Fragen an einen Alkoholiker

  • Gab es bestimmte einschlägige Vorkommnisse

    Bei mir war mein Wendepunkt die Einlieferung ins Krankenhaus. Da war alles entzündet und die Leber stark beeinträchtigt. Vor diesem Zeitpunkt wollte ich auch schon lang aufhören und hab mir gesagt so geht das nicht weiter aber es ging trotzdem immer so weiter. Jeder hat seinen eigenen Aufschlagpunkt.

  • Sehr unterschiedlich, was zum Aufhören führt. Ich wusste am Tag vorher noch nichts davon..

    Von mir gibt es das da:

    Lebenskuenstler
    7. Januar 2025 um 17:46

    Kannst Du lesen, wenn es Dich interessiert.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Das, was du beschreibst, ist kein Rätsel. Wenn er „trocken“ ist, was ich mal so verstehe, dass er nicht mehr trinkt, fehlt ihm der Stoff, der vorher alles gedämpft, übertüncht oder weggeschoben hat. Da kommt erst mal nichts „Glückliches“, sondern Leere, Unruhe und der ganze Kram, den der Alkohol jahrelang zugedeckt hat.

    Und ja. Dieser Kreislauf aus Saufen – Einsicht – Entzug – Unzufriedenheit – wieder trinken ist typisch. Das hat nichts mit dir zu tun und auch nichts damit, dass er „nicht glücklich genug“ wäre.

    Das ist einfach die Sucht, die weiterläuft, auch wenn gerade kein Alkohol im Körper ist. Solange er das nicht selbst erkennt und wirklich etwas ändern will, bleibt es genau so.

    Vielen Dank für die Antwort.

    So habe ich es noch nicht betrachtet.

    Man kann es halt irgendwie schwer nachvollziehen , wieso es immer wieder zu einem Rückfall kommt

    Alles läuft in meinen Augen perfekt und dann ist er wieder so in sich gekehrt und unzufrieden, wenn ich ihn darauf anspreche heißt es direkt egal wie er es macht ich bin immer unzufrieden, dabei Frage ich ihn bloß wieso er jetzt gerade so komisch drauf ist ,weil ich möchte ihn doch einfach nur verstehen und wissen wie er sich fühlt.

    Mhhh das letzte Mal ging es 3 Monate gut dann hat er 4 Wochen täglich wieder getrunken und jetzt ist er wieder trocken aber wahrscheinlich weil es ihm körperlich nicht gut ging und wir uns Mal wieder gestritten haben ich ihn gedroht habe zu gehen mit unseren Kindern, nicht weil er mir egal ist sondern weil er ein Familienleben in diesem Zustand nicht gerecht wird.

    Aktuell gesteht er sich ein Problem ein aber dies wird sich wahrscheinlich bald wieder ändern , dann heißt es er könne gelegentlich was trinken verspricht mir es diesmal nicht wieder zu übertreiben aber das klappt einfach nicht .

  • Hi,

    Kurz und knapp, eine Mischung aus allem. Gesundheit, Scham, Ekel vor sich selbst, nicht in den Spiegel schauen zu können, Mitleid mit der Partnerin (dass Sie mit sowas wie mir gestraft wurde), usw.

    Ich glaube man muss echt unten ankommen, wobei für jeden "unten" was anderes bedeutet.

    Ohne das "so DARF es nicht weitergehen" im Kopf, die Einsicht, wäre das bei mir nichts geworden.

    Schwer zu sagen, dass man es für sich tut. Als Alkoholiker ganz unten bist Du dir selbst auch egal, fühlst dich ja wie nichts wert, Selbsthass, Selbstzerstörung. Lebenswille ist n guter Punkt.

  • wenn ich ihn darauf anspreche heißt es direkt egal wie er es macht ich bin immer unzufrieden,

    Natürlich, denn er fühlt sich unter Druck gesetzt. Nicht, weil du etwas falsch machst, sondern weil du in seinen Suchtbereich eingreifst. ;) Alles, was diesen Bereich berührt, wird automatisch verteidigt , egal wie harmlos die Frage gemeint ist.

    Das ist ein Reflex der Sucht, kein bewusster Angriff gegen dich.

    Viele Alkoholiker reagieren dann so, und ich machte da auch keine Ausnahme. "Schau her, was passiert, wenn ich nicht mehr trinke. Lass mich einfach in Ruhe.“ ;)

    Das ist keine Logik, sondern ein Schutzmechanismus, damit niemand an das Thema rankommt. Und ja, manche sagen sogar „Ich habe ein Problem“, nur um die Situation zu beruhigen , nicht, weil sie wirklich etwas ändern wollen.

