Sebi882 - Übermäßiger Alkoholkonsum meiner Partnerin - Werde ich verrückt ?

  • Inwiefern, gab es Alkoholmissbrauch bzw. Sucht in Deiner Herkunftsfamilie?

    - Der Opa meines besten Freundes hat sich totgesoffen, als wir noch Kinder waren. Seine Oma war auch in dieser CO-Abhängigkeit gefangen und wollte sich sogar umbringen deswegen (das hat er mir neulich erst im Detail erzählt, als wir über meine Freundin sprachen).

    - Einer meiner besten Freunde von damals hat immer übermäßig viel getrunken und ist dann irgendwann in den falschen Kreis abgerutscht und dann kamen noch andere Drogen hinzu. Da habe ich rechtzeitig den Absprung geschafft und den Kontakt abgebrochen. Man muss dazusagen, ich habe während meiner Jugend auch sehr viel getrunken, aber immer rechtzeitig die Reißleine gezogen, wenn ich gemerkt habe, ich habe morgens keinen Kater mehr usw.

    - Ein guter Bekannter von uns hatte eine Kneipe und war selbst sein bester Kunde. Der hatte jeden Tag seinen Pegel und ist dann an Leberversagen gestorben.

    - Die Eltern meiner ersten Freundin waren Alkoholiker. Der Vater hatte das irgendwie noch im Griff, aber die Mutter ist komplett abgestürzt, das habe ich damals alles mitbekommen. Auch sie ist an Leberversagen gestorben. Kein schöner Anblick.

    - Der Vater meiner zweiten Freundin war Alkoholiker. Das habe ich aber nicht mitbekommen, der hatte sich von seiner Familie abgeschottet.

    - Der Ex-Mann meiner "Schwiegermutter" ist Alkoholiker. Er lässt keine Möglichkeit aus, um zu trinken. Nicht viel, aber stetig. Er lebt noch, aber hatte schon Schlaganfälle, schwere Stürze usw.

    - Im Sportverein haben die Alteingesessenen abends immer bis zum Exitus getrunken. Alles ganz normal, gehörte dazu. Hab ich mir nie Gedanken darüber gemacht.

    - Meine Eltern/Großeltern selbst haben auch mal ein Schlückchen genommen, aber alles im Rahmen, da gab es keine Sucht.


    Jetzt, wo ich das hier so aufliste......... oh Mann. Und das sind Erinnerungen, die in letzter Zeit öfter mal hochkommen. Vielleicht ziehe ich das an ?

  • Sie ist süchtig und tut in dieser Rolle Dinge, die man nicht bis ins Detail erklären kann. Du bist derjenige, der das mit deiner Rationalität nicht akzeptieren will – und das ist alles. Es liegt nicht an ihr, sondern an dir. Sie ist nur das Werkzeug deines Denkens und Handelns. Leg das Werkzeug einfach weg, und die Sache ist erledigt.

    Rational genug?

    Ja, rational genug. Ich will halt irgendwie verstehen, dass sie nicht von Grund auf böse ist und andere nur vera****t. Weil ich immer an das Gute im Menschen glaube. Das fällt mir hier so schwer.

  • Von Grund auf böse ist sicher niemand. Da spielen viele viele Faktoren rein, wenn sich jemand mies verhält.

    Alkohol ist aber nun mal ein Nervengift und verändert Strukturen im Gehirn und auch das Verhalten von Menschen, wenn sie Alkoholiker sind.

  • 1. Jemandem helfen und was Gutes tun wollen ist ja an sich erstmal keine schlechte Eigenschaft. Vielleicht fehlt mir da aber eine gesunde Portion Egoismus. Und eine andere Erwartungshaltung.

    2. Alkohol ist ja in der Gesellschaft so weit verbreitet und akzeptiert, dass ich mir da nie Gedanken drüber gemacht habe.

