wieweiter - Was tun?

  • Ihr lehnt Menschen, die nicht eure Überzeugung haben ab

    Vielleicht, weil hier davon ausgegangen wird, dass man sich aus der Co-Abhängigkeit befreien möchte, wenn hier Hilfe gesucht wird?

    Falls Du das noch liest, wünsch ich Dir wirklich alles Gute. Ich glaube nicht, dass Dir hier jemand etwas Böses wollte.

  • Ich frage mich manchmal ob mehr Liebe und Verständnis nicht weitergeholfen hätte. Habe ich seine Verlustängste mit meinen Trennungsankündigungen nicht angefeuert? Ich vermisse ihn unendlich, er war im Grunde ein lieber Mensch, der mit dem Leben nicht zurechtkam.

  • Das mit der co Abhängigkeit ist auch so ein schwarz oder weiß. Ich denke hier gibt es auch Abstufungen. Ich habe trotzdem dass ich ihn geliebt habe immer mein eigenes Ding gemacht. Ohne ihn.

    Ja, das mag sein, dass es da Unterschiede gibt. Bei manchen dreht sich alles komplett um den trinkenden Partner, manche haben auch genügend Selbstwertgefühl, ihr eigenes Ding zu machen. Das ist hier im Forum manchmal nicht so ersichtlich, wo es denn tatsächlich so ist und wo nur schön geredet.

    Manche sind vielleicht auch gar nicht co-abhängig, die hier auftauchen. Davon gehen die meisten jedoch aus, weil es ja nun mal auch ein Forum für Alkoholiker und Co-Anhängige ist.

  • Liebe wieweiter,

    Ich denke auch, dass niemand hier etwas böses will. Wir landen doch alle hier weil wir uns in der Sucht verloren haben. Ich denke mal, dass Du Alles Menschenmögliche getan hast und es trotzdem diesen Lauf genommen hat. Ich verstehe, dass Du traurig bist und Dich selbst hinterfragst, weil es so schwer ist zu akzeptieren.

    Aber dennoch bin ich der Meinung, dass kein Partner eines suchtkranken Menschen die "Macht" hat etwas zu bewegen, wenn dieser nicht irgendwie es auch möchte. Und das ist das was hier auch oft angemerkt wird.

    Ich sende Dir mal eine virtuelle Umarmung und etwas Kraft Alles zu verarbeiten.

    LG Momo

  • Natürlich gibt es Abstufungen, sie sind jedoch unterschiedlich. Deswegen ist ein Pauschalrundumschlag auch nicht hilfreich.

    Es bedeutet nicht, dass man jemanden nicht mehr liebt, wenn man sich trennt. Es zeigt vielmehr, dass man genug Selbstachtung besitzt, um sich selbst wieder in den Vordergrund zu stellen und sich aus einer Abhängigkeit zu befreien, besonders wenn die Unterstützung, die man versucht zu geben, zwecklos erscheint.

    Auch wenn die Entscheidung schmerzhaft ist, bedeutet das nicht, dass sie falsch ist. Beide Seiten bekommen die Chance, sich selbst zu reflektieren und wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen.

    Nun, ich komme aus der Welt der Alkoholabhängigkeit und habe viele dieser Erfahrungen selbst durchgemacht. Die Einsichten, die mich dazu gebracht haben, trocken zu werden, waren schmerzhaft und nicht die sanften, gut gemeinten Ratschläge von außen. Diese prallten oft an mir ab und dienten mir sogar als Ausrede, weiterzutrinken, da es Menschen gab, die dachten, mich damit zu verstehen.

    Es waren die schmerzhaften Wahrheiten, die mich wachgerüttelt haben. Nur durch diese harten Erkenntnisse konnte ich die notwendige Selbstreflexion durchführen und mich von meiner Abhängigkeit befreien.

    Keine Sorge, du wirst nicht zensiert, dafür gibt es keinen Grund. Du hast vollkommen recht, wenn du sagst, dass das Schwarz-Weiß-Denken hier oft im Vordergrund steht.

