Angler - Hoffnung kommt hoffentlich

  • Hallo Angler,

    ich lese bei dir mit und freu mich mit über deinen Start in ein trockenes Leben. Ich schreibe nicht so viel im Offenen, aber manchmal schon, wenn mich was anspricht. Zum Beispiel das:

    Und das tolle: ich hab das entschieden, ich Steuer es. Ich kann es so machen. Total einfach eigentlich, oder?

    Ja! Das finde ich auch so toll. Diese Freiheit. Selbstbestimmtheit. Ich genieße das auch nach Jahren der Abstinenz noch regelmäßig ganz bewusst.


    Und hierzu hab ich auch noch was (hast du geschrieben im Zusammenhang mit dem Gang durch den Supermarkt als möglichem Risikofaktor):

    Unterm Strich ist das ja eine Kopfsachen bzw. Einstellung.

    Bei mir war es das nicht. Ich bin suchtkrank. Für mich ist Trockenwerden und -bleiben mehr als eine Einstellungssache. Auch, aber nicht nur. Stichwort Risikominimierung.

    Das ist eben die Veränderung, die durch die Sucht kommt: Ich kann mich nicht mehr „einfach“ darauf verlassen, was mein Kopf mir sagt, weil da eben auch meine Sucht sitzt. Das ist für mich die Herausforderung, dauerhaft. Zu akzeptieren, dass die Sucht aus meinem Kopf nicht mehr verschwindet. Zum Glück kann ich inzwischen gut, sogar sehr gut damit leben. Auch, weil ich Risiken minimiere.

    Dir weiterhin einen guten und hilfreichen Austausch hier.

    Grüße, Thalia

  • Guten Morgen,

    es läuft weiterhin gut und ich denke an alles, aber nicht an Alkohol. Es ist so wie früher. Ich beschäftige mich mit dem Alltag und wende da meine Energie auf.

    Allerdings zermürbe ich mich innerlich selbst.

    Ich sehe das Beziehungsende ausschließlich bei mir in der Schuld, weil Alkohol dazu geführt hat, dass es zu Ende ist.

    Die tollste Frau im Leben ist weg, meine Nähe und die Liebe zu ihr. Das bringt mich fast um. Die Nächte sind am schlimmsten.

    Meine Therapeutin meinte, Alkohol ist nur eine Reaktion auf die Beziehung gewesen, da es in mir viel Unsicherheit und Angst vor Verlusten gelindert hat. Mein abstinentes Leben davor zeigt, dass ich keinen Alkohol für Probleme brauchte, es im Beziehungsverlauf dazu kam. Fehlende Selbstachtung und Fixierung auf den Partner mit der Hoffnung auf Gegenliebe.

    Das wäre ungesund und letztendlich alles eine schwere Basis.

    Wie geht ihr mit so etwas um? Ich suche die Schuld allein bei mir. Ich hätte mir Hilfe suchen sollen, ich hätte es doch lassen können. Jetzt geht es ja auch. Bei dem Gedanken, das Bier hat es nur zerstört, könne ich nur schreien, so eine Wut habe ich. So gern würde ich sie Zeit zurückdrehen und schauen, ob es dann besser wäre.

    Leider bringt es mir nichts zu hören: lern drauß und mach es besser.

    Der Stellenwert und der Nutzen des Alkohol macht mir solche Sorgen. Wieso ich getrunken habe bzw wieso ich trank wenn ich mit den Gefühlen am Ende war. Ich blende die vielen negativen Ereignisse aus, sehe nur das positive. Wäre es besser geworden, wäre ich glücklicher oder hätte ich nüchtern selbst das Ende der Beziehung gesehen?

    Meine Baustellen sind derzeit viele auf einmal, dass meine Nerven total überfordert sind:

    Beziehungsende

    Alkoholverzicht

    Antidepressiva

    Therapie

    Sport als Ausgleich

    Keine eigene Wohnung

    Job der frustriert

    Antriebslosigkeit


    Es reden mir auch fast alle ein, dass ich ja vorher ein fröhlicher Mensch war und im Laufe der Zeit gebrochen wurde. Alkohol als Reaktionsmittel genutzt habe, weil es immer Phasenweise ist. Ich aber nie gegen sie angekommen wäre, mich mehr und mehr aufgegeben habe, verbogen und angepasst, bis es für sie langweilig wurde.

    Dieser Scham und Selbsthass sind aktuell wirklich sehr heftig. Weil ich die Verantwortung allein trage. Und trotzdem greife ich nicht wieder zum Alkohol, weil ich ihn wirklich nicht mehr brauche und möchte.

