releaseme - Wie soll es weitergehen?

  • Ich denke, niemand macht sich diese Entscheidung leicht und es ist immer ein Prozess.

    Es dauert ja auch lange, bis man überhaupt realisiert, dass der Partner Alkoholiker ist und was das wirklich bedeutet. Zumindest war es bei mir so. Ich dachte immer, Alkoholiker sind die, die morgens aufwachen und direkt einen Schluck Schnaps brauchen und die auch wirklich täglich trinken. Mein Mann hat lange nur am Wochenende getrunken und es hat eine Zeit gedauert, bis das wirklich außer Kontrolle geraten ist. Er konnte auch ne lange Zeit mal abends nur 2-3 Gläser Wein trinken und dann tagelang gar nichts. Aber die Abstürze und Kontrollverluste wurden immer mehr, vor allem wenn er auf Dienstreisen war und dann quasi unbeaufsichtigt trinken konnte. Da hat er dann täglich, auch schon morgens um klarzukommen, getrunken und konnte dann nicht mehr aufhören.

    Für mich haben sich dann mehrere Ereignisse gehäuft, wo ich wusste, so kann das nicht weitergehen und so will ich auch nicht mehr weiterleben, wobei es zwei entscheidende Erlebnisse gab. Durch das Forum hier hatte ich dann auch gelernt, dass ein Alkoholiker nie mehr kontrolliert trinken kann und dass die Spirale immer weiter nach unten geht und alles nur noch schlimmer wird. Das hat mir sehr geholfen.

    Mein Mann war zum Glück relativ schnell einsichtig, dass er zu viel trinkt und dass er Hilfe braucht. Er kam dann einmal nach einer Dienstreise volltrunken zurück und ist dann erstmal ins Hotel, weil ich ihn betrunken nicht zuhause haben wollte. An dem Abend hat sich eins meiner Kinder einen Arm gebrochen und musste operiert werden. Er war nicht in der Lage sich um das andere Kind zu kümmern, weil ich über Nacht mit im Krankenhaus geblieben bin und er konnte nicht mal am nächsten Tag nüchtern werden und sich um uns kümmern. Danach ist er dann in eine Klinik gegangen. Er wollte da aber noch nicht einsehen, dass er Alkoholiker ist und nie mehr trinken kann, er dachte immer noch, er kann es kontrollieren.

    Das ganz entscheidende war dann, als er nach einer weiteren Dienstreise vom Flughafen nicht mehr nach Hause kam, sondern am Flughafen weitergetrunken hat, dann gar nicht mehr erreichbar und irgendwann mitten in der Nacht ohne Gepäck volltrunken im Haus stand. Am nächsten Tag hab ich ihn dann quasi rausgeschmissen und er ist auch zum Glück gegangen.

    Natürlich hatte ich zwischendurch auch immer Hoffnung, dass alles besser und wieder gut wird, aber ich hab dann immer wieder an die schlimmsten Erlebnisse gedacht, die ich wie in einer Liste im Kopf hatte. Und dann wurde mir wieder klar, dass ich vor allem auch für die Kinder stark sein muss und ihnen das nicht zumuten darf.

  • Ich danke euch für eure Antworten.. als ich mich hier angemeldet hab, tat ich es- so sehe ich es nun- weil ich auf der Suche war nach Geschichten mit happy end.. Ich habe gehofft zu hören, dass es wieder wird.. dann hab ich hier lange nicht geschrieben, weil ich es lange nicht wahrhaben wollte, in welche Situation uns mein Mann da gebracht hat und ich den Gedanken "Trennung" einfach nicht zulassen wollte.. aber jetzt merke ich, dass sich da seit einiger Zeit was geändert hat bei mir, es macht mir oft sogar "Angst" - ich verspüre da so eine Kälte von mir ausgehend meinem Mann gegenüber, ich will irgendwie gar nicht seine Nähe, weil, auch wenn wir mal einen schönen Tag haben, ich den Alkohol nicht mehr ausblenden kann.. Ich kann einfach nicht mehr so tun als wäre alles in Ordnung. Allein schon wenn ich ihn ansehen- er wiegt nur noch 65kg, schaut müde und schlapp aus... Leute sprechen mich darauf an, noch kann er alles auf die Arbeit und den Stress schieben nach außen, fragt sich wie lange noch. Und da merke ich jetzt, dass sich bei mir gewaltig was verändert hat!! Ich habe mich schon zu einem großen Teil von ihm abgenabelt.. Es macht macht mich irgendwie traurig, andererseits lebe ich mein Leben und genieße die Zeit mit den Kindern! Wenn er mitkommt ok, zu 90% bin ich aber allein.. Ich bin also alleinerziehend verheiratet und wir leben zur Zeit mehr nebeneinander her. Tagsüber arbeiten wir oder ich bin bei den Kindern, abends muss er dann seinen Pegel auffüllen und geht um 20 Uhr ins Bett, weil er "müde" ist. Ich bin nur noch allein. So kann mein Leben mit Mitte 30 nicht aussehen..

