R/no - "lauf R/no lauf"

  • Und was macht ihr jetzt mit dem, was ihr trinken könnt oder getrunken habt? Ist das als Abschreckung gedacht?

    Und noch eine direkte Frage. Warum braucht es eine Abschreckung, wenn man bereits erkannt hat, Alkoholiker zu sein?

    Ich merke nur, dass in meinem Kopf nach dem Satz „Ich bin Alkoholiker“ immer noch eine automatische Relativierung auftaucht. So etwas wie „so schlimm war es doch nicht

    Ganz normal , am Anfang schleichen sich nun mal „nasse Gedanken“ ein. Das gehört dazu. Das hier ist ja kein Sprint, sondern ein Marathon. Es dauert, bis das Sucht-Hirn umgeschrieben ist, nicht komplett, aber so weit, dass Trocken‑Sein für mich normal wirkt und nicht mehr wie ein Ausnahmezustand.

    Ich bin ein Freund des Outens, aber zuerst dort, wo echte Risiken bestehen, die ich nicht vermeiden kann , bei Ärzten zum Beispiel oder an einem Arbeitsplatz, an dem täglich gesoffen wird. Alles andere regelt sich mit der Zeit von selbst, es spricht sich herum und verliert an Bedeutung.

    In meinem alten nassen Umfeld habe ich das bewusst nicht gemacht. Die saufen heute noch und hätten es damals wie heute sowieso nicht verstanden. Außerdem hätten sie es als Belehrung oder Angriff gesehen, so nach dem Motto, ich würde ihnen unterstellen, sie seien Säufer.;)

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich merke nur, dass in meinem Kopf nach dem Satz „Ich bin Alkoholiker“ immer noch eine automatische Relativierung auftaucht. So etwas wie „so schlimm war es doch nicht“.

    Darauf hin kam bei mir meine Rechnung und für mich hat es damals gepasst.

    Ich hab es bearbeitet...

    Mir hat da die errechnete Menge des reinen Alkohols den ich in der Woche konsumiert habe ganz gut geholfen. Wenn man + - 4-6 Flaschen Spiritus im Monat trinkt sollte das eine ausreichende Warnung sein.

    Hallo. Das ist keine gute idee solch rechnungen aufzustellen. Es verdeutlicht wie nah dran du an der sache bist. Nur mal so am rande.

    Warum nicht, einmal gemacht und dann weiß man bescheid. Ich laufe ja nicht den ganzen Tag mit dem Gedanken durch die Gegend, es hat mir am Anfang geholfen, 1,5 L.

    Da ist ja dann nichts mehr zu deuteln, kein 4-10 Bier, ich war da wirklich ehrlich zu mir und die Summe ist immer noch erschreckend, ein Mahnmal halt.

    Übrigens kam das bei meinen Freunden wirklich an, also mir ist schleierhaft was daran falsch sein sollte.

    Gruß R/no

  • Und was macht ihr jetzt mit dem, was ihr trinken könnt oder getrunken habt? Ist das als Abschreckung gedacht?

    Gott sei Dank sagt das mal jemand!

    Die alten Zeiten zu glorifizieren, das ist doch alles andere als hilfreich. Das hilft einem selbst nicht und anderen noch weniger. Da ist dann doch auch dem Rückfall (samt Absturz) Tür und Tor geöffnet.

  • Irgendwie ist das für mich hier "warum einfach, wenns auch kompliziert geht"

    Irgendwer sagte mal - nicht hier - viele Alkoholiker bringen das Maul nur im Suff auf. Und ich hab mir schon trinkend geschworen, das wird bei mir nie so sein.

    Wenn ich gerade Lust dazu habe, erzähle ich es, wenn nicht, dann nicht.
    Vor allem Leuten, die ich neu kennenlerne, und die mal ein Bier mit mir trinken gehen wollen, um die Bekanntschaft zu vertiefen, erzähle ich, dass ich trockener Alkoholiker bin, um das gleich klarzustellen.

