das auch jetzt nach vier Monaten nicht ertragen, nicht in meiner Gegenwart. Dieses ständige Bewusstsein, da ist Alk im Haus und der wird auch konsumiert, nur nicht von mir ... Das wäre keine Situation, in der ich mich wohlfühlen würde. Ich wäre ununterbrochen in Alarmbereitschaft. Kein Problem hätte ich, wenn mein Mann nur auswärts trinkt. Da kann er tun und lassen, was ihm gefällt, wenn es ihm denn einfiele, aber mein/unser alkoholfreies Zuhause ist mein sicherer Hafen.

    Ich finde es klasse, dass dein Mann dich zur Suchtberatung begleitet. Und ich drücke dir die Daumen, dass er erkennt, wie ernst es dir ist.

    Liebe Grüße

    Mattie

  • Entschuldigung, ich wollte in meinem Ausgangspost das Datum des Beginns meiner Abstinenz auf den (richtigen) 26.11. ändern und habe irgendwie den ganzen Post hierhin kopiert. Und ich wusste nicht, wie ich einfach diese Kopie komplett löschen konnte.

    Daher vergesst diesen Beitrag.

    (Könnte jedoch einer der Moderatoren das Datum ändern? Im Moment freue ich mich nunmal über jeden Tag mehr mit meiner Abstinenz.)

    Einmal editiert, zuletzt von Kyra (21. Dezember 2025 um 23:48)

  • du gehst sehr geordnet und strukturiert vor. Das hört sich auf jeden Fall klasse an!

    Lieben Dank Mattie, auch wenn es mir nicht so vorkommt.
    ———————
    Nun ist Tag 28 ohne jeglichen Alkohol - wow 4 Wochen - und es geht mir gut.

    Als wir heute für den 1. Weihnachtstag - unsere Kinder kommen zu Besuch - die Einkaufsliste erstellten, kam bei Getränken das Thema alkoholische Getränke gar nicht zur Sprache.

    Heute Mittag habe ich unseren Baum geschmückt. Als meine jüngere Tochter noch bei uns wohnte, war es immer ein Ritual von uns beiden mit „Freut euch Weihnachtskinder“ - CD. Ich muss mich nun jedes Jahr regelrecht dazu aufraffen, aber heute hat es schließlich doch Spaß gemacht. Ich habe die Musik laufen lassen, lauthals mitgesungen und meiner Tochter Fotos vom Fortschritt geschickt.

    Heute Nachmittag war ich dann beim örtlichen Sportverein, um mich nach geeigneten Sportkursen für mich zu erkundigen. Leider sind die passenden Kurse voll belegt, aber mit etwas Glück werde ich Anfang nächsten Jahres einsteigen können. Ich freue mich, dass ich den ersten Schritt in Richtung Sport gemacht habe - und ich komme raus aus dem Haus. In der Vergangenheit habe ich mich sehr stark eingeigelt, nicht weil ich eine Fahne gehabt hätte, sondern weil ich keinen Antrieb hatte.

    Danach habe ich Zutaten für ein Bio-Vanilleeis besorgt. Morgen schenke ich nämlich meinem Mann und (ehrlicherweise ein bisschen mehr) mir eine Eismaschine. Ich trug mich schon lange mit dem Gedanken, selbst Eis herzustellen, aber auch hier hatte ich nie den ausreichenden Antrieb für die Umsetzung.
    Eine sehr gute Freundin, die leider weiter entfernt wohnt, ist eine begeisterte Eisherstellerin, kreiert mittlerweile ausgefallene Sorten und steht unseren ersten Schritten hilfreich zur Seite. Dann kann es morgen oder übermorgen Nachmittag losgehen. Ich freue mich schon darauf, unser selbst gemachtes Eis zu probieren und mit dem im Gefrierschrank lagernden gekauften Eis zu vergleichen.

    Morgen werde ich noch etwas aufräumen, dann kann Weihnachten kommen. Da keine alkohollastigen Familienfeiern auf unserem Plan stehen, werden es hoffentlich stressfreie Feiertage.

    Ich wünsche euch allen besinnliche Feiertage.

    LG

  • Meinen Glückwunsch zum 1. Monat Deiner Abstinenz, Kyra! :thumbup:

    Super!

    Dir auch besinnliche Feiertage und allen Mitleser/innen ebenfalls! 🎄

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Herzlichen Glückwunsch zu einem Monat wiedergewonnene Selbstbestimmung.

