Rennschnecke - bin froh, hier zu sein

  • Hallo Carl Friedrich,

    das kläre ich gern auf. 😊

    Ich bin tatsächlich vor über 1,5 Jahren, am 18. Juni 2023, hier voller Elan aufgeschlagen. Nach kurzem, intensivem Austausch (mit dem typischen Anfängerrauschen 😉)hier, war ich noch ein gutes halbes Jahr täglich stille Mitleserin, bis ich mich direkt nach erfolgreicher (und von mir bewusst auf den Reha-Termin abgestimmter) ambulanter Entgiftung hier zurückgemeldet habe. Der erste nüchterne Abend war am 8. Januar 2024.

    Und mein "Einjähriges" betr Forumsteilnahme war für mich gefühlt sogar bedeutsamer als jetzt der 1. Abstinenzgeburtstag. Über den freue ich mich natürlich auch, aber komischerweise stiller als über den 1. Forengeburtstag ...

    Denn entscheidend bei der Abstinenz ist ja weniger das, was ich schon geschafft habe, sondern dass ich so weitermache....

    Fühle ich mich schon trocken? Nein, da geht es mir wie meinem lieben "Sparringspartner" Nayouk, der 2 Tage vor mir abstinent wurde: Da ist bestimmt "Restfeuchte", und darum bleiben wir schön hier (aktiv).

    Immerhin sehe ich mich jetzt betr. Abstinenz nicht mehr als Frischling, sondern, um im Tierreich zu bleiben, als Jährling. Und der hat manchmal noch Flausen im Kopf ... 😉

  • Mach dich mal nicht "nässer", als du dich selbst siehst. :whistling::mrgreen: Bedenke, dass die Rückfallquote im ersten halben Jahr bei rund 85 % liegt und du weit über einem halben Jahr liegst.

    Wichtiger ist doch das Gefühl, ob ich zwanghaft mit einer geballten Faust trocken bin und nur etwas beweisen möchte oder ob die Trockenheit aus einer Einsicht besteht, die zu einer Zufriedenheit führt.

    Es ist jedoch kein Wettbewerb.

    Jeder, der hier ist, ob einen Tag oder über 20 Jahre Trocken , steht an der Theke nur eine Armlänge vom Alkohol entfernt, sofern Alkohol da steht.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Dann einen herzlichen Glückwunsch zum ersten Jahr.

    Immerhin sehe ich mich jetzt betr. Abstinenz nicht mehr als Frischling, sondern, um im Tierreich zu bleiben, als Jährling. Und der hat manchmal noch Flausen im Kopf ...

    Das erste Jahr ist das schwerste, jetzt gilt es am Ball zu bleiben. Manche nennen es Trockenarbeit, ich nenne es Training. Abstinenz ist für mich sinnbildlich wie eine Sportart, vernachlässige ich das Training, geht die Form flöten und es wäre für mich der erste Schritt in Richtung Rückfall. Deshalb bin und bleibe ich hier, nicht unbedingt täglich, jedoch regelmäßig. Nur im Urlaub lege ich mal Forumspause ein.


    Weiterhin alles Gute.

  • Wenn ich mir die Erfahrungen der letzten 18 Jahre hier im Forum anschaue, sind Alkoholiker, die nicht aus einem Tiefpunkt herausgekommen sind und trocken wurden, eher für einen Rückfall anfälliger als diejenigen, die einen Tiefpunkt hatten und wissen, wie es dort unten aussieht.

    Das hast Du vorhin bei Lebenskünstler geschrieben, Hartmut . Heißt das, je mehr ich durch das Saufen schon verloren bzw. kaputt gemacht habe, desto geringer die Rückfallgefahr?

    Denn irgendeine Art persönlichen Tief- oder Wendepunkt hat doch jeder Alkoholiker erlebt, der sich für die Abstinenz entscheidet, oder?

    Wie dem auch sei, mein Motto ist schon lange: Ich möchte die Rückfallstatistik durcheinander bringen!

