Nebelglas - eine Vorstellung

  • Ich wünsche den Nachtschwärmern eine gute Nacht :)

    Ein freundliches Hallo aus einer kleinen Ecke in Österreich.

    Ich bin 37 Jahre alt und mit meinem alkoholkranken Vater aufgewachsen. Ich musste ab meinem 12. Lebensjahr, nach dem Tod meiner Mutter, die Verantwortung für ihn übernehmen. Bis er 2014 gestorben ist konnte er dem Alkohol nicht entfliehen.

    Ich selbst lebe seit jeher komplett abstinent, meine Psyche diktiert mir, dass Alkohol widerlich ist und mir wird ab dem ersten Schluck übel. Meine Vergangenheit habe ich durch viel Therapie ganz gut aufgearbeitet.

    Nun bin ich aber wieder mit dem Thema konfrontiert und es triggert mich. Ich fühle mich machtlos, unsicher, wütend, enttäuscht. Und daher hoffe ich auf unterschiedliche Sichtweisen.

  • Hallo Nebelglas,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Leider ist es so, dass sich viele Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln.

    Es ist gut daß du schon einiges durch deine Therapie aufgearbeitet hast. Inwiefern bist du wieder mit dem Thema konfrontiert?

    Vielleicht möchtest du darüber schreiben wo es dich momentan triggert?

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema in "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Vielen, lieben Dank!

    Folgende Geschichte konfrontiert mich nun wieder mit dem Thema:

    Ich habe vor 3 Tagen meinen Mann standesamtlich geheiratet. Wir haben uns aufgrund meiner Vorgeschichte für eine Dry Wedding (also eine Hochzeit ganz ohne Alkohol) entschieden und das entsprechend an die Gäste kommuniziert.

    Der beste Freund meines Mannes war sein Trauzeuge. Wir kennen F. schon lange. Vor etwa einem Jahr hat er eingesehen, dass er ein Alkoholsuchtproblem hat und sich auch professionelle Hilfe bei einer Suchtberatung geholt. Allerdings nur sehr oberflächlich, denn sobald es um den tatsächlichen Entzug ging, hat er immer wieder Rückzieher gemacht. Hat sich eingeredet, er ist trocken, weil er nur 4 Bier getrunken hat statt 8. Uns gegenüber hat er aber immer wieder betont, wie gut es ihm jetzt gehe ohne Alkohol und wie toll er das schaffe etc. Wir haben uns natürlich gefreut für ihn und ihn unterstützt.

    Als es dann um die Frage ging, ob F. Trauzeuge werden will, haben wir sehr klar kommuniziert, dass wir uns eine Hochzeit ohne Alkohol wünschen, ob das für ihn denn gehe? Ja, das sei überhaupt kein Problem, er sei ja quasi schon trocken und überhaupt braucht er ja gar keinen Alkohol.

    Nun, das Ende vom Lied führt uns zurück auf unsere Hochzeit vor 3 Tagen.

    Er kam bereits mit einem mächtigen Schwips auf die Hochzeit. Hat sich dann dort mit ein paar anderen zusammengetan und sich vor der Tür des Lokals (irgendjemand hatte Alkohol im Kofferraum und verteilte ihn) völlig abgeschossen. Uns, dem Brautpaar, ist er den ganzen Tag geflissentlich aus dem Weg gegangen, weil wir seine Fahne nicht riechen sollten. Aber irgendwann fiel natürlich der torkelige Gang und das Lallen auf.

    Als meine Trauzeugin und 2 andere meiner Freunde ihn darauf ansprachen, dass das eine richtig, richtig bescheidene Aktion ist, kamen ganz viele "gute Gründe". Er habe so viel Stress, es gehe ihm im Moment nicht gut und überhaupt hätten ja die anderen auch getrunken.

    Als er als Antwort bekam, dass nichts davon diese Aktion entschuldigt, wurde er ausfallend und ungut zu den betreffenden Leuten.

