Fragen an die Angehörigen

  • Alles, was du hier beschreibst, kann ich eins zu eins bei mir bestätigen... Nur, dass ich es noch nicht geschafft habe, den Schlussstrich zu ziehen, weil ich noch in dieser Hoffnungsschleifer hänge 😔

  • Woran orientiert sich der Co denn, wenn er hier ankommt? An diejenigen, die sich arrangiert haben, oder an jene, die einen kompletten Neuanfang gestartet haben?

    Gewissermaßen habe ich mich an den Alkoholikern orientiert, die hier wie mein Mann jahrelang funkionierten, euphorisch starten und dann irgendwann wegblieben. Ich habe meinen Mann in den Reaktionen von Neuankömmlingen auf Tipps der Langzeitalkoholikern zur Risikominimierung wieder erkannt.

    Am Ende bleiben es ohnehin nur hypothetische Zugeständnisse, weil Sucht und Verantwortung selten wirklich zusammenpassen und langfristige Abstinenz nur bei etwa fünf Prozent stabil gelingt.


    Diese Erkenntnis – dass 95 % rückfällig werden, oder und warum, nur etwa 5 % dauerhaft abstinent bleiben – war für mich letztlich der entscheidende Punkt, der zu meiner Entscheidung geführt hat, mich zumindest schon mal räumlich zu trennen.
    Aus den Antworten im Angehörigenbereicht wusste ich, dass Überredungsversuche sinnlos sind, und wohin die Sucht sich entwickelt. Diese weiteren Stadien wollte ich nicht miterleben.
    Jetzt geht es mir besser, aber noch nicht gut.
    Deswegen lese ich gerne von Angehörigen, die nach einer Trennung ihr Leben positiv und neu ausrichten sowie bei Alkoholikern, dass und wie sie es schaffen.

    Ich glaube, meine Aussage zur "Entschuldigung" wird missverstanden. Das Beispiel zum Fremdgehen war nur ein weiterer Erklärungsversuch. Ich kann es nicht besser erklären. Jedenfalls sollte er nicht zu Kreuze kriechen und ich sehe meinen Mann auch nicht als mir Schutzbefohlenen.

    In diesem Zusammenhang frage ich mal in die Runde, ob es für Co‑Betroffene wirklich hilfreich wäre/ist , wenn er die „Erklärung“ bekommt, die Kontrolle loszulassen und keine weiteren Fragen mehr zur Abstinenz zu stellen.

    Meinst du damit auch eine Klarstellung über die unterschiedlichen Werte und Interessen, wie Lebenskuenstler am Anfang beschrieb?

    ...
    warum können es Coabhängige nicht einfach so sehen, dass da zwei Leute völlig unterschiedliche Interessen und Wertvorstellungen haben.
    [.....]
    Beim Alk sehe ich persönlich das sehr ähnlich. Eine(r) will trinken und der/die andere will einen Partner, der nicht trinkt. Wozu diese ganzen Kämpfe?


    Für mich wäre eine Entscheidung zur Trennung definitiv früher möglich gewesen, wenn mein Mann mich über seinen Wunsch, ohne Rücksicht auf Verluste zu saufen und Alkoholiker zu sein, informiert hätte. Hat er aber nicht, und lt. ihm, war auch es auch nie sein Wunsch, so unkontrolliert zu trinken.

    Ich habe mein Reden tatsächlich länger als Unterstützung gesehen, da dachte ich auch, kontrolliertes Trinken könne er erlernen.
    Wenn ich jammere, dass ich es einfach nicht schaffe, abzunehmen, obwohl ich weiß, dass es besser wäre, und ich es mir wirklich wünsche, dann erhalte ich von Freundinnen auch Tipps. (Vielleicht ist es auch ein Frauending. Und ja, ich weiß, dass ungestoppte Alkoholsucht und unverändertes Übergewicht nicht vergleichbar sind. Geht darum, wie wenig wirksam Tipps sind, wenn der Betroffene nicht zu 100 % alles tut, um etwas zu verändern.)

    2 Mal editiert, zuletzt von maibisjuni (8. Januar 2026 um 15:02)

  • Meinst du damit auch eine Klarstellung über die unterschiedlichen Werte und Interessen,

    Ich verbinde diese Werte vor allem mit dem Selbstwert, und in diesem Thread geht es mir ausschließlich um die Perspektive der Co‑Betroffenen. Natürlich nicht aus Selbstlosigkeit;), sondern weil es ja oft heißt, dass nur Co wirklich Co verstehen können .

    Gerade in einer Beziehung mit einem nassen Alkoholiker ist der eigene Selbstwert häufig nicht besonders hoch. Viele Co‑Betroffene übernehmen anfangs die Vorstellung, sie seien schuld daran, dass der Alkoholiker säuft .Wenn einem das immer wieder vermittelt wird, übernimmt man diese Sicht irgendwann möglicherweise und verstärkt die eigenen Bemühungen, ihn trocken zu bekommen. Das habe ich hier im Forum auch schon öfter gelesen.