    Rückfälle werden dann oft mit genau solchen Sätzen gerechtfertigt.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Gab es bestimmte einschlägige Vorkommnisse bei euch bzw ein Aha-Erlebnis oder ist das eher ein schleichender Prozess?
    Eher gesundheitlich, beziehungstechnisch oder beruflich? Oder die Summe aus allem?


    Würde mich wirklich mal brennend interessieren :)

    Bei mir war es der Umstand, dass es 2024 an allen Ecken und Enden immer mehr schiefzulaufen begann. Die Fehlentscheidungen im Beruf häuften sich (ein Mitarbeiter drohte mir zuletzt eine Klage an), auch die Auseinandersetzungen in der Familie, in der Beziehung verabschiedete sich das Miteinander Stück für Stück, eine finanzielle Fehlinvestition größeren Ausmaßes kam auch dazu (betrunken sollte man die Finger von finanziellen Dingen lassen), im Sportlichen waren keine Erfolgserlebnisse mehr da, manche Freundinnen und Freunde schränkten den Kontakt ein... und und und.

    Tendenz steigend.

    Ich bekam das natürlich alles mit, doch war anfangs die Einsicht, etwas ändern zu müssen, nicht da.

    Einzeln betrachtet waren die Veränderungen - gefühlt nicht - nicht schlimm gewesen, aber das Gesamtpaket zeigte mir schließlich dann deutlich auf, dass sich jetzt dauerhaft etwas ändern muss, weil ich sonst in ein paar Jahren vor die Hunde gehen würde.

    Einmal editiert, zuletzt von stef2303 (6. Mai 2026 um 18:13)

  • Mir schwirrt auch schon seit Tagen (seit ich hier mitlese) eine Frage im Kopf rum. Vielleicht ist sie etwas persönlich, aber vielleicht mag der eine oder die andere vllt doch (grob) antworten.

    Hier ist nichts Persönlich, hier geht es um Sucht.;)

    Oder die Summe aus allem?

    Du hast es richtig erkannt. Es ist immer eine Summe aus allem und jeder Alkoholiker hat seine eigene Rechnung, die irgendwann fällig wird. ;)

    Es gibt die, die sich zu Tode saufen , und es gibt die, die eines Morgens aufwachen und sagen, jetzt reicht es.

    Das Problem bei Angehörigen oder Co‑Abhängigen ist oft, dass sie sich an einer Hoffnung festhalten, die die Sucht selbst nicht hergibt. Die Sucht hat ihre eigenen Muster, ihre eigene Logik und ihr eigenes Tempo

    Sie entscheidet, nicht die Hoffnung von außen.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • dann heißt es er könne gelegentlich was trinken verspricht mir es diesmal nicht wieder zu übertreiben aber das klappt einfach nicht .

    Richtig. Ich, bzw. mein Suchthirn hat jahrelang gedacht: "Kein Alkohol? Darauf kann ich nicht verzichten. Das muss auch anders gehen."

    Ich habe alles versucht um zu reduzieren. Das Bier z. B. in den Keller. Dann war ich nur noch am Rennen und habe schon unten eins auf ex gezogen (und zwei mit hoch genommen), damit ich weniger rennen muss.

    Es war dann auch eine Sammlung an Problemen. Und auch Schlüsselerlebnisse. Sehr negative Schlüsselerlebnisse. Vor denen ich schlecht die Augen verschließen konnte.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Natürlich, denn er fühlt sich unter Druck gesetzt. Nicht, weil du etwas falsch machst, sondern weil du in seinen Suchtbereich eingreifst. ;) Alles, was diesen Bereich berührt, wird automatisch verteidigt , egal wie harmlos die Frage gemeint ist.

    Das ist ein Reflex der Sucht, kein bewusster Angriff gegen dich.

    Viele Alkoholiker reagieren dann so, und ich machte da auch keine Ausnahme. "Schau her, was passiert, wenn ich nicht mehr trinke. Lass mich einfach in Ruhe.“ ;)

    Das ist keine Logik, sondern ein Schutzmechanismus, damit niemand an das Thema rankommt. Und ja, manche sagen sogar „Ich habe ein Problem“, nur um die Situation zu beruhigen , nicht, weil sie wirklich etwas ändern wollen.

    Rückfälle werden dann oft mit genau solchen Sätzen gerechtfertigt.