    Ich merke, dass ich deutlich weiter bin als vor 2 Jahren.. eure Berichte bestärken mich, dass es ein Prozess ist und ich in meinem Tempo gehen darf.

    Was mich momentan so bremst ist das Loslassen unseres Hauses, unseres ZUHAUSES. Der Gedanke mit den Kindern in eine kleine Wohnung zu müssen, den halte ich kaum aus. Und den letzen Funken Hoffnung zu begraben, das ist auch wirklich hart. 😞 Was war dann wirklich euer erster Schritt - wenn ich die Trennung ausspreche, wie ging es dann bei euch weiter? Ich sollte dann wahrscheinlich schon einen Plan haben bzgl Wohnen? Ward ihr vorher mal bei einem Anwalt?

    Eine große Sorge ist auch, das Sorgerecht.. ich will ihn nicht mit den Kindern allein lassen 🫣

  • Hallo releaseme,

    Was war dann wirklich euer erster Schritt - wenn ich die Trennung ausspreche, wie ging es dann bei euch weiter? Ich sollte dann wahrscheinlich schon einen Plan haben bzgl Wohnen? Ward ihr vorher mal bei einem Anwalt?

    Mein erster Schritt war die Vorbereitung. Geld beiseite legen, Krankenkasse der Kinder auf mich umschreiben, Gehaltserhöhung durchgesetzt und anwaltliche Beratung eingeholt. Und immer Information und Daten gesammelt.

    Als es dann zum Rückfall kam, musste ich gar nicht mehr darüber nachdenken, was ich tun soll. Das kam ganz automatisch.

    Eine große Sorge ist auch, das Sorgerecht.. ich will ihn nicht mit den Kindern allein lassen 🫣

    Wie alt sind die Kinder? Da kannst du auch viel Hilfe vom Jugendamt bekommen, grad wenn das Kindeswohl gefährdet ist.

  • Guten Morgen,

    ich habe mich um die Finanzen gekümmert (in meinem Fall einen neuen Job), Anwalt, wichtige Unterlagen. Möchte eigentlich meine aktuelle Wohnung nicht aufgeben, daher eine kleine zweite gemietet, im selben Haus.

    Liebe Grüße Ino

  • Meine Kinder sind 3 und 7.. Ich habe sehr sehr viel Unterstützung von meiner Familie, da ich ja auch arbeite. Da fehlt es meinen Kindern an nichts, und Opa ist mehr Papa für die beiden als der eigentliche Papa.. sehr traurig.. Ich mache mir Gedanken, wie es wäre, wenn man dann geteiltes Sorgerecht machen müsste.. Ich könnte ihm meine Kinder nicht anvertrauen, er ist ja am Wochenende schon nachmittags schön auf seiner Welle.. Ich halte es langsam einfach nicht mehr aus.. Dieser Blick, dieses komische Verhalten. Kennt ihr das- so tun als ob er nichts getrunken hätte und sich dann so künstlich verhalten, obwohl ich es schon von weitem erkenne.. Es reicht nur ein Blick und ich weiß wie er drauf ist..

    All die Gespräche führen so ins Leere.. Gerade zuerst hab ich ihn angesprochen drauf, dass der Kasten Bier jetzt bald leer ist gab es wieder nur Diskussion und er ist ins Bett abgerauscht( er hat vor ein paar Wochen beteuert, dass er unbedingt was ändern will, während der Woche kein Bier mehr, höchstens 1 am Feierabend wie alle anderen auch, nachdem es einen Vorfall gab und ich ihm gesagt hab, dass ich das alles nicht mehr lange mitmache) - der Kasten reicht 4 Tage vl, was er sonst so konsumiert weiß ich nicht, ich will es auch nicht mehr wissen.

