Hannah - Vorstellung

  • Hallo zusammen,

    ich wollte euch mal wieder ein kleines Update da lassen und ehrlich berichten, wie es mir aktuell geht.

    Von meinem Arbeitgeber kam bisher glücklicherweise nichts Weiteres, die Lohnfortzahlung läuft ganz normal weiter. Zumindest an dieser Front gibt es also absolut keine Probleme, was mir einiges an Druck nimmt.

    Die letzten Tage war ich extrem strukturiert unterwegs. Ich bin morgens früh aufgestanden, habe direkt Sport gemacht und mir dann Raum für Raum vorgenommen. Ausgemistet, geschrubbt, wirklich von den Fußleisten bis zur Decke alles durchgewienert. Ich habe sogar die Türblätter, Türklinken, Fensterrahmen und Rollläden gereinigt, den Dachboden entrümpelt und neu gestrichen. Das hat mir unglaublich viel Halt gegeben, weil ich jeden Tag einen festen Plan hatte.

    Aber jetzt stehe ich an dem Punkt: Es gibt schlichtweg nichts mehr zu tun. Sogar die Wäschekörbe sind komplett leer. Ich kann schließlich auch nicht den ganzen Tag nur Ordnung schaffen.

    Und genau jetzt, wo dieser radikale Leerlauf da ist, die gewohnte Struktur von Schule und Arbeit fehlt und die Kinder in den Ferien anfangen sich zu streiten, merke ich den Unterschied. Mein stabil gebautes Steinhaus fühlte sich in diesen Augenblicken plötzlich gar nicht mehr so massiv an, sondern wackelte wie eine kleine Strohbude.

    Wir wohnen ja sehr ländlich und der See liegt direkt um die Ecke. Da mein Mann zurzeit sowieso nicht da ist und die Kids in den Ferien beschäftigt werden wollen, ist das einfach unsere Hauptbeschäftigung. Wir packen nachmittags die Sachen und fahren für drei, vier Stunden bis zum Abendessen raus.

    Mein enges Umfeld weiß Bescheid. Da habe ich meine Scham überwinden können und offen gesagt, dass ich ein Problem mit Alkohol habe und keinen Schluck mehr trinke. Die Menschen um mich herum reagieren wirklich toll. Eine ganz liebe Freundin macht sich da jedes Mal so unglaublich viel Mühe. Sie bereitet eine riesige Kühltasche vor, zaubert leckeren Eiskaffee für uns, packt frisches Obst, gekühlte Snacks und alkoholfreie Erfrischungen ein, damit wir es uns richtig gemütlich machen können. Es tut einfach unendlich gut zu spüren, wie viel Rücksicht genommen wird und mit wie viel Liebe sie uns da begleitet.

    Aber es gab eben diese Momente. Wenn drei Plätze weiter die Sektkorken knallten, Bierflaschen geöffnet wurden oder der Geruch von Zigarettenrauch rüberzog. Das löste bei mir sofort dieses alte Feeling aus und triggerte mich extrem. Mittlerweile gab es genau zwei Situationen, in denen das so stark war, dass ich einfach nur noch ganz schnell aus der Situation raus musste.

    In diesen zwei Momenten fühlte sich das einfach wahnsinnig blöd an. Meine Kinder hatten gerade riesigen Spaß und verstanden gar nicht, was bei mir los war. Ich konnte es ihnen da auch absolut nicht erklären. Als sie dann anfingen zu diskutieren, weil sie verständlicherweise noch bleiben wollten, merkte ich, wie ich extrem gereizt und innerlich fast schon ungemütlich wurde, weil mein Kopf einfach nur Flucht signalisierte. Ich hatte in dieser Anspannung überhaupt nicht die Nerven für Diskussionen. Es fühlte sich auch gegenüber meinen Freundinnen schrecklich an, in die Runde zu sagen: Leute, ich muss jetzt gehen.

    Ich bin wirklich unendlich dankbar für meine Mädels. Sie haben das in dem Moment gemerkt und gesagt: Stopp, du fährst jetzt nach Hause und lässt die Kids einfach hier, wir bringen sie dir später nach.

