Mattie - Abstinent bleiben

  • Hallo Matti,

    auch ich (gemäßigte Eule) hatte die Hoffnung, dass ich durch die Abstinenz besser aus dem Bett kommen würde.

    Aber Biorhythmus ist Biorhythmus, der lässt sich nicht ungewöhnen, nur gewaltsam aushebeln, und dazu bin ich zum Glück nur sehr selten gezwungen.

    Bin ich deswegen unsolide? Nein, ich arbeite dann, wenn ich am fittesten bin, meinem Chef ist das nur recht.

    Aber ich kenne die ausgesprochene und unausgesprochenen Wertung meiner lieben Mitmenschen auch nur zu gut und muss mich selbst immer wieder ermahnen, mich davon nicht beirren zu lassen.

    Komme ich dann für meine Verhältnisse mal "früh" irgendwo an, heißt es schon mal: "Na, heute aus dem Bett gefallen?" Und dann sag ich gern: " Ja, wollte auch mal ein braver Bürger sein ..." 😉

  • Einschlafspray mit dem bekannten Schlafhormon nehmen, habe vorsorglich mal das Etikett gelesen

    Heute habe ich zwei im Drogeriemarkt gesehen. Tatsächlich auch in beiden Alkohol. Aber es gibt ein Tee. Da habe ich mir einen gekauft.

    Habe auch Baldrian-Tabletten probiert. Eigentlich bringt bei mir alles nichts. Ich denke mir halt, wenn ein Körper früher sieben Bier aufwärts gewöhnt war, bringt so ein Tee halt nicht viel.

    Mir ist aber aufgefallen, dass ich insgesamt viel weniger Schlaf brauche. Als ich noch gesoffen habe, war ich nur halb so fit, wenn ich zwei Stunden länger als jetzt geschlafen habe.

    Wenn Du nicht den ganzen Tag da hängst, passt es ja vielleicht schon ganz gut.

    Ich war Eule. Jetzt bin ich eine frühe Eule geworden. ^^ Von der Lerche bin ich noch weit entfernt.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Wie schön, zwei weitere Eulen zu treffen Rennschnecke und Alex_aufdemweg Manchmal fühlt es sich an, als sei ich nur von Frühaufstehern umgeben, und das Langschläfertum wird als vorübergehende pubertäre Abweichung gesehen.

    Aber ich kenne die ausgesprochene und unausgesprochenen Wertung meiner lieben Mitmenschen auch nur zu gut und muss mich selbst immer wieder ermahnen, mich davon nicht beirren zu lassen.

    Ja, da muss ich noch hin. Noch eiere ich herum, wenn mich jemand um halb zehn Uhr morgens vergeblich anruft, ich erst um halb zwölf zurückrufe und gleich zu hören bekomme: 'Na, habe ich dich geweckt?' Ich mag diese Dauerscherze nicht :)

    Heute habe ich zwei im Drogeriemarkt gesehen. Tatsächlich auch in beiden Alkohol. Aber es gibt ein Tee. Da habe ich mir einen gekauft.

    Habe auch Baldrian-Tabletten probiert. Eigentlich bringt bei mir alles nichts. Ich denke mir halt, wenn ein Körper früher sieben Bier aufwärts gewöhnt war, bringt so ein Tee halt nicht viel.

    Es gibt tatsächlich diese Sprays auch ohne Alkohol, habe ich mir aber bisher noch nicht besorgt. Und Tees - klar, alles bekannt, womit man 'schön träumen' soll. Aber du hast vollkommen recht, wenn man sieben Bier oder etwas Adäquates gewohnt war, ist der Körper zunächst kaum schläfrig zu bekommen mit Baldrian, Lavendel & Co. Nicht nur beim Einschlafen, sondern generell, also zB auch bei kleineren depressiven Verstimmungen, ist meine Erfahrung während der Abstinenz, dass man manches einfach aushalten, aussitzen muss, einfach warten, dass es aufhört. Das tut es bisher immer zuverlässig. Ich muss, denke ich, einfach lernen, meinem Körper wieder 'Eigenheilung' zuzutrauen, nicht immer nach irgendwas zu suchen, was helfen könnte.

    Liebe Grüße

    Mattie

  • einfach warten, dass es aufhört.

    Ja, wenn der Schlafdruck hoch genug ist, klappt das auch.

    Habe sogar einen Meditationskurs zum Thema Schlaf(von der Krankenkasse gesponsert) gemacht. Na ja.