    Kurz vor dem Gehen hat er mir eine halbseidene Entschuldigung ins Ohr geleiert, die auch noch eine Lüge war (er hätte zuhause getrunken und das täte ihm leid, obwohl er dabei gesehen wurde, wie er aus dem Kofferraum vor unserer Location mitgetrunken hat). Das habe ich schnell abgewiegelt und gesagt, ich will darüber nicht reden. Das ging in dem Moment einfach überhaupt nicht für mich. Da ist er dann gegangen.

    Alles, was wir bis jetzt von ihm gehört haben, war, wie gemein und unfair es ist, dass wir böse auf ihn sind, denn die anderen haben schließlich auch getrunken.

    Die Konsequenz für die anderen, beteiligten Gäste ist übrigens ein Kontaktabbruch. Also wenn unser Verhalten unfair ist, dann zu seinen Gunsten.

    Leider hat mich diese ganze Situation sehr getriggert und von ihm sind wir einfach besonders enttäuscht. Denn die anderen waren eben nicht Trauzeuge und wussten auch nichts von meiner Vergangenheit. Er dagegen schon.

    Ich weiß genau, dass es mir nicht gut tut, wenn wir das Thema besprechen, denn es werden nur mehr Ausflüchte und Gründe kommen, wieso er keine Verantwortung für sein Verhalten trägt.

    Die Konsequenz Kontaktabbruch wiederum ist etwas, das eigentlich niemand will, denn eigentlich mögen wir ihn ja als Freund. Andererseits werde ich nicht noch einmal einen Suchtkranken mitschleppen. Ich weiß, dass er uns nicht absichtlich und vorsätzlich hat verletzen wollen. Das ändert aber nichts daran, dass er es getan hat.

    Nun ist in knapp einem Monat unser großes Hochzeitsfest mit all unseren Freunden. Und er wäre natürlich wieder Trauzeuge. Wir feiern ein ganzes Wochenende, mit Übernachtungen für die Gäste, wieder Dry Wedding. Das werden 3 Tage sein. Bei unserem Standesamt hat er es nichtmal ein paar Stunden geschafft.

    Aber wie soll ich, sollen wir, ihm nach dieser Aktion noch vertrauen können? Mal abgesehen davon, dass die anderen Gäste, zu denen er ungut war, sich mit seiner Anwesenheit nicht besonders wohl fühlen, verständlicherweise.

    Und nun sitze ich hier wirklich ratlos, was ich aus dieser vertrackten Situation machen soll. Wie ansprechen? Was sagen? Welche Konsequenz?

    Gleichzeitig merke ich, wie ich wieder in ein altes Muster zurückfalle und mir selbst die Schuld für diese Situation gebe, was mir besonders nicht gut tut.

    Ich freue mich über eure verschiedenen Blickwinkel und Denkanstöße, ich bin offen für jeden Vorschlag!

  • Hallo Nebelglas!

    Das ist natürlich eine unangenehme Sache. Wenn es dich so triggert würde ich an deiner Stelle ernsthaft überlegen ihn auszuschliessen. Du bist ja sonst unter einer ständigen Anspannung während deinem Hochzeitsfest. Du bist an nichts schuld, es ist seine Sache daß er trinkt, du hast damit überhaupt nichts zu tun.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke den folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    und wir verschieben dich in den Bereich für Angehörige.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo Nebelglas,

    ein herzliches Willkommen auch von mir.

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet.

    Jetzt kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Morgenrot 7. Juli 2026 um 09:48

    Hat den Titel des Themas von „Ich - eine Vorstellung“ zu „Nebelglas - eine Vorstellung“ geändert.
  • Hallo Nebelglas,

    ich habe dein Thema zu den Angehörigen verschoben.
    Wenn du aber bei den Erwachsenen Kindern schreiben möchtest, sag einfach Bescheid.

    LG Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Vielen Dank, hier passt es gut hin, denke ich :)

    Ihn auszuladen für die große Feier steht im Raum. Es wäre allerdings fürchte ich gleichbedeutend mit einem Kontaktabbruch, weil er sehr beleidigt reagieren würde.

    Prinzipiell bin ich bereit diesen Schritt zu gehen. Aber es wäre mir einfach lieber ihn zu vermeiden.

    Das aber widerrum bedeutet, dass wir um ein klärendes Gespräch nicht herumkommen werden. Denkt ihr es wäre sinnvoll einen Brief zu schreiben?