    Eine solche Erschöpfung und Lustlosigkeit auf das Leben hatte ich noch nie und es macht mich so traurig, obwohl ich derzeit alles gut steuern kann und es nur positives gibt.

  • Servus Angler,

    Inwieweit Alkohol bei dir eine Reaktion auf die Beziehung war, kann ich nicht beurteilen. Für mich greift diese Erklärung aber zu kurz.

    Wenn jemand Alkoholiker ist, säuft er auch ohne Beziehungskonflikte. Dann treibt die Sucht. Sonst wäre die Frage berechtigt, ob wirklich eine Abhängigkeit vorliegt oder „nur“ situatives Trinken.

    Wichtig ist auch, was du konkret mit einem abstinenten Leben meinst. Ab wann war es abstinent, wie lange und unter welchen Umständen? War das wirklich nüchternes Leben oder nur eine Phase ohne Alkohol?

    Für mich klingt es so, als wärst du dir nicht mehr sicher, Alkoholiker zu sein. Gibt es da Zweifel?

    Übrigens, ich hatte mehrere Beziehungen, und immer wieder tauchte „die Frau des Lebens“ auf.;) Dass sich dein Leid jetzt an der Trennung festmacht, ist nachvollziehbar.. Aber das regelt sich selten durch Analyse, sondern durch Zeit, Abstand .

    Auch dann, wenn man es im Moment nicht sehen kann.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hey, also ich hab immer wieder im meinem Leben gedacht, schon wieder Bier.

    Partys, nach dem Sport mit den Jungs, am Wochenende beim Fußball usw.

    Dann der Feierabendschoppen.

    Im Urlaub mit der Familie dann gar nichts, weil wir waren wandern und da muss man ja fit sein. Da waren die Prioritäten immer andere.

    2022 hab ich allein gewohnt und ohne Meckern und Kontrolle ist das natürlich angenehm, aber kann gefährlich werden. Da bekam ich Angst, dass ich es irgendwann nicht mehr ohne kann und Leberzirrhose bekomme. Dann hab ich aufgehört. Ziel war nicht für immer, aber erstmal für ne Zeit. Und das war so toll, dass dann erst ein, dann zwei bis zu drei Jahren wurde. Ein Jahr davon war die Beziehung toll, dann kamen Einsamkeit, lange Weile, Liebesfrust usw. dass ich wieder anfing.

    Wie gesagt in guten Zeiten dann wieder nicht, weil war ja nix zum Kompensieren.

    Jetzt nach der Trennung und Ortswechsel kommt es für mich auch nicht in Frage weil ich wieder Sport machen, mein altes Ich zurück will und die Depressionen mich runterziehen. Da der Alkohol zwar kurz wirkt, am nächsten Tag wieder alles doppelt so schlimm ist, hab ich es einfach wieder gelassen.

    Da aber das Thema mit dem Bier immer wieder hochkam und es für sie auch der springende Punkt (für mich als Reaktion auf Verhaltensweisen und Einsamkeit) war, habe ich mir das schon zu Herzen genommen. Keiner will nen Besoffenen als Freund.

    Und ich mich selber ja auch nicht, weil ich mich dann selber eklig finde.


    Ich habe aber nie getrunken wenn ich was vorhatte, zur Arbeit musste, beruflich usw.

    Eigentlich war das Thema Alkohol eher in der Beziehung ein Thema, meist am Ende wenn irgendwas nicht passte. Für mich vorallem fehlende Körperliche Nähe und eher fehlende Wertschätzung als Mensch, so nach dem Motto: der ist ja eh da, egal was ich mache.

    Meine Frauen sind meist alle dominanter als ich gewesen. Das war auch gut, weil ich bei Entscheidungen nicht immer aus dem Bauch heraus entscheide.

    Vorallem auch kann ich nicht allein sein, also ohne Partnerin. Dann kommt Angst hoch, ich finde nie jemanden oder auch hat es nie so gefunkt. Und diese Abende allein mit dem Bier vor dem TV haben mich dann am Ende genervt, weil die Frau klingelt ja nicht an der Tür und angetrunken funktioniert eh nichts. Das hin und her überlegen, hast du heute schon was? War gestern was passiert? Usw hatte ich irgendwann auch satt. Seitdem haben der Scham und die Selbstzweifel schlagartig aufgehört.

    Es gab in der nüchternen Phase nicht einen Punkt, der negativ war. In Alkoholzeiten kaum ein positiver. Ich sehe es bis heute nicht als Verzicht, da ich keine 20 mehr bin und was verpassen würde. Für mich ist es eine Befreiung. Ich rauche auch seit 5 Jahren nicht mehr und Trauer dem ja auch nicht hinterher.