    Seit neuestem stelle ich das Chromebook auf "Nachtlicht"-Beleuchtung (wg. blaues Licht) und lese dann die letzte halbe Stunde lieber ein Buch.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Kleine Momentaufnahme: Ich freue mich gerade darüber, dass ich vor meinem Laptop sitze, im Forum lese (Gruß an Lavendelfuchs , ich habe deinen Strang mit großem Interesse gelesen), ein Käsebrot und Paprikaschnitze futtere, eine Limo light trinke und mir überlege, welche meiner Ideen fürs Wochenende ich denn gleich umsetze. Unter Alk hätte ich das erste Bier hinter mir, würde das zweite gerade öffnen, nach dem dritten eine halbe Stunde auf der Couch dösen müssen, um danach zum Rotwein überzugehen und irgendeine dumme Show im TV anzuschauen, von der ich, stetig den Alk in mich hineinschüttend, nur die Hälfte mitbekomme (was gemeinhin unerheblich fürs Verständnis ist). Ich hätte mich davon zu überzeugen versucht, dass so ein 'faules' Wochenende genau das ist, was ich brauche nach der Arbeitswoche.

    Jetzt gehe ich alte Fotos sortieren und in Alben einkleben. Das ist so herrlich old school entspannend :)

    Euch allen ein schönes Wochenende!

    Mattie

  • Hallo zusammen,

    10 Wochen abstinent, und ich habe weiterhin das Gefühl von Bereicherung, nicht von Verzicht. Natürlich gibt es Momente, in denen ich hibbelig, unkonzentriert, reizbar, antriebslos oder schlaflos bin, aber die gab es auch unter Alkohol. Jetzt nehme ich sie deutlicher wahr und halte sie einfach aus, wende, manchmal, Beruhigungstechniken an oder lenke mich irgendwie ab. Neu ist dieses schon häufiger von mir beschriebene Gefühl der Gier auf irgend etwas. Allmählich möchte ich anfangen, die Süßigkeiten, die ich mir zu Beginn der Abstinenz gestattet habe, wieder zu reduzieren. Aber das ist nicht ganz leicht. Manchmal taucht irgendwo am Horizont, in sehr sehr weiter Ferne, ein Glas Wein auf, so weit weg, dass man kaum die Konturen erkennen, es nur erahnen kann, aber wenn das passiert, ballere ich das Bild - sinnbildlich - mit einem Faustschlag aus meinem Bewusstsein. Ich habe große Angst davor, dass solche Bilder mehr Raum in meinem Verstand einnehmen. Ich weiß, dass davon eine große Gefahr für mich ausgeht. Gut möglich, dass ich Meisterin im Verdrängen bin, aber in dem Fall hilft es hoffentlich. Die Firewall steht jedenfalls und wird laufend aktualisiert, auch wenn mir das als Überheblichkeit ausgelegt wird.

    Meine Tage haben sich verändert. Es gibt kaum einen Tag, an dem ich aus meiner Höhle nicht herauskomme wie in früheren Zeit, als der Break nach dem Home Office die Flasche Wein war. Jetzt sind die Breaks: Aquagym, Schwimmen im Verein, zweimal die Woche SHG, Walking mit meinem Mann und weiterhin Kümmern um mein Ehrenamt (von dem ich hier nicht allzu konkret mehr erzählen möchte). Das ist alles kein bisschen stressig, sondern einfach nur wunderbar und tut mir richtig gut.

    Und nun ein Punkt, der mir gestern Abend Schnappatmung verursacht hat: Wie erzählt, kochen mein Mann und ich inzwischen leidenschaftlich gerne komplizierte Gerichte nach Kochbuch. Für die Säure verwende ich gerne Zitrone/Zitronensaft, aber nun hieß es auf einmal: Essig! Mit sind die geläufigen Fallen bekannt wie Pralinen, Dessert, Kuchen, Mundspülung, medizinische Säfte, Saucen ... Aber Essig hatte ich nicht auf den Zettel. Allein die Namen! Rotweinessig, Weißweinessig, Branntweinweinessig ... Vor Schreck wären mir die Flaschen, die ich ganz hinten im Schrank mit den Würzsaucen gefunden habe, fast aus der Hand gefallen. Ich fühlte mich förmlich 'angesprungen' und hatte tatsächlich Fluchtinstinkte, wenn ihr versteht, wie ich das meine. Wir haben das alles entsorgt, dann erst habe ich die KI befragt: Ja, tatsächlich sind in den meisten Essigsorten Restalkoholmengen von 0,5 bis 1,5 %. Man ist sich uneinig bei Balsamico und Reiswein, aber das ist mir zu heikel. Da gehe ich nun auch auf Nummer sicher, ist alles entsorgt.