    Es tut sehr gut die Sichtweise von jemand anderen zuhören, vielen Dank dafür .

    Wenn er längere Zeit nichts getrunken hat ich würde so sagen meistens nach ca 10 Tagen , will er ständig unterwegs sein, meistens geht er dann einkaufen, was er sonst überhaupt nicht gerne macht , ich denke Mal das es eine Art Ablenkung ist .

    Darf ich fragen ob sie sich ein Hobby oder irgendeine Aufgabe gesucht haben um sich wenn der Druck groß war dort hinein gesteckt haben ? Ich denke er muss eine neue Aufgabe haben um sich ablenken zu können , klar haben wir genug zutun sei es der normale Alltag seine Arbeit unsere Kinder aber vielleicht etwas ganz alleine für ihn ? Vielleicht Sport .

    Hilfe durch eine Gruppe oder der Art möchte er nicht , denn er ist der Meinung man kann sich nur selbst helfen.

  • Darf ich fragen ob sie sich ein Hobby oder irgendeine Aufgabe gesucht haben um sich wenn der Druck groß war dort hinein gesteckt haben ?

    Hier sind alle per Du.:)

    Menschen sind ja nicht übertragbar. Süchtige haben zwar ähnliche Suchtmuster, aber nicht dieselbe Lebensweise, denselben Charakter oder dieselben Entscheidungen.

    Die Sucht übernimmt nur bestimmte Verhaltensabläufe , nicht die Persönlichkeit. Deshalb reagiert jeder Alkoholiker anders, auch wenn die Mechanismen dahinter gleich funktionieren.

    Das ist die Erfahrung, die ich hier in den letzten zwanzig Jahren gemacht habe.

    Hilfe durch eine Gruppe oder der Art möchte er nicht , denn er ist der Meinung man kann sich nur selbst helfen.

    Wenn er nicht will, kannst du nichts dagegen machen. Hilfe zu suchen bedeutet für viele Alkoholiker, sich öffentlich zu outen und genau das fühlt sich für viele wie ein Stigma an. Das gesellschaftliche Bild sagt immer noch: „Alkoholiker = Schwäche“, und davor haben viele Angst. Solange er sich selbst nicht als Alkoholiker sieht, wird er auch nichts ändern.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Der Alkoholiker kann sich nur selbst retten.Er weiß ja meist, das was nicht stimmt. Aber die Sucht gibt den Ton an. Er muss selbst den Weg wollen und gehen, den jeder Süchtige gehen muss. Sich eingestehen, das er ein großes Problem hat und von sich aus was ändern will.

    Entgiftung,Therapie,Fachpersonal, Grundbausteine und letztendlich auch die Einsicht, nie wieder Alkohol trinken zu können. Oft ist dafür ein persönlicher Tiefpunkt nötig. Job weg, Familie weg, Geld weg, Gesundheit kaputt. Dann gibt es nur noch zwei Möglichkeiten. Ich will leben und hol mir Hilfe, oder ich sauf mich tot. Nur ein bischen Alkoholiker ist für mich nicht möglich. Familie,Partner/Partnerin können den Alkoholiker nicht trocken machen, das muss er schon selbst tun. Die Sucht ist verankert und kann nicht geheilt werden, aber sie kann gestoppt werden!

  • Herzlichen Dank an alle für die offenen, klaren Worte und Einblicke in euer Leben, habe mit so vielen Antworten gar nicht gerechnet :)


    Habe die Antworten auch mehrfach gelesen und erstmal sacken lassen. Es schockiert zu lesen, was alles bei dem ein oder anderen passieren musste, bis der innere Entschluss und somit die Befreiung kam. Aber vermutlich wäre es ohne diese Ereignisse und Tiefpunkte nicht zur Trockenheit gekommen und folglich zu einem besseren und schöneren Leben.
    Die Sucht ist echt ein harter Brocken.
    Ich nehme für mich mit, dass mein Partner vermutlich aktuell noch gar nicht so weit ist und die Vorteile des Alkohols für ihn überwiegen bzw. die Sucht ihn noch voll im Griff hat. Beziehungsstress, Trennungsabsicht, Antriebslosigkeit und Schlafprobleme sind ein Witz gegenüber dem was ihr da beschreibt.

    Ganz lieben Dank nochmal für den Austausch hier zwischen Alkoholiker und Co. Hier bekommt man Einblicke und Erkenntnisse die man im privaten Umfeld leider nicht so erhält.