    Ich sehe meine Zukunft eher schwierig weil ich mich ja als Mann in einer Beziehung nicht wirklich umpole. Wenn ich wen liebe mache ich alles für sie. In dem Fall war der Ortswechsel und das Abschalter der eignen Interessen ein Problem.

    Uns ich kann beim Kennenlernen auch nicht erkennen, welchen Charakter die Person hat, das kam erst im Laufe der Zeit. Dachte das umgarnen, ständig Nachrichten und Aufmerksamkeit bleibt... Dass das über Tage dann einschläft und sie nicht mal an mich dachte, ich jede Sekunde, hat mich dann verletzt.

    Medizinisch bin ich Alkoholiker weil der Alkohol eine Bedeutung für gewisse Situationen ist/war, die Nichttrinker ja nicht zum Alkohol greifen lassen. Der Grad der Abhängigkeit und das Verlangen, das sehe ich tatsächlich als sehr schleierhaft. Ich habe nie des Trinken Willens getrunken, sondern nur in Situationen mit seelischer Angespanntheit und Traurigkeit.

    Auch als ich von ihrer Seite aus "durfte", habe ich es nicht gemacht und kein Verlangen gehabt.

    Ist die Welt in Ordnung, geht es mir gut. Aber wehe sie wackelt.

    Und gerade jetzt erlebe ich mit 40 Jahren die Hölle auf Erden. Da ich weiterhin nichts trinke muss es mir immer eine Warnung bleiben, dass es mit Alkohol nie besser wird und ich jetzt alles nüchtern verarbeiten muss.

    Psychologisch soll es mir für das weitere Leben Kraft, Wissen uns Selbstbewusstsein geben, wenn diese Phase überstanden ist. Dass ich eben nicht wieder Fehler mache sondern bewusster mich mit Situationen auseinandersetze.

    Ich sollte auch langsam mal lernen, mehr für mich zu leben, ein Gedanke der mit seit der Kindheit ausgetrichtert wurde.

    Stattdessen Sparsamkeit, für andere da sein, eigene Interessen hinten anstellen, immer freundlich und hilfsbereit.

    Leider ist das Leben anders. Ich werde zwar immer gemocht, habe aber nie gelernt eigene Gefühle und Interessen durchzusetzen.

    Immer nur für andere funktioniert.

  • Medizinisch bin ich Alkoholiker weil der Alkohol eine Bedeutung für gewisse Situationen ist/war, die Nichttrinker ja nicht zum Alkohol greifen lassen. Der Grad der Abhängigkeit und das Verlangen, das sehe ich tatsächlich als sehr schleierhaft. Ich habe nie des Trinken Willens getrunken, sondern nur in Situationen mit seelischer Angespanntheit und Traurigkeit.

    Das Medizinische interessiert mich dabei nur am Rand. Entscheidend ist für mich etwas anderes

    Sieht sich der Alkoholiker selbst als solchen oder nicht. Tut er das nicht, säuft er früher oder später wieder. Das ist keine willkürliche Prognose, sondern gelebte Erfahrung. Einen „Grad“ der Abhängigkeit halte ich für irrelevant.

    Das ist oft nichts anderes als eine nasse Diagnose aus Zeiten, in denen noch gesoffen wurde. Für ein trockenes Leben hat das keine Bedeutung. Im Gegenteil: Häufig dient es nur dazu, sich einzureden, es sei ja „nicht so schlimm gewesen“. Und genau das öffnet der Sucht wieder die Tür.

    Entweder jemand ist süchtig oder nicht. Das ist die Grundvoraussetzung. Und wenn nicht aus freiem Willen getrunken wird, dann ist es eben die Sucht, die treibt. Darüber sollte man sich klar sein.

    Alles andere – Depressionen, deren Folgen, Beziehungsgeschichten und andere schwierige Themen , gehört ausschließlich in qualifizierte Hände. Das ist ein anderes Feld. Das ist auch nicht mein Thema, weil ich anders ticke und handle.

    Ich unterbaue nicht alles psychologisch und suche keine Begründungsschleifen. Ich opfere mich weder in Beziehungen noch für andere auf, egal für wen. Der Gedanke daran zeigt mir, dass es dann eher um Anerkennung oder um etwas geht, das ich mir selbst nicht geben kann. Das ist nicht mein Weg.