    Als ich dann allein zu Hause saß, kam neben dieser merkwürdigen Einsamkeit sofort ein riesiges schlechtes Gewissen hoch. Ich saß da in der stillen Bude und hatte das Gefühl, meinen Kindern den schönen Tag kaputtgemacht zu haben.

    Ich merke einfach, wie wichtig es ist, genau jetzt wachsam zu bleiben und zu akzeptieren, dass dieser plötzliche Leerlauf und solche Sommertrigger Zeit brauchen.

    Wie geht ihr mit dieser plötzlichen Leere um, wenn die Ablenkung nachlässt und solche gewohnten Gefühle wieder hochploppen?

  • Mir ist gerade noch ein wichtiger Impuls gekommen, den ich kurz teilen möchte:

    Ich habe das Thema Notfallkoffer bisher gedanklich viel zu sehr an greifbare Gegenstände geknüpft. Aber so ein Koffer ist ja am Ende vor allem ein inneres Repertoire. Er muss Dinge enthalten, die man immer bei sich trägt, völlig egal wo man sich gerade aufhält.

    Mitten im Getümmel am See bringt es mir rein gar nichts, ein Tagebuch zu suchen. In so einer Sekunde brauche ich eher Handlungen, die das Gehirn kurz unterbrechen. Vielleicht ein starker körperlicher Reiz, ein paar tiefe Atemzüge, einmal aufstampfen oder kurz die Muskeln extrem anspannen, um den aufsteigenden Fluchtmodus ein Stück weit abzufangen.

    Direkt komplett entspannt zu sein ist in dem Moment wahrscheinlich illusorisch, aber zumindest so viel Abstand zu gewinnen, dass man wieder klar denken kann.

    Welche unsichtbaren Werkzeuge habt ihr in eurem inneren Koffer verpackt, die euch in solch überrumpelnden Momenten unter Menschen helfen?

  • Also erstmal finde ich richtig, dass Du die Situation verlassen hast.
    Wegen der Kinder würde ich mir kein schlechtes Gewissen machen. Sie waren unter Aufsicht und hatten bestimmt trotzdem noch ihren Spaß. Schön, dass Du so tolle Freundinnen hast.

    Beim Lesen Deines Aktionismus im Haushalt wurde mir schon ganz schwindlig. Man kann sich auch an anderen Dingen „ besaufen“. Kein Wunder, dass danach eine gewisse Leere entsteht.

    Ich konnte mich anfangs auch nur schwer selbst aushalten. Mittlerweile bin ich da ruhiger und gelassener geworden.
    Vielleicht findest Du irgendwas nur für Dich, worauf Du Lust hast, alte Hobbies oder was Du schon immer mal machen wolltest….

    Zum Notfallkoffer gibt es hier auch irgendwo einen Faden, wo ganz viele Sachen aufgezählt sind.

    _______________________________________

    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Zu Beginn meiner Abstinenz habe ich viele verschiedene Atemtechniken ausprobiert. Die 4-7-8-Methode half mir immer recht zügig. 4 Sekunden durch die Nase einatmen, 7 Sekunden die Luft halten und dann 8 Sekunden durch den Mund ausatmen. Das verschaffte mir innerliche Ruhe. Im www findest Du verschiedenste Atemtechniken. Evtl. ist auch eine dabei die Dir hilft.

    Nach meinen großen Aufräum- und Putzaktionen, die ich zu Beginn auch täglich vornahm, halfen mir danach Pflege meiner selbst. Ausgiebiges Baden, Eincremen, Gesichtsmasken usw. Auch eine Bürste mit Naturborsten (nicht zu hart) gehört zu meinem Notfallkoffer. Mit dieser habe ich bei Unruhe meine Arme + Beine abgebürstet. Die Konzentration darauf, ließ meine Unruhe verschwinden.

