Huhu, da ist ja eine lebhafte Diskussion entstanden, das gefällt mir.
Hartmut ich nehme nochmal zu ein paar Punkten Stellung. Ich war überrascht, dass mein Kopf noch dran geblieben ist 😉. Danke, dass du meine Synapsen immer wieder zum Glühen bringst.
Aber wenn das größte Problem angeblich laienhafte Bezeichnungen sind,
Hab ich gesagt es ist das größte Problem? Es geht nicht um Wortklauberei, sondern um Zuschreibungen und Pathologisieren.
Viele erleben es ja auch als "Wortklauberei", dass die Alkoholiker eingangs klar sagen müssen sie sind Alkoholiker, versus alkoholkrank. Und es heißt dann - zu Recht, wie ich finde - dass dies grundlegend ist. Obwohl die "Neuen" dann genau so argumentieren:
Sie sind hier, weil sie aus ihrem Leid raus wollen und einen Weg suchen.
Das hier habe ich so ja auch nicht verlangt:
Und wenn ein Alkoholiker Hoffnung weckt, bekommt er keinen Maulkorb und kann es tun.
Ich habe darauf hingewiesen, dass ich es schräg finde so etwas (wiederholt) bei einer Angehörigen zu posten. Ich habe nicht geschrien: löscht es, oder du darfst das nicht. So etwas nenne ich Austausch, Diskussion, Abgrenzung. Besonders letzteres sehr wichtig für Cos. Ich fand das auch nicht "schlimm" von Abstinenzler , ich wollte vor allem klar machen wie das wirkt/wirken kann. So wie Alkoholiker hier ja auch oft erklären wie Sucht funktioniert und wie sie das mit den Angehörigen erlebt haben.
Und deshalb schauen viele auch in die Alkoholiker-Fäden, vermute ich mal. Weil sie den ganzen Wahnsinn verstehen wollen. Aber so wird es dann interpretiert:
Und mal ehrlich: Ein Co, der noch im Kopf hat, jemanden trockenlegen zu wollen, schaut rüber zu den Alkoholikern, weil er eben noch nicht so weit ist
Immer wieder wird das Verhalten von Cos aus der Sicht des Alkoholikers interpretiert. Beispiel: ich habe keine leeren Flaschen gesucht, weil ich ihn retten oder im engeren Sinn unter Kontrolle bringen wollte, sondern weil ich meine Wahrnehmung bestätigen wollte, wenn er behauptet: nein, ich hab nix getrunken - obwohl er einen glasigen Blick hat. Ich sag das, weil das mit den Flaschen ja immer das Paradebeispiel für Co-Abhängigkeit ist.
Aus meiner Sicht ist die Dynamik viel subtiler. Ich habe ja viele Jahre quasi komplett ignoriert, dass mein Mann trinkt. Ich habe gesagt es ist seine Sache. Und fand mich super Anti-Co. Weil ich die typischen Co-Sachen nicht gemacht hatte. Das kam erst, als ich Angst um sein Leben bekommen hatte. Aber er hat auch nie geleugnet Alkoholiker zu sein. Hat mir nie die Schuld zugeschoben und so. Was ich hier lese ist nochmal eine ganz andere Dynamik.
Es wird aber nicht immer eine Hoffnung geschürt, es wird nur vom Co so wahrgenommen was ein gravierender Unterschied ist.
Aha. Die Co ist also mal wieder die Wahrnehmungs-Gestörte. Wenn einer schreibt: halte durch, bei mir hat es nach sieben Jahren dann ja auch geklappt und meine Frau freut sich riesig - dann ist es reine Einbildung, wenn ich dann denke es könnte bei mir ja auch so sein.
Wenn ein Alkoholiker seiner Frau erzählt, ab morgen hör ich auf oder Trinkpausen einlegt, um die Wogen wieder zu glätten, dann ist das keine aktive Manipulation? Sie ist nur zu blöd darauf rein zu fallen? Klar ist es beim zigsten Mal "verrückt" weiter daran zu glauben.
Weshalb das so ist kann ein Alkoholiker aber wahrscheinlich genauso wenig nachvollziehen, wie eine Co versteht warum der Süchtige trotz allem weiter trinkt. Und damit will ich beides nicht vergleichen/ähnlich machen. Ich will nur die unterschiedlichen Perspektiven verdeutlichen.
Aber danke für deinen weiteren Einblick.
Ähm 🤔, ist das ironisch gemeint? 😂
Hartmut, deine Beiträge sind oft wertvoll, weil sie verhindern, dass ich mir was schön rede und vor allem, wenn du schonungslos deine Sicht als Alkoholiker darstellst. Am meisten freue ich mich aber über die Beiträge der Cos, die ja wirklich wissen wie es ist, wie es sich anfühlt. Und will darauf noch eingehen.
Das ist in der ersten Phase ein Entzug auf emotionaler Ebene und kann ähnliche Entzugserscheinungen hervorrufen wie bei einer Sucht.
Mein Mann muss in die Psychiatrie, wenn er einen Entzug hat. Er bekommt sonst einen epileptischen Anfall. Er zittert trotz Tabletten so stark, dass er weder Essen noch laufen kann, übergibt sich, hat Schmerzen, Depressionen, Schuldgefühle, Scham... Er hat keine Sehnsucht nach Alkohol, er hat ein zwanghaftes Verlangen. Er bekommt keine Glücksgefühle mehr durch Alkohol. Liebt ihn auch nicht. Fühlt sich gefangen. Es steht auch völlig außer Frage, dass er mich liebt.
Für mich ist das nicht vergleichbar. Aber es ist wahnsinnig schwer einen geliebten Menschen aufgeben zu müssen. "Alles" zu verlieren. Angst zu haben er stirbt, oder wird zum Pflegefall. Zu wissen wie es früher war und wie es doch sein könnte. Sehnsucht nach früher zu haben. Das sind heftigste Gefühle. Für mich hat es aber nichts mit Entzug zu tun.
Ich habe eher den Eindruck, dass dieses: ich bin ja auch süchtig. Ich habe ja auch einen Entzug eine Verbindung aufrecht erhält, etwas Gemeinsames. Und DAS sehe ich eher als etwas was aufgelöst gehört. Um mich wirklich zu befreien. Und nicht doch noch in der Dynamik fest stecken zu bleiben, nur halt anders.
Co Abhängigkeit hab ich als Definition so verstanden, dass man seine Sucht deckt und und ihm alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumt.
So verstehe ich es auch. Aber auch hier ist das zentriert auf den Effekt für den Alkoholiker. Der Grund weshalb eine Angehörige ihn vielleicht krank meldet oder bei anderen Ausreden findet (hab ich nie gemacht) ist doch oft, dass sonst der finanzielle Ruin befürchtet wird. Oder die Kinder es nicht mitkriegen sollen. Oder die eigene Scham.
Klar ist das für ihn ein Feigenblatt. Und es mag auch für den Alkoholiker "gut" sein, mich zu trennen, weil es ihn ganz vielleicht auf rüttelt. Aber das sehe ich eher als fragwürdig an, denn ich bin nicht verantwortlich dafür ihm einen Tiefpunkt zu bescheren. Wenn ich gehe, dann mache ich das für mich selbst. Ich Stelle mich wirklich selbst in den Mittelpunkt.