Suchtverlagerung

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  • Hall zusammen,


    Nach dem Wegstellen der Flasche und den ersten Schritten ins trockene Leben empfehlen wir die Zeit, die man zum Saufen gebraucht hat, mit sinnvollen Zeiten zu ersetzen.


    Hin und wieder haut jemand die Bemerkung raus.


    „Aufpassen, dass es keine Suchtverlagerung wird“ Da frage ich mich „Wo fangt sie an wo hört sie auf, wenn die Sucht doch schleichend ist? Mir war alles recht, um nicht mehr saufen zu müssen.


    Wird da sich da nicht nur einer Floskel bedient oder woran bemerke ich die Suchtverlagerung?


    Ist für CO auch interessant, inwieweit die Zeit, die der Alkoholiker ihnen genommen hat, anders verwenden. Oder gibt es da keine Suchtverlagerung.


    Wie habt ihr das „danach“ erlebt?

    Gruß Hartmut

    ---------------------


    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • Hallo Hartmut,


    danke für das interessante Thema.


    Ich habe im ersten halben Jahr so etwas wie Suchtverlangerung betrieben.


    Zum einen habe ich mich oft mit Essen, zum anderen mit Diensten und Meetings "weggemacht".


    Beides hat mich aber sehr unzufrieden gemacht auf längere Sicht.

    Inzwischen hat sich beides bei mir zum Glück wieder eingependelt. Das mit dem Essen seit etwa einem Monat, das mit den Meetings schon etwas länger, weil ich einfach überfordert war.


    Heute versuche ich einfach durch Auszeiten und Besinnung wieder etwas mehr Ruhe in mein Leben zu bekommen. Seitdem ich das mache, habe ich das Gefühl, dass die Suchtverlangerung eine weniger große Rolle in meinem Leben spielt.


    Aber ich bin ein suchtgefährdeter Mensch und muss darum auch immer ein Stück weit auf mich aufpassen.

    Ich kann schneller wieder in der nächsten Sucht versinken, wenn ich mal sehr unausgeglichen bin.


    Viele Grüße


    Nicole

  • Spannendes Thema! Bin gespannt, was von anderen dazu kommt.

    Ich muss gestehen, dass ich als relativer Anfänger von dieser Warnung gelegentlich überfordert bin.

    Da ist so Vieles, auf das ich plötzlich aufpassen muss, da tun sich sooo viele Baustellen auf.

    Angst führt, so heißt es, in die Nähe eines Rückfalls. Sollte ich nicht also besser Angst möglichst vermeiden und daher zunächst unbesorgt alles Mögliche tun dürfen, um nicht mehr saufen zu müssen?

    Wann wird denn das Aufräumen oder der Sport oder die Beschäftigung in einer SHG oder was sonst auch immer zur Sucht? Wenn ich mich selbst „wegmache“, wie Nicole schreibt? Wenn ich mich nicht genug meinen Gefühlen stelle?


    Viele Grüße

    AufderSuche

  • Hallo Forum,


    ich habe tatsächlich gerade über das Thema nachgedacht. Ich habe mich mehr aufs Essen verlagert. Zur Anfangszeit habe viel Eis genascht. Ich habe sogar beobachtet, dass ich dies auch „heimlich“ getan habe. Also wenn ich alleine zu Hause war, habe ich die Packung hervorgeholt. Das war schon ein bisschen erschreckend.


    Jetzt fallen meine Belohnungen (z.B. beim Feierabend) auch noch häufig in Form von Süßigkeiten an. Ebenso die Gedanken, wenn ich schon nichts Trinke und die Kalorien beim Wein spare, kann ich ja auch noch Nachtisch essen.


    In letzter Zeit habe ich festgestellt, dass ich gleichgültiger werde, wenn ich mein Gewicht kontrolliere. Die Ausrede ist dann „besser Naschen als Trinken“, was zwar auch irgendwie stimmt, aber zu viel Süßes ist eben nicht gut und wenn ich frustriert über meine Gewichtszunahme bin, dann kommt schnell „nun ist es doch auch egal“. Das hatte ich manchmal auch beim Trinken. Daher muss ich mich echt disziplinieren und Nein sagen. Wie auch beim Alkohol.


    Daher kenn ich diese Suchtverlagerung schon ganz gut.


    Viele Grüße

    Seeblick

  • Hallo Hartmut,

    ich bin sicher schon in Suchtverlagerungen rein gerutscht, ist keine Floskel gewesen.


    Auch wenn einige darüber schmunzeln werden ;) , ich bin mal in eine Reiswaffel-Sucht gerutscht. :x

    Wie sich das äußerte?

