• Guten Morgen! Die Tage 26 und 27 sind geschafft und ich bin nüchtern. Mir ging es nicht besonders gut, die Erkältung, das trübe Wetter und ich war alleine. Ich hatte ab Dienstag Mittag immer wieder abwechselnd innere Unruhe und Suchtgedanken. Am späten Nachmittag musste ich dann hier weg. Ich setzte mich ins Auto und fuhr zu meinem Bruder (Mini-Toffi ist bei Papa). Das war eine gute Idee, dort war ich abgelenkt und vor allem nicht alleine. Ich musste wieder feststellen, dass Einsamkeit eine Rolle spielt, vor allem in der aktuellen Jahreszeit. Ich bin erst seit gestern abend wieder zu Hause und war dann auch recht schnell im Bett.

    Heute muss ich noch ein paar kleine Dinge erledigen bis Mini-Toffi nach Hause kommt und dann der Weihnachtsmann.

    Ich bin ein wenig stolz, dass ich vorgestern nicht versucht habe, es auszusitzen, sondern aktiv wurde, auch wenn letztendlich nur die Flucht geholfen hat, aber es hat geholfen.

    Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich froh, wenn die Feiertage vorbei sind und wieder alles in normalen Bahnen läuft. Aber wenn ich sie nüchtern überstehen, kann ich echt stolz auf mich sein.

    Habt eine angenehme Zeit!

    Einmal editiert, zuletzt von Toffifee (24. Dezember 2025 um 06:32)

  • Ich musste wieder feststellen, dass Einsamkeit eine Rolle spielt, vor allem in der aktuellen Jahreszeit.

    Jup, das negative Gefühl der Einsamkeit kann ein doofer Trigger sein.

    Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich froh, wenn die Feiertage vorbei sind und wieder alles in normalen Bahnen läuft.

    Wieso? Also ich mache worauf ich Bock hab. Was mir Spaß macht. Werde schön zocken, Sport, Sauna, mit dem Hund raus, mich bekochen lassen, Zeit mit Familie, Darten und mehr. Ist doch schön wenn man Weihnachten nicht verkatert oder entzügig rumvegetiert

    Heute trinke ich nicht

  • Am späten Nachmittag musste ich dann hier weg. Ich setzte mich ins Auto und fuhr zu meinem Bruder (Mini-Toffi ist bei Papa).

    Das hast Du super gelöst! :thumbup:

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Das war eine gute Idee, dort war ich abgelenkt und vor allem nicht alleine.

    Das finde ich auch und wenn Mini-Toffie im Bett ist und die Zeit schwer wird, gehst du ins Forum, da ist immer jemand.

    Frohe Weihnachten.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich bin ein wenig stolz, dass ich vorgestern nicht versucht habe, es auszusitzen, sondern aktiv wurde, auch wenn letztendlich nur die Flucht geholfen hat, aber es hat geholfen

    Hallo Toffifee, ich schreibe Dir als trockene Alkoholikerin.
    Flucht liest sich so negativ. Eine ungute Situation zu verlassen ist doch ein super skill im Notfallkoffer. Ich verlasse sofort eine Situation, die mir nicht gut tut.

    Mini Toffi find eich über mega süß.

    Mach Dir keinen Stress über die Feiertage und wenn es knirscht, schreib Dir hier die Finger wund. Du wirst gelesen.
    Liebe Grüße Rina

  • Ich bin ein wenig stolz, dass ich vorgestern nicht versucht habe, es auszusitzen, sondern aktiv wurde, auch wenn letztendlich nur die Flucht geholfen hat, aber es hat geholfen.

    Alles richtig gemacht. In den ersten Jahren habe ich mich auch sofort rausgenommen, als es unangenehm wurde. Die Alternative lautet: Wie das Kaninchen vor der Schlange zu hocken.

    Du musst Dir nicht beweisen, wie stark Du bist. Es zählt nur eins, Deine Gesundheit und für die ist Deine Abstinenz unabdingbare Voraussetzung.

    Hier im Forum las ich zu meinem Beginn vor mehr als 10 Jahren: "Sorgen Sie dafür, dass es Ihnen gut geht."

    Da steckt alles Wichtige drin. Nur wir selbst können für unser Wohlbefinden sorgen, das nimmt uns niemand ab. Und manchmal gehört halt ein sofortiger Ortswechsel dazu, um neue Reize zu setzen, sich abzulenken und sich aus einer Gefahrenzone zu nehmen.