    Du hast aber alles richtig gemacht und ein schlechtes Gewissen wegen Deiner Kinder brauchst Du echt nicht zu haben. Sie hatten trotzdem noch ihrem Spaß dank Deiner lieben Freundinnen.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

    Trocken seit 11.07.2025

  • Hallo Tabsi, hallo Bibi,

    danke euch für die Rückmeldungen und die echt guten Tipps.

    Eure Beiträge haben bei mir gedanklich noch mal einiges ins Rollen gebracht. Wenn ich mir das heute Morgen mit ein bisschen Abstand angucke, habe ich bezüglich des schlechten Gewissens eine Vermutung: Könnte das nicht genau die Nummer sein, wo sich das Suchtgedächtnis klammheimlich durch die Hintertür wieder reinschleicht?

    Der Suchtwolf ist schließlich ein ziemlich hinterlistiger Geselle. Wenn er merkt, dass er von vorne nicht durchkommt, nutzt er eben genau diese Hintertür und versucht es über die Schiene Schuldgefühle und schlechtes Gewissen.

    Ich werfe das jetzt erst mal nur als Vermutung in die Runde, aber rein von der Logik her weiß ich ja eigentlich: Den Kids ging es super, die waren bestens versorgt und hatten ihren Spaß. Denen war es am Ende herzlich egal, ob ich da noch am Ufer hocke oder nicht. Klar war das kurz komisch, als ich los bin, aber danach war die Sache für die gegessen. Dass mich das zu Hause trotzdem so extrem zerfressen hat, war vermutlich genau diese fiese Falle, um über Umwege wieder Druck aufzubauen.

    Eure Anregungen zum Thema Selbstfürsorge und Notfallkoffer nehme ich auf jeden Fall mit. Ich muss jetzt mal in Ruhe schauen, was davon wirklich zu mir passt. Gerade solche Sachen über den Körper wie die Bürstenmassage oder Atemübungen klingen spannend, um diese innere Unruhe abzufangen. Ich werde da einfach ein bisschen rumprobieren.

    Danke euch für den starken Austausch!

  • Hallo Hannah,

    ich gehe mal davon aus, dass der See so gut besucht ist, dass ihr keinen Platz abseits von Trinkenden und Rauchenden findet.

    Könntest du da mit deinen Freundinnen oder einer Freundin vor dem nächsten Seebesuch absprechen, ob sie auf deine Kinder mit aufpasst, wenn du die gemeinsame Situation verlassen musst? Dann bräuchtest du nur zu sagen, dass du gehen müsstest, und sie würde dir sagen, dass sie deine Kinder um xy Uhr zu dir nach Hause bringe.
    Dann müsstest du allenfalls erklären, dass dir übel sei - was ja auch nicht richtig gelogen ist.

    Du könntest dann noch nach Verlassen der Situation zu dir passende Achtsamkeitsübungen machen und dann entscheiden, ob du zurück oder nach Hause gehen möchtest.

    Oder eine Freundin nimmt mal deine Kinder mit und du machst dir einen Nachmittsg alleine mit Dingen, die dir Spaß machen und die du am besten ohne Kinder unternehmen kannst. (Hobby oder intensive Körperpflege oder spazieren…).

    Ich wünsche dir auch, dass du viele schöne Dinge findest, die die Leere mit einem Zufriedenheitsgefühl ausfüllen.

    LG Kyra

    Was vergangen ist, ist vergangen, und du weißt nicht, was die Zukunft dir bringen mag. Aber das Hier und Jetzt, das gehört dir.
    (Antoine de Saint-Exupéry)

  • Hi Hannah ,

    meine Sucht oder mein Suchtgedächtnis versucht jedes Gefühl, ob gut oder schlecht zu nutzen, um mich zum Saufen zu bringen. :( Je stärker das/die Gefühle sind desto mehr sieht es eine Chance. Wenn ich ihm diese Chance gebe. Deshalb gibt es hier auch den Rat möglichst dafür zu sorgen, dass es einem so gut wie möglich geht.