    Es freut mich sehr für jeden einzelnen der dieser Suchtfalle entkommen und jetzt frei ist!

  • Beziehungsstress, Trennungsabsicht, Antriebslosigkeit und Schlafprobleme sind ein Witz gegenüber dem was ihr da beschreibt.

    Für einige reicht das schon um ihren Kosum zu überdenken und Kosequenzen draus zu ziehen, aber ich tippe mal stark, dass es für die meisten noch viel dicker kommen musste bis sie so weit waren.

    Das sind ja alles Punkte die sich wunderbar mit Alkohol wegspülen lassen, und der Alkohol ist ja generell an nichts Schuld, nur die Spielverderber die einem das Ventil zum abschalten nicht gönnen. So dachte ich ja auch, bis ich mir dann wirklich eingestand ein fettes Problem zu haben. Aber selbst das ließ sich ja noch ne Weile mit Alkohol "lösen".

  • Hallo MoniSi,

    ich bin seit 2 Monaten abstinent. Bei mir war es ein schleichender Entschluss, da ich ja wusste, was ich mir und meinen Lieben mit der Trinkerei antue. Der Entschluss ist richtig gereift, als meine Schwägerin aufgrund ihres Alkoholproblems verstorben ist. Das war ein Schock für mich, obwohl ich wusste, dass sie schon länger sehr angeschlagen war.

    Mein Mann hatte nach einer gewissen Zeit nicht mehr versucht mich vom Trinken abzuhalten. Ich glaube, dass er gewusst hat, dass er mir nicht helfen kann, solange ich nicht mit dem Trinken aufhören will. Als es dann so weit war, hat er mich sofort bestärkt und unterstützt. Aber ohne zu Drängen.

    Gesundheitlich ging es mir nicht gut. Es wurde Vieles zur Last, da ja Beruf, Haushalt, Freizeit... meiner Sucht im Weg standen.

    Es war also ein Mix aus vielen Dingen.

    Viele Grüße

  • Mal zurück zur Realität ;)

    ich wollte es einfach wissen.

    Weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es bei Co‑Abhängigen fast immer um zwei Dinge geht, entweder eine Bestätigung ihres Verdachts zu bekommen oder herauszufinden, ob sie dem Alkoholiker noch vertrauen können. Beides ist komplett irrelevant. Was viele nicht verstehen. Nicht der Alkoholiker steuert das , die Sucht steuert ihn. Und der CO denkt, er könnte das beeinflussen. Vergesst es.

    Denn dem Einfallsreichtum eines Alkoholikers sind keine Grenzen gesetzt, sobald es ums Saufen geht. Verstecken, verharmlosen, tarnen, täuschen , gehört alles zur Grundausrüstung. Das steuert die Sucht. Die denkt nicht logisch, die denkt gar nicht , die drückt einfach aufs Gas. Um es mal bildlich darzustellen, was Suchtdruck ist.

    Wenn jemand wirklich begriffen hat, dass er Alkoholiker ist, und daraus die Erkenntnis gewinnt, dass er nie wieder saufen kann, dann hat er überhaupt erst eine reale Chance, einen Weg daraus zu finden. Aber das ist trotzdem kein Freifahrtschein. Rückfälle gehören leider oft zur Realität dazu.

    Wer das gar nicht begriffen hat oder sich innerlich noch Hintertüren offen hält, findet dagegen meistens wieder einen Weg zurück zur Flasche. So simpel und gleichzeitig so brutal , ist Sucht oft.

    Alles, was von außen kommt ‚er hat doch Familie, Job, Haus, Unterstützung, kann man getrost in die Tonne treten. Das interessiert die Sucht ungefähr so sehr wie Regeln einen Süchtigen. ;)

    Und ja. So wie er zu Hause seine Co‑Abhängigen um den Finger wickelt, wickelt er auch jede Therapie um den Finger. Das ist kein Talent, das ist System. In manchen Einrichtungen gibt es Alkoholtests , da fliegt es dann halt auf.

    Und bevor jemand sagt. "Aber er hat doch gesagt, er geht da hin und macht das!‘ Ja, viele sagen das. Und viele gehen auch hin. Und viele machen dort… nichts. Oder das, was sie immer machen, nach außen funktionieren, nach innen trinken.

    Und dann gibt es noch die, die gar nicht hingehen, sondern die Zeit nutzen, um etwas anderes zu machen – Hauptsache, der Co bleibt schön um den Finger gewickelt. Nicht aus böser Absicht, sondern weil es zum Muster der Sucht gehört.