    Weihnachtlicher Gruß

  • Guten Morgen!

    Tag 28 und Heiligabend ist geschafft!

    -und ich bin erleichtert!

    Vielen Dank für Eure Antworten, das macht Mut! Das mit dem Rausnehmen muss ich noch üben, denn das geht nicht immer. Da weiß ich noch nicht so ganz, ob es bei mir ein Vorwand oder Tatsache ist und bei mir ist dann immer noch der Satz zu präsent "Einer muss es ja machen"

    Ich hatte zu kämpfen. Zum einen mit meinem Hang zum Perfektionismus, zum anderen, den Gästen gerecht zu werden und zu schauen, dass sie sich verstehen und dann noch ein völlig aufgedreht Mini-Toffi.

    Was den Perfektionistmus angeht, sagte ich mir zwar vor den Feiertagen, dass es ja hauptsächlich um Mini-Toffi geht und solange es glücklich ist, ist Weihnachten gelungen. Dann kam doch wieder das Gefühl auf, ich hätte mehr machen sollen. Die kleinste Kritik traf mich hart, man war ja anderes von mir gewohnt. Daran muss ich arbeiten.

    Der Knatsch unter den (wenigen) Gästen blieb aus, aber schon die Erinnerung an andere Weihnachten sorgte bei mir für Anspannung. Nur einen der Gäste einzuladen, hätte aber für Ärger mit dem anderen gesorgt. Ich erwähnte ja schon, dass meine Familienkonstellation nicht einfach ist, zumindest wird über den alkoholfreien Heiligabend nicht diskutiert.

    Aber auch hier sehe ich eine Baustelle von mir: Meine Auffassung der Erwartungen anderer. Von mir wurde immer viel erwartet und das bekomme ich noch nicht so recht aus meinem Kopf.

    Aber: wenn ich nicht aufgehört hätte, zu trinken, hätte ich mir mit Sicherheit eine Flasche Wein aufgemacht, wenn Mini-Toffi schläft - und mir/ uns den heutigen Tag versaut. Wir fahren heute zur Familie meines Onkels und da freue ich mich drauf. Dort ist es entspannter. So habe ich mich gestern mit ins Bett gekuschelt und dem Hörspiel zugehört und bin heute ohne Kater und schlechtes Gewissen aufgewacht.

    Ich wünsche Euch einen angenehmen 1. Feiertag!

  • Dann kam doch wieder das Gefühl auf, ich hätte mehr machen sollen. Die kleinste Kritik traf mich hart, man war ja anderes von mir gewohnt.

    Mein Perfektionismus ist verschwunden. Bin nicht mehr so fixiert so viel zu Leisten. Bestimmt durch die ganzen Rückfälle. Habe jetzt die Einstellung Hauptsache Trocken und mir geht es gut. Schaffe ich den Haushalt nicht oder was ich mir vorgenommen habe, Pech mache ich morgen. Ist das Weihnachtsessen eine 6 von 10? Nicht schlimm, Hauptsache ich bin Trocken und mir geht es gut. Ganz entspannt, nach mir die Sintflut. Ich will Leben und nicht hochgesteckten selbstgemachten Zielen hinterherjagen

    Heute trinke ich nicht

  • Hartmut 30. Dezember 2025 um 12:25

    Hat das Thema geschlossen.
  • Hallo zusammen,

    Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten bin ich wieder hier.

    Ich hatte im Dezember einen Rückfall und brauchte einige Zeit, wieder länger als 1 Woche nüchtern zu bleiben. Mittlerweile sind 10 nüchterne Tage vergangen. 3 davon war ich zur Beobachtung auf der Entgiftungsstation, länger ging mangels Kinderbetreuung nicht, aber es war ein guter "Startschuss", mich mal 3 Tage nur um mich zu kümmern.

