Krümel - Vorstellung Angehörige - unsicher?

  • Hallo zusammen,

    ich bin hier, weil ich davon ausgehe, dass mein Mann ein Alkoholproblem hat - aber ganz sicher bin ich mir irgendwie auch nicht... er selber schwankt ebenso zwischen "ich brauche Hilfe", "es ist alles gut so wie es ist" und "es muss sich was ändern, aber SO schlimm ist es doch garnicht".

    Eigentlich denke ich, dass ich hier bin, um mir bei der Einschätzung unserer Lage helfen zu lassen.. Also mal eine kurze Zusammenfassung:

    In unserem Freundeskreis ist Alkohol fester Bestandteil, immer gewesen. Für meinen Mann und seine engste Freundesgruppe waren früher (in der Jugend) 5 Liter Bier Pflichtprogramm für einen Abend. Dann kam ich, wir haben viel zusammen gefeiert und getrunken, aber zum "Ende" hin wurde es immer öfter Streitthema aufgrund seiner Wesensveränderung unter Alkoholeinfluss.
    Dann haben wir geheiratet und Kinder bekommen und damit wurde dann sowieso alles anders. Es kam einmal vor, dass er betrunken Auto gefahren ist, riesen Streit natürlich, danach ist das tatsächlich nie wieder vorgekommen. Er hat seinen Alkoholkonsum stark eingeschränkt (im Vergleich zu früher). Allerdings weiterhin 1x/Woche 10-20 Bier in der Kneipe mit seinen Jungs, die sind Standard.
    Ca 1x/Monat dann eine Party. Manchmal geht es gut und es passiert nichts weltbewegendes, oft fehlt ihm am nächsten Tag die letzte Stunde. Manchmal kommt er nach Hause und fällt einfach ins Bett, manchmal schläft er unterwegs irgendwo ein. Manchmal ist er lustig drauf, manchmal wird er beleidigend, streitlustig, bisher nie gewalttätig. EInmal hatte er eigentlich AUfsicht über die Kinder, ich war mit Freunden unterwegs. Er wollte zu einem Grillabend bei einem Freund mit den Kindern, 1-2 Stunden - um 1 Uhr nachts war er mit den beiden Zuhause, hatte 20 Bier (0,2) und 2 Schnaps getrunken und ist mit den Kindern ohne Licht mit den Fahrädern nach Hause gefahren... EInen anderen Abend war er so orientierungslos, dass er um ein Haar in unser Bett uriniert hätte - während unsere Tochter darin lag. An dem Abend hat er während er die Toilette suchte vor Schmerzen gestöhnt und gehumpelt.. Beim nächsten Mal ist er nachts um 3 vor der Haustüre liegend einegschlafen, um 5 Uhr habe ich ihn gefunden er war kaum ansprechbar. Danach habe ich ihm das Ultimatum gestellt dass ich das nicht mehr ertrage und nicht mehr mitmachen werde. Daraufhin hat er sich eingestanden, ein Suchtproblem zu haben, und sich Hilfe zu suchen. Er hat 2 Monate nichts getrunken. Er war 2x bei einer Suchtberatung und auch beim Hausarzt. Beide sagen ihm, dass Konsum bis zur Bewusstlosigkeit und Filmriss nicht normal sind, aber dass er ganz darauf verzichten müsse sähen sie nicht, da er ja die 2 Monate absinenz locker geschafft hätte. er müsse nur seine Grenze finden. Daraufhin wollte es es nochmal probieren, ein Abend mit den Jungs im Brauhaus und beim Fußball. Ich war so vertrauensvoll. Er schickte mir zwischendurch Updates wie toll es liefe - ich wusste nicht, dass er zu dem Zeitpunkt bereits 2,5 Liter Bier (eigene Aussage am nächsten Tag) intus hatte. Er kam nachts um 2 nach hause und hatte eine kompletten Zusammenbruch. Verstand nicht, wie er die Kontrolle verlieren konnte, schwor sich, nie wieder zu trinken etc.

    das ist jetzt 2 wochen her. nächste woche fliegt er mit seinen Freunden zum Münchener Oktoberfest(ist schon lange geplant, schon bevor es bei uns so hochkiochte). Er meint, er wird weiter versuchen, seine Grenze zu finden. Ich müsse ihm vertrauen. Rückschläge würden dazu gehören aber er würde nicht komplett aufs Trinken verzichten wollen weil er die Geselligkeit mag und braucht und es seit 20 Jahren zu seinem Leben dazugehöre. Ich müsse ihm die CHance geben, seine Grenze zu finden. Er sei kein Alkoholiker..

