• Der Gedanke mit 56 wieder anzufangen. Mit nichts. Das macht mir Angst.

    Da bin ich hängen geblieben. Ich lese hier von einer reflektierten Frau, die sich nicht mit einem Leben an der Seite eines nassen Alkoholikers arrangieren will. Die offenbar beruflich gut da steht und weiß wie sie sich Hilfe holt.
    ist das ernsthaft NICHTS? Es wäre ein Neuanfang, eine Chance auf ein anderes Leben. Ohne Vorwürfe und Alkoholfahne und besoffenes Gegrapsche.

    Wir Menschen und gerade wir Frauen neigen leider aufgrund unserer Sozialisation dazu, lieber in schlechten Situationen zu verharren und uns vermeintlich aufzuopfern, als auszubrechen und einen selbstbestimmten Neuanfang zu wagen. Wenn es dann eine macht- so wie du- hat sie meinen größten Respekt. Dann wünsche ich ihr Glück auf ihrem eigenen Weg.

  • Liebe Casey!

    Ich hab mich ja erst vor 4 Wochen von meinem Mann getrennt, nachdem er trotz Langzeit nach einigen Tagen direkt wieder getrunken hat.

    Ja es tut weh, sehr sogar und manchmal überkommt mich das heulend Elend, weil ich den Mann vermisse, der er nüchtern ist und den ich in den 3 Monaten Langzeittherapie nochmal sehen durfte...

    In solchen Momenten muss ich mir immer klar vor Augen halten, dass dieser Mensch leider nur noch sehr selten anwesend ist und der andere, der der trinkt mich nach und nach kaputt gemacht hat.

    Auch vor mir liegt noch ein riesiger Berg an Bürokratie und der macht mir regelmäßig Angst und Sorgen. Aber ich weiß, dass wenn ich diesen Berg erstmal bezwungen habe, auf mich ein ruhigeres und vor allem wieder selbstbestimmtes Leben wartet!

    Ich wünsche dir viel Kraft weiterhin! Du solltest es dir wert sein und Angst gehört zu diesem Weg dazu... Aber ich bin überzeugt davon, dass du das auch schaffst!

  • Montag - nüchtern

    Dienstag - nüchtern

    Mittwoch - nüchtern

    Heute? Keine Ahnung. Er ist auf Dienstreise und kommt erst morgen wieder. Ich bezweifle, dass er heute Abend nichts trinkt aber ich mache mir jetzt keine Gedanken. Bringt ja nichts.

    Ich bin weiter im Gästezimmer und hier bleibe ich auch. Zu den AA's will er nicht gehen und das verstehe ich auch. Zu groß die Scham. Er hat eine Adresse einer Therapeutin rausgesucht zu der er mit mir gehen möchte - Paartherapie. Sie hat auch Suchtprobleme in ihrem Angebot. Bis jetzt hat er noch keinen Termin gemacht weil xxxxxxx

    Ob ich glaube er schindet Zeit hat er mich gefragt. Ja. Ich sagte ihm, dass es bis jetzt immer so war. Großer Knall, tiefe Traurigkeit, Gespräche und ein paar Wochen geht es gut und dann ist alles wieder beim Alten.

    Natürlich könnte ich den Termin machen für uns aber ich habe inzwischen so viel gelesen was Angehörige tun.... - ich mache keinen Termin. Es muss von ihm kommen. Ich möchte es unbedingt aber ich warte.

    Montag ist wieder ein Treffen und ich gehe hin. Er kann mit oder es lassen aber ich gehe hin.

    Gestern kam nochmal die Bestätigung der Reha mit Angabe der ausgesuchten Klinik. Nun muss ich warten bis zum Termin. Hoffentlich bald, ich brauche eine Auszeit.

    Aber was ich im Moment habe ist Zeit durchzuatmen da er ja im Moment nüchtern ist. Nur wie lange? Die Anspannung wird wohl Freitag zurückkommen.

  • Er hat eine Adresse einer Therapeutin rausgesucht zu der er mit mir gehen möchte - Paartherapie. Sie hat auch Suchtprobleme in ihrem Angebot. Bis jetzt hat er noch keinen Termin gemacht weil xxxxxxx

    Das ist eine gute Idee mit der Paartherapie - wenn er schon einige Zeit abstinent wäre und Ihr Euch beide als Paar neu finden müsstet und wolltet.

