stef2303 - Der Weg in ein suchtfreies Leben - Zeit wird es!

  • Ich rechne auch gerne und es erfreut mich, was da für Ergebnisse herauskommen.

    Letztens habe ich 18 Badewannen Bier ausgerechnet, die ich seit ich aufgehört habe, nicht getrunken habe.

    Aber mit meiner Abstinenz hat das nichts zu tun. Weil diese Zahlen viel zu abstrakt sind und es ja auf mein Mindset ankommt.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Ich wusste schon während meiner Trinkzeit, dass mich das ein Haufen Geld kostet. Nachgerechnet habe ich es nicht. Ich wollte es gar nicht wissen. Es ist einfach ein Fakt, genauso wie es ein Fakt war, dass ich mir die Gesundheit ruiniere und trotzdem habe ich getrunken. Jetzt bin ich abstinent und wenn es drauf ankommt, standhaft zu bleiben und nichts zu trinken, dann würde mich der Gedanke an 2000 € jährlich nicht davon abhalten, doch vielleicht wieder zu trinken. Die Sucht kennt keine Kosten.
    Wenn ich aber akzeptiert habe, dass ich Alkoholiker bin, Achtsamkeit und Selbstfürsorge betreibe, die Grundbausteine lebe, so wie für mich möglich, dann kann ich eine zufriedene Abstinenz erreichen und die 2000 € sind ein willkommenes Zubrot, mehr aber auch nicht.

    Bei der Rechnung darf ich nicht vergessen, dass Tee und gute Limonaden auch ihren Preis haben.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    -------------------------------------------------------
          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich habe mein damaliges Trinkverhalten als Maßstab nehmend mal ausgerechnet was mich die Sauferei heute kosten würde. Ich bin bei etwa 4300€ jährlich gelandet wenn ich mir das billige aus dem Discounter besorgen würde.

    Ganz schöner Stiefel.

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • Natürlich, das Eingeständnis, der Alkoholsucht zu unterliegen und der Wille, dauerhaft Abstinenz zu sein und danach zu handeln, ist das einzig probate Mittel, um erfolgreich sein zu können. Das steht außer jedem Zweifel. Die Beweggründe sind selbstverständlich individuell.

    Ich denke mir nur, sich bildlich vorzustellen, wieviel man getrunken und was das gekostet hat oder noch viel (viel!) besser: wieviel Gift (Flaschen) man sich dem Körper eigentlich erspart hat (und wieviel Geld dadurch auch im Portemonnaie geblieben ist), das kann schon glaube ich auch eine gewisse Motivation sein, abstinent zu bleiben.

    Ich stelle mir da immer Reihen von Flaschen vor, die ich seit Beginn der Abstinenz nicht getrunken habe (und sonst getrunken hätte) - diese Reihe wird von Tag zu Tag länger...

    Irgendwie gibt das schon ein gutes Gefühl...

  • Irgendwie gibt das schon ein gutes Gefühl...

    Und das ist auch gut so. :thumbup: Ich muss auch immer ungläubig grinsen, wenn ich mal wieder gerechnet habe.

    Wenn 5 Flaschen Bier 0,5, das Maximum ist, was wohl getrunken werden darf, ohne abhängig zu werden. Moment, in der Woche, getrunken werden kann.

    Dann habe ich tatsächlich für 10 Leute getrunken. Also habe ich für die nächsten 200 Jahre genug gesoffen. ^^

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Also habe ich für die nächsten 200 Jahre genug gesoffen.

    Dieser Gedanke ist mir auch oft gekommen. Das in " Normalmenge" umgerechnet überschreitet die Lebenszeit erheblich.

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • Liebes Forum!

    Im Umgang mit der Sucht sucht man immer wieder neue Wege, damit klarzukommen und schwierige - "verlockende" - Situationen zu meistern.