    Und ich schwanke in meiner Haltung. Schaut man sich doch speziell die Münchener Wiesn mal an - Da liegt doch jeder 5. am Ende kotzend und besinnungslos in der Ecke - es scheint normal. Täglicher Konsum, vielleicht wöchentlicher, wenn die Arbeit leidet etc. ist ja ganz klar problematisch, aber einmal im Monat bis alle 8 Wochen mal ein Filmriss, ist das wirklich so schlimm? Übertreibe ich? Gibt es kein Problem, nur mein selbstgemachtes Drama weil ich so eine Abneigung gegen Alkohol entwickelt habe? Könnt ihr mir mit einer Einschätzung helfen? Ich weiß nicht mehr weiter, und gefühlt steht hier gerade alles auf der Kippe...Ich brauche neutrale Meinungen Außenstehender da ich nicht mehr klar sehen kann...

  • Hallo Kruemel und herzlich willkommen in unserer Online-Selbsthilfegruppe,

    Fakt ist, dein Mann sagt, dass er nicht auf das Trinken von Alkohol verzichten will. Eine Abhängigkeit kann keiner diagnostizieren außer er selbst. Aber es ist schon heftig, was er da tut.

    Dich belastet sein Konsum sehr und du denkst dauernd drüber nach. Du hast eine regelrechte Abneigung dagegen, inzwischen. Und genau DAS ist es, was wichtig ist.

    Denn daran kannst du was ändern, wenn du es möchtest. Solange dein Mann meint dass es okay ist, was er macht, solange er das schönredet, solange wird er weitermachen wie bisher.

    Wenn du dich hier mit anderen Angehörigen austauschen möchtest, klick auf diesen Link:https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Schreib kurz, dass du um Freischaltung bittest. Dein Thema wird dann von hier in den Bereich für Angehörige und Coabhängige verschoben, dort ist dann der Austausch.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Krümel,

    herzlich Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, und kannst dort überall schreiben, bitte aber in den ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich, dass sind die User mit den orange/roten Namen.

    Ich wünsche die einen hilfreichen Austausch, und verschiebe dein Thema in den offenen Bereich, dort kannst du sofort weiterschreiben.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Morgenrot 19. September 2025 um 14:09

    Hat den Titel des Themas von „Vorstellung Angehörige - unsicher?“ zu „Kruemel110519 - Vorstellung Angehörige - unsicher?“ geändert.
  • Ich habe mir jetzt einige "Lebensläufe" hier im Forum, speziell auch von Angehörigen, durchgelesen und bekomme noch mehr das Gefühl, dass ich in meiner Wahrnehmung übertreibe.
    Ja, er hat Aussetzer, Kontrollverlust, Wesensveränderungen. Aber vom täglichen Trinken, vom klassischen "Suchtproblem" sind wir irgendwie doch meilenweit entfernt und ich denke nicht, dass wir dahin kommen werden.

    Dennoch glaube ich, dass ein Problem da ist, sonst könnte er ja einfach sagen "meine Frau kommt mit meinen Eskapaden nicht zurecht, dann trinke ich eben nichts/10 Bier weniger" - kann er aber scheinbar nicht.
    Aber trotz meines Empfindens dass ich es einfach nur noch hasse, dass mir schon schlecht wird, wenn ich weiß, dass eine Feier ansteht - sooo viele andere trinken auf Partys auch bis Ultimum und dann eben tage-/bis wochenlang nichts mehr. Ist es "nur" meine persönliche Abneigung gegen den Alkohol, die das Thema überhaupt erst zum Problem macht? Dann hätte er ja recht mit Aussagen wie "du hast mich so kennengelernt und früher habe ich so viel mehr getrunken, ich habe für dich schon extrem reduziert" (hat er ja auch).
    Ich tue mich momentan generell unfassbar schwer, die Einstellung der Menschen zum Alkohol nachzuvollziehen und dieses Forum hier bestätigt mich nur noch in meinem Entsetzen darüber, wie eine derart schreckliche, harte, bewusstseinsverändernde, persönlichkeitsverändernde Droge einfach legal und sogar gesellschaftlich erwünscht und gefeiert sein kann. Ich verstehe es nicht und gleichzeitig fühle ich mich mit der Erkenntnis so allein.

