Jump! aus dem Hamsterrad

  • Leider ist auch trotz ICD die Zuordnung zu Krankheitsbildern weit weniger eindeutig und einfach, als du es darstellst Jana.

    Ja, das ist richtig, aber ich wollte nicht mit der vollständigen Erläuterung den Rahmen sprengen bzw wäre das auch gar nicht möglich. Deshalb habe ich es vereinfacht dargestellt. Mir war es nur wichtig, zu sagen, dass die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung zu komplex ist als dass sie von jemandem gestellt werden könnte, der es nicht gelernt hat.

  • Ich hänge gerade studienbedingt über der ICD und denke gefühlt alle 30 Sekunden darüber nach, wer da wirklich 100%ige Diagnosen stellen soll/kann :S

    Jump und Jana: Beide Ausführungen unabhängig voneinander aber total interessant :thumbup:

  • Aber sehr viele Menschen haben einzelne Merkmale des Narzissmus in ihrer Persönlichkeitsstruktur, die meisten entsprechen aber zum Glück nicht der pathologischen Störung.

    Einzelne Merkmale, oder aber sie stehen eben relativ weit oben im Spektrum. Bis das aber tatsächlich als "pathologisch" eingestuft werde, sei es ein sehr weiter Weg nach oben, sagte mir meine Psy. Aber es könne für die Mitmenschen auch schon weit unterhalb des Pathologischen deutlich unangenehm werden.

  • Es heißt schlicht: Co-Abhängigkeit. Ist in der 3. Auflage von 2011, weiß nicht wann es erschienen ist.

    Es richtet sich in erster Linie an Psychotherapeut*innen, Suchtberater und so, aber soll auch explizit zusätzlich für Betroffene geschrieben sein.

    Ha, ha, das Fachbuch von Flassbeck habe ich eben in meinem eigenen Bücherregal entdeckt 🤦🏼‍♀️. Das muss ich mir vor rund 15 Jahren im Zeitraum der ersten Reha meines Mannes gekauft haben.

    Damals haben wir beide jedes verfügbare Buch zum Thema Sucht und Co verschlungen. Genutzt hat es nichts!

    Habe eben mal quergelesen und würde es für Betroffene nicht empfehlen. Ist viel zu sehr aus der therapeutischen Vogelperspektive geschrieben und ich würde fast sagen, es verhindert dann eher den eigenen Prozess.

    Denke deshalb habe ich es auch komplett vergessen, weil es mich selbst innerlich nicht angesprochen hat.

  • Im Endeffekt ist es doch aber so, dass wir eigentlich wissen, was wir bei uns selbst ändern können. Ähnlich wie bei gesunder Ernährung. Ich weiß was gesund ist, was ungesund ist etc

    Ich denke die eigene Erkenntnis etwas verändern zu wollen und es dann auch zu tun, ist eigentlich Alles.

    Hartmut schreibt das doch immer so schön. Tun muss man tun (oder so ähnlich)

    LG Momo

  • Habe eben mal quergelesen und würde es für Betroffene nicht empfehlen. Ist viel zu sehr aus der therapeutischen Vogelperspektive geschrieben und ich würde fast sagen, es verhindert dann eher den eigenen Prozess.

    Genau deshalb gibt es das Buch für Angehörige: ich will mein Leben zurück

  • Kann mir bitte nochmal jemand den Kopf waschen!

    Unter denen, die es beim ersten Mal schaffen, bis zu dem Drehtürpatienten sind die Chancen gleich.

    Jetzt kommt dieses Frage-Teufelchen hoch: ist es wirklich gleich?

    Hat nicht ein Alkoholiker der viele viele Jahre sehr viel getrunken hat und damit ja auch sein Gedächtnis, seine neuronalen Verbindungen, so nachhaltig mit Nervengift geschädigt hat - hat der trotzdem die gleichen Chancen es beim so-und-so-vielsten Anlauf zu schaffen ???

  • Hat nicht ein Alkoholiker der viele viele Jahre sehr viel getrunken hat und damit ja auch sein Gedächtnis, seine neuronalen Verbindungen, so nachhaltig mit Nervengift geschädigt hat - hat der trotzdem die gleichen Chancen es beim so-und-so-vielsten Anlauf zu schaffen ??

    Meine Antworten:

    1. Es bringt mir nichts mich damit zu beschäftigen, ich sollte mich nur mit mir selbst befassen

    2. Ich übertrage die Frage auf mich selbst: habe ICH die gleiche Chance mich aus meiner Co-Abhängigkeit zu befreien nach so vielen Jahren, wie jemand, die erst kürzer in einer solchen Situation ist?: meine Antwort ist ganz klar ein JA! Und vielleicht, also ganz vielleicht sind meine Chancen ja sogar gerade deswegen "gut", weil ich schon so oft auf die Schnauze gefallen bin und diese nun um so voller habe? - Wie auch immer, jedenfalls nicht schlechter, nur anders.

    3. Das selbe könnte auch für den Alkoholiker gelten...

  • 1. Es bringt mir nichts mich damit zu beschäftigen, ich sollte mich nur mit mir selbst befassen

    :thumbup:

    2. Ich übertrage die Frage auf mich selbst: habe ICH die gleiche Chance mich aus meiner Co-Abhängigkeit zu befreien nach so vielen Jahren, wie jemand, die erst kürzer in einer solchen Situation ist?: meine Antwort ist ganz klar ein JA! Und vielleicht, also ganz vielleicht sind meine Chancen ja sogar gerade deswegen "gut", weil ich schon so oft auf die Schnauze gefallen bin und diese nun um so voller habe? - Wie auch immer, jedenfalls nicht schlechter, nur anders.

