Matcha - Wer will, findet Wege

  • Ich meide Menschen, die mich anstrengen, und ich meide Menschen, die zuviel Alkohol trinken.
    Aber ich hasse keine Menschen oder scheue ihre Nähe, ich bin kein Misanthrop.

    Ich bin gerne mit Menschen zusammen, die mir gut tun, die ich interessant finde.
    Mein Leben hat sich verändert und auch mein soziales Leben hat sich verändert.

    Was mir fehlt, ist der innere Antrieb, der Wunsch, an meiner Situation etwas zu andern, ich sollte mir vorstellen, wo ich gerne wäre und dann Wege finden, dahin zu kommen, aber ich bin extrem träge, Träger als ich mit Alkohol war.

    Ich suche die Menschen, die mir gut tun und die mich interessieren. Wenn ich Interesse zeige, kann ich Interesse wecken. Es gibt sie, die Orte mit Menschen, die nicht von Alkohol dominiert sind, aber sie kommen nicht von alleine auf mich zu. Ich kann aktiv werden, ich kann mich bewegen und dann bewegt sich etwas, aber das geht erst, seitdem ich nüchtern bin. Mit Alkohol war ich nur mit mir und meiner Sucht beschäftigt.

    Überlege mal, ob da was ist, wo du gerne hin möchtest und wie der Weg aussehen könnte.

    -------------------------------------------------------
          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo Matcha,

    ich kann mich dem, was Nayouk schreibt, ohne Einschränkungen anschließen. Menschenfeindlichkeit ist überhaupt keine gute Haltung. Sie ist eine gefährliche Haltung, die schon viel Unheil angerichtet hat.

    Deshalb würde ich Dir raten Wege aus dieser Haltung zu finden. Menschliche Kontakte suchen. Und bevor Du mich hier falsch verstehst, ich meine nicht das Du alle Menschen lieben sollst. Mache ich auch nicht. Aber ich habe ein Umfeld von Menschen, die ich mag und manche liebe ich auch.;)

    Liebe Grüße Kazik

    ------------------------------

    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Nayouk24 / Kazik , es ist richtig, was ihr schreibt, danke dafür. Ich habe mich nicht ohne Grund als "ekelige Misanthropin" beschrieben, mir gefällt meine eigene Lebenshaltung nicht sonderlich. Ich bin immer schon menschenscheu gewesen, unsicher, voller Melancholie und Weltschmerz. Umso anfälliger war ich, in die Sucht zu rutschen, mit Alkohol war das Leben anfangs besser zu ertragen. Später, nachdem ich Alkoholikerin wurde, war es schlechter zu ertragen. Es kam dann der Ekel vor mir selber noch dazu. Ich hatte die Hoffnung, dass nach dem Alkoholstop alles besser wird. Wird es aber nicht, ich bin noch die Selbe, wie vorher, schade.

  • Hi Matcha,

    dazu passt meiner Meinung der Satz, nur nicht trinken reicht nicht.;) Natürlich wirst Du jetzt abstinent nicht plötzlich zum Menschenfreund und verlierst alle sozialen Ängste. Und auch mit Deinem Weltschmerz kannst Du nicht besser umgehen. Da wirst Du Dich schon bewegen müssen. Und das weiß ich aus eigener Erfahrung.;)

    Ein niedrigschwelliger Einstieg in die Welt menschlicher Kontakte wäre z.B. dass Du Dich hier mehr austauscht. Ich kann Dir versichern, ich bin ein Mensch.;) Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass Du damit gleichzeitig etwas für Deine Abstinenz tust.

    Liebe Grüße Kazik

    ------------------------------

    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Ich hatte die Hoffnung, dass nach dem Alkoholstop alles besser wird. Wird es aber nicht, ich bin noch die Selbe, wie vorher, schade.

    Hm.... und was folgt daraus? Alkohol war und ist keine Option.
    Du hast es doch schon ganz gut analysiert. Der Versuch "Alkohol" ist gescheitert, also suche weiter, jetzt erst recht.

    Ein gesundes Maß an sozialer Anbindung braucht jeder Mensch. Was sind den deine Interessen, denen du in Gesellschaft mit anderen nachgehen kannst und willst?
    Ich kann ja klein anfangen und mich dann langsam steigern, mit Kino, mit Vorträgen, mit Veranstaltungen, mit Seminaren usw.

