Fruechtetee - Nochmal den Mut haben....

  • Was kann sich noch zum Positiven ändern (ohne Alk),wenn diese Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit bleibt?

    Das klingt für mich so, als ob du davon ausgehst, dass alles immer so bleibt wie es gerade ist.
    Kennst du den Grund oder die Gründe für diese Traurigkeit? Und woher rührt diese Hoffnungslosigkeit?

    Bin nur so müde an all meinen eignen "Fronten" tagtäglich kämpfen zu müssen.

    Kämpfen ist immer sehr ermüdend, finde ich. Und viele Kämpfe sind so sinnlos, weil man gar nicht gewinnen kann. Oder machmal auch, weil es gar nicht wichtig ist, ob man gewinnt.
    Ich kämpfe nicht mehr. Mit der Akzeptanz, dass das jetzt so ist wie es ist, komme ich inzwischen ziemlich gut zurecht.
    Ich hatte auch viele Baustellen. Die meisten davon habe ich selbst geschaffen oder zumindest maßgeblich dazu beitragen, dass das so war, zum Teil ja sogar noch ist. Aber fast alles konnte ich so nach nach als ‚überhaupt nicht wichtig‘ an die Seite legen. Vieles ist ja noch genau so da, aber es nicht mehr wichtig für mich.

    Es ist, wie es ist. Damit werde ich jetzt so gut wie es eben geht, leben. Und auch, wenn ich dann damit so gut, wie es eben geht, leben kann….dann ist es, wie es ist. Ich muss nicht alles ändern.
    Mich frei zu machen von der (nicht zu erreichenden) Perfektion, von der ich dachte, ich müsste das sein, hat mir mein eigenes kleines ‚perfekt‘ geschenkt.

    Atmen und nüchtern bleiben muss ich, wenn ich leben will, ansonsten muss ich gar nüscht.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Das klingt für mich so, als ob du davon ausgehst, dass alles immer so bleibt wie es gerade ist.
    Kennst du den Grund oder die Gründe für diese Traurigkeit? Und woher rührt diese Hoffnungslosigkeit?

    Garnicht so einfach zu schreiben und zu beschreiben....(auch problematisch,da offener Bereich und ich manchmal denke,mein halbes Dorf müsste "hier" sein).

    Meine Traurigkeit braucht keine großen negativen Geschehnisse von aussen. Ich mache morgens die Augen auf und sie sitzt schon auf der Bettkante. Das geht schon viele Jahre so und verschiedenste Therapiemöglichkeiten (Medis,Klinik etc) haben keine Besserung gebracht. Bin deshalb auch nicht mehr arbeitsfähig.

    Normalerweise gehe ich damit genauso "Zeitabschnittsmäßig" vor wie mit dem Alk. Nur heute sehen. Morgen ist ein anderer Tag mit neuen Möglichkeiten und Chancen....

    Aber manchmal ist das Loch tiefer als sonst. Und dieser Winter war lang und echt dunkel.

    Weiß im Moment nur nicht so genau,woher ich neue positive Kraft nehmen soll.....LG

  • Vielleicht beschreibt das Wort "Kämpfen" auch nicht ganz ,wo ich gerade stehe.

    Ich habe meine Krankheit als Teil von mir akzeptiert. Nichts desto trotz macht sie mich sehr müde.

    Meine Sucht ist auch ein Teil von mir und wird Tag für Tag mehr akzeptiert. Aber auch das kostet gerade meine Kraft.

    Ich hatte keine Anfangseuphorie,sondern nur ein schwierige Tage ohne Alkohol.

    Dennoch möchte ich nicht wieder trinken!

  • Liebe Früchtetee,

    das hört sich sehr bedrückend an.

    Vergiss bitte nicht, dass sich Dein Körper noch von dem langen Rückfall erholen muss. Da konnte das Antidepressivum gar nicht richtig wirken und die Depression wurde durch den Alk noch verstärkt.

    Das dauert wohl noch ein bisschen, bis sich "die Hirnchemie" wieder sortiert hat. Und das Aprilwetter tut sein Übriges - hier graupelt und gewittert es gerade. 😢

    Wenn die Depression bei Dir auch in ein paar Monaten noch nicht besser ist: Hast Du mit Deinem Psychiater schon mal über neue Behandlungsmethoden für Depressive gesprochen, die auf die üblichen Ansätze nicht gut ansprechen?

    Kann es vielleicht sein, dass Dir eine Aufgabe fehlt? Hast Du mal über ein Ehrenamt nachgedacht oder ein Haustier? Dies alles nur als Anregung, bin selbst schon länger depressiv als süchtig, aber wohl ganz gut eingestellt.

    Bitte gib nicht auf, Du hast schon so viel geschafft!

  • Hey Rennschnecke,danke !

    Meine Depressionen sind schon älter als meine Alkoholsucht. Leider spricht sie nicht auf Psychopharmakas an. Verschiedene Therapieansätze bin ich schon durchlaufen,ohne nennenswerte Veränderung. Habs sogar ein paar mal mit Hypnose versucht. Vergeblich,leider.