    Ich verstehe, dass es vielen anders geht, und ich verurteile das nicht. Ich bewerte es nur für mich. Deshalb, klär das mit deinem Therapeuten. Der weiß, was zu tun ist.;)


    Hier geht es um herauszufinden, wie du nicht mehr zum Glas greifst. Und solange du Gründe fürs Saufen findest, bist du nicht stabil. Denn die Sucht liefert dir diese Gründe zuverlässig selbst.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Im Moment bin ich alles andere als stabil. Ohne Tabletten geht es eh nicht, dafür sind es zu viele Baustellen. Ich habe mich ja selbst verloren und die Arbeit beginnt erst noch. Es ist eh die Frage, ob ich überhaupt je wusste, wer ich wirklich bin

  • Warum ziehst Du Dich selbst denn so runter? So findest Du doch auch nicht raus, wer Du eigentlich bist. Du musst positiv in die Zukunft blicken. Alles lässt sich lösen. Es gibt immer eine Lösung. Man muss bloß auch daran glauben und einfach in Bewegung kommen. Den Kopf in den Sand stecken hilft auf jeden Fall nicht. Und was überhaupt nicht hilft ist Alkohol.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Ich weiß ja, dafür, dass vor 5 Wochen alles zu Bruch ging, habe ich schon sehr viel erreicht:

    Kein Alkohol mehr

    Eigene Wohnung

    Finanziell wieder auf dem guten Weg

    Mit Sport wieder angefangen

    Umzug bzw. Auszug erledigt

    Therapeutin gefunden


    Die Zeichen stehen wirklich auf Zukunft und Bergauf. Auch gesundheitlich ist alles super. Meine Darmspiegelung war ohne Befund (hatte vor 4 Jahren Darmkrebs den ich überlebt habe)

    Sie Liebe zu einem Menschen stellt jedoch alles in den Schatten. War heute viel unterwegs, an alten Orten und hab ihr Auto gesehen.

    Selbst da nur leichter Puls, kein Craving. Nicht mal die Option für zu Hause.

    Ich schalte auch im Bruchteil einer Sekunde bei sowas auf Geiz, dass ich kein Geld für Gift mehr ausgeben werde.

    Ich sag ja, meine größte Baustelle kommt mir grad wie die Kleinste vor.

    Meine Hoffnung ist der Wendepunkt und dann habe ich wenigstens kein akutes Alkoholproblem, weil ich das genauso wie meine Seele von Grund auf aufgearbeitet habe.

    Aber dazu brauche ich einen Fachmann/Frau. Das geht nicht mit Austausch und Reden, oder von Freunden gut Zureden.

  • Das geht nicht mit Austausch

    Bei mir hat es so funktioniert. Ich habe mich mit Menschen ausgetauscht, die Erfahrung mit sowas haben. Das hat mir mehr gebracht als eine gelernte Fachfrau oder ein Fachmann. Leute die wissen wie es funktinoniert und keine Theoretiker. Andere Alkoholiker, die schon länger zufrieden trocken sind.

    Und dann habe ich halt auch angenommen, was mir gesagt wurde. Nur Austauschen und aber bei meiner eingeschränkten Sicht bleiben, hätte mir auch nichts gebracht.

    Es ging darum mein Leben neu auszurichten. Wieso, weshalb und warum ich mal gesoffen haben, war erst mal zweitrangig. Erst mal war stabil in die Zukunft angesagt.

    Der "Beziehungskram" kam dann von selbst hinterher. Das war dann die nächste große Veränderung in meinem Leben. Aber ohne zufriedene Abstinenz geht erst mal gar nix.

    Ich schalte auch im Bruchteil einer Sekunde bei sowas auf Geiz, dass ich kein Geld für Gift mehr ausgeben werde.

    Diese Begründung empfinde ich übrigens als etwas dünn. Geld sparen ist ein positiver Nebeneffekt. Hätte mich aber jetzt nicht vom Saufen abgehalten. Das hat es die 30 Jahre davor ja auch nicht.

    Jedenfalls sehe ich, dass Du ordentlich Gas gegeben hast und schon viel erreicht. Mach ein bisschen langsamer, damit Deine Emotionen noch hinterher kommen. Das ist kein Sprint. Die Zeit arbeitet für Dich.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Mit Austausch meine ich den Beziehungskram.

    Mit dem Alkohol habe ich derzeit wirklich so gut wie gar keinen Kraft. Will davon ehrlich gesagt meine Ruhe. Ich trinke nicht, denke nicht dran, hab keine Zeit dafür.

    Zudem ich auch in ihm den einzigen Übeltäter sehe, der mir alles kaputt gemacht hat.

    Jedesmal wenn ich getrunken habe war es kein schönes Gefühl mehr. Es war das Erkennen, dass ich an mir selbst gescheitert bin und mich jedesmal nach dem Warum fragte. Natürlich gab es immer einen Grund weshalb. Unterm Strich habe ich mich aber doppelt bestraft. Verletzt, einsam, traurig und wieder zuviel getrunken.