    Wenn mich jemand fragt, ob ich glaube, das es besser für mich war, sage ich, ich hab manchmal drei Liter Schnaps getrunken. Dafür gibts Zeugen, ich weiss, dass es mich umgebracht hätte, also war es besser, aufzuhören, Punkt.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Also ich bin etwas durcheinander 🤔

    Ich merke nur, dass in meinem Kopf nach dem Satz „Ich bin Alkoholiker“ immer noch eine automatische Relativierung auftaucht. So etwas wie „so schlimm war es doch nicht“.

    Darauf hin ich

    Mir hat da die errechnete Menge des reinen Alkohols den ich in der Woche konsumiert habe ganz gut geholfen. Wenn man + - 4-6 Flaschen Spiritus im Monat trinkt sollte das eine ausreichende Warnung sein.

    Und jetzt das

    Und was macht ihr jetzt mit dem, was ihr trinken könnt oder getrunken habt? Ist das als Abschreckung gedacht?


    Die alten Zeiten zu glorifizieren, das ist doch alles andere als hilfreich. Das hilft einem selbst nicht und anderen noch weniger. Da ist dann doch auch dem Rückfall (samt Absturz) Tür und Tor geöffnet.

    Irgendwie habt ihr mich missverstanden oder? Ich wollte jedenfalls nichts glorifizieren.

    Und ich bin nicht aufgeregt 🧐

    Grüße R/no

    Einmal editiert, zuletzt von R/no (7. Dezember 2025 um 19:23)

  • War für mich kein Leistungsvergleich, sondern eher ein Versuch, mir nochmal vor Augen zu halten, wie es wirklich war. So war es glaube ich für R/no auch gemeint. Ein paar hundert Kilo reinen Alkohol pro Jahr in sich reinzuschaufeln ist auf jeden Fall abschreckend. Aber was mache ich jetzt daraus? Gar nichts. Es hat mir letztlich nichts gebracht. Ist ja auch 'ne Erkenntnis :S.

  • Irgendwie habt ihr mich missverstanden oder?

    Beim Mitlesen habe ich gedacht, "hat R/no so nicht geschrieben....". Ja und?
    Lass es doch einfach stehen, manchmal sind die Dinge überspitzt oder erweitert um es deutlich zu machen.
    Ich nehme das für mich mit, was passt und schaue genau hin, wenn ich denke, ich wurde missverstanden.
    Wenn ja, ok. Oder steckt da mehr dahinter, was ich noch nicht gesehen habe?

    Du musst dich hier nicht rechtfertigen, und du musst auch nicht alles gleich beantworten. Es ist für dich und nur für dich.
    Lass es sacken, schlaf eine Nacht drüber und wenn was dran ist nimmst du den Faden wieder auf.

    Ich schick dir eine Tüte Gelassenheit, aber nicht gleich aufbrauchen;)

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • War für mich kein Leistungsvergleich, sondern eher ein Versuch, mir nochmal vor Augen zu halten, wie es wirklich war.

    Ob es sinnvoll ist, im trockenen Zustand auszurechnen, was man früher gesoffen hat? Für mich nicht. Die Mengen sind vorbei und lassen sich durch keine Rechnung der Welt verändern.

    Vor allem lenke ich damit den Fokus genau dorthin, wo er nicht hingehört , zum Alkohol. Alkohol bekommt wieder Raum, obwohl er im trockenen Leben keinen Platz mehr haben sollte , inklusive der Gefahr, dass sich „nasse Gedanken“ einschleichen. Wenn ich genau weiß, wie viel ich damals getrunken habe, klingt die Option „weniger saufen “ eventuell wieder vernünftig. Für mich wäre das der direkte Weg zurück ins alte Muster.