    Ich wurde unruhig, wenn diese Reiswaffeln zur Neige gingen. Musste immer einen bestimmten Vorrat haben.

    Irgendwann meckerte mein Mann, weil die ganze Microwelle schon voller Packungen stand.

    Da habe ich heimlich welche in meinen Kleiderschrank versteckt ! :huh:

    Als ich das tat, bin ich allerdings hellwach geworden.

    Habe keine Packungen mehr nach gekauft und auch eine ganze Weile gar keine mehr gegessen.

    Das habe ich ohne irgendwelche Hilfe wieder in den Griff bekommen.

    Und heute knäuspere ich gerne mal mit den Enkelkindern zusammen ein paar Reiswaffeln, die mögen die nämlich auch gern.


    Ebenso bin ich mal in eine Sportsucht gerutscht. Auch da gab es dann irgendwann eindeutiges Suchtverhalten.

    Habe das dann total runter gefahren und bin auch da wieder allein raus gekommen.

    Funzt aber nur bei absoluter Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und kritischer Selbstbeobachtung, und die Bereitschaft zum Verändern der Situation.

    Es war jedes Mal auch eine Art Loslassen...und das gar nicht mal so gern. X/


    Bei der Alkoholkrankheit hatte ich allerdings überhaupt keine Chance mehr, das selbst in den Griff zu bekommen.

    Bin aber viele Jahre dem großen Irrtum aufgesessen, es doch irgendwie alleine schaffen zu können... schaffen zu müssen.

    "Ich kann doch nicht so eine Versagerin sein, das ich nicht aufhören kann mit der Sauferei!"

    Das waren meine damaligen Gedanken.

    Mir war zu dem Zeitpunkt gar nicht klar, das ich alkoholKRANK geworden bin, das ich wirklich eine Krankheit habe!

    Das ich viel zu viel gesoffen habe, war mir natürlich schon seit langem klar!

    Aber das es wirklich eine Krankheit ist und ICH daran erkrankt bin (und nicht nur andere!), das war mir nicht so bewußt.

    Als mir das aber klar wurde, natürlich auch durch meinen langen Krankenhausaufenthalt inkl. Intensivstation, denn dort ist keiner aus Spaß, ab da konnte ich dann auch Hilfe annehmen.

    Ich begriff damals endlich, das ich allein gar keine Chance mehr hatte, die Alkoholsucht zu stoppen, denn ich war ja körperlich schon komplett abhängig.


    Wenn ich heute merke, das ich beginne, irgendwas zu "exzessiv" zu machen, dann stoppe ich das.

    Ich bin offenbar eine Suchtpersönlichkeit, und muss da einfach deshalb sehr auf mich aufpassen.


    Meine beiden Suchtverlagerungen haben mir zwar körperlich nicht geschadet, aber sie machten mich unfrei.

    Hauptsächlich im Kopf. Und das mag ich nicht.

    Habe nicht mit dem Saufen aufgehört, um nun anderweitig Einschränkungen durch eine Suchtverlagerung einzufahren. :rolleyes:


    LG Sunshine

  • Hallo,


    ich vergleiche es gerne mit dem Verhaltensmuster vor der Sucht.


    Ich bin offenbar eine Suchtpersönlichkeit, und muss da einfach deshalb sehr auf mich aufpassen.

    Sunshine, ist das nicht jeder der süchtig war? Oder ist es genetisch eingelagert?


    Nun verfalle ich auch heute hin und wieder von einem Extrem ins andere und das in allen Bereichen. War früher vor meiner Alkoholsucht als Kind nicht anders. Mutter sagte. "Ich wüsste nie, wann ich aufhören soll.


    Das begünstigte sicherlich auch meine Alkoholsucht. Begünstigt heißt für mich jedoch nicht. dass es der Auslöser war. Der Auslöser war ich selbst, da ich trotz besseren Wissens, einfach zu viel gesoffen hatte. Punkt.


    Mein „vor der Sucht Verhaltensmuster“ ist ja nach meiner Sucht auch nicht verschwunden.



    Ist es nun Suchtverlagerung oder Suchteinlagerung ?

    Gruß Hartmut

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    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • Zitat

    Nun verfalle ich auch heute hin und wieder von einem Extrem ins andere und das in allen Bereichen. War früher vor meiner Alkoholsucht als Kind nicht anders. Mutter sagte. "Ich wüsste nie, wann ich aufhören soll.

    Bestimmte Fragen kann ich auch nicht beantworten, lieber Hartmut :lol:


    Ich kenne das auch gut, das ich in Extreme verfallen kann...und ich finde das auch gar nicht immer soooo selbstschädigend.

