Hallo zusammen,
ich bin hier, weil ich davon ausgehe, dass mein Mann ein Alkoholproblem hat - aber ganz sicher bin ich mir irgendwie auch nicht... er selber schwankt ebenso zwischen "ich brauche Hilfe", "es ist alles gut so wie es ist" und "es muss sich was ändern, aber SO schlimm ist es doch garnicht".
Eigentlich denke ich, dass ich hier bin, um mir bei der Einschätzung unserer Lage helfen zu lassen.. Also mal eine kurze Zusammenfassung:
In unserem Freundeskreis ist Alkohol fester Bestandteil, immer gewesen. Für meinen Mann und seine engste Freundesgruppe waren früher (in der Jugend) 5 Liter Bier Pflichtprogramm für einen Abend. Dann kam ich, wir haben viel zusammen gefeiert und getrunken, aber zum "Ende" hin wurde es immer öfter Streitthema aufgrund seiner Wesensveränderung unter Alkoholeinfluss.
Dann haben wir geheiratet und Kinder bekommen und damit wurde dann sowieso alles anders. Es kam einmal vor, dass er betrunken Auto gefahren ist, riesen Streit natürlich, danach ist das tatsächlich nie wieder vorgekommen. Er hat seinen Alkoholkonsum stark eingeschränkt (im Vergleich zu früher). Allerdings weiterhin 1x/Woche 10-20 Bier in der Kneipe mit seinen Jungs, die sind Standard.
Ca 1x/Monat dann eine Party. Manchmal geht es gut und es passiert nichts weltbewegendes, oft fehlt ihm am nächsten Tag die letzte Stunde. Manchmal kommt er nach Hause und fällt einfach ins Bett, manchmal schläft er unterwegs irgendwo ein. Manchmal ist er lustig drauf, manchmal wird er beleidigend, streitlustig, bisher nie gewalttätig. EInmal hatte er eigentlich AUfsicht über die Kinder, ich war mit Freunden unterwegs. Er wollte zu einem Grillabend bei einem Freund mit den Kindern, 1-2 Stunden - um 1 Uhr nachts war er mit den beiden Zuhause, hatte 20 Bier (0,2) und 2 Schnaps getrunken und ist mit den Kindern ohne Licht mit den Fahrädern nach Hause gefahren... EInen anderen Abend war er so orientierungslos, dass er um ein Haar in unser Bett uriniert hätte - während unsere Tochter darin lag. An dem Abend hat er während er die Toilette suchte vor Schmerzen gestöhnt und gehumpelt.. Beim nächsten Mal ist er nachts um 3 vor der Haustüre liegend einegschlafen, um 5 Uhr habe ich ihn gefunden er war kaum ansprechbar. Danach habe ich ihm das Ultimatum gestellt dass ich das nicht mehr ertrage und nicht mehr mitmachen werde. Daraufhin hat er sich eingestanden, ein Suchtproblem zu haben, und sich Hilfe zu suchen. Er hat 2 Monate nichts getrunken. Er war 2x bei einer Suchtberatung und auch beim Hausarzt. Beide sagen ihm, dass Konsum bis zur Bewusstlosigkeit und Filmriss nicht normal sind, aber dass er ganz darauf verzichten müsse sähen sie nicht, da er ja die 2 Monate absinenz locker geschafft hätte. er müsse nur seine Grenze finden. Daraufhin wollte es es nochmal probieren, ein Abend mit den Jungs im Brauhaus und beim Fußball. Ich war so vertrauensvoll. Er schickte mir zwischendurch Updates wie toll es liefe - ich wusste nicht, dass er zu dem Zeitpunkt bereits 2,5 Liter Bier (eigene Aussage am nächsten Tag) intus hatte. Er kam nachts um 2 nach hause und hatte eine kompletten Zusammenbruch. Verstand nicht, wie er die Kontrolle verlieren konnte, schwor sich, nie wieder zu trinken etc.
das ist jetzt 2 wochen her. nächste woche fliegt er mit seinen Freunden zum Münchener Oktoberfest(ist schon lange geplant, schon bevor es bei uns so hochkiochte). Er meint, er wird weiter versuchen, seine Grenze zu finden. Ich müsse ihm vertrauen. Rückschläge würden dazu gehören aber er würde nicht komplett aufs Trinken verzichten wollen weil er die Geselligkeit mag und braucht und es seit 20 Jahren zu seinem Leben dazugehöre. Ich müsse ihm die CHance geben, seine Grenze zu finden. Er sei kein Alkoholiker..
Und ich schwanke in meiner Haltung. Schaut man sich doch speziell die Münchener Wiesn mal an - Da liegt doch jeder 5. am Ende kotzend und besinnungslos in der Ecke - es scheint normal. Täglicher Konsum, vielleicht wöchentlicher, wenn die Arbeit leidet etc. ist ja ganz klar problematisch, aber einmal im Monat bis alle 8 Wochen mal ein Filmriss, ist das wirklich so schlimm? Übertreibe ich? Gibt es kein Problem, nur mein selbstgemachtes Drama weil ich so eine Abneigung gegen Alkohol entwickelt habe? Könnt ihr mir mit einer Einschätzung helfen? Ich weiß nicht mehr weiter, und gefühlt steht hier gerade alles auf der Kippe...Ich brauche neutrale Meinungen Außenstehender da ich nicht mehr klar sehen kann...