  • Hi Krümel,

    Tja, bei anderen scheint es oft schlimmer zu sein, als bei einem selbst…

    Das ist ja unser CoProblem, diese Wahrnehmungsstörung von „nicht wahrhaben wollen“, Verständnis, Abwägen, Relativieren, Ignorieren… und mich dabei selbst verlieren…

    Deine Geschichte liest sich heftig und erinnert mich an Erlebnisse auf meiner CoKarriere… aus dem verwandtschaftlichen Umfeld… bei meinem Mann u mir hat es auch eine mehr als verwirrende Dimension, bis heute…

    Ich weiß wie sich dieser CoKleber anfühlt…

    LG, Simsalabim

  • Das siehst du falsch.
    Alkoholiker sind nicht nur die, die täglich trinken.

    Der Kontrollverlust ist ein sehr typisches Merkmal.
    Trinkpausen können so genannte Quartalstrinker öfter machen, das ist kein Anzeichen dafür, dass sie keine Alkoholiker sind. Sie können ihren Konsum aber nicht mehr kontrollieren, sobald sie angefangen haben zu trinken. Und dann kommt genau das, was du erlebt und beschrieben hast. Filmrisse, besoffen Auto fahren, mit den Kindern unterwegs sein und sich trotzdem komplett abzuschießen, sich einnässen (wird vermutlich bald passieren bei deinem), Verletzungen durch Stürze im Suff usw.

    Dann wünsch deinem Mann mal viel Spaß auf dem Oktoberfest, da wird das sicher ganz besonders gut klappen mit der Kontrolle, Ironie off. Hoffentlich kommt er heil wieder zurück.

    Edit: und wenn du bei den Gesprächen bei Hausarzt und Suchtberatung nicht dabei warst, dann glaube lieber nicht alles, was dein Mann erzählt hat…

    Einmal editiert, zuletzt von Panama (19. September 2025 um 15:29)

  • Liebe Krümel,

    ich kann die Trinkpausen gar nicht mehr zählen, die ich gemacht habe, um mir zu beweisen, dass ich kein Alkoholiker bin.

    Aber der angesprochene Kontrollverlust nach den ersten zwei Bier hat mich doch jedesmal eines besseren belehrt, ich wollte es nur nicht wahrhaben. Auch diese Panik und das Sturztrinken, wenn die Kneipe in 30 Minuten schließt und ich noch nicht komplett abgeschossen war, das Betteln nach einem Bier für den Heimweg, daheim natürlich noch weitersaufen... diese Zeichen hätte ich viel früher richtig deuten müssen, dann wäre mir sicher vieles erspart geblieben.

    In einem gewissen Stadium hättest Du mich vor die Wahl stellen können "500.000 Euro in bar oder noch zwei Bier" und ich hätte das Bier genommen, das schwöre ich Stein auf Bein.

    Und in deinen Geschichten über deinen Mann erkenne ich mich leider sofort wieder, auch in den jämmerlichen, vergebenen Erklärungsversuchen! Ich hoffe ja, ich täusche mich, aber es klingt leider verdammt nach mir und ich bin ganz klar Alkoholiker.

    Alles Gute für Euch, Soapstar

  • ja, in dem was du schreibst, erkenne ich ihn wieder. Er geht mir zuliebe früher vom Geburtstag mit nach Hause und bei einem letzten gemütlichen Bier im Garten sind es bei ihm mehr oder weniger unbemerkt 3 schnelle, die heruntergestürzt werden ohne dass es wirklich auffällt. Der Pegel stimmte noch nicht um schon ins Bett zu gehen.

    "Alle anderen trinken auch" - aber die anderen hören auf, bevor es zum vollständigen Filmriss kommt.

    Dennoch - Alkohol ist so anerkannt und akzeptiert, Geschichten á la "ich weiß garnicht mehr, wie ich an dem Abend nach Hause gekommen bin" werden beklatscht, "komm, trink noch ein Bier danach kannst du immer noch nach Hause", das ist doch alles vollkommen normal in unserer Gesellschaft. Oder bewege ich mich doch in den falschen Kreisen?

