Falsche Uhrzeit da gewesen. Morgens ist keine Sauferei dort.
Das war dir nicht bewusst?
Angenommen, du bist trotzdem hingegangen dann war das eine bewusste Konfrontation mit Alkohol. Dass Saufgedanken kommen, wenn alle um dich herum trinken, besonders am Anfang des Weges, ist absehbar. Vor allem, wenn du weißt, dass du schon zigmal rückfällig geworden bist. Es dann trotzdem zu schaffen, nichts zu trinken, hat was mit Kampf zu tun.
Es gibt Ansätze der Konfrontationstherapie, die so etwas propagieren, aber ich kenne niemanden, der das auf Dauer nüchtern durchgehalten hat. Jeder kann das sehen, wie er will. Und wenn einer im Biergarten trocken werden will und bleibt, dann ist alles gut. Am Ende zähle nur ich.
Ich persönlich habe Probleme mit dem Begriff „Stolz“, besonders im Zusammenhang mit Krankheit. Ich war gerade erkältet, bin auf dem Weg der Besserung – soll ich jetzt stolz sein, weil ich wieder gesund werde? Als ich getrunken habe, war ich derjenige, der am meisten vertragen hat, der am meisten wegstecken konnte.
Schnell Trinken, ein Liter Bier in unter fünf Sekunden darauf war ich auch stolz. Und ich war auch stolz, ein paar Tage nicht trinken zu müssen. Es folgte jedoch nur eine Trinkpause nach der anderen.
Deshalb hat „trocken bleiben“ für mich nichts mit Stolz zu tun. Beim Trockenbleiben muss mir niemand auf die Schulter klopfen auch ich mir selbst nicht. Es ist eine Notwendigkeit. Eine Lebensaufgabe. Eine Strategie, um nicht rückfällig zu werden, um gesund zu bleiben. Aber was passiert, wenn der Stolz nachlässt? Wenn die Motivation schwindet? Dann bin ich immer noch süchtig.
Genieß ruhig eine Weile die Anfangseuphorie, aber vergiss nicht, Trocken zu bleiben ist nichts Außergewöhnliches, es muss zur Normalität werden. Eine andere Chance hat ein Alkoholiker nicht.
lso nur ein kleiner Teil der Suchtkranken schafft eine dauerhafte Abstinenz, viele schaffen es nicht
Da hast du recht, aber ich stehe nicht in einem Wettbewerb mit anderen, sondern es geht nur um mich.