    Das wird es ja erst, wenn es anfängt, einen einzuschränken, wenn auch erstmal nur im Kopf.

    Ansonsten kann man das Verfallen in Extreme vielleicht auch mal ganz gut nutzen ;)

    Ich halte das also nicht immer für das krasseste Suchtverhalten, was NUR schädigt und sonst nix.

    Manche Extreme machen ja auch voll Spaß ^^


    Hmmmm....das ich nicht wusste, wann ich aufhören muss, das kenne ich jetzt nicht so aus früherem Verhalten vor der Alkoholsucht.

    Jedenfalls ist mir das nicht so bewußt....aber ich kann auch nicht beschwören, das es nie so war. Ich weiß es einfach nicht mehr, wenn es so war. :lol:

    Ich grabe aber auch nicht so tief in meiner Vergangenheit wie DU neuerdings ! 8o:lol::lol::lol:


    Zitat

    Mein „vor der Sucht Verhaltensmuster“ ist ja nach meiner Sucht auch nicht verschwunden.

    Nö, glaube ich auch nicht.

    Weder im Guten noch im Schlechten ;)

    Ich glaube ja auch nicht dran, das mit der Trockenheit aus einem Saulus ein Paulus wird.

    Oder wie es mal ein Bekannter formulierte, allerdings etwas deftiger:

    "Wer besoffen n Ars..*loch ist, der ist es auch nüchtern."

    Auch wenn ich das nicht ganz so sehe, denn der Alkohol verursacht oder begünstigt zumindest ja auch Wesensveränderungen, das muss man ja auch in dem Zusammenhang sehen.

    Trotzdem wird er nicht komplett unseren Charakter verändern, so eine Macht hat er ja auch wieder nicht.

    Auch wenn so mancher CO-Abhängige das gern so sehen möchte...ich glaube nicht dran, das sich jemand, der sich besoffen unter aller Kanone benimmt, nüchtern der reinste Engel ist.

    Und ich persönlich habe auch meine Schattenseiten (behalten), die ich auch schon vorher hatte, bevor ich alkoholkrank wurde.

    Die sind ja auch nicht davon weg, nur weil ich nicht mehr saufe.

    ich gestehe mir aber auch diese Seiten zu, sie sind auch ein Teil meiner Persönlichkeit und es muss nicht alles "negative" an mir "ausgemerzt" werden, um zu einem perfekten Menschen zu mutieren.


    LG Sunshine

  • Ich grabe aber auch nicht so tief in meiner Vergangenheit wie DU neuerdings !

    erwischt ;) Nee , sicherlich nicht so tief. Ich kratze nur an der Oberfläche. Auch wenn witzig gemeint, danke für den Hinweis. 8) Ist jedoch keine Therapie notwendig, auch wenn heut jedes Verhalten therapierwürdig eingestuft wird. Schade eigentlich. Der Mensch wird dadurch gleichgestellt. (Verschwörungstheorie kann ich auch)


    Zum Thema . In der ersten trocknen Phase hatte ich eben auch den lieben, langen Tag Zeit etwas anderes zu tun. Das Saufen war weg, Da kann eben der Eindruck entstehen, etwas exzessiver zu machen. In der Saufzeit wurde ja alles vernachlässigt.


    Beispiel. Ich hatte meine Leidenschaft Kochen und Backen mit der Zeit wieder entdeckt. Das mir meine Hüfte auch dankbar abnahm. Bedeutete dann Diät. Da ich nur Crash Diät will /Kann, kommt mir mein Extrem oder gar nicht Verhalten zu gute. Das ist jedoch kein Suchtverlagerung . Das packe ich in die Schublade Unverbesserlich.


    Mal sehen was noch so kommt.

    Gruß Hartmut

    ---------------------


    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • Wie habt ihr das „danach“ erlebt?

    Neben viel Arbeit....Eis, bis 1000 ml am Abend, Lakritz, Gummibärchen und Sport, Sport, Sport, viel lesen und youtube Vidios über Z.B. Ulli Borowka und viele mehr, die sich als Alkoholiker öffentlich outen. Leider auch das Rauchen wieder angefangen :(

    Alle Bekannten, Freunde aussortiert und dabei speziell die Mitgliedschaft in Sportvereinen gekündigt.

    Dazu meine Geschichte mit der Erfahrung aus der Therapie handschriftlich niedergeschrieben.

    Kindheit, Religion ( Zeugen Jehovas bis 12), Schulzeit mit prügelndem Direktor (Nazi und Z. Jehova!), weitere Entwicklung, Zivildienst, private Tragödien, Erfolg, erneute Schicksalsschläge etc.