    Jedesmal wenn ich das Gefühl habe, ich bin auf der Welt aber ich kann mich nicht entfalten wie ich will. Das ist reiner Rückzug in den Kokon, den ich kannte und der es betäubt hat. Innere Anspannung.

    In Zeiten ohne Alkohol weiß ich aber auch, dass diese Anspannung nicht so heftig war, weil die Nerven besser arbeiten.

    Auch habe ich gelernt, dass ich gewisse Abhängigkeiten nicht ab kann. Wenn ich nicht selbstständig bin, bricht mein Selbstvertrauen. Ich ertrage selbst die nettesten Menschen nicht, will flüchten und nur für mich sein. Es erdrückt mich . Gleichzeitig kann ich nicht allein sein. Eine Partnerin ist für mich immer wichtig. Ich habe nicht dieses Glücklicher-Singel-Leben. Das war noch nie meins.

    Ich würde das auch als Teufelskreis bezeichnen. Die einzige Ausnahme ist der Verzicht auf Alkohol im Ganzen. Der Rest ist machbar oder es ist einfach so. Aber ich kann das Bier steuern.

    Da ich körperlich auch Ziele vorhabe, die mir ja sehr gut tun, entfällt der Alkohol sowieso. Ich weiß nicht mal ob ich es mir oder anderen beweisen muss, dass es auch ohne geht. Für mich ist das ein Punkt, den ich in eine Schublade stecke und diese fest verschließe, dass sie schön da drin bleibt.

    Ich bin einfach nur noch vom Leben müde und kraftlos. Die Energie ist derzeit völlig weg. Die Selbstverletzung und die Schuld überwiegen alles. Neurobiologisch wird das auch Monate noch dauern, bis die Gehirnnerven neue Verknüpfungen gebildet haben. Und dann will ich trainiert, nüchtern, glücklich und selbstbewusster in ein neues Leben starten.

  • Auch habe ich gelernt, dass ich gewisse Abhängigkeiten nicht ab kann. Wenn ich nicht selbstständig bin, bricht mein Selbstvertrauen.

    Gleichzeitig kann ich nicht allein sein.

    Das ist liest sich wie ein unlösbares Problem.

    Ich würde das auch als Teufelskreis bezeichnen. Die einzige Ausnahme ist der Verzicht auf Alkohol im Ganzen. Der Rest ist machbar oder es ist einfach so. Aber ich kann das Bier steuern.

    Ich muss zugeben, dass ich nicht verstehe, wie Du das hier meinst. Kannst Du das noch Mal in anderen Worten schreiben.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Danke euch erstmal.

    Ja, ich finde mein Leben nicht so besonders. Es ist eingefahren, langweilig und ohne große Freude.

    Ich mache vieles an anderen Menschen abhängig, vorallem an Frauen/ Freundin.

    Meine letzte Beziehung (2,5 Jahre) war eigentlich perfekt. Selbe Interessen und was der eine nicht konnte, hat der andere wett gemacht.

    Als wir uns kennenlernen war ich über 2 Jahre abstinent und hatte das Thema Alkohol für mich begraben. Innerhalb der Beziehung gab es seelische Einsamkeit und durch die fremde Umgebung auch keinen Fluchtweg oder Freunde. Alkohol hielt wieder Einzug. Unregelmäßig aber als Betäubung. Das führte zu Reibereien. Diese Ursache, weshalb ich es als Seelentröster brauchte war mir klar. Ist er auch bis heute. Ich habe immer wieder dann versucht es zu lassen, immer wieder rückfällig geworden. Der Druck wurde auch immer größer weil ich schon merkte, das ist in Gefahr.

    Ich liebe diese Frau sogar mehr als meine Tochter, die ich vergötter. Es gab immer wieder Tage an denen ich so enttäuscht war, wir führten wochenlang manchmal wie eine Freundschaft. Sie war müde, sie musste arbeiten, sie war weg usw. Das führte mich wieder in den Rückzug.

    Am Ende war ich betrunken als Schluss war.

    Dieser Punkt zerreißt mich innerlich. Ich weiß, es geht nicht zurück, ich bekomme diesen Gedanken aber nicht mehr raus.

    Ein normaler Mensch betrinkt sich nicht aus Frust. Ich hätte gerne auch die Nüchternheit gehabt. Für sie wäre es dann wahrscheinlich keine Trennung. Einen Alki will aber niemand, weil es auch alle mitbekommen haben.

    Die jetzige Abstinenz geht sehr gut. Also gibt es einen Zusammenhang mit der Beziehung. Auf der anderen Seite bin ich jetzt trauriger und seelisch leerer als in der Beziehung.