    Die Erkenntnis „Ich bin süchtig“ war der einzige Grund aufzuhören. Mehr Abschreckung brauche ich nicht, und sie würde auch nichts bringen. Als Süchtiger habe ich keinen Nutzen davon, meine Vergangenheit in einer Excel-Tabelle zu sezieren. Einmal hinschauen kann am Anfang für manche hilfreich sein, aber danach bekommt es schnell etwas von Hervorheben und Festhalten.

    Trocken heißt für mich, nach vorne leben, nicht rückwärts bilanzieren.

    Aber wie schon oft gesagt: Das ist meine akribische Sicht, nicht allgemeingültig. Jeder sollte sein eigenes Denken immer wieder überprüfen und genau hinschauen, wo die Risiken liegen – das ist meine Empfehlung. Bei mir hat das vielleicht auch damit zu tun, dass das Licht am Ende des Tunnels schon an war.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ob es sinnvoll ist, im trockenen Zustand auszurechnen, was man früher gesoffen hat? Für mich nicht. Die Mengen sind vorbei und lassen sich durch keine Rechnung der Welt verändern.

    Du hast ja recht. Ich habe es im zweiten Satz, den du nicht mit zitiert hast, ja selbst schon angedeutet. Es hat mir nichts gebracht. Und ich habe für mich gemerkt, dass genau solche Rechnereien meine Aufmerksamkeit wieder auf den Alkohol ziehen. Und zwar auf eine Art, die mir nicht guttut. Für andere kann das vielleicht hilfreich sein. Mir bringt es nichts. Ich bleib dabei: Ist auch 'ne Erkenntnis.

  • Guten Morgen Boss ,

    Lies das später, ich bin immer früh wach, nicht das dich das stresst 😬

    ich wollte mich kurz vorstellen. Ich bin Anfang dreißig und trinke seit ungefähr zehn Jahren täglich Bier.

    Aktuell halte ich den Konsum recht stabil bei vier Bier am Abend. Gelegentlich weniger, manchmal mehr

    Man verharmlost schnell

    Ich hatte im ersten Post mal von konstant vier Bier am Abend gesprochen. Das habe ich mir allerdings lange eingeredet. Vier Bier habe ich geschafft, wenn ich mir abends am Kiosk etwas geholt habe. Wenn aber ein Kasten in der Wohnung stand - und das war sehr oft der Fall - dann war der nach zwei bis drei Tagen leer. Da brauche ich mir nichts vormachen.

    Ich kenne das von mir selbst, darum denke ich einmal grob zusammen zählen und gut ist es. Da gibt es keinen Spielraum mehr, "4-10 Bier am Wochenende meist mehr", da gibt es nur die eine Zahl. Kein rumgeeier, ich hab "meistens" "des öfteren" oder "ein bisschen viel oder zuviel"

    Vor allem wenn du noch verharmlosende Gedanken hast, ist die Zahl doch dass was abschrecken soll/kann oder besser gesagt uns erinnern soll/kann wo wir nie wieder hin möchten.

    Außerdem finde ich triggert eine Zahl nicht so wie wenn ich mir die Getränke vor Augen führe, 10 Bier 10 Wein etc.

    Für mich ist es eine Erinnerung und einmal im Jahr erinnere ich mich sowieso daran, dann werde ich mir gerne nochmal vor Augen führen was ich nicht mehr will und man soll doch wachsam sein, bis zum lebensende, mit der Erinnerung klappt das mMn besser aber das muss jeder selbst wissen.

    Gruß R/no

    Bei 4 Bier pro Abend waren es 1,5 -3 Flaschen reiner Alkohol im Monat, so sieht es doch schon anderst aus oder?