    So aber fürchte ich, dass er immer noch verhandeln will, um Dich nicht zu verlieren - und den Alk auch nicht.

    Wenn er wirklich selbst Krankheitseinsicht hätte UND auch noch einen echten Wunsch nach dauerhafter Abstinenz, würde und müsste er sich selbst kümmern, unabhängig von Dir, so wie Du es auch gerade für Dich machst.

    (schreibe ich Dir als Alkoholikerin mit eigener Co-Erfahrung.)

    Mach bitte die Intensität Deiner Wohnungssuche und weiteren Selbstfürsorge nicht davon abhängig, ob er vielleicht mal zu irgendeiner Gruppe geht - das beweist gar nichts, wie Du hier in unzähligen Erfahrungsberichten lesen kannst. Alles Gute!

  • Liebe Cassy,

    mein Mann geht seit Jahren zu einer Psychologien. Auch Paartherapie haben wir gemacht. Nichts davon hat langfristig etwas an seinem Alkoholkonsum geändert.

    Ich habe immer Verständnis für ihm, im Endeffekt habe ich schmerzlich erkannt, dass ich bei mir bleiben muss. Ich will nicht kaputt gehen, weil er sein Leben nicht auf die Reihe kriegt. So habe ich begonnen meine Freizeit mit mir alleine oder Freundinnen zu verbringen, da mit ihm meist nichts anzufangen ist. Eine Trennung war nie eine Option für mich, da die Gefühle für ihn so stark sind.

    Seit ich hier schreibe/ lese denke ich auch zum ersten Mal über eine Mögliche Trennung nach.
    Natürlich habe ich Angst was auf mich zukommt, wenn ich es wirklich durchziehen würde, doch was ist die andere Option?

    Er soll nicht mehr an erster Stelle stehen. Ich möchte an erster Stelle stehen.

    Diese ewiges Hin und Her kenne ich nur zu gut. Die Anspannung die überhand nimmt, was wohl wieder alles sein wird, wenn er Heim kommt. Momentan ist er daheim, wieder mal im Krankenstand.

    Ich lebe seit 20 Jahren in dieser Beziehung, hab mich selber immer wieder belogen und alles mögliche versucht um zusammen ein Glückliches und Erfülltes Leben zu führen. Es gab auch viel schönes, ich will hier nicht alles schlecht schreiben. Die Zeit nach seiner Reha war harmonisch, doch leider war nach einem halben Jahr wieder alles beim alten.

    Wenn ich deine Zeilen lese, liebe Cassy so kann ich es nachvollziehen wie es dir geht.

    LG Leonore



    I

  • Danke Rennschnecke, ich sehe es ja genauso.

    Mach bitte die Intensität Deiner Wohnungssuche und weiteren Selbstfürsorge nicht davon abhängig, ob er vielleicht mal zu irgendeiner Gruppe geht - das beweist gar nichts, wie Du hier in unzähligen Erfahrungsberichten lesen kannst. Alles Gute!

    Nein, mache ich nicht. Ich bleibe bei meinem Plan und bin oben im Gästezimmer und Büro, gehe zu den Treffen und sehe mich nach Wohnungen um. Das läuft weiterhin. Was sich geändert hat ist die Hoffnung. Ich habe keine mehr.

    Wir hatten gestern Morgen und Abend gute Gespräche. Gut weil keine Schuldzuweisungen und streiten sondern ruhige Gespräche. Ich gebe zu, ich schaffe es oft nicht Leute aussprechen zu lassen aber beim Meeting Montag hat genau das mich beeindruckt. Dieses Reden können ohne sich verteidigen zu müssen (meine die Redner). Ausreden können. Ich versuche das Ausreden auf jeden Fall geschehen zu lassen UND ich verteidige mich nicht mehr. Ich bin nicht schuld also wozu verteidigen?

    Was ich nicht schaffe ist an morgen zu denken. Im Moment habe ich nur Kraft für jetzt. Jetzt und heute. 1 Schritt nach dem anderen.

    Dennoch würde ich gerne zu dieser Frau in Therapie gehen auch ggf. ohne ihn. 1 Schritt nach dem anderen.