  • Von Grund auf böse ist sicher niemand. Da spielen viele viele Faktoren rein, wenn sich jemand mies verhält.

    Alkohol ist aber nun mal ein Nervengift und verändert Strukturen im Gehirn und auch das Verhalten von Menschen, wenn sie Alkoholiker sind.

    Danke Panama. Jetzt kommt gleich wieder Hoffnung auf, Alkohol weg = radikale Ehrlichkeit.

    (Das war gerade ironisch, aber trotzdem danke für den Beitrag :))

  • 1. Jemandem helfen und was Gutes tun wollen ist ja an sich erstmal keine schlechte Eigenschaft. Vielleicht fehlt mir da aber eine gesunde Portion Egoismus. Und eine andere Erwartungshaltung.

    Wer ist jemand? Es kommt doch darauf an, wer jemand ist, oder nicht? Sonst sind es doch Rechtfertigungen für mein Verhalten. Ich kann doch auch kein fast totgerittenes Pferd mit aller Liebe bitten, mich noch einmal reiten zu lassen.

    2. Alkohol ist ja in der Gesellschaft so weit verbreitet und akzeptiert, dass ich mir da nie Gedanken drüber gemacht habe.

    Stimmt, und das ist der Grund, weshalb jemand in die Sucht verfällt? Dann wärst du ja auch Alkoholiker. Ist das so?;)

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Noch viel besser wäre nach meiner Erfahrung, sie komplett zu blockieren. Mit jeder Nachricht von ihr, die Du auch nur zur Kenntnis nimmst, gehst Du wieder auf Start, ohne 4000 Euro einzuziehen. Klar, in der Hoffnung auf ein Wunder, das ist emotional verständlich, aber hier wäre die rationale Erkenntnis, dass das Verharren in dieser Haltung für Dich emotional schlecht ist, die 4000 Euro. :wink:

  • Bei den meisten Providern kannst du im Webmailer mit Zugang zu deinem Account Absender-Mailadressen sperren.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich habe es tatsächlich geschafft, stark zu bleiben und so wenig Kontakt wie möglich zugelassen.

    Angeblich trinkt sie jetzt nichts mehr, will alles ändern, weiß, dass sie große Fehler gemacht hat, hat therapeutische Hilfe usw.

    Was ich davon glauben kann sei mal dahingestellt.

    Wir hatten vor ca. 2 Wochen ein "Abschiedsgespräch", wo sie sich nochmal ausdrücklich von mir getrennt hat, weil sie mich schützen will. Bei einer letzten Umarmung hat es sich meinerseits so angefühlt, als ob ich den "normalen" Menschen gehen lasse. Das tat ganz gut und hat sich nach einem Abschluss angefühlt.


    Jetzt hat sie mir einen Brief geschickt. In dem steht, dass sie das Problem erkannt hat, dass sie ihren Tiefpunkt erlebt hat ud diesen betäuben musste. Sie erinnert sich an die schönen Zeiten, arbeitet jetzt an sich selbst und alles wird besser.

    Innerlich knicke ich schon wieder ein, das Loslassen ist so verdammt schwer. Irgendwo hier habe ich gelesen, das ist wie ein kalter Entzug und genau so fühlt es sich an.

    Ich versuche diesen ganzen Abschnitt mit ihr auszublenden, mich auf das Jetzt zu konzentrieren, mir Gutes zu tun. Und dann kommt wieder irgendwas, wo ich nicht mit rechne und was mich erneut zweifeln lässt.

    Hilft sie sich wirklich ? Wird es besser ? Hat sich ihr Bewusstsein geändert ? Kann es dann funktionieren ?


    Gibt es eigentlich Fälle, wo beide das durchstanden haben und hinterher war alles gut ?

  • Gibt es eigentlich Fälle, wo beide das durchstanden haben und hinterher war alles gut ?

    Glaubst du echt, dass man sich innerhalb von so kurzer Zeit drehen kann? Es ist nicht lange her, da hat sie noch alles geleugnet.
    Für mich klingt es stark nach Trinkpause bis du wieder da bist. Wenn überhaupt.

