Jump! aus dem Hamsterrad

  • Also der Vergleich war ein anderer.

    Dann habe ich gemerkt, dass mich diese Frage nicht weiter bringt. Und habe sie stattdessen mir selbst gestellt: Kann ich selbst, trotz der langen Zeit, raus aus meiner Spirale? Und bin zu dem Schluss gekommen, dass es für mich selbst die Chance vermutlich eher erhöht. Weil mein inneres Fass nun übergelaufen ist.

    Und das hat mich dann an den Tiefpunkt beim Alkoholiker erinnert. Der ja unter Umständen auch erst nach einer langen Zeit eintritt.

    Oder habe ich dich missverstanden Elly?

    Dein Vergleich hinkt irgendwie, Jump!

    Ein Angehöriger hat einen klaren Kopf und entscheidet unbeeinflusst vom Nervengift Alkohol.

    Ein Alkoholiker steht unter ständigem Alkoholeinfluss und verändert seine Persönlichkeit. Auch wenn Trinkpausen eingelegt werden, sich nicht die Einsicht einstellt, dass man Alkoholiker ist und der Groschen gefallen ist, wird sich nichts ändern.

    Was ich sagen will, bei dem Angehörigen kann der "Tiefpunkt" unbeeinflusst vom Alkohol viel früher eintreten. In dem Sinne, dass er das Augenmerk auf sich selbst legt und sich schützen kann. D.h. eine innerliche und äußerliche Trennung vom Partner.

    Der Alkoholiker ist gefangen in der Sucht und ihm gelingt erst die Trennung vom Alkohol, wenn er körperlich und seelisch am Ende ist. So war das auf jeden Fall bei mir. Und dazu habe ich viele Jahre gebraucht. Aber diese Einsicht und den Absprung schaffen nur wenige Alkoholiker. Sie befinden sich im Suchtkreislauf und finden nicht heraus.

    gerade wegen der nervenschädigenden Wirkung des Alkohols fällt es mir ja so schwer die volle Verantwortung trotzdem an meinen Mann zu geben.

    Und gerade das ist wichtig, Jump!

    Für Dich zu erkennen, dass Du nichts, wirklich nichts tun kannst. Im Gegenteil, indem Du den Alkoholiker immer wieder auffängst, beginnt alles wieder von vorn. Der Suchtkranke weiß ja, dass er sich auf andere verlassen kann, dass sie ihn in den schweren, nassen Zeiten "tragen". Er gibt im Grunde die Verantwortung ab.

    Ich als Alkoholiker muss für mich selbst den Weg aus der Sucht finden, da kann mich niemand hintragen oder hinschupsen. Es ist allein meine Verantwortung.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Guten Morgen Zusammen,

    Zu den Veränderungen im Gehirn bei einem nassen Alkoholiker habe ich am Anfang auch extrem viel gelesen.

    Einfach weil ich bei meinem Ex Partner dachte er wird dement, etc.

    Da muss ich Elly Recht geben. Das Gehirn ist zwar noch ein großes Rätsel für die Wissenschaft, aber es gibt schon einige Erkenntnisse wie das Nervengift Alkohol die Gehirntätigkeit einschränkt bzw. verändert. Zum Beispiel, dass der präfrontale Kortex (steht für logische Entscheidungen) bei einem schwerst suchtkranken Menschen wie abgeschaltet ist.

    Das kommt wieder, wenn rechtzeitig die Kurve in eine Abstinenz genommen wird. Es stand aber in der Studie auch, dass das bis zu einem Jahr dauern kann.

    Und wenn ich daran denke, wie es mir am nächsten Tag ging, wenn ich ma zu viel getrunken hatte... Da war ich nicht klar lebensfähig. Und dieser Zustand dann eigentlich dauerhaft, da stelle ich es mir schwierig vor sich mit etwas klar zu beschäftigen.

    Ich denke als Co ist man durch die emotionale Achterbahnfahrt anders nicht klar. Kann aber schnell einen Fuß auf den Boden bekommen, wenn man mal einen Schritt in die richtige Richtung macht.

    Weiß nicht ob ich mich jetzt verständlich ausgedrückt habe... Hatte noch keinen Kaffee..