  • Salü Cassey

    Ich lese gerade Deinen Faden, und der berührt mich. Du wehrst Dich gegen das, was ich vor Jahren gewesen bin.

    Da ich selbst aus der Alkoholiker-Ecke komme, fühle ich mich nicht wirklich autorisiert, in Deinem Co-Faden mit Worten um mich zu werfen.

    Ich habe aber Fragen:

    Du schreibst von einer Reha: Machst Du diese Reha wegen "eigener Probleme", oder weil Du mit der Situation Deines Mannes (welche ja Konsequenzen auf Dein Seelenheil hat) nicht mehr klar kommst? (oder wegen beidem)?

    Des weiteren: Du schreibst davon, dass er eine Paartherapie machen möchte. Das erstaunt mich ein wenig. Er sagt ja, "ihr habt so ein gutes Leben". Du schreibst, dass er in nüchternem Zustand ein lieber, guter Mann sei. Das klingt für mich nicht nach Paar-Problemen.

    Für mich klingt es nach Problemen, die Ihr wegen der Sucht habt, die er jedoch nicht dort behandeln will wo diese hingehören - in eine Sucht-Therapie.

    Klar - ist besser als nix - jedoch riecht das für mich nach einem Versuch, Dich zu besänftigen, Dich ruhig zu stellen. Denn: Er macht ja was. Und das schöne daran: Er muss so immer noch nicht zugeben dass er ein fettes Alkoholproblem hat - das würde in einer Sucht-Therapie nach ca. 20 Sekunden zum Hauptthema werden, und davor hat er Angst. Zudem macht das - einmal mehr - sein Problem zu "eurem". Warum keine Sucht-Therapie?

    Hast Du Deinen Mann in den Gesprächen mal auf das Thema Angst angesprochen? Denn sich selbst zuzugeben dass man Alkoholiker ist, braucht Mut. Man kann/darf dann nicht mehr wegsehen, da man es (selbst) benannt hat. Das setzt unter Zugzwang, und die Konsequenz ist (oder wäre), dem Alkohol good-bye zu sagen. Für immer. Und das ängstigt.

    Es ist sehr schwer, einen Alkoholiker wirklich emotional zu erreichen - das meiste was gezeigt wird, ist eine mehr oder weniger gezielte Show, die man sich selbst glaubt. Ja, wir können heulen, reumütig sein, ja sogar alles "verstehen", geloben, schwören, beichten ... es ist zum ko****, was wir alles tun, nur um nix ändern zu müssen.

    Aber vielleicht erreichst Du ihn wenn Du Verständnis für seine Angst vor dem Eingeständnis, alkoholkrank zu sein, zeigst.

    Dennoch - es stimmt, was viele hier sagen: Ändern kann nur er selbst etwas - und das fängt damit an, dass er Verantwortung für sich selbst übernimmt.

  • Du schreibst von einer Reha: Machst Du diese Reha wegen "eigener Probleme", oder weil Du mit der Situation Deines Mannes (welche ja Konsequenzen auf Dein Seelenheil hat) nicht mehr klar kommst? (oder wegen beidem)?

    Hallo Avalon, die Reha ist für mich. Ich habe massive Rückenprobleme und hatte gerade meinen 3ten Bandscheibenvorfall im Nacken und daher die Reha.

    Des weiteren: Du schreibst davon, dass er eine Paartherapie machen möchte. Das erstaunt mich ein wenig. Er sagt ja, "ihr habt so ein gutes Leben". Du schreibst, dass er in nüchternem Zustand ein lieber, guter Mann sei. Das klingt für mich nicht nach Paar-Problemen.

    Für mich klingt es nach Problemen, die Ihr wegen der Sucht habt, die er jedoch nicht dort behandeln will wo diese hingehören - in eine Sucht-Therapie.