    Ich benutze nicht den Begriff Suchthirn oder andere Begriffe. Denn dann würde ich Alkohol zu viel Raum und Macht geben. Das reduziere ich auf ein absolutes Minimum. Und ich betrachte Alkohol auch ganz neutral und lade ihn weder positiv noch negativ auf. Also bei mir ist er kein Wolf.;)

    Letztendlich ist es die fest verankerte Erinnerung, dass Alkohol unmittelbar auf das Belohnungszentrum wirkt und schnell ein angenehmes und gutes Gefühl auslöst. Und diese Erinnerung lässt sich nicht mehr überschreiben. Das ist eben Sucht.

    Zu den Momenten wo Suchtdruck aufkommt. Kennst Du die HALT Regel? Das sind Gefühlszustände, die Du vermeiden solltest. Hungry = hungrig, Angry= wütend, Lonely = einsam, Tired = müde.

    Deshalb hat mir immer bei Suchtdruck gut geholfen ordentlich zu trinken und/oder ordentlich zu Essen. Und ordentlich meint dann richtig vollstopfen.;)

    Ansonsten habe ich am Anfang und teilweise auch heute noch wahlweise richtig scharfe Pfefferzinsbonbons, eine kleine Flasche reinen Zitronensaft oder einen kleinen Plastikigelball dabei gehabt. Irgendetwas was einen scharfen Reiz auslöst, um mich aus der Suchtdruckschleife zu holen und mich in Bewegung zu bringen. Und ich meine in Bewegung also tatsächlich irgendetwas tun.

    Ich habe allerdings auch selten Suchtdruck gehabt, weil ich die Grundbausteine umgesetzt habe und konsequente Risikominimierung betreibe.

    Vielleicht ist ja bei dem, was ich schreibe irgendetwas für Dich dabei.

    Auf jeden Fall ist es gut und richtig, wenn eine schwierige Situation entsteht sofort die Biege zu machen. Nicht aushalten. Das ist mein und auch mein einziger Plan B.;)

    Liebe Grüße Kazik

    ------------------------------

    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hallo Mattie,

    vielen Dank für die Nachfrage! Bei mir ist wirklich alles gut. Es war in letzter Zeit nur einfach unheimlich viel los wegen der Sommerferien.

    Mein Mann hatte Urlaub und wir waren zusammen weg. Auf dem Heimweg haben wir sogar noch die Familie besucht. Es war ein richtig toller und aktiver Urlaub, weil wir extrem viel beim Wandern waren. Mit den Kindern haben wir eine zweitägige Tour durch die Berge gemacht und einfach zwischendurch die Zelte aufgeschlagen, das war echt klasse. Zum Pilze sammeln waren wir natürlich auch unterwegs.

    Ein Highlight war aber definitiv die Tour mit dem Fahrrad die Hochalmstraße hoch, und zwar komplett ohne E Bike. Das war schon ordentlich heftig! Die Kinder durften in der Zeit den Tag am Pool verbringen. Wir hatten super liebe Nachbarn in der Ferienwohnung, die in der Zeit ein Auge auf die Kleinen geworfen haben.

    Ich merke richtig, wie ich aktuell in diesen sportlich ambitionierten Bereich gerutscht bin. Mir haben die Wanderungen so viel Spaß gemacht, dass ich mir direkt schon wieder ein paar neue Berge und Rundwege als nächste Ziele rausgesucht habe.

    Jetzt neigen sich die Ferien langsam dem Ende zu und der Alltag kommt zurück. Aber es lief alles super, keine negativen Zwischenfälle und ich spüre, wie sich vieles festigt. Am 1.10. startet dann ja auch schon meine neue Stelle, darauf freue ich mich auch schon.

    Liebe Grüße

    Hannah

  • Hallo zusammen,

    ich wollte einfach mal wieder ein kurzes Update hierlassen und teilen, wie es mir in der letzten Zeit so ergangen ist.

    Bei mir läuft aktuell alles wirklich gut und stabil. Am Donnerstag steht jetzt ein neues Kapitel an: Ich starte in meinen neuen Job! So langsam macht sich auch ein bisschen Aufregung breit ,aber alles im grünen Bereich und völlig im Rahmen. Ich bin gespannt, wie sich der Alltag und die neuen Abläufe in den nächsten Tagen so einspielen werden.