    In einer Sprechstunde für schwer behandelbare Depressionen hat ein Arzt mal zu mir ganz klar gesagt,dass meine Depression nicht mehr "verschwindet" und das es nur noch darum gehen kann,es leichter zu machen. Da bin ich dran......

    Ehrenamt habe ich schon gemacht und habe nach einem Jahr abgebrochen,da die politisch-menschliche Einstellung für mich nicht mit zu tragen war. Bin aber tatsächlich auf der Suche nach etwas anderem.

    Ich gebe ja nicht auf,bin nur sehr müde. Ganz lieben Gruß

  • Ich habe es so verstanden, dass du gegenwärtig runde zwei Monate abstinent bist …

    Bei mir waren die ersten ca. drei Monate nach Alkoholstopp (allein, keinerlei Medis) z.T. mühsam, oft düster, oft wechselnde Stimmung, zugespitzte, überscharfe Sinneseindrücke. Dazu zählte auch extreme Müdigkeit, wellenartig. Nach drei Monaten wurde es deutlich besser, kurze Phasen bleierner Müdigkeit blieben jedoch, langsam ausschleichend, bis ca. Monat 6!

    Jedoch hatte ich noch nie eine richtige, schwere Depression. Vorstufen davon vermutlich schon, so beginnende Stufe 2 - mittel (Eigendiagnose! Nie in Behandlung). Den Zusammenhang D. + Alk wirst du kennen, ebenso die oft damit zusammenhängende Frage, was zuerst da war … (bei mir tippe ich auf den Alk.)

    Obwohl es bei dir eine primäre Depression war/ist, kann die doch durch Alk verstärkt worden sein. Es geht ja um die gleichen Prozesse im Gehirn (Auslösung/Verschärfung Neurotransmitter-Disbalance, Abstumpfung Rezeptoren, Mangel an Botenstoffen). Was zur Frage führt: wenn du mit einem Fachmann darüber sprichst, weiß der von deinen Alkoholismus?

    Ich kann dich nur ermuntern, Geduld zu haben und mit aller Kraft an deiner Abstinenz festzuhalten. Es wird besser werden, was diese psychischen Entzugserscheinungen angeht. Die primäre Depression ist separat zu betrachten.

  • Hi

    So schnell wie man sich das wünscht geht es leider nicht. Jahrelang hab ich auch meinen natürlichen Haushalt, das ganze System durch Alkohol durcheinander gewirbelt.

    Bis alles wieder natürlich funktioniert wie es soll braucht es viele Monate, gar Jahre.

    Der Körper ist ein Wunderwerk aber braucht Zeit zu heilen, der Geist hinkt immer hinterher, so war es bei mir.

    Die Zeit ist der wichtigste Faktor und Geduld mit mir selbst fiel mir auch mächtig schwer.

    Bleib dran, es lohnt sich

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Mal was anderes.

    Ich habe mir gestern, nach Jahren, mal Früchtetee gemacht. Dabei an dich gedacht. Du meintest er würde dir so gut schmecken.

    Was soll ich sagen. Ist immer noch nicht mein Ding. ^^

    Ich würde mich eher Kräutertee nennen.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Die Zeit ist der wichtigste Faktor und Geduld mit mir selbst fiel mir auch mächtig schwer.

    Hey Bolle,die Geduld mit mir selber ist noch verbesserbar. Aber.....im Moment immer noch Tag für Tag im Doppelpack. Viele Dinge "portioniere " ich,wenns schwer fällt. Dann fühlt sich der Berg nicht so groß an.

    Für mich ist wichtig,meine körperliche Gesundheit nicht weiter aufs Spiel zu setzen. Das ist meine klare Marschrichtung......

    Und da gibt es schon jetzt Verbesserungen. Ich schlafe besser und mein Druck im Oberbauch ist wie weggeblasen.

    Für die Psyche wirds besser,wenn ich wieder mobiler bin (habe mir etwas gebrochen) und richtig raus kann. Ich mache einfach weitet,Tag um Tag..... lG

  • :/:/Hallo ,komische Situation bzw das Gefühl ,dass es bei mir auslöst.

    Nebenan im Haus wird gefeiert(einmal im Monat,Reihum im Wechsel) und ich habe vor ein paar Tagen bis auf weiteres abgesagt(obwohl ich für mich jetzt schon entschieden habe ,garnicht mehr teilzunehmen) Ohne Begründung. Kam auch keine Nachfrage von den anderen.

    Einerseits sitze ich erleichtert Zuhause ,weil hingehen garnicht (!) für mich gegangen wäre. Ich bin kein Gruppenmensch und dort wird viel getrunken. Ich möchte meine Abstinenz nicht gefährden und wäre mir meiner selbst da nicht sicher.....

    Und nun sitze ich hier und bin trotzdem traurig und fühle mich irgendwie "ausgemustert". Nicht einer hat gefragt. Einerseits gut so und andererseits macht es mich traurig.