    Dabei darf ich ins Handeln kommen und kann dabei die Dosis "Mensch" langsam wieder steigern.

    Ich bin immer schon menschenscheu gewesen, unsicher,

    Die Angst oder Scheu vor Menschen darf nicht in Selbstblockade oder Stillstand münden, denn die Sucht könnte sich als Option wieder anbieten.
    Wie kannst du ins Handeln kommen?

    -------------------------------------------------------
          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Es kam dann der Ekel vor mir selber noch dazu.

    Für mich ist erstmal das Wichtigste, dass ich mich selbst mag. Ich kann nur geben, was ich auch für mich fühle.

    Wie es so schön heißt "Liebe den Nächsten wie dich selbst".

    Mit der Trockenheit habe ich jeden Tag mehr gelernt, mich selbst zu lieben. Mich selbst zu akzeptieren.

    Das strahle ich aus und das sehen und spüren die anderen Menschen. Mir ist aufgefallen, dass mir Menschen offener begegnen. Das muss der Spiegeleffekt sein.

  • . Es kam dann der Ekel vor mir selber noch dazu.

    Den hatte ich auch. Aber ist nicht wenigstens der besser, jetzt wo du nicht mehr trinkst?

    Ich kann dir als tip für den niedrigschwelligen Einstieg in soziale Kontakte Lauftreffs empfehlen. Die gibt es überall, die Gruppen wechseln und man kann mit Mitläufern sprechen, muss aber nicht. Beides findet niemand komisch.

    Außerdem gibt es alle Leistungsklassen so dass du nicht mal besonders sportlich sein musst. Und gegen Depressionen hilft es auch, ist gut für Herz Kreislauf und die Figur!

    Also win, win, win, win, win.

    Und wenn du Sport blöd findest gibt es in jeder Stadt auch kreative Angebote wie siebdruck oder Sushi rollen.

    Und bei allem kann man den anderen zuhören und muss nix. Und es ist alles nicht gleich verpflichtend.

  • Dankeschön all Alle für die Unterstützung, das hilft mir gerade sehr.

    Es ist nicht so, dass ich mich total abgekoppelt habe, es gibt einige Freunde, auch Gruppen, ich könnte ganz einfach viel mehr unternehmen und Kontakte haben. Ich laufe auch schon regelmäßig, hatte früher mal hier berichtet, dass ich für einen Volkslauf trainiere, den habe ich sogar prima geschafft, da hat mich der Ehrgeiz getrieben. Ich habe mal jahrelang über liebende Güte meditiert, in der Phase war ich auch freundlicher/ nachsichtiger mit meinem Umfeld und habe das auch zurückbekommen. Ich dachte, all dies könnte ich ohne Alkohol einfacher wieder umsetzen, mit mehr Leichtigkeit und Freude. Aber die Leichtigkeit stellt sich bislang nicht ein, ich schiebe alles vor mir her und muss mich zu den Aktivitäten regelrecht zwingen. Ich glaube, dass das noch mit dem Alkohol zusammenhängt, dass ich mich so schlecht aufraffen und auch Freude bei dem Tun empfinden kann,

    Ich hatte mal vor Jahren mit dem Nikotin aufgehört, da fühlte ich mich ähnlich, aber noch schlechter,da hatte ich wirklich depressive Gedanken. Dann habe ich entschieden, es ist besser, mit dem Nikotin wieder anzufangen.

    Mit dem Alkohol werde ich nicht wieder anfangen, das wäre zu schrecklich.

  • Hallo Matcha,

    mir geht es ähnlich,vielleicht nicht so schlimm, ich kann dich gut verstehen. Ich hatte mal eine Depression, in der trank ich dann etwas weniger und bei den Therapien kam dann raus, dass ich von meiner Familie und vielen Freunden, damals noch viele Sauffreunde sehr oft enttäuscht wurde. Seit ich das weiß habe ich viele Kontakte abgebrochen (schon bevor ich aufgehört habe zu trinken) und damit geht es mir viel besser. Allerdings, neue gute Kontakte finden ist viel viel schwerer. Seither hab ich auch 2 neue Hobbys angefangen, aber da bin ich dann auch viel alleine.

