Ich denke, niemand macht sich diese Entscheidung leicht und es ist immer ein Prozess.
Es dauert ja auch lange, bis man überhaupt realisiert, dass der Partner Alkoholiker ist und was das wirklich bedeutet. Zumindest war es bei mir so. Ich dachte immer, Alkoholiker sind die, die morgens aufwachen und direkt einen Schluck Schnaps brauchen und die auch wirklich täglich trinken. Mein Mann hat lange nur am Wochenende getrunken und es hat eine Zeit gedauert, bis das wirklich außer Kontrolle geraten ist. Er konnte auch ne lange Zeit mal abends nur 2-3 Gläser Wein trinken und dann tagelang gar nichts. Aber die Abstürze und Kontrollverluste wurden immer mehr, vor allem wenn er auf Dienstreisen war und dann quasi unbeaufsichtigt trinken konnte. Da hat er dann täglich, auch schon morgens um klarzukommen, getrunken und konnte dann nicht mehr aufhören.
Für mich haben sich dann mehrere Ereignisse gehäuft, wo ich wusste, so kann das nicht weitergehen und so will ich auch nicht mehr weiterleben, wobei es zwei entscheidende Erlebnisse gab. Durch das Forum hier hatte ich dann auch gelernt, dass ein Alkoholiker nie mehr kontrolliert trinken kann und dass die Spirale immer weiter nach unten geht und alles nur noch schlimmer wird. Das hat mir sehr geholfen.
Mein Mann war zum Glück relativ schnell einsichtig, dass er zu viel trinkt und dass er Hilfe braucht. Er kam dann einmal nach einer Dienstreise volltrunken zurück und ist dann erstmal ins Hotel, weil ich ihn betrunken nicht zuhause haben wollte. An dem Abend hat sich eins meiner Kinder einen Arm gebrochen und musste operiert werden. Er war nicht in der Lage sich um das andere Kind zu kümmern, weil ich über Nacht mit im Krankenhaus geblieben bin und er konnte nicht mal am nächsten Tag nüchtern werden und sich um uns kümmern. Danach ist er dann in eine Klinik gegangen. Er wollte da aber noch nicht einsehen, dass er Alkoholiker ist und nie mehr trinken kann, er dachte immer noch, er kann es kontrollieren.
Das ganz entscheidende war dann, als er nach einer weiteren Dienstreise vom Flughafen nicht mehr nach Hause kam, sondern am Flughafen weitergetrunken hat, dann gar nicht mehr erreichbar und irgendwann mitten in der Nacht ohne Gepäck volltrunken im Haus stand. Am nächsten Tag hab ich ihn dann quasi rausgeschmissen und er ist auch zum Glück gegangen.
Natürlich hatte ich zwischendurch auch immer Hoffnung, dass alles besser und wieder gut wird, aber ich hab dann immer wieder an die schlimmsten Erlebnisse gedacht, die ich wie in einer Liste im Kopf hatte. Und dann wurde mir wieder klar, dass ich vor allem auch für die Kinder stark sein muss und ihnen das nicht zumuten darf.