    Aus einem Buch, das eigentlich ein ganz anderes Thema behandelt, habe ich vor einiger Zeit für mich und auf meinen Sucht- bzw. Saufdruck bezogen eine dort vorgestellte Übung oder Verhaltensweise etwas adaptiert. Seit ich nichts mehr trinke, wende ich diese - wenn es passt (in größerer oder lauterer Gesellschaft funktioniert das leider nicht so toll) - an. Und ich muss sagen, zumindest mir hilft sie tatsächlich im Umgang mit dem Verlangen, etwas trinken zu wollen, vor allem dann, wenn der plötzlich kommt und es schnell gehen soll:

    Das Suchtgedächtnis vergisst nicht, niemals und es meldet sich. Manchmal selten, manchmal öfters, aber doch immer wieder. Im Alltag, in Ausnahmesituationen. Das lässt sich nicht vermeiden.

    Kommt nun der Suchtdruck und klopft dieser an meine (Gedanken-)Tür, dann sehe ich diesen inzwischen als anstrengenden Bekannten aus alten Tagen (ich weiß, das klingt jetzt erstmals etwas irre) oder als aufdringlichen Nachbarn (wie mein lieber Onkel F.), der zwar immer mal wieder gerne vorbeischaut, den man aber gar nicht so gerne um sich haben will, an.

    Kommt dieser unangekündigte "Besuch" (ich sage jetzt bewusst nicht Gast!!) bzw. höre ich das Klopfen, dann konzentriere ich mich genau auf diesen Besuch und auf den Bereich meines Körpers, wo es gerade flau wird (meist Bauch / Magen). Es folgt ein langsames Ein- und Ausatmen zur Beruhigung. Im Geiste und wenn ich ruhig bin, öffne ich sodann die Tür und grüße den Besuch freundlich im Sinne von "Hallo xy, ach bist Du auch wieder mal da!?" oder was auch immer, lasse ihn aber gar nicht erst zu Wort kommen und sage schon an der Türschwelle, dass ich jetzt nicht über die alten Zeiten, über die wir ohnehin schon so oft geplaudert hätten, reden könne, weil ich in der Wohnung gerade Besuch habe: Mein neues Leben! Dann verabschiede ich mich mit ein paar höflichen, aber bestimmenden Worten (z.B. "Du, ich habe jetzt wirklich keine Zeit, das musst Du bitte verstehen. Ich wünsche Dir noch einen schönen Tag!" und schließe die Tür.

    Danach habe ich nicht nur ein gutes Gefühl, sondern ist bei mir der Saufdruck weg und mir geht es insgesamt besser. Kaum zu glauben, bei mir funktioniert das. Im Grunde trickst man seine Gedanken dabei zwar ein wenig aus bzw. lässt sie vor der Tür stehen - mich wundert es aber nach wie vor, dass das bei mir so gut klappt.

    Klar klopft das Suchtgedächtnis immer wieder an (das wird es immer tun), aber vielleicht merkt es sich ja auch, dass der "Gastgeber" gerade keine Zeit hat!? Und kommt dann seltener... ;)

    Auf was man nicht alles kommt, oder?

    LG

    Stef.

  • Im Grunde trickst man seine Gedanken dabei zwar ein wenig aus

    Ich würde es so sehen, dass du damit bewusst die Prioritäten vorgibst.
    Ähnliches mache ich auch. Der wichtige Punkt ist , zu erkennen, dass ich in Form einer Atemübung ,oder was auch immer, reagieren kann. Denn oft kommt das Suchthirn eben nicht direkt mit einer Flasche winkend um die Ecke, sondern viel heimtückischer, so dass der Zusammenhang zu Alkohol nicht sofort erkennbar ist.

    -------------------------------------------------------
          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Liebe Leute!

    Bevor sich der Tag seinem Ende zuneigt:

    5 kleine Dinge, die mir heute - weil sie auch tatsächlich heute passiert sind - bewusst geworden sind, jetzt nach ca. zwei Monaten Abstinenz. Kleinigkeiten, unbedeutend und vielleicht auch geradezu lächerlich, über die ich mir nie so richtig Gedanken gemacht habe, aber über die ich mich jetzt so richtig freuen kann:

    Auf Alkohol zu verzichten bedeutete heute für mich (in keiner bestimmten Reihenfolge):

    - Im Restaurant endlich wieder einmal eine Suppe bestellen zu können und diese so zu essen, dass mir weder Hand noch Löffel zitterten und ich nicht die Hälfte verschüttete. [Das war früher richtig peinlich, weshalb ich zuletzt nie mehr eine Suppe bestellte.]