    Mir fällt dabei auf, wie gut es mir gerade tut, wieder verstärkt hier im Forum mitzulesen. Es tut einfach gut, sich vor so einer neuen Phase wieder ganz bewusst vor Augen zu führen, was wirklich wichtig ist, und den Fokus richtig zu setzen.

    Ich hoffe, es geht euch allen soweit gut!

  • Hallo Hannah,

    ich hab mich gerade richtig gefreut, von dir zu lesen, und dabei festgestellt, dass ich hier bei dir noch gar nichts geschrieben habe, obwohl ich dich von Anfang an gelesen habe.

    Ich wünsch dir einen guten Start am Donnerstag.

    Bei mir war Anspannung und Nervosität früher zu nassen Zeiten immer mit einem Bedürfnis nach Alkohol („Beruhigung“) verknüpft. Wie ist das bei dir?

    Mir fällt dabei auf, wie gut es mir gerade tut, wieder verstärkt hier im Forum mitzulesen. Es tut einfach gut, sich vor so einer neuen Phase wieder ganz bewusst vor Augen zu führen, was wirklich wichtig ist, und den Fokus richtig zu setzen.

    Das finde ich richtig gut.

    Diese (meine) Verankerung hier im Forum hat mir in den letzten Jahren durch viel gelebtes Leben geholfen.

    Viele Grüße und weiterhin einen guten Austausch dir hier.

    Thalia

  • Hallo ihr Lieben,

    ich wollte mich mal wieder bei euch melden und ein kleines Update zu meinem neuen Job geben, den ich am 1.10. angefangen habe.

    Der Einstieg ist echt super spannend und die Themen total interessant, aber eben absolut nicht mein Fachbereich. Das heißt: Abends glüht mir ordentlich der Kopf und ich habe sogar das Wochenende zum Lernen genutzt. Die Kollegen sind weitestgehend echt in Ordnung, mit zwei, drei verstehe ich mich schon richtig gut.

    Aber letzte Woche hatte ich eine Situation, die mich echt gefordert hat ....

    und ich muss das einfach mal mit euch teilen.

    Nach einer Teamsitzung sind alle noch hocken geblieben und haben sich eine Flasche Sekt aufgemacht. Mein allererster Impuls war: Einfach abhauen!!!!

    Aber da ich ganz neu im Team bin, macht sich das natürlich total blöd. Wenn ich in dem Moment einfach gegangen wäre, hätte das ein ganz falsches Licht auf mich geworfen. Nicht, weil sie da trinken, sondern weil es schnell so wirken kann, als wäre man unnahbar, hätte keinen Bock auf die neuen Kollegen oder will nichts mit ihnen zu tun haben. Dort weiss keiner von meiner Krankheit und ich bin auch nicht wirklich scharf drauf, dass im neuen Arbeitsumfeld direkt zu thematisieren. Außerdem wollte ich ja schließlich auch einen guten Anschluss finden und die Leute ein bisschen kennenlernen.

    Also habe ich mich kurz auf der Toilette verschanzt, kaltes Wasser über die Handgelenke laufen lassen, tief durchgeatmet und mir einen Plan gemacht.

    Zurück im Raum habe ich mich einfach im hintersten Eck platziert. Als sie mir dann ein Glas Sekt reichen wollten, habe ich direkt gesagt: „Ich trinke keinen Alkohol.“ Und wisst ihr was? War überhaupt gar kein Problem...

    Ich bin dann noch eine Viertelstunde geblieben, um beim lockeren Geplauder dabei zu sein, und habe mich dann mit dem perfekten (und absoluten wahren) Argument verabschiedet: „Ich muss jetzt los, meine Kinder abholen!“ Und abgedüst.

    Im Nachhinein bin ich echt stolz auf mich, dass ich diese Kurve gekriegt und das so souverän gelöst habe, ohne mich in Gefahr zu bringen.