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass sein Verhalten nicht normal ist. Aber das Gefühl, dass ich die einzige bin, die es als so extrem empfindet, bringt mich so ins Staucheln in meiner Haltung. Meine Mutter hat ein Alkoholproblem, mein Bruder ebenso, mein Opa ist besoffen vor nen Zug gestürzt. Ich hatte selber meine Abstürze in Zeiten, in denen ich noch "sorgenfrei" getrunken habe weil noch keine Verantwortung zuhause in den kleinen Betten auf mich gewartet hat. Dass ich ganz aufgehört habe vor einigen Wochen, also auch kein gemütliches Gläschen oder ähnliches, hat einen Auslöser, der nur bedingt mit ihm zu tun hatte.
    Ich habe Angst, dass tatsächlich ich es bin, die übertreibt wegen der eigenen Grundeinstellung zum Thema Alkohol, und nicht er es ist, der das gravierende Problem hat. Im Endeffekt hängt davon ab, wie es weitergeht. Muss ich an mir und meiner Akzeptanz arbeiten weil es wirklich "normales Trinkverhalten" ist oder er an sich, weil er ein Alkoholproblem hat?

    Ich habe tatsächlich schon des Öfteren gehört, dass ein Urinieren in Ecken die keine Toiletten sind (Kleiderschrank, Fußboden etc.) bei vielen Leuten vorkommen soll. Wo leben wir denn eigentlich, dass Menschen das als normal hinstellen?!


    Es tut mir daher gerade wirklich gut, hier darin bestärkt zu werden, dass das nicht normal ist.

  • Hallo Krümel!

    Ich habe mir jetzt einige "Lebensläufe" hier im Forum, speziell auch von Angehörigen, durchgelesen und bekomme noch mehr das Gefühl, dass ich in meiner Wahrnehmung übertreibe.

    Das tust du überhaupt nicht ich finde wenn jemand sich so abschiesst wie dein Mann ist das sehr schlimm und auch der Kontrollverlust beim Trinken ist ein Zeichen daß er wahrscheinlich Alkoholiker ist. Mein Mann war am Anfang auch Quartalssäufer und konnte nicht gemässigt trinken. Er hat sich regelrecht abgeschossen und hat manchmal 20 Bier an einem Abend getrunken. Dann war wieder für längere Zeit Ruhe - bis zum nächsten Mal. Im Laufe der Jahre wurden die Abstände immer kürzer, irgendwann hat er täglich getrunken.Als wir uns kennen lernten hat er in meiner Gegenwart nicht getrunken, ich hätte nie erwartet daß er solche Probleme hat.

    Ich fand und finde es immer noch abstossend und es ekelt mich an wenn jemand zuviel trinkt. Ich hatte viele Jahre ähnliche Gedanken wie du und irgendwann war das Maß voll und ich habe mich getrennt, ich konnte es nicht mehr ertragen. Er ist an seiner Sucht gestorben. Er hat wirklich oft versucht weniger zu trinken aber das klappte überhaupt nicht. Ganz aufhören wollte er aber nie obwohl er mir das immer wieder versprochen hat.

    Aber trotz meines Empfindens dass ich es einfach nur noch hasse, dass mir schon schlecht wird, wenn ich weiß, dass eine Feier ansteht - sooo viele andere trinken auf Partys auch bis Ultimum und dann eben tage-/bis wochenlang nichts mehr.

    Aber es ist doch nichts Schönes oder Lustiges daran wenn sich auf einer Feier die Leute so betrinken, mich nervt das sehr. Ich möchte mich ja auch nett unterhalten und das geht mit Betrunkenen überhaupt nicht. Natürlich ist es leicht an Alkohol zu kommen aber so einen Mißbrauch zu betreiben ist nochmals ein Unterschied.

    Ich finde es schlimm wenn sich das ganze Leben nur noch um den Alkohol dreht und man irgendwann jede Hoffnung auf Besserung verliert. Ich bin damals regelrecht krank geworden und ich habe sehr lange gebraucht das alles zu verarbeiten.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo Kruemel,

    Ich finde deine Geschichte sehr erschreckend. Und auch dass du sagst, so schlimm ist es im Vergleich zu den anderen ja gar nicht. Denn ganz ehrlich- mir geht es auch so.