    Ich hatte bei der Aufarbeitung des Rückfalls (oder besser der Rückfallkette) echt Schwierigkeiten, herauszubekommen, wie es dazu kam. Meine Lieblingsausrede war, dass ich keine Zeit habe, mich um mich zu kümmern und ich hatte nur darauf geachtet, alles zu erledigen, was erledigt werden muss und dann heilfroh zu sein, wenn der Tag endlich rum ist und ich schlafen kann. Ab irgendeinem Punkt kam ich morgens auch nur noch schwer aus dem Bett. Nicht, weil ich körperlich nicht konnte, sondern weil ich nicht wollte. Ich konnte mir die Frage "Wozu das alles?" nicht beantworten und sah mein Leben als ewiges Hamsterrad. Dann fing ich auch noch an, wieder am Handy zu spielen oder vor der Glotze zu hängen, wenn ich nicht trinken wollte und das nahm dann auch seine eigene Dynamik an. Ich konnte einsehen, dass Sucht Sucht ist und es ihr egal ist, wonach, Hauptsache nicht nachdenken.

    Das sind alte Verhaltensmuster, das habe ich mittlerweile erkannt und ich will das nicht mehr.

    Ich bin dankbar, dass ich mich wieder aufraffen konnte und wenn mein Leben ein Hamsterrad ist, dann kann ich wenigstens ein hübsches draus machen.

    Jetzt heißt es, nicht nur nicht trinken, sondern nach und nach das alte, ungesunde Verhalten ablegen, hier wieder aktiv zu lesen und schreiben und meine "Alles prima"-Aussagen kritisch zu hinterfragen, ob da nicht schon wieder etwas lauert.

    Schritt 1 ist getan: Die Spiele-App ist gelöscht.

    Schritt 2 ist getan: ich bin wieder hier und möchte wieder aktiv am Forum teilnehmen.

    Schritt 3 muss ich langsam anfangen, ich erkenne meine Grenze zwischen positivem Denken und Schönreden noch nicht.


    Ich freue mich, wieder hier zu sein und freue mich auf den Austausch.

  • Hallo Toffifee,

    das mit Deinem Rückfall tut mir leid.

    ich bin wieder hier und möchte wieder aktiv am Forum teilnehmen

    Aber dies hier freut mich. Es ist nie zu spät um sein Leben zu ändern.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Willkommen zurück.

    Es ist schlimm, es ist tragisch, und ja, die Scham läuft immer mit, wenn das Vorhaben, trocken zu bleiben, von einem Rückfall durchkreuzt wird.

    Aber den Mut zu haben, wieder herzukommen und offen zu schreiben, dafür braucht es Rückgrat. Das zeigt mir, dass da mehr ist als verletzter Stolz. Nämlich echter Leidensdruck. Und der Wille, die Sucht wirklich zu stoppen.

    Dafür habe ich Respekt.:thumbup:

    Die Krankheit bestimmt viel, egal ob nass oder trocken. Aber verantwortlich bleibt der Alkoholiker selbst. Er entscheidet, ob er wieder aufsteht und alles dafür tut, trocken zu bleiben.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Guten Morgen!

    Zuallererst vielen lieben Dank für die lieben Nachrichten gestern, das bestätigt mich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

    So, der Tag 11 ist geschafft...hätte ich fast geschrieben...

    Ich kann mich noch nicht entscheiden, ob ich wieder Tage zähle oder nicht. Es gibt ja kein Ziel, das erreicht werden muss, für immer kann man nicht zählen.

    Gestern verlief ganz passabel, auch wenn ich recht nachdenklich war. Ich habe hier viel gelesen und in meinem Kopf war ordentlich was los.

    Ich war bei meinem Arzt und bin nochmal eine Woche zu hause, um mich zu sortieren (an den Spießrutenlauf in der Arbeit nächste Woche will ich jetzt noch nicht denken). Ich hatte das Thema angesprochen, dass ich immer froh war, einen nüchternen Tag geschafft zu haben und dass ich dann wieder in den "Hauptsache, Du hast überlebt"-Modus wie in meiner tiefsten Phase der Depression gekommen bin (auch nüchtern). Er fragte mich dann, ob ich den Tag auch mit Leben gefüllt habe und ich musste zugeben "nein"...Ich habe meine Aufgaben erfüllt, stillgehalten und gewartet...mehr nicht. Ich war ja froh, dass ich das, was getan werden musste, geschafft habe. Die Leere, die entstand, wenn ich nicht trank habe ich dann mit Spielen und Fernsehen gefüllt. Das tat mir ja nicht gut. Auch die Selbstkritik sagte mir, dass ich nicht genug mache, überall nur das Soll schaffe, wenn überhaupt. Früher hieß es "Wo ich bin, ist Vorne!" Wo jetzt meine Grenzen (nach dem Burnout) sind, herauszufinden, ist schwer und bedarf Ausdauer. Die habe ich aber nur, wenn ich nicht trinke.