    - Die Frage der Kellnerin: "Eine Cola light wie letztes Mal!?" [Man kann sich denken, wie früher gefragt wurde.]

    - Eine Arbeitskollegin, die meinte, dass meine Weihnachtsfeiertage wohl super gewesen sein müssten, so ruhig und ausgeglichen wie ich heute im Büro sei. [Kein Alkohol und damit weniger Frust und Unausgeglichenheit.]

    - Die Einladung eines Bekannten, ob ich Anfang des Jahres mal mit ihm eine Trainingseinheit machen wolle und ich sagte tatsächlich "Ja!". [Früher fragte man mich gar nicht mehr, weil man die Antwort ohnehin schon kannte.]

    - Die Bemerkung ebenfalls einer Arbeitskollegin heute morgen (und das rüttelte mich wirklich wach), ob mir eigentlich bewusst sei, dass ich sie heute das erste Mal gefragt habe, wie es ihr und ihrer Familie gehe? [Derartige Befindlichkeiten waren mir damals in der Regel so was von egal.]

    Das alles war nur heute.

    Auch solche Kleinigkeiten, die einem an sich selbst selbst und auch anderen auffallen, sind doch die beste Motivation weiterzumachen, oder?

    LG und gute Nacht!

    Stef.

  • Du hast dir einen neuen Weg geschenkt und wirst dafür mit vielen neuen wunderbaren Momenten belohnt. Danke, fürs Teilen – das motiviert sicher nicht nur dich, sondern auch andere.

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Diese Kleinigkeiten sind es,die ich sehr schätze. Früher garnicht wahr genommen, nicht bemerkt, nicht gesehen.

    Und die häufen sich,täglich und irgendwann führten sie bei mir zur sog.zufriedenen Trockenheit.

    Hier im forum fiel auch mal der Begriff Microabenteuer.So sehe ich viele Dinge heute auch und es tut mir gut.

    Und zum suchtdruck kann ich sagen,daß er weniger wird im laufe der Zeit. Die Abstände werden immer größer. Kann mich schon nicht mehr erinnern wann das das letzte Mal bei mir war.

    Freu mich immer wieder wenn jemand sich auf den Weg gemacht hat und dranbleibt

    Es lohnt sich

    LG Bolle

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Hallo Stef,

    danke fürs Teilen. Eigentlich sind es doch keine Kleinigkeiten, da große Veränderungen dahinter stecken.

    Schön, dass dir das alles auffällt. Es erinnert mich daran, mal verstärkt auf diese Dinge zu schauen. Manchmal bin ich auch immernoch von mir selbst überrascht, dass ich Verabredungen annehme kann, sofern ich Zeit und Lust habe. Früher ging es nicht zu früh wegen Kater und nicht zu spät wegen des Trinkens. Die Freiheit möchte ich mir nicht mehr wegnehmen lassen.

    Viele Grüße

    Seeblick

    Einmal editiert, zuletzt von Seeblick (28. Dezember 2024 um 08:22)

  • Hallo Stef

    sehr schön und motivierend, die Beschreibung dieser fünf Kleinigkeiten zu lesen, danke dafür. Das mit der Suppe könnte von mir sein, ich freue mich jeden Tag von neuem darüber, wieder Dinge mit ruhiger Hand zu tun, die ich vorher in Gesellschaft vermieden habe, wegen den zitternden Händen.

  • Viele Kleinigkeiten machen ja den Tag. Und wenn so viele schöne Kleinigkeiten wieder wahrgenommen werden, verliert etwas nicht so schönes direkt an Gewicht, finde ich.