  • es spricht ja schon einiges dafür, dass er Alkoholiker ist.
    Da kannst du, meinen Erfahrungen nach, zwar vieles versuchen aber es hilft dir nicht weiter. Ein nasser Alkoholiker findet immer Gründe und Anlässe um zu trinken.
    Du kannst ihm deinen Standpunkt klipp und klar darlegen. Wenn du Konsequenzen für ihn in den Raum stellst. diese auch einhalten können

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Liebe/r Nebelglas,

    auch von mir herzlich Willkommen hier im Forum!

    Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass es an dir liegt, das Gespräch mit dem Trauzeugen zu suchen. Du und dein Mann, ihr seid ja aber zu zweit. Wie könnt ihr das gemeinsam gestalten, sodass es dich bei deiner Vorgeschichte, auch entlastet?

    Für mich spricht per se nichts gegen einen Brief. So wie es sich eben für euch stimmig anfühlt.

    Wie der Freund dann reagiert ist nicht eure/deine Verantwortung. Er hat eine Grenze überschritten und ihr zieht eine Konsequenz daraus. Wenn es zum Kontaktabbruch seinerseits kommt, seid nicht ihr verantwortlich dafür. Genauso wenig wie für die Gefühle, die dann bei ihm entstehen.

    Liebe Grüße,

    Seepandarine

  • Und er wäre natürlich wieder Trauzeuge.

    Möchtet ihr wirklich mit dieser Hypothek in den neuen Lebensabschnitt starten?

    Du hast vor paar Tagen geheiratet. Eigentlich solltest du auf Wolke 7 schweben.

    Stattdessen bist du hier. Ich finde das sehr traurig.

    Nimm all deinen Mut zusammen und macht das zu EURER Feier, nicht zu seiner.

    Als EKA kann ich dich gut verstehen. Die Gedanken kreisen um den Alkoholiker, den man auf keinen Fall verletzen oder gar verlassen will. Während der munter säuft, wird das eigene Leben, die eigene Hochzeit überschattet.

    Trau dich, im wahrsten Sinn des Wortes, eure dry Wedding kompromisslos durchzuziehen.

    LG, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Du solltest nur wenn er nüchtern ist mit dem Trauzeugen reden. Dann hast du den echten Menschen vor dir. Es fällt ihm so schwer nicht mal diese kurze Zeitspanne nichts zu trinken, ich behaupte er ist Alkoholiker

    Heute trinke ich nicht

  • Boah. Liebes Nebelglas.

    Das erinnert mich an meine Hochzeit. Mein Bruder war ausgewählt als BrautpaarFahrer . Bis kurz vor der Hochzeit war nicht erkennbar, sichtbar, oder hörbar, dass er hierfür das Fahrzeug vorbereitet u entsprechend etwas aufmöbelt. Ich habe dann ganz kurzfristig umdisponiert. Wir haben nie darüber gemeinsam gesprochen.

    Es ist EURE Hochzeit. Ihr seid die Bestimmer. Dry Wedding, hab ich noch nie gehört. Finde ich echt klasse. Schaut wie es euch taugt u guttut. Toll finde ich, dass du u dein Mann das gemeinsam euch so wünscht. Das ist das Wichtigste. Wirklich. Nach allem was du hinter dir hast, gönn dir deine Feier nach eurem Gusto 👏👍

  • Liebe Nebelglas, ich vermisse deine Wut. Wo hast du sie versteckt?

    Ich hoffe doch sehr, dass du die anderen trinkenden Gäste, besonders die mit dem Kofferraum, auch ausgeladen hast?

    In meinen Augen ein absolut respektloses Verhalten euch gegenüber, da muss auch niemand die Hintergründe kennen. Eine dry Party ist eine dry Party. Eine Hochzeit soll doch einer der schönsten Tage im Leben sein und kein Anlass um dich zu triggern und dich vorführen zu lassen.

    Einen neuen Trauzeugen findest du sicherlich.

  • Hallo Nebelglas,

    hast du denn inzwischen eine Lösung gefunden und mit dem Trauzeugen reden können?