    Wer mit Empathie, Einfühlsamkeit und einem starken Willen zu helfen gesegnet ist, wird das nicht immer vollständig verstehen können. Aber glaub mir, aus 18 Jahren Erfahrung weiß ich, dass gerade das Schwarz -Weiß Denken nicht zu ersetzen ist.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Was ist Co-Abhängigkeit eigentlich? Wie fängt sie an? Aus eigener Erfahrung und meiner Meinung fängt sie da an, wo wir einen Menschen beginnen zu lieben und ihm unser Vertrauen schenken. Wir lassen einen Menschen in unser Leben, mit der Hoffnung auf die große Liebe und Beständigkeit, wir sind verliebt in diesen Menschen und definieren ihn als einen Teil von uns, unserem Leben, die Person gehört im Laufe der Zeit zu uns. Ich habe in der Beziehung zu meinem Ex auch nie aufgehört mein Leben zu führen, dennoch wurde ich Co-Abhängig, ganz automatisch, weil mein Ex Partner süchtig war. Das passierte ganz fließend. Jemand der süchtig ist und seine Sucht auslebt, bringt diese mit in die intime, partnerschaftliche Beziehung zweier Menschen. Das bedeutet das die Sucht immer da ist, unterbewusst, offentsichtlich oder schleichend. Sie wird zum Vorschein kommen, eines Tages, wenn der Süchtige sie nicht mehr zurückhalten kann und wir als unabhängiger Partner sie nicht verstehen und alles versuchen, aus Liebe, aus Hoffnung, diese Sucht und das Verhalten zu stoppen, weil wir dem Partner helfen wollen. Ab da an landen Co's mit in der Spirale. Egal ob ich die Sucht ab tue, ob ich sie öffentlich vertusche, lüge oder alles schön rede. Oder ob ich meinen Partner plötzlich mehr als gut wäre unterstütze, an ihm hänge und ihn und seine Sucht im Fokus meines Lebens steht. Fakt ist, wer Co-Abhängig ist, der leidet unter der Sucht seines Partners und je mehr wir den jenigen lieben, je mehr wir Zeit und Kraft investieren, so schlimmer wird unsere eigene Abhängigkeit, weil da einfach die Sucht mitspielt in der Beziehung, es ist eine suchtbelastete Beziehung. Und in dieser Zeit, wo wir genau wissen was los ist und unser Unterbewusstsein aufschreit, wird es immer schwieriger sich aus der Beziehung zu lösen, bzw für sich selbst neue Wege zu gehen, wir lieben diesen Menschen einfach viel zu sehr und wollen ihn nicht aufgeben. Wir sind emotional abhängig und tun mehr als wir eigentlich können. Selbst wenn die Beziehung zu Ende geht, braucht es lange zu heilen, es war nicht nur Liebe, sondern auch die Abhängigkeit einer Sucht in dieser Beziehung, die wie das dritte Rad am Wagen immer mit lief.

    Ich denke es gibt kein schwarz-weiß, aber es gibt die Sucht, die so zerstörerisch und vereinehmend ist, für alle Beteiligten, die emotional involviert sind. Das sind nicht nur Partner, das sind auch EKA's, Mütter, Väter, Geschwister, Freunde... Jeder der mit in der Spirale des Süchtigen geht. Deshalb ist es so wichtig, das man Abstand gewinnt, wenn man in so einer Situation landet. Solange der Süchtige keine Einsicht hat, kann keiner ihm helfen, aber viele können leiden und ihr eigenes Leben in den Hintergrund stellen.

    Ich kann aus meiner Erfahrung auch nur jedem raten, der in so einer suchtbelasteten Beziehung ohne Krankheitseinsicht steckt, Abstand zu gewinnen und auch den Absprung zu wagen. Liebe heilt eine Sucht und ihre evtl bestehenden tiefen Verletzungen leider nicht. Jeder kann nur sich selbst im Leben heilen und wenn nur die jenigen die auch aus tiefster Überzeugung heilen wollen.

  • Ich frage mich manchmal ob mehr Liebe und Verständnis nicht weitergeholfen hätte. Habe ich seine Verlustängste mit meinen Trennungsankündigungen nicht angefeuert? Ich vermisse ihn unendlich, er war im Grunde ein lieber Mensch, der mit dem Leben nicht zurechtkam.