    Heute werde ich bevor Mini-Toffi nach hause kommt, raus fahren, ein Buch und etwas Proviant mitnehmen und dort mindestens 2h bleiben. Ich will schauen, welche Frühblüher man schon sehen kann, hören, welche Vögel schon da sind und hoffe, dass die Sonne scheint. Alles Zeichen für einen Neuanfang. (Und Sport ist absolut nicht mein Ding)

    Vorher muss ich noch ein paar Dinge erledigen, die liegen geblieben sind.

    Was meine Rückfälle angeht, habe ich mir die HALT-Regel noch einmal angeschaut. Ich habe echt mit Einsamkeit zu kämpfen. Ich fühle mich manchmal, als würde ich alleine versuchen, die Stellung zu halten. Hilfe in Anspruch zu nehmen fällt mur 1. ohnehin schwer und hat immer seinen Preis, der mir in einigen Angelegenheiten zu hoch ist. Ich habe Schwierigkeiten, Sozialkontakte zu knüpfen und zu halten, weil ich oft das Gefühl habe, nicht richtig rein zu passen. Dann ziehe ich mich meist zurück und irgendwann bricht der Kontakt ab.

    Durch eine Therapie habe ich verstanden, dass vieles davon aus meiner "Erziehung" stammt. Ich hatte Leistung zu bringen, auf Abruf bereit zu stehen und durfte kaum raus und Kontakt zu anderen haben (dann hätte ich ja merken können, dass da in unserer "Familie" was nicht stimmt). Mir wurde eingeredet, ich sei nichts wert, ein Klotz am Bein und mache nur Mist, die anderen wollen mich gar nicht dabei haben und tun nur so. Irgendwann lernte ich, mich unsichtbar zu machen und mich in meinem Kopf zu verkriechen, nur nicht auffallen, dann wird es nicht so schlimm. Und ich gewöhnte mich daran, alleine zu sein. Ich hatte mich dank Therapie aus diesem Sumpf befreien können, wurde aber zwei Mal durch falsche Partner wieder rein gedrückt. Das führt natürlich auch dazu, dass ich es nicht so mit Vertrauen habe - in andere und in mich.

    Eingesehen habe ich, dass ich hier auf offene Ohren stoße und zumindest mit dem Thema Alkohol hier nicht einsam bin. Der Alltag sieht allerdings anders aus. Ich bin alleinerziehend mit einem Kind, das nicht der Norm entspricht und dadurch einen sehr hohen Betreuungsbedarf hat. Beruflich habe ich einen Job, der keine Fehler erlaubt, wenn auch nur in Teilzeit. Für soziale Kontakte bleibt da kaum Zeit und wenn Mini-Toffi mal bei Papa ist, bin ich von der Fülle der Dinge, die ich tun könnte und müsste oft so überwältigt, dass ich in Schockstarre verfalle und einfach gar nichts mache. Unternehme ich etwas Schönes, bekomme ich entweder nicht genug davon und falle danach in ein Loch oder ich habe schon vorher Zweifel, ob die anderen mich wirklich sehen wollen oder nur höflich sind. Das kann ich noch nicht wieder richtig einordnen. Ich bin auf der Suche nach einem Weg, aus diesem selbstmitleidigen "Dazu fehlt mir die Zeit" und "Schön, was andere in ihrer Freizeit machen, ich habe niemanden, mit dem ich die Aufgaben teilen kann und mich mal um mich kümmern". Die Umstände lassen sich ad hoc nicht ändern, aber ich kann hoffentlich meine Einstellung dazu ändern und nicht einfach auf bessere Zeiten warten.

    Der Text ist jetzt recht lang geworden und auch gefühlt unsortiert, aber ich muss jetzt in die Gänge kommen, sonst wird das heute nichts.

    Liebe Grüße und habt einen guten Tag!🌞

  • Guten Abend!