    Einmal editiert, zuletzt von R/no (8. Dezember 2025 um 07:17)

  • Ich hab eine APP, die zwar nicht ausrechnet wieviel Alkohol ich seitdem getrunken hätte aber wieviel Geld und wieviel Kalorien ich eingespart habe seit dem 28.07.. Das finde ich nett, mehr Gedanken verschwende ich aber nicht daran, obwohl das mit den Kalorien ist schon geil :)

  • Guten Morgen R/no

    Man verharmlost schnell

    Ich kenne das von mir selbst, darum denke ich einmal grob zusammen zählen und gut ist es. Da gibt es keinen Spielraum mehr, "4-10 Bier am Wochenende meist mehr", da gibt es nur die eine Zahl. Kein rumgeeier, ich hab "meistens" "des öfteren" oder "ein bisschen viel oder zuviel"

    Das ist vollkommen richtig. Ich habe mich aber nicht so sehr mit meiner Trinkmenge auseinandergesetzt. Ich habe kein Umfeld, das mir irgendwie sagt: Hömma, datt reicht jetzt aber, Kollege. Ich hatte also den "Luxus", mir immer etwas hinzustellen und so zu trinken, wie ich es brauchte.

    Wie gesagt, die Rechnung haben wir ja in deinem Faden gemacht. Es war schon erschreckend zu sehen, dass es hunderte Kilos pro Jahr an reinem Alkohol sind, die man da zu sich nimmt. Aber es bringt mir nichts. Es ist halt nur etwas für den Hinterkopf. Aber das heißt ja nicht, dass es für dich eine andere Wirkung hat. Ist halt nice to know, aber das war’s dann.

    Heute habe ich das zum Beispiel alles im Traum verarbeitet. Ich hatte in den ersten beiden Entzugsnächten Albträume und seitdem nicht aktiv bewusst geträumt. Heute zum ersten Mal wieder. Und da habe ich getrunken. Komischerweise aber kein Bier, es war irgendwas anderes. Ein bisschen wirr der Traum, und ich erinnere mich auch gar nicht so richtig daran.

    LG

  • Ich rechne das jetzt mal:

    Wem soll solcher Käse was bringen? Sowas habe ich hier im ganzen Forum noch nicht gelesen. Das spiegelt meiner!! Meinung nach, eine ziemliche gedankliche Nähe zum Alkohol wider.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Ich rechne immer alles Mögliche aus. Irgendwie 8 Badewannen Bier, waren es im Jahr, wenn ich mich recht erinnere.

    Wenn ich jetzt täglich Schnitzel essen würde, würde ich mir ausrechnen, wie viel Schweine ich im Jahr gegessen hätte.

    Aus dem Grund haben solche Gedanken kein großes Gewicht für mich.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Guten Morgen,

    Graf Zahl wird sich so aber bewusst das er gar nicht soweit von den betrunkenen Waschbären am Bahnhof entfernt ist/war. 😉

    An manchen Tagen war der Unterschied auch nur der das ich mich waschen konnte... überspitzt gesagt. Auf der "Rolltreppe abwärts" stand ich auch schon wenn man es genau betrachtet.

    Ich wünsche euch einen schönen Tag.

    Gruß R/no

  • An manchen Tagen war der Unterschied auch nur der das ich mich waschen konnte

    Bist Du auch vor dem Spiegel gestanden und hast gesagt

    "Ich kenn Dich nicht, aber ich rasiere Dich trotzdem"?

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Bist Du auch vor dem Spiegel gestanden und hast gesagt

    "Ich kenn Dich nicht, aber ich rasiere Dich trotzdem"?

    Nicht mit deinem Zitat aber mit vielen anderen, abends beim Zähneputzen hab ich immer Pläne geschmiedet, wie lange ich noch so weitermachen kann bis ich "aufhöre" , alle Symptome klein geredet usw. nach Weihnachten und Neujahr geh ich es an, nach den Feiertagen fällt es mir leichter...so schlimm ist es ja noch gar nicht 😅

    Das Standard Repertoire halt

  • Ich meinte damit, wenn ich so weitergemacht hätte, denn ohne den gesundheitlichen Wink mit dem Zaunpfahl und der familiären Situation, bin ich mir nicht so sicher das ich aufgehört hätte. Wieso hätte es bei mir anderst laufen sollen, vom obersten Weinfach zur Bückware...

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