    Was bedeutet das nun? Gut, im Salatdressing hat mir schon immer Zitrone besser geschmeckt, und auf Tomate, Mozzarella, Basilikum kann man Balsamico auch weglassen. Aber Kartoffelsalat, Linsensuppe oder auch (wie wir es bei Urlauben in England lieben) Fish & Chips! Wobei ... Backfisch! Bierteig! Noch eine üble Falle. Und das finde ich nun traurig. Klar, gibt es ein Leben ohne diese Gerichte, aber ich empfinde es gerade als Verlust. Kartoffelsalat geht ja praktisch gar nicht, denn auch wenn ich ihn nicht bayrisch anmache, sondern mit Mayo und Äpfeln, müssen ja Gewürzgurken dazu, und die sind demnach auch tabu, genau wie alle Mixed Pickles.

    Hat schon mal jemand im Restaurant darum gebeten, bitte ohne Alkohol und ohne Essig? Wie geht ihr mit Essig um?

    Euch allen ein schönes Wochenende!

    Mattie

  • In meiner Rehaklinik wurde (vermutlich auch aus Kostengründen für die eigene Kantine)die Losung ausgegeben: Solange der Essig nicht nach Alk benannt ist (wie in Deinen Beispielen) sind die darin von Natur aus enthaltenen Alk-Anteile minimal und für uns unkritisch.

    Dann riecht und schmeckt es auch nicht danach - z. B. Apfelessig.

    Die von Dir erwähnte Mayo wird doch auch mit Essig gemacht?

  • Hallo Mattie, ich schreibe Dir als Alkoholikerin (seit 2,5 Jahren abstinent lebend).

    Herzlichen Glückwunsch zu 10 Wochen, toller Start!
    Ich lasse wie von Rennschnecke angesprochen nur die Essige weg, die Alkohol im Namen haben. Ich hatte mir da aber auch erst vor ein paar Wochen Gedanken drüber gemacht.
    irgendwann fielen mir auch lauter Gerichte und Zutaten mit Alkohol ein, die jetzt nicht mehr in Frage kommen. Das ist ein Trick von unserem Suchthirn, um Verzicht und Mangel aufzubauen. Also besser an andere leckere Gerichte denken und nicht an das was jetzt nicht mehr geht. Mein Frust ist Tiramisu…. Aber es gibt wirklich andere leckere Kalorienbomben…..

    Liebe Grüße Rina

  • Bei der Herstellung von Essig ensteht als Zwischenstufe immer Alkohol - auch beim Apfelessig - der dann durch Essigsäurebakterien in Essig umgewandelt wird.
    Ist die 2 stufige Fermentierung vollständig abgeschlossen, sind nur noch geringste Spuren von Alkohol enthalten.
    Bei hochwertig hergestelltem Essig ist die Fermentierung meistens vollständig abgeschlossen, mit keinem oder nur geringsten Mengen von Restalkohol.

    Auch der menschliche Körper produziert geringste Mengen von Alkohol und kann daher problemlos damit umgehen.
    Das Ganze ist im Wesentlichen eine Frage nach Triggern.

    Steht Alkohol auf der Essigflasche drauf, schmeckt oder riecht er nach Alkohol, lass ich ihn weg. Fühl ich mich unsicher, lass ich ihn weg.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich kategorisiere da auch nach Triggern beim Essig. Weinessige haben bei mir keinerlei Verbindung zu meiner nassen Zeit, weder Geruch noch Geschmack.

    Aber Balsamico-Creme kaufe ich zum Beispiel nicht mehr. Basis ist oft Trauben-Most und als ich an einer Flasche aus meinem Kühlschrank gerochen habe, hatte ich direkt und ohne Verzögerung das Bild von Rotwein im Kopf. Seitdem für mich kategorisch ausgeschlossen.

    Marzipan esse ich auch nicht mehr, weil es mich je nach Hersteller an Amaretto erinnert.

    Abstinenz ist ja immer Risikominimierung.

  • Aber Essig hatte ich nicht auf den Zettel. Allein die Namen! Rotweinessig, Weißweinessig, Branntweinweinessig ...