    Mein zweiter Mann, trockener Alkoholiker seit demnächst 20 Jahren, und ich haben auch eine " Dry Hochzeit" gefeiert. Wir haben das auch mit dem Veranstalter besprochen, dass natürlich das Essen alkfrei ist und die Getränkeauswahl sich auf Alkoholfreies beschränkt.

    Das hat gut geklappt und die Gäste haben sich daran gehalten. Sogar der Mann meiner langjährigen Freundin, der saß nämlich plötzlich da, schweißgebadet, zitternd ... voll auf Entzug. Er hatte das wohl selbst anders eingeschätzt. Meine Freundin und er sind dann nach Hause gegangen weil es nicht anders ging. Er ist tatsächlich dann einige Zeit später zur Entgiftung gegangen und seither trocken.

    Ich finde es sehr respektlos, was da bei eurer Feier passiert ist. Ich glaube, ich hätte den Kontakt abgebrochen. Denn da ist eine Grenze überschritten worden, da wurdest du, wurdet ihr nicht ernst genommen. Unter echten Freunden geht sowas garnicht.

    Wie geht es dir also inzwischen?

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Danke für eure Antworten :)

    Wir hatten nun gestern die aussprache - so lange hat es gedauert, bis wir ihn quasi nüchtern angetroffen haben. Er ist definitiv Alkoholiker, das sagt er von sich selbst. Aber er ist noch in seiner "Ich kann eh jederzeit aufhören, so schlimm ists nicht." - Phase.

    Und ja, dieses Gespräch war für mich ebenfalls ernüchternd.

    Ich habe vorher mit meiner Therapeutin sehr genau durchgesprochen, was ich sagen möchte etc.

    Er hat sich entschuldigt, auch sehr ehrlich, ich glaube wirklich, dass es ihm Leid tut - und dann kamen eine Million Abers.

    Wie gemein das nicht von uns ist, dass wir da so ein Drama drum machen. Es waren nur 3 Bier und wir bauschen das da jetzt alles so arg schlimm auf. Und überhaupt, er hat das einfach trinken müssen, denn er hat so viel Stress. Und was wir da jetzt für eine Hexenjagd veranstalten, nur weil er 3 Bier getrunken hat. Wir hätten ihm halt sagen sollen, dass er heimgehen soll, aber wir haben nichts gesagt, also muss es ja wohl okay gewesen sein für uns. Die anderen Gäste (die ihm gesagt haben wie scheisse sie dieses Verhalten finden) waren so gemein zu ihm und er so arm, weil alle sind auf ihn losgegangen.

    Aber im August da wird das ganz anders, da ist der Stress dann vorbei und er braucht den Alkohol nicht mehr und da trinkt er ganz bestimmt nichts, überhaupt ist er dann schon trocken. Und er wird das alles wieder gut machen.

    Er ist der beste Freund meines Mannes, deshalb habe ich mich viel zurück gehalten. Mein Mann möchte ihm gerne noch eine Chance geben.

    Ihn auszuladen würde sein Ego derart kränken, dass es einem Kontaktabbruch gleich käme, denn er ist ja das arme Opfer.

    Aber ich war sehr, sehr klar wie wir uns das vorstellen im August und welche Konsequenz ein weiterer Fehler in diese Richtung bringt. Immerhin das.

    Unterm Strich bedeutet das für mich, dass ich mich aus dieser Freundschaft sehr weit zurück ziehe.

    Scheisse bauen ist eine Sache, aber sich dann selbst künstlich in die Opferrolle hineinwinden und keine Verantwortung dafür übernehmen eine andere.

    Jemand hat gefragt wo meine Wut ist.

    Und hier ist sie jetzt. Ich sitze nach diesem Gespräch hier und hab so eine Stinkwut im Bauch. Ich möchte ihn anbrüllen und ihm an drn Kopf werfen, was für ein verdammter Scheisskerl er ist, der mir jetzt auch noch die Schuld gibt für seine Fehler.

    Aber ich weiß von meinem Vater, dass das einfach keinen Sinn hat. Er windet sich nur noch tiefer in die Opferrolle.