    Ich sitze wieder hier alleine, man wechselt keine 50 Wörter mehr am Tag, wir kommen beide von der Arbeit, er ist nicht nüchtern, geht ins Bett.. Das ist mein Leben zur Zeit.. ich will so nicht mehr..

  • Eine Meining eurerseits bräuchte ich noch und zwar: Mein Mann hat ja schon immer gerne getrunken, leider war auch seine Mutter Alkoholikerin, aber richtig abgerutscht ist er seit seinem sehr anspruchsvollen Job. Mittlerweile weiß ich einfach, dass er mit dem Trinken seine berufliche Verantwortung und den Stress betäubt, das sagt er sogar selber. Er hat Burnout wenn man so will.

    Wenn wir wegen dem Trinken diskutieren dann kommt so oft von ihm, dass es ja wegen der Arbeit ist, er macht das ja sowieso nur alles für uns, dass wir gutes Geld haben, aber er kann ja kündigen, wenn mir das lieber ist , bla bla ... Und zack- schon hat er mich wieder- ich Undankbare, er macht das ja für die Familie .. das sind dann die Gedanken, die ich hab.. Wie soll ich mit dem umgehen - in Wahrheit ist es doch nur eine Manipulation an mir oder wie seht ihr das? Da meldet sich bei mir dann immer das schlechte Gewissen...:-(

  • Liebe releaseme,

    du könntest dich ja mal rechtlich beraten lassen. Da weißt du zumindest, was da alles kommen könnte oder auch nicht. Auch das Jugendamt wird sicherlich unterstützen.

    Man macht sich vorher so viele Gedanken und „verkopft“ so schnell. Mich haben diese ganzen Gedankengänge mehr gelähmt wie dass sie hilfreich waren.

    Du hast viel Unterstützung durch deine Familie, was besseres kann dir in deiner Situation fast gar nicht passieren finde ich. Du stehst nicht alleine da, es ist immer Hilfe vor Ort.

  • Hallo releaseme,

    dass es ja wegen der Arbeit ist, er macht das ja sowieso nur alles für uns, dass wir gutes Geld haben, aber er kann ja kündigen, wenn mir das lieber ist , bla bla ... Und zack- schon hat er mich wieder-

    Wäre nicht die Arbeit, dann hätte er sicherlich sofort einen anderen Grund gefunden weshalb er trinken muß. Er schiebt dir die Verantwortung zu, in dem er dir sagt: ich mache das ja alles für dich. Der nasse Alkoholiker weiß. wie er dich packt und bei welchen Sätzen du reagierst, dass ist Manipulation. Es liegt an uns, ob wir es zulassen. Das dauert, bis wir solche Dinge erkennen, aber dann können wir auch handeln.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Guten Morgen releaseme

    Bei uns hatte der Konsum auch nach Antritt einer Leitungsfunktion zugenommen. Ich hatte angeboten, dass er eine andere Stelle annimmt und ich mehr arbeite, aber das wollte er nicht. Er brauchte/braucht ja mitunter einen Grund zum Trinken. Wenn man eine Familie hat ist es ja nicht mehr als recht für die Familie zu sorgen. Ich gehe ja auch Arbeiten und kümmere mich ums Kind. Und wenn ich ohne Kind wäre müsste ich ja auch meine Rechnungen zahlen. (?) Reine Manipulation, lass dich nicht beirren.

    Ich bin letztes Jahr mit meiner Tochter zusammen ausgezogen. Es war ähnlich wie bei euch. Keine Gespräche mehr...Ich hatte auch keine Lust mehr mit ihm zu reden. Es war alles gesagt. Und wenn ich reden wollte konterte er damit, dass wir keine Nähe hätten. Nach etlichen Vertrauensbrüchen kann es schon mal sein, dass sich Gefühle verändern. Ich kam mir vor wie seine Mutter, nicht wie seine Partnerin.