    Ein Ordner ist bereits voll, obwohl ich bei dem Alter von 35 erst mal stoppen musste, da ich soviel Dinge erkannt habe, dass ich weiche Knie bekommen habe.


    Beste Grüße


    Thomas

  • ich glaube, dass man mal über adhs nachlesen sollte, wenn man (wie ich z.b. auch) ein suchtcharakter ist.
    habe meine diversen süchte durchlebt und sie dann durch andere ersetzt.
    kenne das gefühl nur zu gut, für etwas zu 'brennen'.
    agiere dann nicht normal sondern extrem. weiß nicht mehr, spüre es nicht mehr, wenn ich aufhören sollte.
    bin dann nur am machen.. ohne mir limit zu setzen. so viele themen exzessiv schon betrieben.

    eine hohe prozentzahl der alkoholiker sind unerkannte adhs-ler. vielleicht hilft diese erkenntnis ja jemandem.

    lg gabi

  • Hallo Forum,

    parallel zum Alkoholismus habe ich viele Jahre Sport in einer süchtigen Ausprägung betrieben. Sechs Trainingstage die Woche und wehe, es kam was dazwischen. Sport und Alk haben sich lange ausbalanciert. Wurde eines weniger, stieg die Dosis beim anderen. Irgendwann wurde dann Alk immer mehr und Sport immer weniger.

    Jetzt trainiere ich wieder dreimal die Woche. Mehr Zeit will ich gar nicht investieren. Wäre auch nicht sinnvoll. Wenn ich darauf verzichten soll, werde ich aber erstmal unleidlich. Ist schließlich wertvolle ICH- Zeit und gehört zu meinem Anti- Alk- Programm.


    Schon während der Entgiftung hab ich Schokolade für mich entdeckt. War seit der Kindheit kein Thema. Nach etwa zwei Monaten war der Schokojieper dann von einem auf den anderen Tag weg.


    Eismann

  • Hallo Eismann,


    schöne Zeilen....könnte auch von mir sein.

    Schon mal daran gedacht, dass das übermäßige Sport treiben, der Top-fitte Körper auch eine perfekte Tarnung bzw. Täuschung war?


    Schaut doch...ich doch nicht, niemals. Dazu noch auf der Sonnenbank tief braun gebrutzelt.

    Alkoholiker haben alle einen fetten Bierbauch....also, was wollt ihr!


    Beste Grüße


    Thomas

  • Hallo Thomas,

    Tarnung war zwar nicht das Ziel hat aber als Nebeneffekt funktioniert. Mein Motto war und ist um mit Heinz Strunk zu sprechen: 'Ich möchte mit freiem Oberkörper Holz hacken können ohne daß es Sch...e aussieht.' ;) Das Schöne ist, ohne Suff muss ich viel weniger Zeit und Energie investieren um fit zu bleiben.


    Nichtsdestotrotz war Sport für mich selber immer ein auch ein Rechtfertigungsgrund zum Saufen. Ich mach ja was für den Körper, kann ich es ja an anderer Stelle etwas schleifen lassen. Ging lange gut aber am Ende war ich halt doch ein Wrack, das nach ein paar Liegestützen Nasenbluten kriegt.


    Sport frei

    Eismann

  • Ja der inoffizielle Vereinszweck, der sich in keiner Satzung findet. Für Nichtalkoholiker ja eigentlich auch in Ordnung. Schlecht nur, wenn Kinder/ Jugendliche da hinein wachsen.


    Btt. Koffein soll ja auch eine beliebte Ersatzdroge sein, ob nun Kaffee oder Energydrink.


    Eismann

  • Mein Vater war Bauunternehmer....vor ca. 50+ Jahren. Da ich mich schon sehr früh für alles interessierte was sich dreht oder noch mehr, warum es sich nicht mehr dreht oder bewegt, drängte ich in den Schulferien immer darauf, dass er mich mit nahm.

    Meine Hauptaufgabe war allerdings zur Frühstücks- und Mittagszeit Tütenweise Getränke heran zu schleppen. Da war ich ab 6 Jahre alt.


    Sein Bester Mann kam morgens schon mit einer prall gefüllten Leder-Tasche zur Arbeitstelle bzw. wurde von meinem Vater abgeholt.

    Die Pitralon Rasierwasserwolke habe ich jetzt noch in der Nase. Vor der Mittagspause musste ich selbstverständlich das Leergut einsammeln. Daher weiß ich das sein bester Mann von 7.00 - 12.00 bis zu 15 Flaschen einer unverwechselbaren, speziellen Marke Bier intus hatte.