    Wenn der Alkohol über die Zeit nicht gewesen wäre, ich wäre nervlich vielleicht stabiler. Auch meinen Arsch mal hochbekommen und den Job wechseln sollen. Scheiß auf die finanziellen Sorgen die wir hatten, aber ich hätte eine tolle Freundin, die für mich die absolute Perfektion ist.

    Demzufolge sehe ich die Ursache und die Entwicklung an meinem Fehlverhalten, was den Alkohol betrifft.

    Man muss aber auch sagen, dass sie nach meiner Einer Lieferung in die Notaufnahme mit über 4 Promille danach meinte, die Ursache liegt an meinen erdrückenden Eltern und ich habe kein Alkoholproblem wegen dem Alkohol, sondern durch seelische Probleme. Sie bekommt das mit mir hin. Ich dürfte auch mit ihr mal ein Bier trinken. Im Restaurant hat sie mir den Ouzo unter die Nase gehalten, wie toll der riecht. Also sie sieht das Thema Recht locker. Natürlich habe ich nicht getrunken, weil ich auch nicht wollte.

    Sie möchte halt gern einen Freund, mit dem sie sich auf ner Party betrinken kann, der aber sonst nichts trinkt. Das geht bei mir jedoch nicht, ohne dass ich Gefahr laufen, in dem Kreislauf wieder zu landen. Dazu bin ich innerlich nicht aufgeräumt. Das fand die Therapeutin übrigens unverantwortlich, ob sie wirklich mich lieben würde, wenn sie sowas macht. Sie hat auch immer gesagt, dass sie hin und wieder ihren Wein trinken wird und das nicht wegen mir unterlässt. Das hat mir auch nichts ausgemacht.

    Und da ich darüber seit 5 Wochen ununterbrochen nachdenke komme ich immer wieder zu folgendem Urteil:

    Das Verhalten der anderen Person ist egal. Ich werde immer was finden, was mich in Klammern, Angst, Unsicherheit und Verlustängste führt. Der Alkohol wird so oder so wieder ein Thema werden können. Ich bin jetzt abstinent, genauso wie damals. Der Alkohol hat mich innerlich einsam gemacht und ich glaube ich habe in einem normalen Verhalten gleich Beziehungsprobleme gesehen. Vorallem aber den Druck mit Stimmungsschwankungen, gezicke nicht aushalten können. Also was eigentlich in jeder Ehe vorkommt.

    Weißt du wie man sich fühlt, wenn man weiß oder denkt, dass man für sein Elend selber verantwortlich ist und es nicht mehr ändern kann? Man hatte so viele Chancen und hat sie nicht genutzt.


    Das ist mein Kopf.

    Außenstehende sehen es zum Großteil völlig anders und haben nur drauf gewartet. Wie haben nicht zusammen gepasst sagen sie. Ein dominanter Part und ein emotionaler Mann.

    Ich hatte damals mit dem Alkohol aufgehört weil er mir nicht gut tat und ich es zuviel empfand. Jetzt habe ich aufgehört weil er mir mein Leben erneut kaputt gemacht hat. Das sind die einzigen und wichtigsten Gedanken wenn ich jemals wieder dran denken sollte, ein Bier an die Lippen zu führen.

    Vielleicht war es gut, wie es gekommen ist, um endgültig sich bewusst zu machen was es anrichtet. Es wird aber immer die größte Liebe meines Lebens bleiben und sowas gibt es kein 2. Mal

  • aber ich hätte eine tolle Freundin, die für mich die absolute Perfektion ist.

    Ein beängstigender Satz.

    Im Restaurant hat sie mir den Ouzo unter die Nase gehalten, wie toll der riecht.

    Das ist perfekt?

    Sie hat mitbekommen, dass Du mit 4 Promille im Krankenhaus gelandet bist und dann sowas.

    Ich muss mich hier raus nehmen. Das stresst mich zu sehr. Ich wünsch Dir bis dahin, dass Du irgendwann siehst was ist. :thumbup:

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Alex, genau das ist ja der Irrsinn. Das ist eine toxische Beziehung. Wenn sie mich wirklich von ganzem Herzen genauso geliebt hätte, würde sie niemals sowas machen. Das ist ihr eigenes Leben ohne Kompromisse weiter führen und der andere muss mitmachen. Für seine Schwächen ist er selbst verantwortlich. Wenn er nicht stark ist, Pech gehabt.

    Wenn ich noch ein Quäntchen Selbstachtung hätte, müsste ich jetzt wirklich froh sein, frei zu sein.