  • Das hast Du vorhin bei Lebenskünstler geschrieben, Hartmut . Heißt das, je mehr ich durch das Saufen schon verloren bzw. kaputt gemacht habe, desto geringer die Rückfallgefahr

    Die Rückfallgefahr besteht bei jedem Alkoholiker.

    Nach meinen Erfahrungen waren jedoch diejenigen, die bereits massive körperliche und materielle Schäden erlitten haben, also einen sichtbaren und spürbaren Tiefpunkt erreicht haben, weniger betroffen als diejenigen, die sich schon nach dem Konsum von zwei Flaschen Wein im Monat sich als Alkoholiker sahen und sonst keine weiteren Auswirkungen bemerken.

    Oder Person die keinen echten Tiefpunkt außer einem 'gefühlten'.Das Letztere ist natürlich etwas überspitzt ausgedrückt

    Es gibt immer wieder Alkoholiker, die betonen, dass sie 'nur psychisch', aber nicht körperlich erkrankt sind. Manchmal wird dies auch als Ausrede genutzt, um nicht zum Arzt gehen zu müssen und die Alkoholkrankheit zu verbergen, während im stillen Kämmerlein ein kalter Entzug versucht wird.

    Aber auch diejenigen, die das Psychische explizit hervorheben, was sie eigentlich nicht benötigen , da Alkoholismus und Suchterkrankungen ohnehin psychisch eingestuft werden .

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Oder Person die keinen echten Tiefpunkt außer einem 'gefühlten'.Das Letztere ist natürlich etwas überspitzt ausgedrückt

    Das ist ne interessante These. Ich recherchiere mal ob das systematisch untersucht wurde, aber so wie du es schreibst ergibt es Sinn. Es muss doch Statistiken geben, die Trinkverhalten und subjektive Selbsteinschätzung der Sucht in Zusammenhang mit dem Rückfallrisiko bringen.

    Laut Deiner These wäre ich dann ganz besonders gefährdet. Meine Trinkmengen waren nicht horrend, körperlich habe ich den Entzug nicht gemerkt und mein Tiefpunkt war ein Filmriss mit hinfallen und Handy verlieren. Ich war körperlich gesund, beruflich unauffällig und außer meiner Tochter hat sich keiner an meinem Trinkverhalten wirklich gestört. Tiefpunkt sieht anders aus.

    Also muss ich mich besonders schützen um mein höheres Risiko zu kompensieren.

  • Das ist ne interessante These.

    Das ist keine These, sondern meine Erkenntnis aus 18 Jahren im Forum und draußen im Realen.

    Ich vergleiche es mal mit einem Kind und einer heißen Herdplatte. Wenn du einmal auf eine heiße Herdplatte fasst, merkst du es schmerzhaft und wirst in Zukunft vorsichtiger sein.

    Ich möchte das Psychische keinesfalls herunterspielen, bei weitem nicht. Denn das eigene Erleben kann genauso schwer wiegen. Nur habe ich mittlerweile das Gefühl, dass versucht wird, Alkoholismus in immer mehr Abstufungen einzuteilen, was es dann schwieriger macht. Und lasst euch nicht von mir nicht beeinflussen, jeder weiß selbst, dass er für seinen Alkoholismus verantwortlich ist.

    Also muss ich mich besonders schützen um mein höheres Risiko zu kompensieren.

    Jeder muss sich als Alkoholiker besonders schützen. Es ist egal, ob man psychisch oder anderweitig keine Tiefpunkte hatte. Die Rückfallgefahr liegt nun einmal je nach Statistik bei rund 90 % bis 95 %. .Auch für mich, der das Licht am Ende des Tunnels beschreiben kann, bin ich nicht davon gefeit .

    Es hängt auch davon ab, wie ich mich damit beschäftige, wie ich mich damit auseinandersetze und ob ich im Laufe der Zeit meine Trockenarbeit vernachlässige.

    Für mich gibt es bei Alkoholikern oft nur ein gefühltes "Ich weiß jetzt alles und brauche mich nicht mehr darüber auszutauschen, und ich habe alles im Griff." Das setze ich mit der nassen Zeit gleich, als ich sagte: "Ich habe alles unter Kontrolle."

    Immer am Ball bleiben.

    Gruß Hartmut

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