    Deshalb ist das einzige was ich jetzt tun kann den Kontakt auf so wenig wie möglich beschränken und mich sehr, sehr abzugrenzen.

    Und das tue ich auch.

  • Ich fasse das mal nüchtern und aus meiner Sicht als trockener Alkoholiker zusammen.

    Es ist der beste Freund deines Mannes. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass dein Mann ihn anders sieht. Er hat selbst kein Alkoholproblem und erlebt seinen Freund aus einer anderen Perspektive.

    Ihr bewertet die Situation deshalb auch unterschiedlich. Du reagierst sensibler, weil du mit Alkohol schlechte Erfahrungen gemacht hast. Ob der Trauzeuge das weiß oder nicht, ist für mich zunächst zweitrangig.

    Dass ein nasser Alkoholiker Alkohol ins Spiel bringt, überrascht mich nicht. Das ist für mich typisches Suchtverhalten und kein Beweis dafür, dass er euch persönlich verletzen wollte. Die Sucht denkt nun einmal anders als ein nüchterner Mensch.

    Das entschuldigt sein Verhalten aber nicht.;)

    Eine „Dry Wedding“ bewusst zu ignorieren, bleibt eine klare Grenzüberschreitung. Dafür trägt er trotz seiner Suchterkrankung die Verantwortung.

    Mit einem nassen Alkoholiker über solche Dinge zu diskutieren, führt nach meiner Erfahrung selten weiter. Solange die Sucht das Denken bestimmt, haben vernünftige Argumente meist einen schweren Stand.

    Mich würde eher interessieren, wie dein Mann die Situation heute sieht. Sein Freund hatte die Chance, eure Entscheidung zu respektieren. Stattdessen hat er sich wie ein nasser Alkoholiker verhalten. Das macht ihn nicht zu einem schlechten Menschen, aber zu einem kranken Freund, dessen Verhalten von seiner Sucht geprägt ist.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Nebelglas,

    dieser Freund verhält sich so, wie es sehr, sehr viele nasse Alkoholiker machen.

    Opferrolle, Schuldumkehr, Versprechungen, Druck... Du siehst es klarer als dein Mann, er lässt sich da noch beeinflussen, hat Hoffnung, möchte es glauben, kann diese Freundschaft - noch - nicht aufgeben. Dieses Verhalten von Angehörigen, Freunden etc mit Abhängigen passiert immer wieder, es ist eine typische Reaktion.

    Und hält die Mitbetroffenen im Suchtstrudel fest.

    Und ich selbst damals und eigentlich so gut wie alle, die im Suchtstrudel mit drinnenstecken oder gesteckt haben, verhalten sich so bis sie selbst merken, dass es nichts bewirkt, nichts nutzt sondern dass sie damit nur sich selbst verletzen.

    Er ist der beste Freund meines Mannes, deshalb habe ich mich viel zurück gehalten. Mein Mann möchte ihm gerne noch eine Chance geben.

    Ich versteh schon, dass du da nicht mehr auf den Putz hauen wolltest weil du keinen Konflikt mit deinem Mann möchtest weil du verstehst, dass es ja sein bester Freund ist. Also spekuliere ich jetzt mal einfach. Aber mal ehrlich, aus eigener Erfahrung bringt Verständnis in solchen Fällen nichts. Es geht um einen der schönsten Tage deines/eures Lebens... Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Freund das ruiniert ist sehr, sehr, sehr hoch.

    Es geht ja auch um dich. Vielleicht kannst du in einem Gespräch mit deinem Mann deine Wut erklären, deine Vorstellungen und dass du das nicht möchtest. Klare, deutliche Worte ohne Anklage, überlege gut ob so ein Gespräch mit deinem Mann nicht eine Option sein kann.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Habt ihr denn einen Notfallplan, was ihr macht, wenn er an eurem 3-tägigen Hochzeitsfest trinkt?

    Wenn ein Alkoholiker trinken muss, gibt es nur zwei Optionen: tolerieren oder ausschließen. Alles andere sind emotionale Dramen, Ängste und Projektionen.

    Die Sucht kümmert das nicht – sie ist völlig gleichgültig und übernimmt die Rolle eines Alkoholikers.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

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