    Das Wichtigste hat Nayouk24 gesagt.

    Dem Co‑Abhängigen hilft das am Ende auch nicht weiter. Er steckt ja selbst in seinem Muster, ständig auf der Suche nach Bestätigung, Kontrolle oder irgendeiner Sicherheit. Bindungsangst, Zukunftsangst, Angst vor dem Verlust des eigenen Lebensmodells. Alles Dinge, die im Co-Bereich nicht unbekannt sind.

    Er will wissen, ob sein Verdacht stimmt oder ob er dem Alkoholiker noch trauen kann. Und eigentlich weiß er aus Erfahrung längst, dass ihn genau dieses Kontrollieren und Überprüfen nur weiter in seinem eigenen Kreislauf hält. Kontrolle gibt es dort nämlich nicht. Nicht wirklich. Nicht einmal ein bisschen.

    Und oft hört es erst auf, wenn der Co irgendwann kapiert. Lass ihn saufen – ich kann laufen.;) Ich kann am Ende nur für mich selbst handeln.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Natürlich geht das, auch stationär. Keiner wird ja rundum bewacht oder getestet. (In meiner ambulanten Reha gab es gar keine Alkoholtests.)

    Manche führen sich da auf wie Schüler auf Klassenreise: "Haha, der Lehrer merkts ja nicht..."

    Die haben es nicht kapiert und sind vermutlich nicht aus eigenem Antrieb da.

  • Hallo,

    Ich weiß nur, dass es bei Co‑Abhängigen fast immer um zwei Dinge geht, entweder eine Bestätigung ihres Verdachts zu bekommen oder herauszufinden, ob sie dem Alkoholiker noch vertrauen können. Beides ist komplett irrelevant.

    Ich denke für den Co ist das nicht irrelevant. Meistens wird doch alles versucht und ausgeschöpft bis man einsieht, dass die Sucht mächtiger ist . Erst dann schaffen einige Co‘s den Absprung. Nach jahrelangem austricksen und belügen traut man seiner Wahrnehmung nicht mehr. Und da ist dann Hoffnung, wenn endlich eine Therapie gemacht wird und man möchte dem anderen nicht zu unrecht etwas unterstellen.

    Wenn jemand wirklich begriffen hat, dass er Alkoholiker ist, und daraus die Erkenntnis gewinnt, dass er nie wieder saufen kann, dann hat er überhaupt erst eine reale Chance, einen Weg daraus zu finden

    Das ist vollkommen korrekt. Der Co kann aber nicht einschätzen, ob der Zeitpunkt da ist oder einem nur wieder ein Theater vorgespielt wird.

    Dem Co‑Abhängigen hilft das am Ende auch nicht weiter

    Vielleicht schafft es der Co mit diesem Wissen zur Erkenntnis, dass die ganze Show nur weiter geht.

    Zu deiner Frage Simsalabim: Ich glaube, das es sehr wohl möglich ist, aber über kurz oder lang auffliegt.

    Meine Erfahrung dazu:

    Mein Mann war 6 Wochen in einer Klinik zur Therapie. Er wurde in der Zeit 2x für einige Tage auf die geschlossene Station verlegt. Mir hat er damals erzählt, dass er sich mit einem anderen Patienten gestritten hat und dieser heimlich Cannabis konsumiert und ihn angepustet hat. Wegen dem Streit und dem positiv gemessenen Wert wurde er auf die geschlossene Abteilung strafversetzt. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass er sowohl positiv auf Cannabis, als auch auf Alkohol getestet wurde.

    Das zweite Mal gab es angeblich wieder Stress mit einem anderen Patienten, weshalb er übers Wochenende auf die geschlossene Station verlegt wurde. Dort hat er sich eine Richterin kommen lassen, damit er nach den 72 Stunden, also Montag, wieder auf die normale Station kann. Am kommenden Donnerstag wurde er dann entlassen, da er stabil sei und der Platz gebraucht wird. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass er eine gewaltige Menge Kokain konsumiert hatte und deswegen auf die geschlossene Station kam. Nachdem er die Richterin hinzugezogen hatte, wurde er am Montag rausgeschmissen. Er hat sich dann bis Donnerstag bei einem Freund aufgehalten, um mir seine Geschichte weis zu machen.

    Du siehst also, dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Das kann sich ein nicht Süchtiger gar nicht ausdenken.

    Sei einfach wachsam und trau deiner Wahrnehmung.

    LG ☀️

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!