    Och lass den doch, der hat Sorgen, meinte mein Vater. Schau mal wie fleißig der ist und immer pünktlich. Beobachte mal die ......(Hilfsarbeiter) die trinken keinen Alkohol und machen nach kurzer Zeit schlapp.

    Aha, dachte sich der kleine Thomas...scheint nicht so schlimm zu sein der Alk und macht auch noch stark.


    Meinen 8 Jahre älteren Bruder (somit 14) brachte während dieser Zeit schon regelmäßig die Polizei nach Hause....entweder direkt aus einer Kneipe...oder betrunken und ohne Führerschein auf einem Heinkel Roller aus dem Verkehr gezogen.

    Wouw, was für ein Held dachte sich der kleine Thomas


    Kleiner Sprung in das Alter von ca. 12 Jahren. Fußballverein/ B-Jugend....der Trainer kam mit einem Tablett Bier...das wirkt Wunder macht mutiger....

    Na wenn das nicht so schlimm ist, stärker, lustiger und mutiger macht...dann griff der kleine Thomas mit seinen Minderwertigkeitskomplexen doch gleich doppelt zu. Das Thema nach dem Sport hatten wir ja schon :(


    Darf ich jetzt irgendwem die Schuld zuweisen? Nein damals wussten sie es nicht besser.

    Auch die Gesetzgebung nicht, die damals bis 1,6 %0 im Straßenverkehr alles in Ordnung fand.

    Als ich erstmals gemerkt habe das etwas nicht stimmt war ich 23 Jahre alt. In meinem Traumjob selbstständig, erfolgreich und körperlich in Höchstform. Geht nicht, gibts nicht, war mein Motto. Immer helfen, niemals nein sagen.

    Nur der schon längst süchtige Hirnstamm meldete sich immer intensiver mit den bekannten Symptomen der Sucht.


    Eine Horrorzeit über weitere 20+ Jahre begann. Lebensgefährliche kalte Entzüge unter dem Deckmantel...bin im Urlaub...führten nur noch weiter in die falsche Richtung. Siehste, geht doch. Dazu die Entzüge manchmal abgebrochen, da mal wieder ein wichtiger Termin anstand.


    Einer der vielen Ärzte die ich in Kundschaft hatte und mit dem ich privat und sportlich (Tennis/Volleyball) viel Zeit verbracht habe, sagte mir: Das schaffst niemand allein. Meine Antwort damals: Dann bin ich eben der erste, der das schafft. Du bist doch nur sauer, dass Du trotz meines Zustandes ( Die Alkoholfahne, Sonntags 12.00 stand in der Halle) verloren hast.


    Mannometer...wie bekommt man das in die Köpfe der jungen und auch älteren Leute, die sich mit ihrem Komasaufen das Leben ruinieren.

    Seit 12 - 15 Jahren lese ich von einer gleichbleibenden Zahl von 1,2 - 1,6 Millionen Alk-Abhängigen bei 83 Mio-Einwohnern.

    In England liest man von 8 Mio Abhängigen bei 60 Mio-Einwohnern.


    Scheinbar stimmt der Satz: Frau/Mann muss erst ganz unten angekommen sein


    Beste Grüße...wenn auch mit weichen Knien


    Thomas

  • Scheinbar stimmt der Satz: Frau/Mann muss erst ganz unten angekommen sein


    Ich spreche lieber vom persönlichen Tiefpunkt. Der jeweilige Schwellenwert ist halt unterschiedlich hoch. Häufig ist zu beobachten, dass der Anstoß, etwas gegen die Trinksucht zu unternehmen, von außen gesetzt wird, z.B. der Familie, dem Arbeitgeber, der Führerscheinstelle nach einer Trunkenheitsfahrt.


    Nicht jeder hat bereits Haus und Hof versoffen, bis er zur Einsicht gelangt, gegenzusteuern.

  • Hallo Carl Friedrich,


    natürlich richtig, wie Du es genauer definierst. Aber 3 Menschen habe ich auch zum Friedhof begleiten müssen.

    War/ist auch bei mir nicht der Fall, bis auf den Führerschein der mir auf Grund meiner ehrlichen Aussage: Bin trockener Alkoholiker und hatte einen Rückfall....entzogen wurde. Mit MPU Auflage obwohl der gemessene Wert gering war.

    Ein von der BAST festgelegtes Kriterium, bei vielen weiteren Krankheiten, wie Herzinfarkt usw. usw. Sollte jeder Autofahrer mal lesen und besser nichts aussagen. Eine Meldepflicht besteht nicht.

    Da meine (Auto) Welt dann somit doch in der Gosse lag, habe ich diesen Vorgang als Startsignal für eine erneute Wende gesehen.

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