    Mit der klaren Ansage direkt am Anfang habe ich jetzt hoffentlich auch für kommende Runden Ruhe. Wobei jetzt langsam das Thema Weihnachtsfeiern ansteht und ich mitbekommen habe, dass da einige ganz gerne mal was trinken. Ich merke da schon den Widerstand in mir und überlege ernsthaft, ob ich mir das antue oder ob ich einfach absage und gar nicht erst hingehe. Da geht der eigene Schutz einfach vor.

    Danke, dass es diesen geschützten Raum hier gibt. Wie geht es euch allen?

  • Im Nachhinein will ich mir da nichts schönreden: Natürlich habe ich mich in dieser Situation in Gefahr gebracht. Aber mir war in jeder Sekunde dieser Viertelstunde bewusst, wie gefährlich es gerade ist, und genau diese Wachsamkeit hat mich auf dem Boden gehalten. Der Fokus lag in dem Moment darauf, ins Gespräch zu kommen, und der Alkohol war dadurch kurz im Hintergrund. Trotzdem war es ein Ritt auf der Rasierklinge...

  • Ich empfehle dir die Weihnachtsfeiern abzusagen! Man kann trotzdem zeigen, dass man dazugehört. Bis dahin ist ja noch Zeit dafür. In deiner Situation würde ich sogar eine klitzekleine Lüge vorschieben mit ‚an dem Termin hab ich was anderes vor‘. Nimm dir echt was anderes vor, dann ist es nicht gelogen und bei Rückfragen bist du safe!

  • Danke dir für deinen Input, AnnaBlume

    Genau das finde ich so toll an unserem Forum hier. Man schreibt sich seine Gedanken von der Seele, und allein durch dieses Verbalisieren und Aufschreiben wandern sie raus aus dem Kopf und man kriegt eine ganz andere Perspektive. Man liest sich selbst noch mal durch und wird zum Weiterdenken angeregt, weil man oft einfach total verkopft ist und die Dinge nicht sieht, die eigentlich glasklar vor einem liegen. Dafür bin ich unheimlich dankbar!

    Beim Aufschreiben und Durchdenken ist mir nämlich auch direkt klar geworden, dass dieser Entschluss für die Weihnachtsfeier im Grunde schon längst in mir gewachsen war. Oft spürt man ja so eine innere Barriere, weil man denkt, dass man sich als Neue in der Praxis voll integrieren und überall mittendrin sein muss. Aber das muss man eben gar nicht.

    Es zeichnet sich im Team ja jetzt schon ganz klar ab, wie das laufen wird, da wird ein Shuttle organisiert und lauter so Zeug. Man sieht einfach genau, in welche Richtung der Zug fährt, und in diesem Zug will ich definitiv nicht sitzen!

    Meine Entscheidung steht deshalb zu 100 Prozent fest, ich werde da nicht hingehen. Bis dahin ist ja noch Zeit, und in den Wochen bis Weihnachten kann sich im Arbeitsalltag noch so vieles festigen. Ich muss kein großes Thema draus machen oder erklären, warum ich wegen des Alkohols passe, ich schiebe einfach was mit den Kindern vor und bin damit auf der sicheren Seite. Mein Schutz geht vor.

    Um trotzdem eine liebe Verbindung zu den Kollegen zu haben, mache ich es auf meine Art: Ich bringe im Dezember ein paar leckere Plätzchen mit in die Praxis und wir setzen uns in der Pause ganz entspannt zusammen. Tausendmal schöner und für mich vollkommen sicher.

    Und direkt noch eine kurze Frage an euch: Weiß zufällig jemand von euch, wie man sich eigentlich für das geschlossene Forum bewerben kann? Da würde ich mich gerne genauer umschauen, austauschen und einbringen.

  • Zitat

    „Ich trinke keinen Alkohol.“ Und wisst ihr was? War überhaupt gar kein Problem...

    Salü Hannah

    Ich registriere was Ähnliches. Vor ein paar Jahren führte "Ich trinke keinen Alkohol" noch zu "Warum?"-Fragen, oder man fühlte sich genötigt, dies zu begründen.