    Die Trennung war hart aber absolut nötig. Für mich und unsere Tochter. Ich bin jeweils auch angespannt wenn meine Tochter bei ihm ist. Seine neue Freundin ist aber meistens bei ihm und gibt mir Sicherheit. Und alle 3 Stunden rufe ich an und checke die Lage. Bescheuert, aber im Moment löse ich das so. Wir wohnen nur 5 Min. voneinander weg. Ich hatte mir das Ganze viel schlimmer vorgestellt. Zusammen mit Bekannten, Nachbarn und Freunden geht das. Und im Notfall natürlich mit Hilfe des Jugendamtes. Wenn ich zb weiss das ein Fest ansteht kann unsere Tochter mit ihm und dem halben Dorf Zeit verbringen und ich hole sie dann nach einer Weile ab. Dann schläft sie bei mir auch wenn es Papas Wochenende ist.

    Alles Gute für dich. Bleib bei dir...

  • Guten Morgen releaseme,

    Ich sitze wieder hier alleine, man wechselt keine 50 Wörter mehr am Tag, wir kommen beide von der Arbeit, er ist nicht nüchtern, geht ins Bett.. Das ist mein Leben zur Zeit.. ich will so nicht mehr..

    Das Gefühl kenne ich zugut. Später ist mein Noch-Mann nachts gar nicht mehr nach Hause gekommen. Ich war immer allein mit beiden Kindern. Und ich hatte keine Familie in der Nähe. Es war ihm vollkommen egal ob ich oder die Kinder krank sind, es ging immer so weiter.

    aber richtig abgerutscht ist er seit seinem sehr anspruchsvollen Job. Mittlerweile weiß ich einfach, dass er mit dem Trinken seine berufliche Verantwortung und den Stress betäubt, das sagt er sogar selber. Er hat Burnout wenn man so will.

    Wenn wir wegen dem Trinken diskutieren dann kommt so oft von ihm, dass es ja wegen der Arbeit ist, er macht das ja sowieso nur alles für uns, dass wir gutes Geld haben, aber er kann ja kündigen, wenn mir das lieber ist , bla bla ... Und zack- schon hat er mich wieder- ich Undankbare, er macht das ja für die Familie .

    in Wahrheit ist es doch nur eine Manipulation an mir oder wie seht ihr das?

    Bei uns war es genauso. Er trinkt nur wegen seiner furchtbaren Kindheit. Nach langer Therapie war dann der verantwortungsvolle Job der Grund. Den er natürlich nur macht, weil ich und die Kinder so teuer sind und immer schöne Urlaube wollen. Und ich habe all die Jahre auch 30-40 Stunden die Woche gearbeitet. Und dann noch die Kinder betreut mit allen Hobbys und Arztterminen und den ganzen Haushalt. Nicht zu vergessen die Coronazeit mit dem Homeschooling. Da bin ich dann so richtig auf dem Zahnfleisch gegangen.

    Ich habe dann immer gesagt, dass das Leben und die Gesundheit viel wichtiger sind und er einen anderen Job machen soll. Das wir in einem Schuhkarton wohnen könnten, solange er da ist und Zeit für uns hat. Das ging komplett an ihm vorbei. Er hat sich über seinen Job definiert. Da wir fast immer zusammen gearbeitet haben, hatte ich genug Einblick. Tatsächlich hat er vormittags geschlafen, wenn er angeblich auf Terminen war und dann gleich angefangen zu Trinken. Abends hat er natürlich auch noch gearbeitet, weil er je nichts geschafft hat wegen den Terminen. Ich habe die letzen 2 Jahre zusätzlich seinen Job gemacht.

    Nun wo er weg ist, sehe ich was alles nicht passiert ist. Er hat die Firma fast gegen die Wand gefahren. All das gesagte und all die Zeit waren für die Katz. Er hat mir und den Kindern wertvolle Zeit genommen und das alles unter seinem Deckmantel es nur für uns zu tun. Reine Manipulation.

    Ich habe irgendwann nur noch EINE ganz klare Ansage gemacht und dann nicht mehr über das Thema gesprochen, sondern nur noch gehandelt. Auch ich hab mir vorher viele Sorgen gemacht. Aber ich sag dir was! Ich habe mich noch nie so frei und selbstbestimmt gefühlt, wie gerade. Ich habe wieder Kraft für alle Herausforderungen und soooo viel Spaß mit meinen Kindern.

    Du machst das richtig. Traue deiner Wahrnehmung. Es lohnt sich.

  • Genau, lass dich erstmal beraten und gucke, wo du finanziell stehst. Und kündige ihm nicht einfach was an, was du dann nicht umsetzt, sonst nimmt er dich gar nicht mehr ernst.