    LG Momo

  • Für mich sind das zwei verschiedene Paar Schuhe:

    Das eine ist, dass ich nix machen kann und sogar die Sucht unterstütze durch mein co-Verhalten.

    Das andere ist, ob der Süchtige selbst nach einer gewissen Dauer und Menge an Alkohol immer noch "die gleiche Chance hat" aufzuhören. Es ging um die sogenannten "Drehtürpatienten".

    Elly und Momo, so wie ich euch jetzt verstehe ist das dann durchaus ein Unterschied. Weil es ein Nervengift ist.

    Beide Punkte sehe ich aber völlig unabhängig voneinander.

  • Hi Jump, ich versteh nicht, worum es dir geht? Ich hab ca. 3 Jahre gesoffen und wenn ich jetzt Hartmut als Vergleichsperson nehmen darf, waren es bei ihm 30 Jahre, mein ich. Warum soll das einen Unterschied machen, wenn der Wille aufzuhören, (gleichstark) vorhanden ist?

  • Kleiner Reminder: Bleib bei Dir! 😉 (auch in Friseurfragen)


    Und verkopf es nicht - durchbrich die alten Muster. Wenn jemand sagen würde: ja, für dich und deinen Partner ist es nach all den Jahren nicht mehr möglich Alkohol- bzw. Co-Abhängigkeit zu überwinden - was wäre dann die Konsequenz. Kapitulieren?

    Nein! Wege suchen! Oder?

  • Beide Punkte sehe ich aber völlig unabhängig voneinander.

    Das was ich meine ist, der Alkoholiker kann nur selbst etwas gegen die Sucht tun.

    Der Angehörige kann gg. die Sucht nichts tun, er ist dieser ausgeliefert, aber kann sich distanzieren, bzw. die Beziehung beenden. Und zwar mit klarem Kopf und er kann auch schneller aus dem Suchtsystem aussteigen und auch dabei bleiben.

    Warum es den Angehörigen nicht gelingt, liegt meiner Meinung nach an verschiedenen, äußeren Umständen. Bei dem Alkoholiker nur an seiner eigenen Sucht.

    Wenn der Punkt der Akzeptanz bei dem Angehörigen und dem Alkoholiker erreicht ist, dann ist es möglich aus der Sucht auszusteigen.

    Aber das alles hat nur der Süchtige in der Hand. Und deswegen ist es m.E. wichtig, dass sich der Angehörige aus diesem Suchtkreislauf herausnimmt. Und der Angehörige hat da bessere Chancen, als ein Süchtiger, sobald er dieses Zusammenspiel verstanden hat.

    Und scheinbar hast Du das jetzt verstanden, Jump! Du bist (fast) ausgezogen und hast Dich distanziert. Du hast einige Runden mitgedreht, aber erkannt, was besser für Dich ist.

    LG Elly

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    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Warst Du mal richtig besoffen? Auch über mehrere Tage?

    Viele meiner Gedanken entsprachen nicht mehr der Realität. Ein Alkoholiker lebt in seiner eigenen Welt.

    Ja, war ich, mehrere Tage habe ich allerdings nie hinbekommen. Es ist schon klar, dass die Art der geistigen Unklarheit anders ist, aber glaube mir: Ich habe mich als Co buchstäblich monatelang wie besoffen gefühlt. Das ging bis in unkoordinierte Bewegungen, fahrlässiges Autofahren und ähnliches hinein.

  • Hallo Ihr Alle,

    Ich habe ja vor kurzem von Momo den Hinweis auf sehr fundierte, wissenschaftliche Studien zum Thema Co-Abhängigkeit bekommen. Von Gallus und Anna Bischof, Uni Lübeck.

    Das was dort zum "Mythos Co-Abhängigkeit" herausgefunden wurde hat mich regelrecht befreit. Und ich möchte veruchen es für euch so gut ich kann zusammen zu fassen.

    Hier geht es also nicht um Meinungen, Konzepte, psychologische Erklärungen, sondern um Forschungsergebnisse, die belegt sind. Sozusagen um den aktuellen State of Art. Ich kann natürlich nicht garantieren, dass ich alles ganz genau richtig wieder gebe. Also es ist das, was für mich selbst wichtig ist und wie ich es aufgefasst habe, in meinen Worten.