    Da keine alkohollastigen Familienfeiern auf unserem Plan stehen, werden es hoffentlich stressfreie Feiertage.

    … aber es könnte Alkohol geben. Ich habe immer einen Plan B, wie ich mich ohne Rücksicht auf andere aus der Situation entfernen kann.

    Pass auf dich auf.
    Frohe Weihnachten.

    -------------------------------------------------------
          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • … aber es könnte Alkohol geben. (…)

    Pass auf dich auf.

    Lieben Dank Nayouk für deine Fürsorge.

    Nun, wir treffen uns lediglich am 1. Weihnachtstag mit den Kindern und Enkeln vormittags zum gemütlichen Beisammensein und Wichteln. Angesichts der Tageszeit und da alle nachmittags wieder nach Hause fahren, weil sie weitere Familientreffen haben, wird es keinen Alkohol geben. Darüber hinaus trinken alle Kinder sehr selten Alkohol.
    Bisher waren es immer mein Mann und ich, die sich bei diesen Treffen irgendwann ein Bier holten. Sollte das mein Mann auch diesmal machen, wovon ich nicht ausgehe, werde ich, den Raum verlassen. Denn ich möchte nicht mich gegenüber allen als Alkoholikerin outen. Vielleicht sage ich einfach, dass es mir nicht gut gehe und ich an die frische Luft müsse. Mein Mann wird dann wissen, warum ich rausgehe. Aber wie gesagt, ich gehe davon aus, dass er auch keinen Alkohol trinken wird.

    Am 2. Weihnachtstag werden wir meine Mutter im Altersheim besuchen. Da gibt es auch keinen Alkohol.
    Und das war’s dann mit Aktivitäten.

    Ansonsten werden wir uns ein leckeres Esen kochen und hoffentlich Eis herstellen.

    LG

  • Mein Mann hat sich sehr über die Eismaschine gefreut. In 2 Stunden werden wir Eis herstellen. :)

    Außerdem haben wir vorhin den ganzen harten Alkohol (Ouzo, Portwein, Sekt, Metaxa etc.), der in der Abstellkammer stand, entsorgt. So einiges war bereits abgelaufen.
    Ich hatte meinen Mann gefragt, ob wir da entrümpeln könnten. Seine Reaktion: „Wenn du ja keinen Alkohol mehr trinkst, wann soll ich denn die Sachen trinken? Da können wir sie auch wegkippen.“ Und wir haben sofort Nägeln mit Köpfen gemacht.
    Es fühlte sich richtig gut an. Ich habe jede leere Flasche innerlich gefeiert.

  • In der Vergangenheit habe ich mich sehr stark eingeigelt, nicht weil ich eine Fahne gehabt hätte, sondern weil ich keinen Antrieb hatte.

    Hallo Kyra, so ging es mir auch. Diese Antriebslosigkeit war einfach furchtbar. Mein Leben hat sich so sehr verändert. Der Haushalt, mich um mich zu kümmern, Unternehmungen zu machen. So kann es weitergehen. Ich finde es übrigens super, dass dein mann so mitzieht. Bei mir ist das leider anders. Mein Mann ist nasser Alkoholiker und "noch" nicht bereit etwas zu ändern. Ich glaube manchmal er hat sich aufgegeben. Ich gehe aber meinen Weg und der ist wundervoll.

    LG und schöne Weihnachten

    Lebensmut

  • Hallo Lebensmut,

    ich habe gestern deinen Faden gelesen.

    Als ich das mit deiner Katze las, war ich sehr traurig. Denn ich habe eine eng verwandte Person, die wie du 2 Geschwister-Kater im Alter von nur wenigen Wochen (einzig überlebende Findlinge) zu sich genommen hat und ihnen mit ganz viel Liebe ein schönes Zuhause gibt. Gerade, weil sie so jung zu ihr gekommen sind, besteht eine sehr tiefe Verbindung zu ihren Katern. Wie geht es mittlerweile deinem Bruder-Kater?

    Ich bewundere dich, dass du neben der Abstinenz auch deine Ernährungsumstellung angegangen bist und das mit so viel Erfolg. Als du schriebst, dass auch das Rauchen noch eine Baustelle ist, du aber dachtest, Alkohol und Nikotinentzug nicht gleichzeitig anpacken zu können, kam mir der Gedanke, dass das auch von mir hätte sein können. Ich werde diese Baustelle aber wohl aus Gesundheitsgründen in nicht allzu langer Zeit ebenfalls bearbeiten müssen. Nein nicht nur müssen, ich will es auch. Nur habe ich hier wesentlich größere Angst, den Absprung nicht zu schaffen, als beim Alkohol. In einer Woche habe ich ja meinem Termin bei der Suchtberatungsstelle. Und die Beraterin ist nicht nur auf Alkohol, sondern auch auf Nikotin spezialisiert. Da kann ich das Thema ja auch ansprechen.