    Und mach dir nicht zu viele Gedanken darüber, dass du die Kinder nicht bei ihm lassen möchtest. Wie oft hat er sich denn schon 3-4 Stunden alleine um beide Kinder gekümmert (und damit meine ich nicht vorm Fernseher parken)? Du kannst davon ausgehen, dass es ihm sicher viel zu anstrengend sein wird, sich um die beiden zu kümmern, er will doch eh lieber in Ruhe trinken oder schlafen.

  • Hallo releaseme ,

    schließe mich den anderen an. Genau wie Sonnenschein es schreibt - ein glücklicheres Zusammenleben ohne Trinken wäre doch auch Dir bestimmt viel mehr wert als sein super Job und "gutes Geld". Dann muss er eben Verantwortung für sich übernehmen, Selbstfürsorge betreiben und beruflich kürzer treten, wenn er den Job ohne Alk nicht bewältigen kann. Denn was nutzt ihm und Euch, wenn er trinkt und er dann langfristig berufsunfähig wird? Aber die Diskussion wirst Du mit ihm nicht führen können. Auf Dauer geht die Realitätssicht verloren und macht der Verleugnung der Situation vor sich selbst und anderen Platz.

    Bei xy ist/war es mal Stress, mal zu viele Emotionen, ob negativ oder positiv, die Kindheit, die chaotische Wohnung, Trouble mit dem Jobcenter, Schulden, einfach alles bot oder bietet Anlass zum Trinken. Von Streit mit mir natürlich ganz zu schweigen. Aber das Trinken löst ja keins dieser Probleme, sondern vergrößert sie nur. .

    er will doch eh lieber in Ruhe trinken oder schlafen.

    Wie bitter, aber genau so isses...

    Viel Kraft für eine gute Entscheidung wünsche ich Dir. Und wie die anderen schreiben, vertrau Deiner Wahrnehmung, auch Deinen Kindern zuliebe.

    Liebe Grüße

  • Liebe releaseme,

    es freut mich sehr, dass du dich wieder meldest. Hast du mal darüber nachgedacht, dass es vielleicht einfach mal den Cut braucht?

    Klar bist du Alleinerziehend verheiratet und wuppst alles alleine, weil du dich ja auf deinen Mann nicht verlassen kannst. Aber du trägst den Ballast von ihm immer noch mit. Auch wenn du nur beobachten würdest, wie er sich verhält, es belastet dich, ergo es belastet auch die Kinder, weil sie die Stimmung von Mama mitbekommen.

    Auch den Gedanken mit dem Haus kann ich verstehen. Aber ein Zuhause ist es auch nur dann, wenn es dort sicher und harmonisch ist. Ich musste im letzten halben Jahr mehrfach den Wohnort wechseln und bin aktuell in einer sehr kleinen Wohnung. Aber diese Wohnung stellt das erste Zuhause für mein Kind dar. Dem Kind geht es so gut, Mama ist entspannt und Kinder brauchen vor allem Liebe und Sicherheit.

    Bei meinem Mann sind nach unserer Trennung ein paar richtig krasse Ereignisse eingetreten, bei denen ich dachte, na jetzt musst du es doch kapieren. Und es ist leider nicht so. Das ist sehr schmerzhaft, zeigt aber umso mehr, dass Hoffnung einen nicht weiterbringt.

  • Danke für eure vielen Antworten.

    Sie bestärken mich sehr, ich weiß, dass ich das richtige fühle und auch ganz klar vor mir habe, was zu tun ist. Es ist schwer, aber es frisst mich wirklich immer mehr auf. Und so wie SummerSun geschrieben hat fühle ich es tatsächlich auch- ich muss seinen Balast mittragen. Mir ist es letzte Woche so krass aufgefallen, als er einen Tag beruflich weg war, wie entspannt zu Hause alles war. Es war egal, wenn mal abends wo ein Spielzeug rum lag, wenn mal nicht alles steril war - versteht mich nicht falsch, ich liebe auch Ordnung und mag es sauber- aber die nächste Macke von meinem Mann ist extremer Ordnungszwang. Wenn er abends von der Arbeit kommt und es liegen die Spielsachen rum ist es ja schon wieder eine Tragödie. Die Kinder sollen sich am Wochenende spielen und gleichzeitig aber nicht für Unordnung sorgen, alles soll aufgeräumt sein- wie soll das funktionieren bei Kindern? Allein das regt mich schon so massiv auf und diese Zwänge und Ticks sind aber massiv mehr geworden seit dem steigendem Konsum.