    Was mir schon mal direkt ins Auge gesprungen ist, war, dass hier von "Coping-Strategien" der Angehörigen gesprochen wird - als Reaktion auf den Stress, den das Zusammenleben und das Zusammensein mit einem Süchtigen bedeutet. Also nicht von Mustern, Prägungen, Kontroll-Befürfnissen, emotionaler Abhängigkeit oder dergleichen. Sondern von Bewältigungsstrategien als Reaktion auf chronischen Stress.

    Und die sind ohne Wertung, ganz sachlich eingeteilt in:

    a) Engagement: Beeinflussung des Süchtigen; Versuch Kontrolle zu erhalten

    b) Abgrenzung: Distanz, Fokus auf sich selbst, Abgabe von Verantwortung

    c) Tabuisierung: Ausblenden, Vermeiden, Verschweigen

    d) Resignation: Duldung, Inkonsequenz

    Diejenige Strategie, die die Belastung, den Stress, am meisten reduziert ist...na was wohl? Natürlich b).

    Wenn Angehörige sich räumlich trennen, dann hat dies eine große Wirkung, es geht ihnen deutlich besser. Angefangen vom getrennten Schlafzimmer bis zur eigenen Wohnung wird die Belastung quasi kontinuierlich weniger. (DAS hat mir besonders gefallen).

    Frühe Erklärungsansätze, dass Angehörige von Suchtkranken durch Persönlichkeitsdefizite geprägt sind, werden entkräftet. Vielmehr wird deutlich gemacht, dass in der Populärliteratur plausibel klingende Statements kombiniert wurden, die keine tatsächliche Grundlage haben.

    Es wird anerkannt, dass der Begriff "Co-Abhängigkeit" zwar sehr wichtig war, um die Angehörigen aus dem Schatten der Süchtigen hervor zu holen und deren eigenes Leid sichtbar zu machen. Allerdings wird kritisiert , dass sich dahinter ein uneinheitliches, laienpsychologisches Konstrukt verbirgt, welches:

    - mit einer Selbst-Pathologisierung verbunden ist,

    - das Problem individualisiert sowie

    - eine Mit-Schuld an der Sucht suggeriert.

    Und dadurch für viele Betroffene ein Hilfesuchen sogar erschwert.

    Dass Angehörige stark belastet sind zeigt z.B. die Auswertung von Krankenversicherungs-Daten. Angehörige von Suchtkranken haben deutlich höhere Krankheitsraten als Vergleichsgruppen. Wenn die Abhängigkeit der Süchtigen jedoch erfolgreich behandelt wurde, dann sind die gesundheitlichen Einschränkungen wiederum signifikant zurück gegangen.

    Angehörige leiden doppelt so oft unter Depressionen wie andere. Häufig sind auch Ängste und somatoforme Störungen.

    Zusammenfassend könnte von einem "Burnout" als "Reaktion auf anhaltenden Stress bei persönlicher Bindung" gesprochen werden.

    Genau so, habe ich mich auch gefühlt. Einfach ausgelaugt, ausgebrannt.

    Für mich selbst (also entgegen der Studie) steht der Begriff Co-Abhängigkeit dennoch für die emotionale Verstrickung und diese eigene Dynamik und Wechselwirkung...

    Ich könnte noch mehr schreiben...aber ich schicke es jetzt einach mal ab.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

  • Da kommt mir der Gedanke, dass alles was hier im Forum thematisiert und geraten wird doch genau dem entspricht.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Wie kommen Angehörige von a), c) und d) zu b)?

    Der Leidensweg bzw. das Verharren im Leid dauert oft Jahre. Der Dauerstreß macht körperlich und psychisch krank. Wird es dadurch noch schwerer zu b) zu kommen?

    Wenn ich eines hier gelernt habe ist es, daß es keine Abkürzung gibt. Ich bin jetzt 58, mir geht's gut. Aber im Verhältnis noch nicht so lange. Der größte Teil meiner Lebenszeit ist "draufgegangen". Andererseits bin ich jetzt die, die ich jetzt bin und das ist völlig in Ordnung. Von daher habe ich Frieden mit der Vergangenheit geschlossen.