    Ich habe mein Leben nüchtern betrachtet (haha) eigentlich im Moment mehr als im Griff. Das ist eine Meisterleistung da sich frei zu schwimmen. Es sind aber immer noch die Verlustängste und die Einsamkeit, fehlende Nähe. Selbst das Einreden der negativen Aspekte ändern es nicht. Da ich aber noch 12 Wochen ohne eige Wohnung bin, ergibt sich derzeit auch nicht die Sache neue Frauen kennenzulernen.

    A) es wäre eine gute Ablenkung und würde mir zeigen, dass ich doch noch ein Mensch bin

    B) es aber keine gute Idee ist, solange ich in mir nicht aufräume

    C) ich die Gewissheit wieder haben möchte, nicht ein paar Tage oder Wochen, sondern mehrere Monate nicht mehr getrunken zu haben. Das der Alltag eine 100%ige Festigung ohne Alkohol darstellt.


    Die innen Anspannungen kommen gerade sehr stark hoch, mehr als in den letzten Wochen. Das sind die gleichen Gefühle, wie als wenn ich getrunken habe. Ich halte es im Moment sehr gut aus, auch wenn es mir kein Lächeln auf die Lippen bringt.

    Ein Verlangen habe ich immer noch nicht, demnächst ist der erste Monat rum.

    Der Sport gibt mir körperlichen Halt. Durch das Auspowern kommen nicht mal Gelüste hoch, außer auf Wasser.

    Für Alkoholiker sehr gefährlich, ich weiß:

    Dadurch, dass ich ausschließlich Bier getrunken habe, nie Spirituosen oder Wein, ist der Geschmack und die Verknüpfung immer mit Bier verbunden. Der Irrsinn ist jedoch auch, dass mir Bier nie wirklich geschmeckt hat, solange ich es nicht regelmäßig getrunken habe. Bei dem Gedanken daran oder den Geruch habe ich derzeit zum Glück noch heftige Abneigungen. Die Wirkung und das sofortige Runterfahren verdränge ich eben.. ne anders: ich überspringe es. Ich denke an die 12 Stunden danach, wenn ich verkatert aufgewacht bin.

    Das hilft mir bei dem bewussten Umgang damit. Ich habe auch gelernt, dass jeder Mensch der eine Sucht hat anders umgeht. Es gibt nicht nur einen Weg. Entscheidend ist, dass es zum selben Erfolg führt: heute nichts getrunken zu haben.

    Uns jeder dieser Tage hilft mir ein kleines Stück wieder zu mir selbst. Den Scherbenhaufen hinter mir zu lassen und gut weiter zu machen. Ich bin für mein Leben verantwortlich, niemand anderes. Ich kann jeden Tag bestimmen ob ich glücklich leben will oder mich dem einfachen Weg hingeben, der mich zerstört (einfach nicht wörtlich nehmen, weil das einfache ist für mich nicht zu trinken). Ich trage keinen Kampf mit mir aus. Ich genieße es förmlich nicht mehr zu müssen

  • Heute war wieder so ein 08/15 Tag.

    Hauptsache er geht rum. Der Sport wird flüssiger, es tut nichts weh und ich kann die Gewichte langsam steigern. Einige Muskelgruppen sind schon fester, das Memory-Gedächtnis funktioniert. Seelisch komme ich an meine Grenzen. Die Stimmung ist im Keller.zu viel Anspannung und es kommt mir vor, als wenn ich nicht vorankomme. Habe etwas gewerkelt, damit ich mal etwas Erfolg sehe.

    Alkohol ist weiterhin kein Thema. Keine Gedanken, kein Craving.. es gibt ihn zwar, aber er hat keine Anziehung. Was nur seit Tagen stark zunimmt, sind Selbsthass und Scham. Vorallem aber der Umgang mit der Vergangenheit, der nassen Zeiten bzw. deren Auswirkungen. Wie geht ihr damit um? Sollte man das irgendwann mal weg packen und sagen, es geht jetzt nach vorn, das ändert sich eh nicht mehr? Wieso schäme ich mich so dafür? Andere Menschen machen peinliche Sachen, verhalten sich richtig dämlich und machen weiter, alswenn nichts wäre. Niemand den ich ab jetzt je treffe, kennt meine Vergangenheit, meine Probleme und was mir vorallem im Kopf rumschwirrt. Ich habe nur immer das Gefühl, jeder kann in den Kopf gucken und alles lesen. Ich könnte ja alle Zelte abbrechen und ein ganz neues Leben starten. Aber ich hänge immer noch in der Vergangenheit fest.

    Was ich genieße, sind die klaren Gedanken, das Aufstehen. Keine Übelkeit. Keine Angst beim Autofahren uns ich merke mir erstaunlich viele Sachen, bis hin zu welchem Tag wer was gesagt hat. Das sind echt geile Momente, die mich beflügeln, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.