    Ich war diesbezüglich am Anfang sehr vorsichtig und das war auch richtig so. Ich muss, gerade am Anfang, alles was mit Alhohol zutun hat, sehr Aufmerksam und vorsichtig sein.

    Aber ich habe mit der Zeit gelernt, die Kirche im Dorf zu lassen.

    Heute betrachte ich alles etwas gelassener ohne aber dadurch leichtsinnig zu . Es ist ja nicht die Frage, was es ist, womit ich umgehe sondern was es mit mir macht.

    Alkohol ist in sehr vielen Lebensmitteln auf Natürliche Art und Weise enthalten z.B. in verschiedenen Säften. Dadurch ist der menschliche Körper ja überhaupt in der Lage, Alkohol in ganz geringen Maßen abzubauen. Er kann damit umgehen, das ich alkoholkaltigen Orangensaft trinke und zwar auf eine vollkommen für mich ungefährliche Art.

    Ich habe ganz sicher auch schon Salat gegessen, der mit einem Dressing angemacht wurde, welches in geringsten Mengen Alkohol enthielt. Ich weiss es aber nicht, deshalb interessiert es mich auch nicht.

  • Ja sehr interessant,mich würde schon interessieren, wie andere damit umgehen :/ Alles was riecht, schmeckt und aussieht wie Alkohol ist natürlich tabu. Aber der versteckte Alkohol, den man garnicht so einfach identifizieren kann?

  • Herzlichen Glückwunsch zu 10 Wochen, toller Start!

    Danke, *Rina* :)

    Und danke an euch alle für eure Einschätzungen! Für mich fühlt es sich aktuell so an, als würde ich mich 'besudeln' oder 'beschmutzen', wenn ich auch nur einen Millitropfen Alk in mich lasse.

    Nayouk bringt es für mich auf den Punkt:

    Das Ganze ist im Wesentlichen eine Frage nach Triggern.

    Wie ich herauslese, hat hier jeder andere Erfahrungen.

    Aber Balsamico-Creme kaufe ich zum Beispiel nicht mehr.

    Marzipan esse ich auch nicht mehr,

    Das finde ich gut, wenn man seine eigenen Grenzen erkennt. Bei mir ist es jetzt nach der Aktion erst einmal so, dass mein Haushalt nicht nur alk-, sondern auch essigfrei ist. Dabei belasse ich es jetzt.

    Die von Dir erwähnte Mayo wird doch auch mit Essig gemacht?

    Die geht auch mit Zitrone statt mit Essig und Senf (!).

    Bleibt für mich noch die Frage nach dem Backfisch. Der wird ja so, wie man ihn auf der Kirmes oder dem Markt bekommt, meistens in Bierteig gebacken, und anders als beim Leberkäse ist hier der Name Programm: Für sechs große Stücke Kabeljau braucht man eine Flasche Bier (vermengt mit Mehl und Ei). Ich habe das früher selbst schon gemacht.

    Aber wie *Rina* bezüglich des Tiramisu sagt, so gilt es auch für andere Schlemmereien:

    ... es gibt wirklich andere leckere Kalorienbomben…..

    Und jetzt geht es ab auf den Wochenmarkt. Da wird sich doch was komplett Alkfreies finden lassen :)

    Viele Grüße

    Mattie

  • Es gibt keine allgemeingültige Regel für Alkoholiker in Bezug auf Essig, Senf, Ketchup oder andere Soßen.

    Entscheidend ist, was mich persönlich triggert. Wenn etwas wie Alkohol aussieht, riecht oder mich beim Essen oder Trinken daran erinnert, dann weg damit. Sobald ich anfange zu überlegen, ob es „geht“ oder „schadet“, befinde ich mich schon im Rückfallmodus – testen, schönreden, relativieren. Also Alternativen suchen und nicht diskutieren.

    Trocken sein bedeutet auch beim Essen und Trinken, Verantwortung zu übernehmen und keine Ausnahmen zu machen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich war diesbezüglich am Anfang sehr vorsichtig und das war auch richtig so. Ich muss, gerade am Anfang, alles was mit Alhohol zutun hat, sehr Aufmerksam und vorsichtig sein.

    Aber ich habe mit der Zeit gelernt, die Kirche im Dorf zu lassen.

    Heute betrachte ich alles etwas gelassener

    Genau so war es bei mir auch.

    Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns.
    Vor uns liegen die Mühen der Ebenen. (Bert Brecht) 8)

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