    LG, Linde (EKA)

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Für mich waren die Ergebisser diese Studie deshalb eine richtige Befreiung:

    weil ich mein Verhalten nun als "normale" Stressreaktion erklären kann

    und nicht dauernd in meiner Persönlichkeit rumkramen muss, um meinen vermeintlichen Kontroll-Wahn oder meine zu große Opferbereitschaft zu bearbeiten

    ich komme mir nicht mehr blöd oder pathologisch vor

    ich fühle mich nicht mehr Mit-Schuld an der Suchtentwicklung meines Mannes, weil ich ihn "zu oft aufgefangen habe"

    ich frage mich nicht mehr ob meine Reaktionen auch selbst "süchtig" sind

    Diese Zuschreibungen, Generalisierung en; die Metaphern vom Frosch der an die Wand geworfen werden muss (das kommt ja wirklich überall und ich frage mich wer das eigentlich urspünglich erfunden hat), die Bilder von der Kontrollsüchtigen Co, die ihre eigene Machtbesessenheit über den Süchtigen ausleben will; oder ihr Helfersyndrom auslebt...all das hatte mich sehr belastet, mich dauernd an mir zweifeln lassen.

    Ich finde es ist ein Unterschied ob ich ein Verhalten als "Aktives Engagement" (a) bezeichne und im zweiten Schritt die negativen Folgen sachlich aufzeige. Oder es als suchtförderndes pathologisches Agieren hinstelle, das den Ursprung in einer eigenen gestörten Persönlichkeitsentwicklung oder einem Wiederholungszwang hat.

    Ich denke, dass Angehörige aufgrund der oft jahrelangen Stress-Situation in ihrer Wahrnehmung unsicher sind und sehr verwundbar. Und daher dann schnell solche Zuschreibungen annehmen.

    Ich glaube dieses Kramen in mir selbst hatte vor allem den Zweck doch noch irgendwie die Kontrolle über eine unkontrollierbare Situation zu bekommen (nicht im krankhaften Sinn von Kontroll-Zwang, sondern als normale Reaktion, um mein inneres Gleichgewicht wieder her zu stellen). Oder um dem Ganzen doch noch irgendwie einen Sinn zu geben. Außerdem lenkt das Self-Blaming ab vom Süchtigen. Den kann ich nicht ändern, also muss ich mich selbst "ändern". Anstatt die Ausweglosigkeit der Situation zu akzeptieren und zu gehen?

    Es wurde kritisch dargestellt, dass der Begriff der Co-Abhangigkeit in den 50er Jahren entstand. Und damals im Grunde nur Frauen damit gemeint waren. Und deren traditionelles Frauenbild damals geprägt war von diesen typischen Verhaltensweisen, die heute als Co-Persönlichkeit betrachtet wird. Dies dann aber als Kennzeichen einer Co-Abhängigkeit zu übernehmen, ist irreführend. Das sind typische Prägungen von einem Großteil der Frauen und keine Hinweise speziell auf Co-Abhängigkeit.

    In den Selbst-Tests wird aber genau das vermischt. Außerdem wird das Handeln der Angehörigen mit dem sekundären Krankheitsgewinn des Süchtigen erklärt. Auch dies eine zunächst plausibel klingende, aber falsche Kausalität. Wenn z.B. eine Angehörige ihren Mann krank meldet, dann nicht, weil sie ihn decken will und quasi mit ihm unter einer Decke steckt. Sondern weil sie den finanziellen Ruin befürchtet, wenn er entlassen wird. Weil sie die Scherben zusammen halten will. Ja! Das führt dazu, dass der Süchtige vermutlich weiter seine Situation verleugnen kann; vielleicht nicht zum Tiefpunkt kommt. Aber das ist nicht der Grund für die Angehörige und macht ihr Verhalten nicht pathologisch. Es wird aber alles vom Süchtigen aus interpretiert. Nicht aus der Wahrnehmung und der Angehörigen selbst.