    Und doch, wenn ich zurückdenke, an die Zeit mit den falschen Menschen um mich, geht's mir heute viel besser und ohne Alk noch mal besser.

    Ich wünsche dir viel Kraft.

    LG Michl

  • Es ist nicht so, dass ich mich total abgekoppelt habe, es gibt einige Freunde, auch Gruppen

    Ach dann bin ich beruhigt. Dann brauchst du ja ‚nur‘ Geduld mit dir selbst. Das ist schwer ich weiß. Dabei hilft mir persönlich Yoga.
    Weil ich es im Schlafanzug machen kann und am Anfang 10-15 min reichen um dieses gute Gefühl von ‚ich hab was für mich aktiv getan‘ zu bekommen.

    Am Anfang war alles bei mir auch zäh. Dann kam der Aufbruch. Dauerte aber.

  • da hatte ich wirklich depressive Gedanken. Dann habe ich entschieden, es ist besser, mit dem Nikotin wieder anzufangen.

    So bin ich in die Alkoholsucht gerutscht...

    Hast Du mal ärztlich untersuchen lassen, ob eine Depression vorliegt? Die lässt sich gut behandeln - wenn man nicht gleichzeitig Drogen nimmt, auch wenn sie legal sind.

  • AnnaBlume Hallo Anna, Yoga ist eine gute Idee, da sind Körper und Geist beschäftigt und keiner kommt auf dumme Gedanken, einen Sonnengruss kann ich, wird erledigt

    Rennschnecke , hallo Rennschnecke, ich halte mich nicht für depressiv, dafür kriege ich noch alles zu gut erledigt, es kostet nur viel Energie, mich endlich aufzurufen und die Dinge zu erledigen. Aber danke für den Hinweis!

    Michl danke für die guten Wünsche, das hebt schon die Stimmung.

    Im Grunde habe ich wohl gejammert und mein Selbstmitleid hat sich in den Vordergrund gedrängt, aber musste wohl mal sein. Es tut gut, das sich auch mal zu erlauben, bei all der Kontrolle, die seit dem Alkoholstop nötig ist. Es ist mir jetzt wohl aufgegangen, dass das Nichttrinken ein Marathon ist, wie ich es hier bei den Langzeittrockenen öfter schon gelesen habe. Aber Marathonläufer haben ein Ziel vor Augen und nach 42 km ist das Ziel erreicht.Dann ist Pause. Das Nicht Trinken, das hört ja nie auf und ist eine Aneinanderreihung von trinkfreien Tagen, lebenslänglich. Sorry, das schreckt mich gerade sehr. Vielleicht auch, weil mein erstes Jahr in einem Monat rum ist, ich aber noch nicht da bin, wo ich erwartet habe, zu sein und auch gerne mal den Kopf ausschalten möchte. Ohne Drogen.

  • Hallo Matcha

    Immer wieder hört man den Satz: „Trocken werden ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Für mich bedeutet das allerdings nicht, dass man ein Leben lang kämpfen oder durchhalten muss. Ich verstehe diesen Vergleich eher so, dass die Abstinenz etwas ist, das parallel zum Leben läuft – etwas, das mit der Zeit natürlicher und leichter wird und uns wieder glücklich macht.

    Im Forum benutzen wir oft Alltagsvergleiche, um Dinge besser zu verstehen oder uns gegenseitig positive Denkanstöße zu geben. So wie man sagt: „Viele Wege führen nach Rom.“ Wie man dort hin kommt, spielt keine große Rolle – entscheidend ist nur, dass man dort ankommt. Und wir wollen ja gar nicht nach Rom, sondern wir wollen glücklich abstinent leben. Das ist unser Ziel. Und das kann meiner Meinung nach nur funktionieren, wenn man akzeptiert, was der Alkohol mit einem gemacht hat – und was man sich in all den Jahren selbst angetan hat. (und was man sich für die Zukunft ersparen möchte.)

    Der kleinste Verzichtsgedanke kann im wahrsten Sinne des Wortes Gift sein.