    Ich weiß, dass ich nicht alleine bin! Aber das Loslassen des Mannes, der er einmal war ist so schwer. Am schlimmsten sind die Tage, an denen es etwas "besser" läuft. So wie heute zB. wir haben zusammen gekocht, er hat mal am Nachmittag kurz mit dem Großen gespielt und wir waren eine Runde spazieren (ich hab ihm zwar angesehen , dass es ihm nicht gut geht, er war so unruhig und zittrig) und es hat sich wieder so vertraut angefühlt.. Aber als wir im Geschäft ein Eis holten, hat er sich eine Dose Bier gekauft! Da war dann von der Idylle schon der erste Teil weg! Er hat sie dann nicht geöffnet- das hat mich wirklich gewundert, und trotzdem war ich ab diesem Zeitpunkt sauer. Naja und letztenendes sitze ich nun am Samstagabend wieder alleine hier, weil er wieder mal um 20 Uhr ins Bett abrauscht - im wahrsten Sinne des Wortes. Er hat das nachgeholt, was er tagsüber nicht konnte.. vermute ich mal.. manchmal frag ich mich wie er das macht- er ist ja immer da und zack, plötzlich ist der Pegel erreicht..ich kenne vermutlich nicht seine Verstecke..ich will sie auch nicht wissen, ich will raus aus diesem Co.scheiß...Traurig eigentlich, dass ich mich freue, weil er sich einen halben Tag mit uns beschäftigt. Wahrscheinlich das Normalste der Welt in einer normalen Beziehung. Da fängt es ja schon an, ich kenne ja keine normale Beziehung , weil ich immer nur mit ihm zusammen war. Das ist auch der Grund warum er mich so an sich binden kann...

    Etwas macht mir auch noch Sorgen- letztens ist aus einem Nichts ein Riesenstreit geworden, meine Eltern waren da sogar dabei und da hab ich ihm schon gesagt, dass ich so nicht weiterleben will, da hat er später dann gemeint, wenn ich mit den Kindern wirklich gehe, dann kann er sich sofort umbringen, weil er dann niemanden mehr hat in seinem Leben. Es stimmt, er hat keine wirklichen Freunde. Ich weiß, dass es wahrscheinlich nur Manipulation ist, aber das nagt schon sehr an mir. Wenn er wirklich ernst machen würde?! Ich denke wenn man alles verliert können Personen wirklich andere Gesichter zeigen..

    Aber so wie es jetzt ist kanns nicht bleiben. Und es geht Tag ein Tag aus so weiter! Ich spreche ihn an, dass er wieder viel getrunken hat, er sagt nichts dazu oder macht abends trotzdem weiter... aja sein neuester Spruch ist noch: es ist nicht so leicht, es ist eine Krankheit ! 🤮🤢 ich könnte kotzen.. Und wenns nicht so ernst wäre müsste ich eigentlich über die Kreativität lachen 😪

    Er denkt einfach nicht, dass wir wirklich gehen werden- denke ich.

  • Wenn er wirklich ernst machen würde?! Ich denke wenn man alles verliert können Personen wirklich andere Gesichter zeigen..

    Dann hast du die Möglichkeit ihm bewusst zu machen, dass du im Notfall die Polizei einschalten würdest. Dann siehst du, ob es ernst gemeint ist oder nicht. Und du bist für dich selbst auf der sicheren Seite.

    Er denkt einfach nicht, dass wir wirklich gehen werden- denke ich

    Und das ist doch der entscheidende Punkt. Er muss ja nichts ändern. Du bist zwar ihm gegenüber nicht positiv eingestellt, tolerierst aber sein Verhalten. Entweder das ändert dann etwas oder eben nicht, aber du kannst so für dich nicht weitermachen.

    Glaub mir, auch ich habe, heute, fast ein Jahr später die gleichen Gedanken an schöne Momente in der Vergangenheit und was wäre wenn, aber letztendlich wird mir, wenn ich mal Kontakt zu meinem xy habe, immer wieder gezeigt, dass sich auf der anderen Seite nichts geändert hat. Bei mir aber tatsächlich schon. Mehr Ruhe, mein Kind ist entspannter, ich bin gelassener und habe mehr Glücksmomente, auch wenn der Verlust meines Mannes bzw. das Scheitern der Ehe immer noch massiv an mir nagt. Ich denke, das ist Teil dea Prozesses, weil man nichts tun kann.