    Da wird die Auswirkung des Suchtverhaltens mit der Ursache verwechselt. Nehmen wir mal einen Selbst-Test zur Frage: bin ich Co-Abhängig? Da steht z.B. "Ich sage mir oft, dass es nicht so schlimm ist, wie es scheint" . Aus meiner Sicht ist das ein Versuch sich selbst zu beruhigen aufgrund des enormen Stresses. Hier aber angebich ein Zeichen für Co-Abhängigkeit. "Ich bin zu beschäftigt, um über mich nachzudenken". "Ich frage mich warum der Abhängige mich ständig verletzt ". "Meine Gefühle wechseln zwischen Liebe und Hass" etc.... Das sind logische Folgen. Vieles eben Stress-Reaktionen. Und kein Zeichen für eine pathologische Co-abhängigkeit.

    Auch die Behauptung, dass eine Angehörige sich aus einem unbewssten Wiederholungszwang immer wieder Süchtige "sucht" ist nicht belegt. Das gibt es, vereinzelt. Aber es wird Über-Generalisiert, wie viele andere Zusammenhänge auch. Bei weibichen EKAs ist hingegen wissenschaftlich erwiesen, dass diese als Erwachsene mehr als doppelt so häufig Partnerschaften mit Suchtkranken eingehen.

    Aber, wie so oft, hat @ Linde die eigentliche Krux auf den Punkt gebracht: wie schaffen es Angehörige schließlich doch zu gehen?

    In der Studie wurden folgende Punkte als "hilfreich" heraus gearbeitet:

    - Informationen

    - emotionale Unterstützung ohne Bewertung

    - konkrete finanzielle und praktische Hilfe

    Wie gesagt sehe ich die emotionale Verstrickung jedoch als sehr bedeutsam an. Wenn ich mich selbst betrachte und auch wenn ich jetzt die verzweifelten Beiträge der anderen lese, dann kommt mir dieses innere Gefühl wieder ganz nah. Ich finde keinen guten Ausdruck dafür. Es ist für mich dann "mehr" oder "anders" als "nur" eine Stress-Reaktion. Und das verbinde ich selbst mit dem Begriff Co. Wobei das Co ja auch für Coping stehen könnte, dachte ich gerade.

  • Ist es noch Selbsthilfe oder eine wissenschaftliche Beratung?

    Meine Wahrnehmung bestimmt meine Realität. Wenn sie hilfreich ist, ist das gut; wenn nicht, ändere ich meine Wahrnehmung und suche weiter. Übrigens, ich kann alles wissenschaftlich belegen und jede Studie oder Variante finden, die zu mir passt.

    Wenn es mir nützt, ist es gut, wenn nicht, frage ich mich warum mache ich das überhaupt?

    Waren paar Fragen und Gedanken , die mir gerade durch den Kopf gehen.

    Ich verlasse mich in der Regel auf Selbsthilfe, die durch Austausch zustande kommt und suche nicht nach fundierte wissenschaftliche Studien, die dies bestätigen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Liebe Jump,

    ja, da hat Momo wirklich einen tollen Artikel empfohlen. Danke, dass du ihn so schön für alle aufbereitet und zusammengefasst hast!

    Und deshalb meinte ich in einem meiner vorherigen Beiträge auch, dass die Diagnose von Persönlichkeitsstörungen unbedingt dem Fachmann/der Fachfrau überlassen werden sollte, da es hier laienhaft viel zu schnell Zuordnungen zu einer Persönlichkeitsstörung gibt und ich aus meiner Erfahrung sagen kann, dass man in den seltensten Fällen tatsächlich zu einer Persönlichkeitsstörung kommt in der Diagnose, da hier sehr sehr vieles zutreffen muss.

    In einer co-abhängigkeit zu stecken löst auf jeden Fall eine Stressreaktion aus, manchmal sogar eine sehr heftige und/oder chronsiche und viele von uns haben wohl auch a) b) c) d) alles durch, zumindest kann ich das für mich so bestätigen. Weil, was man in vielen Beiträgen sieht, hier viele co-abhängige echt taffe Personen sind, die eben versuchen Problemlösestrategien zu finden. Was ja ein gutes Zeichen ist, da man nicht in der Situation verharrt, sondern versucht, sie zu lösen und sich oft dennoch im Kreis dreht. Auch das kann ich natürlich in erster Linie für mich selbst sagen.