    Wir hatten jedenfalls ein komplett alkoholfreies Weihnachten. Heute ist Tag 33 - ich erlaube mir das Wort „Schnapszahl“. (Ich dachte gerade, mal zu googeln, wie dieses Wort entstanden ist.)

    Ich finde es übrigens super, dass dein mann so mitzieht

    Nun ja, nicht total. Wir haben zwar ganz viel Alkohol weggekippt. Aber in der Garage steht noch Buer und im Keller Wein. Nach der Aktion erklärte ich ihm, dass damit mein Risiko minimiert wurde, im Fall eines Verlangens nach Alkohol davon zu trinken. Richtigerweise antwortete er, dass ich mir dann wohl eher aus der Garage ein Bier holen würde. Daraufhin sprach ich darauf an, dass wir darüber auch reden müssten. Seine Reaktion war im Tonfall etwas heftiger. Er werde auf sein Bier nicht verzichten, das sei Genuss für ihn. Heute ist Samstag. Er wird also heute Abend (nicht nur ein oder zwei, sondern neun oder zehn) Bier trinken.
    Tja, da werden wir die Samstag Abende künftig in verschiedenen Räumen verbringen.

    Ich werde mir aber von ihm (eher von mir selbst) kein schlechtes Gewissen einreden lassen. Zumindest werde ich es versuchen. Denn ich bin so aufgewachsen, dass ich an vielem die Schuld hätte, wenn ich nicht wie erwartet funktionierte oder mal an mich dachte. Mein Vater war Akoholiker und meine Mutter hat mich bereits in Kndesalter als Kummerkasten benutzt. Dann war sie irgendwie das Kind und ich die Mutter. Noch heute schrecke ich auf, fühle mich ertappt,wenn mein Mann nach Hause kommt und ich nicht irgendwas im Haushslt mache, sondern lese oder rätsel. Ich muss mich zwingen, nicht hastig aufzuspringen und Geschäftigkeit vorzutäuschen. Aus dieser Erziehung resultiert bei mir auch ein Minderwertigkeitsgefühl. Und ich fühlte mich als Jugendliche in der Clique wie du unter Alkoholeinfluss lockerer, lustiger, dazugehörend.
    Ich habe kaum Kontakte aus Angst, man werde mich eh nicht mögen. Ich ertappe mich immer noch bei dem Gedanken, was andere wohl von mir denken, wenn ich z.B. erst mittags die Rolladen hochfahre. Das geht soweit, dass ich extra dafür früh morgens aufstehe, um danach wieder ins Bett zu gehen. Auch mein Perfektionismus resultiert aus dieser Erziehung, da ich beispielsweise bei einer 1- von meinem Vater kein Lob, sondern Vorwürfe bekam, warum es keine glatte 1 geworden sei. Meine Mutter jammerte nur immer und verlangte von mir z.B. die komplette Bügelarbeit oder am Wochenende den gesamten Hausputz. Müßiggang war eine Untugend. Wenn ich nicht funktionierte, war ich daran Schuld, dass sie wieder Migräne bekäme, weil sie das nun selber machen müsse. (Das heißt nicht, dass sie faul war, im Gegenteil.) Ich wollte es meinen Eltern immer recht machen. Deshalb habe ich auch wohl Angst vor der Konfrontation mit meinem Mann in Bezug auf ein alkoholfreies Zuhause.
    Wie du, möchte ich mich nicht von meinem Mann trennen, da ich ihn liebe. Mir wurde hier geschrieben, dass man es mit einem trinkenden Partner neben sich nicht geschafft hätte, abstinent zu bleiben. Zur Zeit verursacht das bei mir keinerlei Suchtdruck, sondern der Biergeruch widert mich eher an. Und dann denke ich, ich würde jemandem, der das täglich erleben muss, auch sagen, dass ich das nicht könne. Irgendwie ganz schön quere Gedanken. Wie geht es dir mittlerweile mit dem Trinken deines Mannes?

    Ich muss nun aufhören. Mein Mann kommt gerade nach Hause und er soll nicht sehen, dass ich hier schreibe.

    LG

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