    Richtig. Unsere Probleme sind rein von der Sucht her. Die Therapeutin bietet Suchttherapie an und klar, ich hätte lieber das er zum Arzt geht oder anderes aber für ihn ist das wahrlich ein Riesenschritt - wenn er es denn wirklich macht. Sollte es wirklich zu einem Termin gehen dann würde ich es mitmachen weil ich ihn einerseits liebe, anderseits da einen geschützten Raum sehe wo ich ihm sagen kann, wie sehr mich seine Sucht fertig macht. Hilfe, für ihn zu erkennen, dass er wirklich ein Problem hat. Denn das sieht er ja nicht. Für ihn ist klar, er hat das im "Griff". Er trinkt Tage, Wochen nicht und dann...... Deshalb glaube ich ihm nicht, aber ich glaube ihm das er daran arbeiten will es im "Griff" zu haben.

    Es ist sehr schwer, einen Alkoholiker wirklich emotional zu erreichen - das meiste was gezeigt wird, ist eine mehr oder weniger gezielte Show, die man sich selbst glaubt. Ja, wir können heulen, reumütig sein, ja sogar alles "verstehen", geloben, schwören, beichten ... es ist zum ko****, was wir alles tun, nur um nix ändern zu müssen


    Ich kann ihn nicht allein erreichen und ich habe aufgegeben. Das ist der Punkt. Er merkt das seine Frau sich nicht wie sonst nach ein paar Tagen beruhigt. Ich habe mich vorher noch nie derart zurückgezogen und bin auch räumlich im Haus von ihm getrennt. Wir reden aber ich mache keine Pläne mit ihm.

  • Hallo Casse

    Er hat eine Adresse einer Therapeutin rausgesucht zu der er mit mir gehen möchte - Paartherapie. Sie hat auch Suchtprobleme in ihrem Angebot.

    Ein nasser Alkoholiker kann keiner Therapie folgen, das halte ich für Hinhaltetaktik, auf jeden Fall sollte die Therapeutin wissen, dass er nass ist.

    Aber vielleicht erreichst Du ihn wenn Du Verständnis für seine Angst vor dem Eingeständnis, alkoholkrank zu sein, zeigst.

    Das ist nicht deine Aufgabe, du hast mit Sicherheit schon sehr lange Verständnis gezeigt. Das hält uns nur in der CO - Rolle. Schau auf dich, und wenn du meinst du brauchst die Therapie für dich, ruf die Therapeutin an.

    LG Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Ich komme aus der Alkoholiker-Ecke, und meine Frau und ich waren bei der Paarberatung, so lange ich noch getrunken habe.

    Kannst Du hier nachlesen:
    Paartherapie mit dem nassen LK

    kann sicher nicht überallhin übertragen werden, nur als Beispiel, wie es laufen kann. Und wird Dir vermutlich nicht gefallen.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich war mit meinem Ex auch kurz bei der Paartherapie.

    Es hat gar nichts gebracht.

    Der Therapeut damals war sogar auch auf Sucht spezialisiert.

    Wenn ich das Thema (Alkohol, Lügen) bei der Theraphiestunde angesprochen habe, hat mein Ex es bestritten ein Problem zu haben und dass er sich von mir kontrolliert fühlt.

    Der Therapeut meinte nur, dass mich das nichts angeht (so auf die Art). Ich hatte auf jeden Fall das Gefühl, dass er mir nicht „hilft“ (der Therapeut).


    Im Nachhinein verstehe ich, dass er recht hatte.


    Solange der nasse Alkoholiker das Problem nicht einsieht, wird ihn auch kein Therapeut davon überzeugen können.
    wenn ich ehrlich bin, wollte ich die Paartherapie, damit der Therapeut meinen Ex davon überzeugt, dass ich Recht habe und ihm die Augen geöffnet werden.

    Mein Ex hat die Theraphie dann eher gegen mich benutzt. Es kam zu Streit. Er hat dann immer argumentiert, ob ich nicht verstanden habe, was der Therapeut gesagt hab, dass ich das wahre Problem bin weil ich kontrollieren und ihm nicht vertrauen würde.


    bei uns kam es dann so, dass der Therapeut meinte er will vorübergehend nur, dass mein Ex allein ohne mich kommt. Da ging’s drum, dass mein Ex sich in meiner Anwesenheit nicht öffnen bzw. nicht ehrlich sein konnte, glaube ich. Er ist nie hingegangen. Hat mich diesbezüglich belogen. Ich hab’s dann gemerkt, als keine Rechnung mehr vom Therapeut kam.

    Einmal editiert, zuletzt von orangeblau (15. Oktober 2026 um 14:16)

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