    Ich habe in den letzten 3 jahren auf jeden Fall a) b) c) d) durch und als ich es endlich geschafft hatte, mich auf b) einzugrooven und es geschafft habe, auch ohne Trennung auf Distanz zu gehen und mein eigenes Ding zu machen, hat mein Mann seinen legendären Abgang gemacht, bei dem mir unterstellt wurde fremdgegangen zu sein. Deshalb war sein Abgang für mich ein ziemlich heftiger Knall, da es mir gerade recht gut ging. a) c) und d) haben ihm wohl besser gefallen. Die ersten 12 Jahre unserer Beziehung gab es dieses Problem nicht. Aber ich bin viel zu lange in der Beziehung geblieben in der Hoffnung, dass es wieder so wird wie in diesen Jahren.

    Alles Liebe

    Jana

  • Ist es noch Selbsthilfe oder eine wissenschaftliche Beratung?

    Die Wissenschaft sollte uns ja dabei unterstützen, Erkenntnisse für uns selbst abzuleiten. Solange dies gelingt und der Schwerpunkt immer noch im Erfahrungsaustausch liegt, kann die Wissenschaft eine kleine, aber wertvolle Unterstützung für die Selbsthilfe sein.

  • Ich glaube dieses Kramen in mir selbst hatte vor allem den Zweck doch noch irgendwie die Kontrolle über eine unkontrollierbare Situation zu bekommen (nicht im krankhaften Sinn von Kontroll-Zwang, sondern als normale Reaktion, um mein inneres Gleichgewicht wieder her zu stellen).

    Das ist meines Erachtens sehr gut beobachtet. Dieses Kontrollbedürfnis zielt doch in vielen Fällen gar nicht darauf ab, das Trinkverhalten des anderen tatsächlich zu kontrollieren, also es irgendwie regulieren zu wollen, sondern nur darauf, einen wenigstens ungefähren Überblick darüber zu bekommen, wie die Lage tatsächlich gerade ist, damit man in dem ganzen emotionalen Gewirbel irgendwie zumindest einen halbwegs festen mentalen Punkt herstellen kann: OK, ich weiß wenigstens ungefähr, wie besch*ssen die Lage gerade ist.

  • Hallo Jump,

    danke für deine tollen Beiträge. Ich erkenne da sehr viel für mich und über mich.

    Gerade das Verhalten und die Folgen von Dauerstress, das ist genau das, was ich erlebt habe. Die Folgen davon habe ich heute noch. Die sind jetzt pathologisch bei mir.

    Ich denke, da hängt dann meine Prägung nach dem alten Frauenbild noch mit dran, es kommt eins zum anderen. Dass ich eine Persönlichkeitsstörung habe, habe ich nie so empfunden. Und auch in meiner Therapie war das kein Thema.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • ie Wissenschaft sollte uns ja dabei unterstützen,

    Sie hat mich nicht unterstützt, weil ich eine wissenschaftliche Ableitung für meine nassen Gedanken gefunden hatte, was beinahe tödlich endete. War das nun hilfreich oder hätte es hilfreich werden können?

    Wir sind hier auch eine Selbsthilfegruppe, und der Schwerpunkt sollte auch darauf liegen, nicht auf einer Bruchbesprechung. Dazu sollten wir auch wieder zurückkehren.


    ps, nach dieser Abhandlung natürlich;)

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Dialog Hilfe zur Selbsthilfe für die Betroffenen ist, auch wenn er auf einer wissenschaftlichen Abhandlung beruht.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Dialog Hilfe zur Selbsthilfe für die Betroffenen ist, auch wenn er auf einer wissenschaftlichen Abhandlung beruht.

    Obwohl ich die Frage stellen würde, wie jemand weiß, dass es ihm hilft und wann es ihm hilft, besonders wenn er sich gerade auf den Weg macht?

    Es geht nicht darum, dass es nur ein Dialog ist, sondern darum, dass Selbsthilfe nicht nur aus wissenschaftlichen Studien besteht. Und wir können hier aus eigener Erfahrung uns austauschen. Ich habe es auch stehen lassen und nur darauf hingewiesen, dass wir eine Selbsthilfegruppe sind und dass dies der Schwerpunkt des Forums ist.

    Gruß Hartmut

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