    Mittlerweile hat da anscheinend ein Umdenken stattgefunden (teilweise, zumindest). "Nein danke" führt weder zu schrägem oder fragendem Blick, sondern wird einfach so akzeptiert. Es erregt auch keinerlei Aufsehen - scheint normal zu sein. Und oft ist man auch nicht der/die einzige, der/die ablehnt.

    Auch bei vielen jungen Leuten scheint Alkohol enorm an Stellenwert eingebüsst zu haben. Je nach Peer Group ist es beinahe schon chic, keinen Alkohol zu trinken - gefällt mir.

  • Hallo Hannah,

    hier findest du die Infos:

    Dante
    4. Juni 2022 um 11:31

    LG, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Und direkt noch eine kurze Frage an euch: Weiß zufällig jemand von euch, wie man sich eigentlich für das geschlossene Forum bewerben kann? Da würde ich mich gerne genauer umschauen, austauschen und einbringen.

    Hallo Hannah,

    folgendes habe ich für Dich aus den Regeln kopiert, das erklärt alles:

    Anforderungen für den Zugang zu den geschützten Bereichen

    Wir behandeln mit dem Thema Alkoholsucht ein ausgesprochen sensibles Thema und bieten mit den geschützten Bereichen die Möglichkeit eines vertraulichen Austausches, abgeschirmt von den allgemein einsehbaren Bereichen. Eine Bewerbung an einen Moderator für den geschützten Bereich wird erst nach einer mindestens vierwöchigen Zugehörigkeit im Forum bearbeitet.

    Für den Zugang zu den geschützten Bereichen gibt es daher einige Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen:

    • eine mindestens vierwöchige Zugehörigkeit zum Forum
    • eine engagierte Mitwirkung in den offenen Bereichen
    • im geschützten Bereich einen Thread eröffnen - z. B. ein Tagebuch
    • die Pflege eines eigenen Threads
    • bei Alkoholikern zudem eine stabile Abstinenz

    Beachtet bitte die Anforderung der Mindestzugehörigkeit!

    Eine Bewerbung für den geschützten Bereich wird erst nach einer mindestens vierwöchigen Zugehörigkeit im Forum bearbeitet. Außerdem solltest du dich nach Ablauf dieser Zeit noch einmal erneut melden, um zu signalisieren, dass du weiterhin Interesse an der Selbsthilfe im geschützten Bereich hast.

    Für den Zugang zu geschützten Bereichen gelten weitere Bedingungen.

    • Durch die Freischaltung zu den offenen Bereichen entsteht kein Anspruch auf Zugang zu den geschützten Bereichen!
    • Die Moderatoren oder der Administrator behalten sich das Recht vor, Beiträge zu editieren oder ganz zu löschen.
    • Das gilt auch für Beiträge, die nach Einschätzung des Moderatorenteams sachlich falsch oder unangemessen sind oder die dem Selbstverständnis im alkoholiker-forum.de widersprechen, unter anderem Anregungen zu sog. kontrolliertem Trinken, Tipps zur Steigerung der Alkoholverträglichkeit und ähnlichem.
    • Der Administrator und die Moderatoren haben das Recht, Teilnehmer zeitweise zu sperren oder deren Account ganz zu löschen.

    Das wäre unter anderem der Fall bei fortgesetzten Verstößen gegen die Anstandsregeln, bei der Einstellung von Werbung ins Forum, bei Vertrauensbruch oder bei fortgesetztem Verstoß gegen das Selbstverständnis im alkoholiker-forum.de

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • moin hannah

    also weihnachtsfeier ist eben gar keine option. da liegt dein bauchgefühl völlig richtig. diese feiern sind ja im grunde doch immer nur ein anlass zum saufen, mehr oder weniger. und selbst wenn du diese feier überstehst kann das böse nachwirkungen haben.

    dazu gehören kann man auch wenn man sein privatleben nicht mit dem arbeitsleben verschmelzen läßt. deine idee mit den plätzchen ist prima. du kannst dich sehr gut auf deine instikte verlassen, dein frühwarnsystem funktioniert prima.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

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