    LG

  • Was nur seit Tagen stark zunimmt, sind Selbsthass und Scham. Vorallem aber der Umgang mit der Vergangenheit, der nassen Zeiten bzw. deren Auswirkungen. Wie geht ihr damit um? Sollte man das irgendwann mal weg packen und sagen, es geht jetzt nach vorn, das ändert sich eh nicht mehr? Wieso schäme ich mich so dafür?

    Wir alle haben unsere Vergangenheit. Jeder hat ein Päckchen zu tragen. Und bei uns selbst sind wir in der Beurteilung so hart.

    Manche alkoholisierten Auftritte haben andere Personen anders gesehen und erinnern sich mittlerweile da gar nicht mehr dran.

    Es sind andere Ereignisse aktuell dazu gekommen und vieles gerät in Vergessenheit.

    Bei mir flackern ab und an auch noch Gedanken an die nasse Zeit hoch, aber ich habe gelernt mir zu verzeihen. Ich war damals krank und konnte nicht anders handeln und entscheiden.

    Wir sind jetzt nüchtern und das ist es, was zählt. Sei nicht so streng mit Dir, Angler.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Vorallem aber der Umgang mit der Vergangenheit, der nassen Zeiten bzw. deren Auswirkungen. Wie geht ihr damit um? Sollte man das irgendwann mal weg packen und sagen, es geht jetzt nach vorn, das ändert sich eh nicht mehr?

    Ich hatte mir die Zeit genommen und habe alles revue passieren lassen. Dann habe ich es losgelassen, weg gepackt und Frieden mit meiner Vergangenheit geschlossen.

    Die Vergangenheit ist vorbei, jetzt gilt es das Richtige zu tun. Jetzt kann ich mein Leben gestalten und gute Entscheidungen treffen. Jetzt in der Gegenwart bin ich nüchtern. Das ist alles was zählt. Damit das auch eine gute Zukunft wird, bekam meine Abstinenz Priorität 1 und steht vor allem anderen.

    Das klappt schon ziemlich lange gut.

    ————

    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Vielen Dank. Das ist für mich im Moment noch die schlimmste Phase. Es geht mir körperlich sehr gut, und das ist der springende Punkt. Mal die Krankheit außen vor, aber man kennt ja auch das schönere Leben. Wieso ich all das gute mir selber damit kaputt gemacht habe, bei vollem Wissen. Immer wieder kommt: wieso nicht vor 6 Wochen?

    Gestern war es so heftig, dass ein totaler Zirkus im Kopf losging: ich will nicht trinken und habe kein Verlangen. Dann denke ich: zwing dich doch einfach dazu, jetzt was zu trinken. Ich dachte: hä? Was soll das denn jetzt? Ich will doch gar nicht.

    Bei mir ist es eben noch die emotionale Abhängigkeit an der anderen Person, die mir gerade alles so schwer macht. Wäre ich unabhängig, wäre ich glaube ich gerade einer der glücklichsten Menschen.

    Und das bewirkt diese enormen Schuldgefühle.


    Ich Versuche langsam wieder mal unter Leute zu kommen... Außer Sport. Gestern war ich zum Kartenspiel bei meinem besten Kumpel. Die trinken alle Recht viel Bier. Das triggert mich aber nicht, da ich durch meinen Sport und die Medikamente sehr viel Durst habe, nur Wasser trinke. Das einzige was den Durst löscht. Statt mich auf das Spielen zu freuen uns Spaß zu haben, wollte ich nach 3 Stunden dringend weg. Diese innere Unruhe überkam mich. Es lag aber auch daran, dass das meine alte Heimat war und meine Ex in der Nähe wohnt.

    Ich freue mich auf meine Therapeutinnen diese Woche, um wieder klarer sehen zu können. Durchlebe gerade die Phase in der ich alles Negative ausblenden und nur die tolle gemeinsame Zeit in den Fokus rücke. Das klingt jetzt wirklich blöd, aber mein Gehirn sendet die ganze Zeit diese Gedanken, ohne, dass ich sie verdrängen kann.

    Einmal editiert, zuletzt von Angler (8. Februar 2026 um 10:04)

  • emotionale Abhängigkeit an der anderen Person

    Du darfst dein Glück nicht von jemand anders abhängig machen. Ich weiß das ist soooo einfach gesagt. Lerne dich selbst zu lieben und dir zu vertrauen. Egal wer an deiner Seite ist, im Laufe des Lebens wechseln die Personen, du musst dich am meisten lieben. Ich wünsch dir weiterhin viel Kraft.

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