    Mein Mann lag sogar nie- wie es bei dir war- besoffen irgendwo rum, bzw dass ist in seinem Leben vielleicht 1 oder 2 x passiert. Aber er hat in schöner Regelmäßigkeit (jeden Abend) seine 6 Bier getrunken. Der Witz an der Sache ist, auch als er früher nicht jeden Tag und "nur" 3 oder 4 Bier getrunken hat, fand ich es auch schon schlimm. Für mich, die darin einen riskanten Konsum gesehen hat. Heute sehe ich das immer noch so. Und ich glaube, auch wenn er irgendwann 10 Bier trinken würde oder sich am Wochenende komplett abschießt, wäre es für mich immer noch schlimm. Weil es sich einfach immer so schwer und belastend anfühlt. Und ich denke auch, dass ist der Punkt. Wenn es für dich schlimm ist, dann IST es schlimm. Egal wie oft oder wie viel. Es ist nur so, dass sich meine Grenze immer weiter verschoben hat. Vertrau auf deine Wahrnehmung und dein Bauchgefühl!


    Dass du keinen Alkohol mehr trinken kannst verstehe ich übrigens total. Ich kann seit seinem Auszug auch keinen mehr sehen!

  • "Alle anderen trinken auch" - aber die anderen hören auf, bevor es zum vollständigen Filmriss kommt.

    Das ist eine Form der Alkoholabhängigkeit, ja, aber auch in anderen (Vor-)Stadien spricht vieles bereits für Alkoholismus. Ich muss mich nicht ständig bis zum Filmriss "abschießen", um als alkoholabhängig bzw. alkoholkrank zu gelten, denke ich mir mal.

    In meiner über 25-jährigen nassen Zeit hatte ich mich - soweit ich mich entsinne - nie bis zum Filmriss betrunken, gekotzt oder habe irgendwo herumgepöbelt. Auch so andere oben erwähnte ungustiösen Verhaltensweisen gab es bei mir nie. Zugegeben, einmal im Winter stolperte ich über die Stiege zum Hauseingang... Bloß ändert das alles nichts an meiner Alkoholabhängigkeit. Wenn ich regelmäßig (bei mir war es zeitweise täglich) eine unzweifelhaft ungesunde Menge an Spirituosen trinke, die fernab von allem ist, was man als "üblich", akzeptabel oder sonst was in der Art nennen kann, dann spielt es wohl keine Rolle mehr, ob ich letztlich dadurch auch (noch dazu) den Filmriss erreiche oder mich jemand ohne mein Wissen vor meiner Haustür ablegt. Da sind auch Trinkpausen irrelevant.

    Ich gehe sogar weiter und meine, dass der Kontrollverlust nicht zwingendes Merkmal eines Alkoholikers ist bzw. sein muss, sondern man auch ganz ohne Kontrollverlust alleine durch die Menge, Regelmäßigkeit und Dauer des Alkoholkonsums zum Alkoholiker werden kann. Bloß realisiert man in diesem Fall des kontinuierlichen Zuviel-Trinkens seine Krankheit erst viel viel später (war bei mir so). Was aber an der Abhängigkeit selbst nichts (rein gar nichts!) ändert.

    Beim Einschätzen, ob jemand aus dem Umfeld zum Alkoholismus neigt (oder vielleicht schon Alkoholiker ist) sollte man, meine ich, daher auch jene Verhaltensweisen fernab der offensichtlichen <Extreme> (wie hier auch schon weiter oben geschildert) berücksichtigen.

    Bei genauem Hinsehen merkt man als Außenstehender vermutlich schneller als der Betroffene selbst, wie es um diesen steht.

    LG, Stef.

  • Ist es okay, wenn ich hier einfach ein bisschen vor mich hin lamentiere? Es fühlt sich gerade an, als hätte ich die Büchse der Pandora geöffnet und es ist erleichternd, mit Menschen zu kommunizieren, die keinen von uns kennen und alles neutral bewerten können, sich mit der Thematik auskennen..

    Alkohol war eigentlich schon immer Thema zwischen uns, kritischer betrachtet habe ich das Verhalten im Suff dann als die Kinder kamen. Und je größer die werden, desto mehr hinterfragt man auch, ob das das ist, was man ihnen vorleben möchte. Wann der Tag kommt, wo nicht ich ihn finde, sondern die Kinder.
    Wenn er mit seinen Kumpels auf Touren fährt vergisst er uns - komplett. Ein "hey, wir sind angekommen" kommt oft erst an Tag 2, davor verschwendet er keinen Gedanken an uns. Das habe ich immer persönlich genommen. Ich habe oft versucht, ihn von Partys nach Hause zu locken, damit es nicht eskaliert. wenn er von sich aus halbwegs nüchtern und zeitig heimkam, war ich dankbar wie ein Hund der Leckerchen bekommen hat. Wenn ich das so runterschreibe frage ich mich selber, wie ich noch infrage stellen kann ob das alles GESUND ist was hier zwischen uns seit Jahren abläuft.

