Ich hoffe es geht Dir wieder besser, wenn du diese Zeilen liest.
Da ich in meinem Umfeld nicht so gut mit jemandem sprechen kann, habe ich mich hier angemeldet. Ich wäre froh um Unterstützung. Von Personen, die das Ganze nicht runterspielen, sondern verstehen.
Genau das war auch meiner Hoffnung und deswegen hab ich mich hier angemeldet. Ich habe hier viel Verständnis, aber auch kritische Betrachtung erfahren. Dinge, die ich nicht hören wollte, die nicht in mein Denkwelt passten.
Es hat eine Weile gebraucht, bis ich mich darauf einlassen konnte und sortieren konnte, was nehme ich für mich mit und was lege ich beiseite.
Du bist seit drei Monaten nüchtern und das ist ganz viel wert.
Bei dir lese ich aber raus, dass es für dich keinen Wert darstellt, weil was sind schon drei Monate gegen lebenslange Nüchternheit.
Du harderst mit deinem Schicksal, nie wieder Alkohol trinken zu können.
Der Gedanke hat mich am Anfang auch beschäftigt und auch frustriert.
Ich tat mir selbst leid mit dem, wie es ist. Mein Therapeut hat mir dann behutsam, aber bestimmt den Kopf gewaschen. Ich habe eine unheilbare Krankheit, aber ich kann sie stoppen. Viele andere unheilbar Kranke können das für sich nicht in Anspruch nehmen.
Dass ich aus der Suchtspirale ohne nennenswerte gesundheitliche Schäden aussteigen konnte, empfinde ich als großes Glück mit Dankbarkeit.
Es gibt wahrlich Schlimmeres, als unheilbar alkoholkrank zu sein und die Krankheit gestoppt zu haben. Mir fallen da sofort ganz viele Beispiele ein.
Der Kampf jeden Tag nüchtern zu bleiben hat erst aufgehört, als ich meine Alkoholkrankheit akzeptierteren konnte und akzeptiert habe, dass ich nie wieder Alkohol trinken kann.
Hier in diesem Forum, in Büchern und im Internet habe ich viel über die Krankheit gelernt. Dabei habe ich mir nicht 24/7 vorgesagt, dass ich Alkoholiker bin, aber ich habe mich mit meiner Krankheit auseinandergesetzt.
Je mehr wissen ich über sie hatte, desto besser konnte ich akzeptieren. Die Zeit, die ich dafür benötigt habe, hat alleine schon dafür gesorgt, dass meine Abstinenz nicht in den Hintergrund gerät. Der Prozess braucht Zeit und für mich dauert er heute noch an, aber es ist viel leichter geworden, weil ich nicht mehr kämpfen muss um abstinent zu bleiben. Trotzdem gibt es Momente und Situationen, in denen sich mein Suchthirn meldet.
Ich erkenne sie und weiß, wie ich damit umgehen muss. Jedes Mal wird mein Erfahrungsschatz ein Stückchen größer.
Ich wünsche Dir, dass Du für Dich Deinen Weg finden kannst, wenn Du willst und es zulässt, auch mit diesem Forum.
Viele Grüße
Nayouk