  • Hi sebi 882,

    Ich kann nur für mich sprechen . Je mehr ich mich von meinem XY emotional entferne , umso mehr Mühe gibt er sich .
    Er verspricht alles mögliche und sieht ein dass er ein großes Alkoholproblem hat.

    Lasse ich dann etwas mehr Nähe zu , kommen wieder die alten Verhaltensweisen zum Vorschein - weswegen ich mich getrennt habe.
    Ich glaube das ist der Teil der Krankheit, daher kann ich das nicht mehr ernst nehmen.
    LG

    Zabou

  • Bei den Alkoholikern hier mag das öfters vorgekommen sein. Hier tummeln sich auch die nüchternen Alkoholiker. Auch jahrelang trockene, wie zum Beispiel Hera. Oder meine Wenigkeit. ;)

    Bei mir wurde es z. B. nicht wieder gut. Es ist auch so, dass ich mich durch die Abstinenz verändert habe. Ich bin praktisch der Mensch geworden, der ich eigentlich bin. Und das hat nicht mehr gepasst.

    Soweit ich das bisher gesehen habe, ist die Quote doch sehr gering. Wenn du darauf hoffst, wirst du wahrscheinlich enttäuscht werden.

    Von Außen betrachtet, wäre es sinnvoller, sie erstmal machen zu lassen und ggfs. später mal zu sehen, ob es noch eine Chance gibt. Wenn Du, oder sie das dann noch möchten.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Gibt es eigentlich Fälle, wo beide das durchstanden haben und hinterher war alles gut ?

    Bei mir wurde es auch wieder gut, aber ich selbst musste ins Handeln kommen, sonst wäre gar nichts gut geworden.

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  • Hallo Sebi,

    Gibt es eigentlich Fälle, wo beide das durchstanden haben und hinterher war alles gut ?

    das kannst du nicht so pauschal fragen. Wenn es wird, wird es anders. Plötzlich ist da wieder jemand der am Leben teilnehmen will, der sich einmischt usw. Das kann auch teilweise nervig sein, wenn du jahrelang alles alleine gemacht hast. Beide müssen sich bewegen.


    lg morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Da gebe ich Rennschnecke recht. Wenn ich mit dem Wissen von heute zurückblicke, dann muss ich ehrlich sagen, dass das Drama schon früh seinen Lauf genommen hat und ich viele Jahre mir der Hoffnung gelebt habe, dass es "nur eine Phase" ist. Der Alkohol ist irgendwann vom gelegentlichen Gast zum Mitbewohner geworden. Aber er war immer da.

    Und damit stellt sich die Frage, was an meinem Traummann echt war und wo ich beim zurückblicken die rosarote Brille aufhabe, wenn ich mal wieder mit dem Verlust dieses besonderen Menschen hadere.

    Ich finde daher die Aussage richtig, dass man die Chance erst später bewerten kann, wenn beide Partner zu sich selbst gefunden haben. Und vielleicht will man dann gar nicht mehr.

  • Ich hab mich verloren und beinahe meine Familie. Als mir das bewusst wurde, war das wie ein Schlag in die Magengrube und eine Art "Erleuchtung", die sofort mit einer großen Erleichterung und unendlich viel Kraft und Willensstärke verbunden war. Ganz viele Gefühle gleichzeitig. Ich kann das bis heute schwer beschreiben. Mein Mann hat sich in mich verliebt, als ich noch keine Alkoholikerin war. Ich wurde also kein "neuer" Mensch, sondern wieder ich. Aber eine bessere Version von mir. Vielleicht, weil ich kurz davor war, alles zu verlieren. Mein Körper hätte das nicht mehr allzu lange mitgemacht. Ich weiß nicht, ob dir das hilft. Die Initiative muss vom Kranken selber kommen.

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