    Liebe wieweter

    ich habe großen Respekt vor dem, was du durchmachst, und verstehe, wie wertvoll die Erinnerungen an die gemeinsamen Zeiten mit deinem Liebsten für dich sind.

    Doch ich glaube, dass sich Liebe und Alkoholsucht in einer Beziehung gegenseitig ausschließen. Was bleibt, ist meist die Erinnerung an frühere, schöne Momente.

    Alkoholsucht führt zwangsläufig zu Verhaltensweisen, die eine liebevolle Partnerschaft unmöglich machen. Heimlichkeiten, Vertrauensbrüche und emotionale Distanz sind die Folgen, die das Fundament einer tragfähigen Beziehung erodieren lassen und schlussendlich zerstören. Es sind diese Dynamiken, die kaum noch Raum für echte Liebe im Alltag lassen. Nur noch die Erinnerung an bessere Zeiten hält die Verbindung in schmerzlicher Weise halbwegs aufrecht – einseitig vom Co getragen, bis er nicht mehr kann.

    Ich teile diese Gedanken mit dir, weil ich mir wünsche, dass du die Vergangenheit mit Klarheit betrachten und Frieden finden kannst. Es ist wichtig, die schönen Erinnerungen zu bewahren, aber auch die Herausforderungen und Unmöglichkeiten anzuerkennen, die die Sucht mit sich brachte.

    In Verbundenheit - Ste55

  • Was ist Co-Abhängigkeit eigentlich? Wie fängt sie an? Aus eigener Erfahrung und meiner Meinung fängt sie da an, wo wir einen Menschen beginnen zu lieben und ihm unser Vertrauen schenken. Wir lassen einen Menschen in unser Leben, mit der Hoffnung auf die große Liebe und Beständigkeit, wir sind verliebt in diesen Menschen und definieren ihn als einen Teil von uns, unserem Leben, die Person gehört im Laufe der Zeit zu uns.

    Du beschreibst es exakt.

    Ich glaube, wenn ich den heutigen Tag überstanden habe, wird es wieder aufwärts gehen.

  • Ihr lehnt Menschen, die nicht eure Überzeugung haben ab.

    Hallo wieweiter,

    hier wird niemand abgelehnt - warum auch? Im Gegenteil: Viele haben sich die Zeit genommen, dir ihre Erfahrungen mitzuteilen.

    Ich kann gut nachvollziehen, dass das im ersten Moment schmerzhaft sein kann und dich verletzt. Aber hier redet dir eben niemand nach dem Mund oder bestärkt dich blind in deinem Tun.

    Genau deshalb bist du doch hier, oder?

    Mir hat das Forum sehr gut getan, und gerade die Beiträge, die mich anfangs kalt erwischt haben und scheinbar gegen mich oder meine Auffassung gerichtet waren, haben mir letztlich am meisten geholfen.

    Sie haben mich dazu gebracht, meine Sichtweise zu hinterfragen und neue Perspektiven zuzulassen.

    Ich wünsche dir viel Kraft und einen klaren Kopf für deinen weiteren Weg.

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Ich danke Euch.

    Ich mach gerade eine schlimme Zeit durch.

    Die Rentenversicherung will gerade wissen wie es mit der Erwerbungsunfähigkeitsrente weitergeht, die ja bis Juni 2025 befristet war obwohl sie schon eine Sterbeurkunde haben. Der Handyanbieter schreibt es tue ihm leid, dass er er den Vertrag kündigt und ob er nicht einen besseren Vertrag haben möchte, obwohl ich geschrieben habe, dass er verstorben ist. Nur die Verwaltung des Sonnenstudios schrieb herzliches Beileid und hat den Vertrag sofort gelöscht.

    Als Hinterbliebene kann man bei der Rentenversicherung einen Hinterbliebenenrentenantrag stellen. Falls das auf Dich zutrifft, Antrag stellen. Auch auf das sog. Sterbevierteljahr (Weiterzahlung der vollen Rente für 3 Monate)

    Was den Handyanbieter betrifft: nicht "kündigen", sondern den Vertrag zum Todeszeitpunkt "auflösen".