    Lange Rede kurzer Sinn, als ich ihm dann das Ultimatum gestellt hatte, da hat er das erste mal selber angefangen sein Verhalten zu hinterfragen. Und da kam von ihm das Wort Sucht. Daran habe ich noch nie vorher gedacht. Dass ein richtiges Alkoholproblem im Spiel ist. Das kam von ihm, Sich Hilfe zu holen, auch das kam aus seiner Intention heraus. Ich habe es tatsächlich sogar erst noch runtergespielt, warum auch immer. Vermutlich, weil es mir leidgetan hat, wie hart ihn die Erkenntnis getroffen hat.

    Aber ich verstehe nicht, wie er jetzt schon wieder alles so anders sehen kann. Wie er nach seinem Absturz vor zwei Wochen jetzt schon wieder denken kann, dass zwischendurch 2 Radler nicht schlimm seien. Dass es kein Problem für ihn sei, zum Oktoberfest zu fahren, er müsse sich ja damit konfrontieren um seine Grenzen zu finden. Er hat mit seinen Freunden über sein Problem gesprochen, das rechne ich ihm unfassbar hoch an! Dass von denen aber keiner ihm den Kopf wäscht, keiner von den Wiesn zurücktritt, keiner ihn nach dem Verstand fragt... ich verstehe es nicht.

    Naja, wir werden sehen, was dort passiert. Alles, aber nichts Gutes. Ich hoffe auf eine Art auf eine Eskalation die zum Weckruf wird. Ansonsten sehe ich schwarz....

    Entschuldigt den Roman hier, in mir ist gerade so viel los

  • Linde66 19. September 2025 um 21:53

    Hat den Titel des Themas von „Kruemel110519 - Vorstellung Angehörige - unsicher?“ zu „Krümel - Vorstellung Angehörige - unsicher?“ geändert.
  • Ich kann Dich gut verstehen. Traue Deinen Wahrnehmungen und auch gesellschaftlichen Einschätzungen!

    Fakt ist: Du fühlst Dich unwohl mit dem Konsum Deines Mannes. Du machst Dir Sorgen, welchen Einfluss er auf die Kinder hat. Dein Mann möchte seine Grenzen ausprobieren. Übernimmt oft keine Verantwortung für die Kinder. Vergisst Euch, wenn er unterwegs ist.

    Ich finde es oft hilfreich, mir solche Fakten von außen anzusehen und mich zu fragen, was ich mir raten würde, wenn ich nicht ich wäre?!

    Alles gute!

  • Hallo Krümel!

    Das tust du überhaupt nicht ich finde wenn jemand sich so abschiesst wie dein Mann ist das sehr schlimm und auch der Kontrollverlust beim Trinken ist ein Zeichen daß er wahrscheinlich Alkoholiker ist. Mein Mann war am Anfang auch Quartalssäufer und konnte nicht gemässigt trinken. Er hat sich regelrecht abgeschossen und hat manchmal 20 Bier an einem Abend getrunken. Dann war wieder für längere Zeit Ruhe - bis zum nächsten Mal. Im Laufe der Jahre wurden die Abstände immer kürzer, irgendwann hat er täglich getrunken.Als wir uns kennen lernten hat er in meiner Gegenwart nicht getrunken, ich hätte nie erwartet daß er solche Probleme hat.

    Ich fand und finde es immer noch abstossend und es ekelt mich an wenn jemand zuviel trinkt. Ich hatte viele Jahre ähnliche Gedanken wie du und irgendwann war das Maß voll und ich habe mich getrennt, ich konnte es nicht mehr ertragen. Er ist an seiner Sucht gestorben. Er hat wirklich oft versucht weniger zu trinken aber das klappte überhaupt nicht. Ganz aufhören wollte er aber nie obwohl er mir das immer wieder versprochen hat.