    Ich habe in meinem eigenen Thread einmal geschrieben: „Ein Leben “lang“ nach Alkohol gegriffen, ohne es zu begreifen.“ Die Ursache dafür waren immer wieder diese Verzichtsgedanken – sie haben mich im Kern ständig zum Alkohol zurück gezogen. Erst durch das ständige Lesen hier im Forum habe ich meine Denkweise ändern können und wichtige Entscheidungen getroffen.

    Ich wünsche dir von Herzen, dass auch deine Verzichtsgedanken (falls du welche hast), nach und nach wie bei mir mir auf Null schrumpfen.

    Lg Zwieback

    Ich bin (M/geb. 71)und "lebe" glücklich, abstinent seit 05./24.

  • und auch gerne mal den Kopf ausschalten möchte. Ohne Drogen.

    Gelingt Dir das nicht, wenn Du etwas tust, dass Dir richtig gut gefällt und gut tut?

    Wie ist es, wenn Du einen Film siehst, in die Therme oder Shoppen gehst, Dich mit Menschen triffst, etc. Dabei kann ich sehr gut abschalten.

    Für Dich ist es vielleicht etwas anderes und Du findest es noch heraus?

    Vielleicht auch, weil mein erstes Jahr in einem Monat rum ist, ich aber noch nicht da bin, wo ich erwartet habe, zu sein

    Wo willst Du denn sein, Matcha?

    Das erste Jahr ist das "anstrengendste" Jahr, danach wird es leichter! Und bei Dir ist das Jahr bald herum, dann geht es weiter bergauf. Bleibe geduldig.

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Wo willst Du denn sein, Matcha?

    Hallo Elly, da hast du mir eine einfache, phantastische Frage gestellt............, die ich leider nicht beantworten kann. Traurig, aber das die Wahrheit.

    Ich hatte die Erwartung, dass ich nach der langen Alkoholphase aufwache und das ziellose Vorsichhinleben durch einen Lebensentwurf ersetze, den ich zu verwirklichen versuche. Ich bin aufgewacht und sehe, dass ich weiterhin vor mich hin lebe, die Tage vergehen , tagein, tagaus. Wacher, ohne Alkohol, ist das fast noch schwieriger zu ertragen.

    Klar gibt es schöne Momente mit meinem erwachsenen Kind , Reisen, Laufen, Freunde treffen, was ich am liebsten mache, ist allerdings Serien zu schauen. Da vergesse ich den tristen Alltag. Ein Buch hilft manchmal auch. Mit diesen Beschäftigungen kann ich in das Leben der Anderen eintauchen. Darüber vergesse ich sogar den Alkohol.

  • Bei mir hat es über 1,5 Jahre Abstinenz gebraucht (ist also noch nicht lange so), bis ich endlich wieder deutlich mehr Energie als zu nassen Zeiten hatte, während andere Faktoren sich deutlich schneller verbessert haben.

    Da bin ich manchmal ganz neidisch gewesen, wenn ich gelesen habe, wie schnell andere frisch Abstinente ihr Leben und ihr Zuhause aufgeräumt haben.

    (Schlaf war allerdings auch noch sehr lange durchwachsen).

    Ich muss mir da auch immer wieder selbst Geduld zusprechen, dass auch kleine Schritte gut sind, solange es vorangeht.

  • Ich bin aufgewacht und sehe, dass ich weiterhin vor mich hin lebe, die Tage vergehen , tagein, tagaus. Wacher, ohne Alkohol, ist das fast noch schwieriger zu ertragen.

    Wie würde denn Dein Leben aufregender sein, Matcha?

    Wäre das überhaupt etwas, dass Du möchtest?

    Es ist doch gut, dass Dein Leben so ruhig dahinfliesst. Wir sind alle keine Actionstars, die von einer Explosion, von einem Mord zum anderen hecheln. (In Anlehnung auf Deine Serien, die selten das reale Leben darstellen)

    Geniesse diese ruhige Zeit, es kann sich so schnell etwas ändern.

    Und zwischendrin, was kannst Du erleben, wo möchtest Du gern mal hingehen oder hinfahren? Wie kannst Du etwas mehr Leben in Dein Leben bringen? Was hast Du für Wünsche?

    Manchmal muss man sich selbst Konfetti ins Leben streuen.

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!