    Bei der Planung eines anderen Tagesablaufs habe ich entschieden, hier abends zu schreiben. Ich bin ein wenig stolz, dass ich es geschafft habe, wieder aufzustehen, wenn Mini-Toffi schläft. Das war lange nicht mehr so, weil ich dann auch meist so erschöpft (egal, ob mit oder ohne Alkohol) war und das Kuscheln genoss, dass ich gerne liegen geblieben war.

    Die Idee ist Teil des Versuchs, mehr Zeit zu finden, etwas für mich zu tun, ohne ständig in Bereitschaft zu sein, unterbrochen zu werden. Und das hier mache ich ja für mich.

    Mein Tag heute lief anfangs recht gut: Ich habe ein paar lästige Aufgaben erledigt und war damit auch einverstanden und ich habe vor allem nicht übertrieben, dass ich nachmittags nicht schon wieder völlig k.o. bin. Mein Ausflug fiel dadurch aber etwas kürzer aus, aber ich habe zumindest einen Spaziergang hin bekommen. Die Sonne tat echt gut. Am Nachmittag erhielt ich allerdings eine E-Mail, die mich sehr beschäftigt hat. Das Thema geht allerdings nur zu begrenzen, wenn ich dort mehr Zeit und Energie rein stecke und das schaffe ich im Moment nicht, auch wenn ich es gerne täte. Ich bin ein wenig stolz, dass ich nicht gleich antwortete, sondern erstmal sacken ließ und meine Antwort dann um Einiges distanzierter ausfiel und vor allem nicht defensiv. Ich muss mich jetzt erstmal um Wichtigeres kümmern.

    Wenn ich durch meinen Burnout etwas gelernt habe, dann dass man keinen Orden bekommt oder Anerkennung, wenn man sich kaputt gewirtschaftet hat, sondern in mancher Augen ein Versager ist. Mir ist klar geworden, dass ich nicht wieder da hin komme, wo ich leistungsmäßig mal war, denn sonst komme ich auch gesundheitlich wieder dort hin und das will ich auf gar keinen Fall. Ich hadere noch ein wenig damit, dass es mehrere Versuche und Rückschläge bedarf, herauszufinden, was hilft. Was nicht hilft, ist Alkohol, der reißt nur alles wieder ein, was ich mühevoll aufbaue. Ich muss sehr aufpassen, wenn Gedanken kommen wie "Das kannst Du nicht alles schaffen, guck Dir doch den Berg an, der vor Dir steht" Wenn ich dem Gedanken zu viel Raum gebe, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder trinke.

    Verstanden habe ich das ja schon länger, mit der Umsetzung haperte es bislang. Priorität ist jetzt, nüchtern zu bleiben und einen Tagesablauf zu finden, der auch Zeit für mich lässt ohne unumgängliche Pflichten zu vernachlässigen. Das ist schon eine ordentliche Aufgabe.

    Ich wünsche Euch eine gute Nacht!

    Toffifee 🌞

  • Wenn ich dem Gedanken zu viel Raum gebe

    Ich gebe diesen Gedanken auch keinen Raum. Es ist ein Suptiler Manipulationsversuch des Suchthirns.

    "Sei still, verschwinde in deine Ecke und trockne weiter vor dich hin". Punkt.
    Mehr sage ich nicht dazu und das hat Wirkung gezeigt.
    Frage dich immer, ob es deine Gedanken sind, oder die des Suchthirns, welches dich mit solchem Gedankengut manipulieren will, damit du wieder trinkst.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo Toffifee,


    ich lese bei dir von Anfang an mit und freue mich, dass du jetzt wieder hier bist. Bin auch alleinerziehend trocken geworden und seit etlichen Jahren hier im Forum im Austausch, was für mich total hilfreich war (und ist).

    Abends nochmal ins Forum zu gehen ist für mich eine fast tägliche Routine geworden, und auch gerade diese Regelmäßigkeit finde ich / fand ich auch gerade in den ersten Monaten stabilisierend.

    (Du hattest dir auch im Dezember schon mal vorgenommen, abends zu schreiben, habe ich gerade beim Zurückblättern nochmal gelesen.)

    Aber jetzt legst du den Fokus ja auf Veränderung, hab ich wahrgenommen. Das hier spricht mich an:

    Mir ist klar geworden, dass ich nicht wieder da hin komme, wo ich leistungsmäßig mal war, denn sonst komme ich auch gesundheitlich wieder dort hin und das will ich auf gar keinen Fall.