    Aber es ist doch nichts Schönes oder Lustiges daran wenn sich auf einer Feier die Leute so betrinken, mich nervt das sehr. Ich möchte mich ja auch nett unterhalten und das geht mit Betrunkenen überhaupt nicht. Natürlich ist es leicht an Alkohol zu kommen aber so einen Mißbrauch zu betreiben ist nochmals ein Unterschied.

    Ich finde es schlimm wenn sich das ganze Leben nur noch um den Alkohol dreht und man irgendwann jede Hoffnung auf Besserung verliert. Ich bin damals regelrecht krank geworden und ich habe sehr lange gebraucht das alles zu verarbeiten.

    Liebe Marie,

    Danke für deine bestätigenden Worte. Das klingt noch erschreckender, wenn du den ganzen Prozess miterlebt hast. Ich habe meinen ja schon mit der Problematik kennengelernt, lediglich nicht gesehen, dass es kein gesundes Verhalten ist.

    Ich finde diese Zahlen einfach auch immer erschreckend. Bei ihm und seinen Freunden sind 2 Liter Bier die Basis. Damit sehen sie sich quasi noch als nüchtern an.

    mich wirft das auseinandersetzen mit dem Thema Alkohol in unserer Gesellschaft irgendwie auch total raus. Ich fange an so viel zu hinterfragen. Meide Veranstaltungen. Isoliere mich. Ich fühle aktuell mich wie in einer Sinneskrise, als würden alle um mich herum schlafen und ich wäre aufgewacht. Klingt total bescheuert.

  • einmal im Monat bis alle 8 Wochen mal ein Filmriss, ist das wirklich so schlimm?

    Ja, das klingt so in etwa nach dem Kaliber meiner Ex. Selbst wenn man mal annimmt, das es nicht noch mehr wird, und das dann mal so auf ein halbes Jahrhundert hochrechnet, sind wir bei knapp 500 Vollräuschen. Kann das noch nicht-abhängiges Trinken sein? Ja, wer weiß ..?

    Aber:

    Übertreibe ich? Gibt es kein Problem, nur mein selbstgemachtes Drama weil ich so eine Abneigung gegen Alkohol entwickelt habe?

    Abgesehen davon, dass ein LKW voll Bier gesundheitlich sicher nicht unproblematisch ist, egal ob diese Ladung abhängig oder unabhängig getrunken wird:

    Würde es Dich denn weniger stören, wenn er lebenslang unabhängig - also quasi "problemlos" - so trinkt, wie er trinkt? Das Problem ist doch real da, indem Dich seine Trinkerei kolossal stört, oder anders gesagt: unglücklich macht.

    Das ist doch das, was für Dich in Deinem Leben (und Du hast nur eins) der Maßstab sein sollte, oder?

    das ist doch alles vollkommen normal in unserer Gesellschaft. Oder bewege ich mich doch in den falschen Kreisen?

    Also, ich glaube nach allem, was ich so erlebt und auch gelesen habe, dass die Kreise, die das anders machen, gar nicht sooo klein sind.

    Ich selbst bin in Kreisen aufgewachsen, die zwar nicht komplett abstinent sind, aber in denen ein so großer Wert auf Selbstkontrolle und respektvolles Verhalten gelegt wird, dass einmal volltrunken nach Hause kommen eigentlich schon das Ende einer Beziehung bedeutet. Aber selbst, wenn man über diese ziemliche Extremhaltung hinausgeht, dürfte der Anteil der Leute, die vielleicht maximal wöchentlich jeweils 1-2 Gläser irgendwas trinken, ganz grob bei ungefähr der Hälfte aller Leute liegen.

    2 Mal editiert, zuletzt von sorrowful (19. September 2025 um 23:33)

  • Willkommen hier im Forum, Krümel

    Aber ich verstehe nicht, wie er jetzt schon wieder alles so anders sehen kann.

    Weil er wahrscheinlich süchtig ist.
    Ich war der Meinung, dass ich ohne Alkohol nicht leben kann. Das hat mich Jahre lang in der Sucht gehalten.
    Dass ich Alkoholiker geworden war, war mir schon lange bewusst, nur konnte ich nicht die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis ziehen,
    denn das hätte ja bedeutet, nie wieder Alkohol und genau davor hatte ich ja Angst.
    Und so war ich in der Suchtspirale gefangen, immer mal wieder Trinkpausen versucht und nur halb durchgehalten, aber immerhin, hatte ich doch so die Bestätigung,
    dass es gar nicht so schlimm ist und schon waren alle guten Vorsätze wieder über Bord geworfen, bis zum nächsten Mal.