  • da hat er später dann gemeint, wenn ich mit den Kindern wirklich gehe, dann kann er sich sofort umbringen, weil er dann niemanden mehr hat in seinem Leben.

    Weit über 300 Femizide in Deutschland jährlich zeigen, daß bevor sie sich selbst umbringen, bringen sie "lieber" die Partnerin um.

    Daher paß auf dich auf. Regle alles in Ruhe im Vorfeld und halte ihn nicht darüber auf dem Laufenden.

    Manche Männer drehen völlig durch, wenn die Frau geht.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • wenn ich mit den Kindern wirklich gehe, dann kann er sich sofort umbringen, weil er dann niemanden mehr hat in seinem Leben.

    Mein Vater hat sowas wohl auch gerne gesagt. Das ist aber jetzt schon mindestens 30 Jahre her.
    Letztens war ich mit ihm einkaufen. Er total besoffen. Hat mir dann auch gesagt, dass er wohl nicht mehr lange leben wird. Aber die Flasche Schnaps musste natürlich in den Einkaufswagen.

    Wie du siehst, können solche Aussagen reine Manipulation sein. Meine Mutter hat sich erst viele viele Jahre später getrennt. Für sie sicher nicht die beste Entscheidung. (Mein Vater wirkte übrigens nicht besonders traurig mit der Trennung, eher froh. Er wurde ab dem Zeitpunkt ja nicht mehr kontrolliert und konnte machen was er wollte).

    Pass gut auf dich auf, die anderen haben dir ja zum Thema angedrohter Suizid schon geschrieben. Nur lass dich bitte nicht manipulieren. Du musst sicher nicht bleiben, nur weil er dir damit drohen will.

  • Hallo releaseme,

    Wenn wir wegen dem Trinken diskutieren dann kommt so oft von ihm, dass es ja wegen der Arbeit ist

    ich bin mir sicher, dass du so ähnliche Antworten auch schon bekommen hast, aber ich kann dir zumindest mal berichten, warum ich wahrscheinlich jedes Wochenende bis zur Besinnungslosigkeit getrunken habe:

    - Weil ich Alkoholiker bin und es außerhalb eines vollständig auf Abstinenz ausgerichteten Lebens nicht kontrollieren kann.

    Das waren aus meiner Sicht alle Gründe. Ich habe lange die Gründe mit den Folgen verwechselt: Ich dachte, ich trinke, weil ich nicht in meiner kargen Bude in dem Asi-Block hocken will. Ich trinke, weil mein Job scheiße ist und keinen Spaß macht. Ich trinke, weil ich keine Partnerin habe.

    All das habe ich jahrelang vor mir selbst genutzt, um von Freitag bis Sonntagmittag einen riesigen Vollrausch mit mir rumzutragen. Dabei hatte ich wegen dieser Vollräusche und deren Folgen (zusätzlich zu dem Geld, was ich dem Wirt gegeben habe, kamen in schöner Regelmäßigkeit Geldstrafen und Anwaltskosten hinzu) eine karge, kleine, beschi**ene Bude, keine Freundin (war natürlich im ganzen Umkreis als krasser Trinker bekannt, da ergab sich natürlich nichts) und im Job ging es nicht vorwärts. Zwar nicht unbedingt wegen meiner Leistung, die war eigentlich immer gut, besonders am Montag wollte ich allen inkl mir beweisen, dass ich sicher kein Alki bin, denn die kommen montags ja gar nicht.

    Aber ich hatte einfach 0,0 Resilienz gegenüber den kleinsten Widerständen und bin regelmäßig ausgeflippt wegen Nichtigkeiten. So wurde ich natürlich nirgends berücksichtigt wenn es um bessere Posten ging, trotz ganz guter Qualifikation, Industriemeister-Abschluss usw.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Einen Grund zum Saufen hätte ich jederzeit gefunden und vielleicht ist auch bei deinem Mann der Job ja nur so anstrengend, weil er eben säuft. Aus diesem Blickwinkel kann ich mittlerweile ganz gut an meinen Problemen und an meiner Nüchternheit gleichzeitig arbeiten, weil ich die Chronologie endlich verstanden habe.

    VG und viel Kraft für alle weiteren Schritte

    Soapstar

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