    Das ist etwas, was ich auch verinnerlichen musste, gerne auch nochmal und nochmal und nochmal, weil die eingefahrenen Bahnen eben ganz schön … eingefahren sind.


    Auch da hilft mir der das Lesen hier, der mir durch Beiträge anderer (zum Beispiel Deiner) öfter mal ein Spiegel vorgehalten wird.

    Insofern wünsch ich auch Dir, das Du das Forum gut für Dich nutzen kannst, um dich weiter gut in deinem trockenen Leben einzurichten.

    Viele Grüße

    Thalia

  • Willkommen zurück, ich hatte leider auch vor ca 3 Wochen einen schlimmen Rückfall. Wie immer nichts gebracht außer Leid, Leid, Leid, Krankheit,Scham u.v.m.

    Hallo Abstinenzler,

    Ich antworte jetzt erst, weil ich mich erst seit gestern etwas stabiler fühle und ein Licht am Ende des Jammertunnels sehe.

    Ich lese in Deinem Faden schon ein Weilchen mit. Auch Du kannst stolz sein, dass Du die Flinte nicht ins Korn schmeißt und immer wieder aufstehst.

    Ich denke, darum geht es bei der Krankheit auch: Nicht aufgeben, sonst war es das früher oder später. Ich denke mir manchmal, dass das Suchthirn mich extra noch leiden lässt ("Na schau, wieder Mist gemacht, komm, ich tröste Dich, ist doch jetzt eh egal!" - ist es nicht. Die Sucht oder ich, beides geht nicht)

    Was an unserer gemeinsamen Krankheit das Fiese ist, man leidet nicht nur selbst, die Menschen um einen rum auch. Nicht flasch verstehen, ich will für mich trocken werden, aber Verantwortung habe ich ja auch.


    Liebe Grüße und einen guten Tag!

    Toffifee

  • Frage dich immer, ob es deine Gedanken sind, oder die des Suchthirns, welches dich mit solchem Gedankengut manipulieren will, damit du wieder trinkst.

    Hallo Nayouk24,

    Danke für Deine Worte.

    Das ist das, was ich gerade übe. Durch meinen Rückfall habe ich gelernt, dass ich da genauer hinschauen muss. Ich grüble dann zwar, aber grübeln ist nicht denken.

    Das genauer Hinschauen erschreckt mich manchmal. Es ist krass, wie oft man ungewollt und indirekt mit Alkohol konfrontiert wird. Leere Flaschen auf dem Gehweg, dann läuft man beim nächsten Mal auf der anderen Seite, steht da auch eine. Dieses Mal habe ich nicht schnell weggeschaut sondern meinem Suchthirn gesagt "Vergiss es!"

    Das mit dem Austrocknen ist eine Idee, die ich wieder aufnehmen werde. Ähnlich ist es in einem Rauchentwöhnungsbuch beschrieben (bzw. Ich rauche noch, aber das ist jetzt nicht wichtig). Man solle sich das Nikotinmonster im Hinterkopf vorstellen, dass langsam verhungert und mit alles Trocks versucht, wieder Stoff zu bekommen. Und es ist genauso schlau wie ich, ich muss also aufpassen.

    Liebe Grüße und einen guten Tag!

    Toffifee

  • . Auch Du kannst stolz sein, dass Du die Flinte nicht ins Korn schmeißt und immer wieder aufstehst.

    Wenn ich bei der Metapher bleiben darf, gibt es zwei Flinten;)

    Die eine steht für das Aufstehen nach einem Rückfall. Und da hat man nicht unendlich viele Patronen im Lauf. Nicht jeder schafft das immer wieder. Es gibt Ausnahmen, ja – aber das sind die Wenigsten. Irgendwann ist einfach Schluss. Manche verzweifeln nicht an der Sucht, sie verenden daran.

    Beim Trockenwerden ist es anders. Wenn Suchtdruck kommt, Gedanken an Alkohol auftauchen oder die ganz normalen, aber lästigen Nebenwirkungen der Abstinenz einsetzen, dann hat man mehr Schuss im Lauf. Und hier im Forum kann man nachladen. Da gibt es Reserven. Da kann man reagieren, gegensteuern, stabil bleiben.

    Für diese Phase hat man deutlich mehr Munition als nach einem Rückfall

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

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