    Langfristig zehrt genau dieses auch am Selbstwert. Oder nicht? Und wenn der Alkoholiker dann trocken ist, liegt es nahe, ihn weiter zu kontrollieren was wiederum Auswirkungen auf den eigenen Selbstwert hat.

    Zu kompliziert, mein Denken?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Mir ging es um eine Erklärung, aus der ich erkenne, dass er die Tragweite verstanden hat – dass die Abstinenz so wichtig ist, dass er sie nicht leichtfertig riskiert. Wenn die Beziehung weiterbestehen soll, betrifft ein Rückfall nicht nur ihn, sondern auch mich.

    Mir wäre so eine Erklärung nicht wichtig. Entweder ist meinem Partner seine Abstinenz wichtig und er trinkt nicht, weil es für ihn keine Option mehr ist oder seine Abstinenz ist nur eine Trinkpause, um mich bei Stange zu halten.

    Darauf habe ich aber keinen Einfluss, ich kann nur mein eigenes Verhalten und meinen Umgang mit der Situation beeinflussen. Dazu gehört für mich, dass ich mein eigenes Glück nicht von der Abstinenz meines Partners abhängig mache, weil wenn ich das tue, laufe ich Gefahr, mit der ständigen Angst zu leben, dass er rückfällig wird. Diesen Dauerstress will ich mir nicht antun, im hier und heute ist er abstinent und ich unabhängig- was morgen passiert, kann keine Erklärung über die Ernsthaftigkeit seiner Abstinenz mir gegenüber beeinflussen, nur die Ernsthaftigkeit, die er sich selber entgegenbringt.

  • Gerade in einer Beziehung mit einem nassen Alkoholiker ist der eigene Selbstwert häufig nicht besonders hoch. Viele Co‑Betroffene übernehmen anfangs die Vorstellung, sie seien schuld daran, dass der Alkoholiker säuft .Wenn einem das immer wieder vermittelt wird, übernimmt man diese Sicht irgendwann möglicherweise und verstärkt die eigenen Bemühungen, ihn trocken zu bekommen. Das habe ich hier im Forum auch schon öfter gelesen.

    Das trifft es tatsächlich ganz gut, also bei mir zumindest. Mein Mann gibt mir, wenn er getrunken hat, sehr gerne die Schuld daran, dass er so geworden ist. ( Wenn er nüchtern ist relativiert er das dann wieder!)

    Und den Schuh hab ich mir sehr lange angezogen und natürlich nagt das dann am eigenen Selbstbewusstsein.

    Der größte Witz war vor einigen Wochen, dass ER mir vorgeworfen hat, ich hätte zu wenig Selbstwertgefühl und deswegen könnte er mir nie etwas Recht machen und deshalb müsste er ja dann auch immer wieder trinken.

    Ich bin noch im Loslösungsprozess... Aber was ich hier schon mitgenommen habe, ist, dass ich solche Aussagen nicht mehr an mich ranlasse!

  • Ich verbinde diese Werte vor allem mit dem Selbstwert, und in diesem Thread geht es mir ausschließlich um die Perspektive der Co‑Betroffenen. Natürlich nicht aus Selbstlosigkeit ;) , sondern weil es ja oft heißt, dass nur Co wirklich Co verstehen können .

    Gerade in einer Beziehung mit einem nassen Alkoholiker ist der eigene Selbstwert häufig nicht besonders hoch. Viele Co‑Betroffene übernehmen anfangs die Vorstellung, sie seien schuld daran, dass der Alkoholiker säuft .Wenn einem das immer wieder vermittelt wird, übernimmt man diese Sicht irgendwann möglicherweise und verstärkt die eigenen Bemühungen, ihn trocken zu bekommen. Das habe ich hier im Forum auch schon öfter gelesen.

    Langfristig zehrt genau dieses auch am Selbstwert. Oder nicht? Und wenn der Alkoholiker dann trocken ist, liegt es nahe, ihn weiter zu kontrollieren was wiederum Auswirkungen auf den eigenen Selbstwert hat.

    Zu kompliziert, mein Denken?

    Mir ist dein Denken nicht zu kompliziert, aber ich habe den Eindruck, wir reden aneinander vorbei.

    Du hattest zuvor doch gefragt, ob es dem Angehörigen helfen würde, wenn er/sie eine klare Ansage bekäme, er/sie solle sich nicht mehr um den Alkoholkonsum des Partners kümmern und diesen kontrollieren, etc.