    Es wird mir jetzt häufiger so gehen,da ich beschlossen habe,sämtliche Feiern innerhalb des Dorfes nicht zu besuchen. Heute ist also nur das erste mal von vielen.....

    Also nachdenken,wie ich solche Abende verbringe, ohne traurig zu sein und mich ausgeschlossen zu fühlen. Ich brauche für solche Momente einfach schöne Alternativen :/

  • Vorschlag:

    guck Dich um, wo sich Leute nicht zum Trinken treffen. Gibt es. Eventuell mal in die Zeitung gucken und fahren. Nüchtern sein hat ja auch den Vorteil, dass man zu jeder Tageszeit ans Steuer darf.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich kann dass nachfühlen . Man sagt ein paar mal nein und dann fragt niemand mehr .... Irgendwie fühlt man sich dann doch etwas einsam aus Prinzip. Ich weiß auch nicht recht was ich so machen soll und die Wochenenden sind schwierig. Gerade hier auf dem Dorf sind demnächst viele feiern .Mein Schwager wird 50 und eine Hochzeit steht an . Soviel wo ich gern bei wäre und teilnehmen möchte , aber ich weiß auch es wird anders und ich fahre hin damit ich nach Haus könnte falls schwierig. Ich werde die Schützenfest usw meiden .Irgendwie fehlt etwas was man so unternimmt wo kein Alkohol fließt. Hier im Ort geht es gar nicht wirklich. Alle anderen gehen was trinken ... eigentlich kann man nur essen gehen oder ins Kino oder Kaffee trinken . Ich muss auch noch suchen weil ich auch nicht jemand bin der einfach allein wo hin fährt und sagt ich guck mir dies oder jenes an .

  • Ich habe die ersten Jahre meiner Trockenheit auch auf dem Land gewohnt und da habe ich mich ewig mit niemandem getroffen. War auch relativ egal, da wir zugezogen und sowieso Pendler waren. Mein Bedürfnis nach abendlicher Gesellschaft war da nicht so groß.

    Irgendwann bin ich genau deswegen in der benachbarten Großstadt in einen regionalen Selbsthilfeverein gegangen, wo in den Gruppen nicht nur Probleme gewälzt wurden, sondern es auch mal lustig war. Da wurde auch gefeiert, Gartenfeste, Weihnachtsfeier, Geburtstage. Und es waren alle nüchtern. Das Problem, das Du hast, haben ja mehrere.

    Inzwischen treffe ich mich auch mit anderen Leuten, die sowieso kaum trinken und bei meiner Anwesenheit nie.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Liebe Tiffy,danke für deine Zeilen.

    Ja,so ist das im Dorf....wir haben auch schon zwei große Einladungen für den Spätsommer auf dem Tisch liegen. Meine Entscheidung gegen das Mitfeiern ist schon gefallen. Aber alle kleinen Feiern werde ich auch meiden. Es gibt IMMER Alkohol......

    Trotzdem kein schönes Gefühl ,so schnell "abseits" zu stehen.

    Unser Dorf ist so klein,dass es garnichts anderes vor Ort gibt,dh immer fahren.

    Ich denke,Kinos,Kleinkunstbühne etc wird mich ab sofort öfter zu Gesicht bekommen.

    Ich glaube,im Moment geht das noch nicht ohne Planung. Dh ich weiche solchen Situationen aus und plane nette andere Dinge für diese Zeit. Gefühlt feiern die anderen(bedingt durch die geringe Größe des Dorfes) immer direkt vor oder neben uns. Möchte ich mir zZt noch nicht antun.

    Tiffy,wärst du denn alleine unterwegs?

    Lieber Gruß

  • Hallo Lebenskünstler,ja bin auch eine Zugezogene.Komme eigentlich aus der Großstadt und das war der Sprung ins kalte Wasser. Die erste Zeit (wir wohnen seit ca 3 Jahren hier) war wirklich ok. Wir haben mitgefeiert und sind gut aufgenommen worden. Und das bricht gerade alles weg. Als wir hier her zogen,war mein Gedanke " das ich mir Leute ausserhalb des Dorfes suchen möchte". Es verblieb,weil wir so nett aufgenommen wurden....

    Habe aber eine SHG Depression im Nachbarort,die ich besuche. Aber schaue jetzt intensiver hin und suche mir Dinge/Beschäftigungen,die ich auch alleine machen kann. Es bedarf ein bisschen Übung,aber ich möchte nicht mehr so abhängig sein von anderen.......

    Ich finde aber richtig gut,dass du diese Wege für dich gefunden hast und sie auch gehst! LG

  • Ich weiß auch genau wie das ist. Kein Dorffest ohne Alkohol. Für mich sind die Wochenenden immer am schlimmsten. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Ich habe wieder mit Handarbeit angefangen. Oder ich lese ein gutes Buch. Samstags backe ich gerne Kuchen und ähnliches für Sonntags zum Kaffee. Ich kann gut alleine sein. Aber die Einsamkeit ist schwierig für mich. Freunde habe ich keine. Nur eine Freundin die 500 km weit weg gezogen ist und nichts von meiner Alkoholsucht weiß.

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