    Auf Alkohol zu verzichten bedeutete heute für mich

    Denst du, dass du auf Alkohol verzichtest?
    Ich finde ,Verzicht‘ hat so einen hässlichdn Beigeschmack….so, als würde etwas (in dem Fall: Der Alkohol) fehlen.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Liebes Forum!

    Bin gerade für 5 Tage auf einem Seminar über Silvester und Neujahr, wo Selbstreflexion und Weiterentwicklung Thema sind.

    Gestern mussten wir uns unter anderem Situationen in Gedächtnis rufen, die 2024 eingetreten und richtig schiefgegangen sind. Naja, bei mir gab es da mehr als genug...

    In meinem Vorstellungsposting hier habe ich abschließend festgehalten, dass ich die richtig peinlichen Ausrutscher, was mein Trinken betrifft, vorerst weglassen möchte.

    Aber schreiben hilft ja bekanntlich und man dann sich dadurch auch leichter von der Trinkerei distanzieren... Auch im Nachhinein, wenn man sich wieder mal vor Augen führt, wie man gelebt und gehandelt hat.

    Urlaub im Ausland. 2 Wochen. Der Klassiker: Während meine Partnerin am Pool war, habe ich mich auf dem Hotelzimmer zugeschüttet. Minibar - na klar!

    Am Abreisetag schickte mich meine Partnerin mit den Koffern in die Tiefgarage zum Auto. Dann kam ich wieder hoch zur Rezeption und wollte die Hotelrechnung bezahlen. Mein "Pech" war nun aber, dass meine Partnerin gerade schon am bezahlen war. Und sich in einer recht aufgeheizten Auseinandersetzung mit dem Rezeptionisten befand.

    Als ich kam, sagte sie zu mir: "Du, die wollen uns Dinge verrechnen, die wir nicht konsumiert haben! Aus der Minibar angeblich. Der spricht von Vodka und Weißwein und Bier. Schau Dir das an!!"

    Wohl wissend, dass ich die Minibar täglich leer geräumt hatte, sagte ich nur knapp: "Das wird schon stimmen.", packte die Rechnung weg und meine Partnerin zahlte fertig. Das alleine war schon richtig unangenehm, kann man sich denken...

    Und dann, als ob das nicht schon genug gewesen wäre, fragte mich meine Partnerin, wieviel ich eigentlich aus der Bar genommen habe (wurde ja täglich wieder ausgefüllt) und bevor ich antworten hätte können, antwortete der Rezeptionist (ein junger Bursche und ich glaube sogar völlig ohne Hintergedanken): "Das steht alles auf der Rechnung drauf." Dann las er die Getränke und deren Anzahl laut vom Monitor ab (ich wurde immer kleiner) und meinte zuletzt: "Das ist aber ganz schön viel, was da während Ihres Aufenthalts zusammengekommen ist!". Dass an der Rezeption auch andere Gäste gestanden sind und diese Geschehnisse in erster Reihe fußfrei miterleben durften, war klar.

    Die Heimfahrt war - man kann es sich denken - ein Horror. Stundenlang sagte keiner etwas.

    Ich glaube, da habe ich das erste Mal ans gänzliche Aufhören mit der Trinkerei (und nicht bloß an eine Trinkpause) gedacht, weil ich mich einfach so dermaßen geniert habe...

    Ein bisschen hat es zwar noch gedauert, bis ich tatsächlich aufgehört habe mit der Trinkerei, aber ich denke, auch solche Momente der absoluten Peinlichkeit können ungemein helfen, einen Anstoß zu geben, sein Leben zu ändern.

    So etwas - auch wenn es für andere bloß eine unbedeutende Kleinigkeit sein sollte - hängt einem ein Leben lang nach. Will man so etwas nochmals erleben? Ich nicht. Mir hat das gereicht!

    Vielleicht hilft es, wenn man während der Phasen des Zweifels in der Trockenheit an solche Ereignisse zurückdenkt, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass man so etwas nicht mehr erleben möchte.

    LG Stef.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!