    Am besten mit Einwurf-Einschreiben. Und dann bei der Bank den Abbuchungen widersprechen. Nerverei, ich weißX/

    Ich hoffe, Du überstehst den Tag heute halbwegs gut!

    Liebe Grüße

    Einmal editiert, zuletzt von c.o.ma (11. Februar 2025 um 12:08) aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Als Hinterbliebene kann man bei der Rentenversicherung einen Hinterbliebenenrentenantrag stellen. Falls das auf Dich zutrifft, Antrag stellen. Auch auf das sog. Sterbevierteljahr (Weiterzahlung der vollen Rente für 3 Monate)

    Was den Handyanbieter betrifft: nicht "kündigen", sondern den Vertrag zum Todeszeitpunkt "auflösen".

    Am besten mit Einwurf-Einschreiben. Und dann bei der Bank den Abbuchungen widersprechen. Nerverei, ich weißX/

    Ich hoffe, Du überstehst den Tag heute halbwegs gut!

    Ich kenne das wieweiter.Ich stand mit den Problemen ganz ohne Hilfe da.Neben dem Schmerz und der Trauer sich um Handyverträge, finanzielle Probleme u.s.w.zu kümmern, ist eine zusätzliche Herausforderung. Bei mir flog da schonmal das Telefon durchs Zimmer, weil das Finanzamt ganz permanent Sachen gefordert hat,welche ich von meiner verstorbenen Partnerin garnicht wissen konnte.Ich verstehe deine Lage vollkommen.

  • Es war eine kleine, stille Beisetzung und die Sonne hat geschienen. Ich glaube ich hab das schon mal geschrieben, ich vermisse so sehr was er hätte sein können aber nicht war.

    Ich schau zur Zeit Podcast von Flaschengeist. Dieser junge Mann bringt es so auf den Punkt.

    Findet rechtzeitig den Absprung. Bitte

  • Nun ist sein Kapitel geschlossen worden und du kannst nach vorne schauen.

    Den Podcast kenne ich und ich war überrascht, dass du dir sowas antust. Es hilft zu verstehen.

    Findet rechtzeitig den Absprung. Bitte

    Danke für deinen Appell.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Den Podcast kenne ich und ich war überrascht, dass du dir sowas antust. Es hilft zu verstehen.

    Ich habe vieles dabei erkannt. Besonders das Thema über seine damalige Lebensgefährtin als er so abhängig war. Ich habe mich oft gefragt, wieso ich mit meinem xy zusammengekommen bin. Was er in mir gesehen hat. Er war 9 Jahre jünger als ich und durch diesen Podcast habe ich es begriffen. Ich war der Freifahrtschein. Am Anfang wusste ich nichts über das Ausmaß dieser Alkoholabhängigkeit. Ich habe auch gerne mal was getrunken und wir hatten Spaß. Später wurde ich unbequem, ich wollte ein normales Leben. Das war aber nicht möglich. Die Sucht war stärker. Ohne die Sucht wären wir wahrscheinlich nie zusammengekommen.

    Ja das Kapitel ist geschlossen. Ich versuche nach vorne zu schauen.

  • Heute war ein guter Tag. Ich hab bei Ikea 6 CD Regale geholt und selbst aufgebaut. Für meine vielen Bücher. Ich bin ganz stolz. Und heute Abend war ich bei einem wunderschönen Klavierkonzert. Die Musik hatte soviele Facetten, ich konnte alle meine Gefühle darin erkennen, Liebe, Wut, Hilflosigkeit, Trauer, Hoffnung und Trost.

  • Hallo wieweiter,

    ich finde es gut, dass du dein Leben mit schönen Dingen ausfüllst, trotz der Dinge, die passiert sind.

    Die Musik hatte soviele Facetten, ich konnte alle meine Gefühle darin erkennen, Liebe, Wut, Hilflosigkeit, Trauer, Hoffnung und Trost.

    Das ist soooo schön und ich habe das auch schon so erfahren in meiner Trauer um meine Tochter und meinen Enkel. Ich drück dich einfach mal

    Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

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