    Aber hier geht es um dich und was du tun kannst, damit du dich an deinem Leben wieder erfreuen kannst und dafür kannst du hier ganz viel aus den Erfahrungen
    von anderen Angehörigen mitnehmen.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    -------------------------------------------------------
          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo Krümel,

    Ist es okay, wenn ich hier einfach ein bisschen vor mich hin lamentiere? Es fühlt sich gerade an, als hätte ich die Büchse der Pandora geöffnet und es ist erleichternd, mit Menschen zu kommunizieren, die keinen von uns kennen und alles neutral bewerten können, sich mit der Thematik auskennen..

    Das ist völlig okay. Und dass es da jetzt plötzlich plopp und plopp bei dir macht ist super. Denn es bewegt sich was und das ist gut. Das ist der Sinn des Austausches.

    Er hat mit seinen Freunden über sein Problem gesprochen, das rechne ich ihm unfassbar hoch an! Dass von denen aber keiner ihm den Kopf wäscht, keiner von den Wiesn zurücktritt, keiner ihn nach dem Verstand fragt... ich verstehe es nicht.

    Natürlich sagen die nichts weiter, warum sollten sie ihm den Kopf waschen? So wie du diese Gruppe beschreibst hängen die alle ziemlich drin. Und keiner will da genauer bei sich selbst hinsehen. Was sie müssten, würden sie ihm den Kopf waschen...

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Wie unangenehm war es oft, wenn ich auf Partys schwankend und lallend jemandem ein Bier in die Hand drücken wollte und derjenige abgelehnt hat... da hätte ich mir ja klarmachen können, dass doch nicht alle bis zur Besinnungslosigkeit trinken und das vielleicht doch nicht ganz normal ist.

    Da habe ich mich doch lieber schnell wieder zu den exzessiven Trinkern verdrückt, wo ich mir alles schönreden und bagatellisieren konnte.

    Sorry Kruemel, dass ich das jetzt so offen sage, aber mit anderen Trinkern (wahrscheinlich) Samstagabend betrunken über sein Trinkproblem reden, das sollte man wahrlich nicht zu hoch hängen. Wenn er das nüchtern bei einer Suchtberatung macht, dann kannst Du das als einen positiven Schritt in die richtige Richtung verbuchen, vorher würde ich da nichts drauf geben.

    Ich bin selbst auch erst ein paar Monate bei der trockenen Fraktion, darum erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen, an derlei Gespräche. Der Effekt war wirklich jedesmal 0,0, weil die Gespräche auf die Stimmung gedrückt haben und man sich lieber wieder jahrzehntelang vergangene "Heldengeschichten" erzählt hat.

    Auch die Vergleiche zwischen Spiegeltrinkern, Wochenendtrinkern, Quartalssäufern etc. dienen m.M.n. nur dazu, für das eigene Trinkverhalten irgendwo ein schlimmeres Beispiel zu finden und sich wieder in die "nicht sooo schlimme" Kategorie einzuordnen. Wenn man aber tief drin ehrlich zu sich ist, weiß man es doch längst.

    Ich wünsche Euch wirklich das Beste, vielleicht auch für eine gemeinsame Zukunft, aber Scheuklappen sind beim Thema Alkoholismus einfach überhaupt nicht das Mittel der Wahl!

    LG Soapstar

  • Würde es Dich denn weniger stören, wenn er lebenslang unabhängig - also quasi "problemlos" - so trinkt, wie er trinkt? Das Problem ist doch real da, indem Dich seine Trinkerei kolossal stört, oder anders gesagt: unglücklich macht.

    Naja, wenn es nicht sein Trinkverhalten ist, das problematisch ist, könnte ich anfangen, an meiner Haltung dazu zu arbeiten ? Klingt gerade irgendwie naiv aber der Punkt ist halt irgendwie wirklich die nicht vorhandene Regelmäßigkeit. Ja, er hat keine Kontrolle über sich, wenn er trinkt, aber dafür trinkt er halt nicht oft. Wobei du die Aussage ja auch schon zerschmettert hast mit den 500 Vollräuschen die mir noch bevorstehen. 😢

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