    Ich hatte dich gefragt, ob die Ansage, sich herauszuhalten, mit einer deutlichen Klarstellung zu den unterschiedlichen Werten und Interessen zum Thema SAUFEN erfolgen würde, so wie es Lebenskuenstler im Post #4 beschrieben hatte.
    Von meinem Mann erfolgte so eine Klarstellung nie. Er hätte gerne kontrolliert getrunken. Er hat es wohl auch immer versucht, wenn ich ihn darum gebeten habe. Er hat nie gesagt, er würde gerne - ohne Rücksicht und unkontrolliert saufen.
    Mir war nicht klar, dass er Alkoholiker ist und daher saufen muss.
    Daher habe ich lange angenommen, er hätte noch nicht verstanden, wie wichtig mir eine Veränderung seines Alkoholkonsums war. Eben deutlich wichtiger, als wenn ich mir vorgenommen habe, abzunehmen, und diesen Entschluss dann doch nur halbherzig umsetzte.
    Mein Mann hat mir nie vermittelt, ich wäre Schuld an seinem Saufen. Er war ja noch nicht mal der Ansicht, dass er SÄUFT.

    2 Mal editiert, zuletzt von maibisjuni (8. Januar 2026 um 16:18)

  • Bei mir ist es so, dass ich da einfach nicht abschließen kann, weil seinerseits immer wieder kommt, dass er sich jetzt ändert/ dass er ja schon was ändert..Und man nie weiß, ob es wieder nur eine Trinkpause ist. Ich fühle mich tatsächlich emotional so abhängig von ihm - so viele gemeinsame Jahre, so viel was man gemeinsam geschaffen hat- eigentlich ein perfektes Leben.. aber nur eigentlich.. Und dann immer der Gedanke, und wenn du ihm jetzt wirklich diese eine Chance nicht mehr gibst?..also ich für mich kann sagen, dass ich durch diese Lügen und Manipulationen über die Jahre auch in einer Weise abhängig wurde. Und es ist als würde ein Faden einen immer wieder zurück ziehen, auch wenn man schon gegangen ist. Fürchterlich. Und es ist ja auch nicht wirklich eine "freiwillige" Trennung. Die Sucht des Partners "zwingt" einen dazu- obwohl man mit diesem Menschen alt werden wollte. So fühlt es sich für mich an. Vl können das andere nicht verstehen- ich kämpfe z.b. seit 5 wochen gegeben dieses Zurückgehen an! Ich weiß, fass ich zurück ziemlich sicher nicht glücklich werde - aber eine Trennung ist dennoch so hart und der da ist der Teufel auf der Schulter, der ein schlechtes Gewissen einreden will. Und das obwohl man sich so lange so verletzen und behandeln lies.. Manchmal denke ich es ist wie Selbstzerstörung - nur eben auf co Seite. Ich wünschte es würde mir anders gehen.

  • vorweg: Hera , Dass du im Angehörigenbereich liest und dein erster Abstinenzversuch bis heute stabil geblieben ist, macht dich für mich zu einer Ausnahme. Ebenso scheint dein Umfeld deinen hohen Alkoholkonsum nicht in seinem tatsächlichen Ausmaß wahrgenommen zu haben – und hat deshalb wohl auch nicht so darunter gelitten, wie es viele Angehörige im entsprechenden Bereich schildern.

    Alkoholiker, die den Angehörigen-Bereich nicht kennen, könnten nach den Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen der Angehörigen fragen, um die Auswirkungen ihrer Sucht besser zu verstehen.

    Hi!

    Komme erst jetzt dazu zu antworten, stressiger Tag. Zunächst wollte ich wissen, wie du darauf kommst, dass meine Familie nicht gelitten hat? Hast du meinen Faden gelesen? Mein Mann hat das sowohl wahrgenommen, als auch sehr darunter gelitten. Ich habe bei der Menge getrickst, aber das war's auch. Ein großes Geheimnis habe ich nicht daraus gemacht. Alle in meinem Bekanntenkreis wussten, dass ich viel zu viel trinke.

    Und ich verstehe nicht ganz was das Fragen nach Gefühlen usw. und den Auswirkungen der Sucht HINTERHER bringen soll? Ich hab doch gesehen, wie schlecht es meinem Mann ging. Und mir war bewusst, was ich alles auf's Spiel setze. Ich konnte nur viel zu lange nicht aufhören. Ich behaupte jetzt mal ganz forsch, dass jeder Alki sieht, wie schlecht es dem Partner oder den Kindern damit geht. Das KANN man gar nicht verdrängen.

  • hallo Hera ,

    das habe ich dann falsch herausgelesen, ... ich hatte nur den Titel "Hera ERSTER Versuch" und die Anfänge kurz überflogen und dabei gelesen, dass deine Familie nicht weiß, dass du Alkoholikerin bist und wie es um dich steht.

    Ich wollte dich sowieso nicht als Beispiel nehmen, und hatte das durch das "Vorweg" deutlich machen wollen. Es ging mir um die möglichen anderen Fragen. Und ob und wie hilfreich diese hinterher sind, kann offenbar unterschiedlich empfunden werden.
    Bevor es jetzt aber zu weiteren Missverständnissen etc. kommt, wünsche ich dir einen Guten Abend.

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