    :thumbup:

    3. Das selbe könnte auch für den Alkoholiker gelten...

    Egal ;)

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Im Gegensatz zum Alkoholiker haben die Angehörigen einen klaren Geist.

    Der Alkoholiker ist in seiner nassen Zeit nicht mehr bei klarem Verstand. Außerdem zerstört er seine Gesundheit und kann daran sterben, wenn er die Sucht nicht zum Stillstand bringt.

    Ich finde nicht, dass man das eine mit dem anderen vergleichen kann.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Kann man das wirklich sagen? Ich hatte garantiert als Co keinen klaren Geist mehr.

    Warst Du mal richtig besoffen? Auch über mehrere Tage?

    Viele meiner Gedanken entsprachen nicht mehr der Realität. Ein Alkoholiker lebt in seiner eigenen Welt.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Ich finde nicht, dass man das eine mit dem anderen vergleichen kann.

    Mir ging es zuerst um die Frage, ob die Dauer der Sucht die Chance mindert sie zu stoppen. Weil es ja Nervengift ist, welches hier in sich rein geschüttet wird. Also ob ein Alkoholiker, der zum 4. Mal eine Reha macht die gleichen Chancen hat seine Sucht zu stoppen, wie einer, der seine erste Reha macht.

    Also der Vergleich war ein anderer.

    Dann habe ich gemerkt, dass mich diese Frage nicht weiter bringt. Und habe sie stattdessen mir selbst gestellt: Kann ich selbst, trotz der langen Zeit, raus aus meiner Spirale? Und bin zu dem Schluss gekommen, dass es für mich selbst die Chance vermutlich eher erhöht. Weil mein inneres Fass nun übergelaufen ist.

    Und das hat mich dann an den Tiefpunkt beim Alkoholiker erinnert. Der ja unter Umständen auch erst nach einer langen Zeit eintritt.

    Oder habe ich dich missverstanden Elly?

    Ich wollte keinen intoxinierten Süchtigen mit einer Co-abhängigen vergleichen. Im Gegenteil: gerade wegen der nervenschädigenden Wirkung des Alkohols fällt es mir ja so schwer die volle Verantwortung trotzdem an meinen Mann zu geben.

    Ich finde den Hinweis von sorrowful aber auch sehr wertvoll. Alles was wir tun, alles was wir denken, hinterlässt ja immer eine neuronale Spur im Gehirn. Also auch ohne stoffliche Schädigung. Und ich muss sagen, dass in meiner "Co-Krisenzeit" der Realitätsbezug vermutlich auch eingeschränkt war, ich quasi "besessen" war. Bestimmt nicht vergleichbar mit einem fast komatösen Vollsuff, aber dennoch "entrückt".

    Aber wie gesagt: darum ging es mir eigentlich gar nicht.

  • Also wenn das was ich nach außen hin vertrete, lebe, tue "Realitätsbezug" ist, dann hab ich ihn in meiner Coabhängien Beziehung definitiv verloren. Ich bin beruflich und privat "eigentlich" voll emanzipiert, taff, selbstbewusst, setze klare Grenzen, ... alles gar kein Problem. Aber in meiner Beziehung wird mir schwindelig, wenn ich drüber nachdenke, wie ich hier fast jegliche Grenzen verloren habe! Erst lange Zeit ohne es zu merken, dann lange Zeit ohne es mir selbst zu glauben, dann jetzt auch schon wieder lange Zeit, in der ich vorsichtige kleine Grenzen ziehe, ... so selbstunsicher...so kennt mich "da draußen" niemand.

  • Ich bin beruflich und privat "eigentlich" voll emanzipiert, taff, selbstbewusst, setze klare Grenzen, ... alles gar kein Problem. Aber in meiner Beziehung wird mir schwindelig, wenn ich drüber nachdenke, wie ich hier fast jegliche Grenzen verloren habe!

    das kommt mir sehr bekannt vor, ich kam mir zeitweise vor, als würde ich zwei Leben leben. Zuhause und auf der Arbeit.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • das kommt mir sehr bekannt vor, ich kam mir zeitweise vor, als würde ich zwei Leben leben. Zuhause und auf der Arbeit.


    lg Morgenrot

    Und passt es jetzt wieder zusammen bei Dir, Dein ganzes Leben? Oder um bei Jumps Frage zu bleiben: denkst Du, Du hast jetzt Deinen Realitätsbezug wieder? Ist es jetzt ein Selbstläufer oder musst du immer wieder dran arbeiten wie ein*e Alkoholiker*in an der Abstinenz?

  • denkst Du, Du hast jetzt Deinen Realitätsbezug wieder? Ist es jetzt ein Selbstläufer oder musst du immer wieder dran arbeiten wie ein*e Alkoholiker*in an der Abstinenz?

    also ich bin in der Realität angekommen, dass würde ich schon sagen. Die Realität sieht so aus, dass ich nichts beeinflussen kann, was den Alkoholiker betrifft.

    Natürlich passiert es immer mal wieder, dass ich in alte Muster verfalle, diese Muster haben mich Jahrzehnte begleitet. Ich kann sie aber jetzt besser erkennen und benennen. Ich für mich weiß, ich bleibe am Ball, und ich tue es für mich.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

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