Morgaine - Alkoholikerbekenntnis, Identität und Selbstwert

  • Danke, dass Du das teilst. Geduld ist nicht meine Stärke, aber wenn ich Deinen Beitrag lese und die von den anderen Mitgliedern, dann merke ich schon, dass das Teil meiner neuen Aufgaben ist: Geduld kultivieren.
    Ich hatte eben gehofft, dass sich in mir alles zum Guten wendet, sobald ich aufhöre zu trinken... dass das nicht so ist, merke ich jetzt deutlich und damit muss und werde ich umgehen... und auch versuchen, der Zeit zu vertrauen :)

    Oh ja, Geduld… Das war so gar nicht mein Ding, also wirklich überhaupt nicht. Und auch heute fällt es mir manchmal immer noch schwer, ist aber viel besser als früher.

    Das ist tatsächlich etwas, was ich meiner Abstinenz zu verdanken habe. Es verändert sich unweigerlich so viel, bei mir waren es quasi alle Lebensbereiche, manche davon auch ziemlich radikal 😅 Und das geht nicht von heute auf morgen (und unter uns gesagt, auch nicht von heute bis in 2 Monaten… 😉)

    Es gibt hier im Forum einen Spruch, den Du vermutlich auch immer mal wieder finden wirst: nur nicht trinken reicht nicht. Aber alles Schritt für Schritt.

    Und was ist schon „alles zum Guten wendet“? Vielleicht sind auf Deinem abstinenten Weg Dinge vorgesehen, die Du noch nicht einmal erahnst. Und dann sind die vermeintlich „schlechten Dinge“ vielleicht einfach eine Chance an sich und der Gestaltung des eigenen Lebens zu arbeiten? Es ist nicht alles eitler Sonnenschein, nur weil der Alk weg ist. Wieso auch? Es ist das Leben und da gibt es alle Facetten.
    Mit der Zeit habe ich gelernt, wie ich damit umgehen kann, auch wenn nicht alles super läuft. Und eines weiß ich sicher: mit Alkohol wäre es definitiv nicht zu schaffen…

    You will bloom if you take the time to water yourself 🌷

  • sue05
    Hallo Sue,

    Du schreibst: "Es ist nicht alles eitler Sonnenschein, nur weil der Alk weg ist. Wieso auch? Es ist das Leben und da gibt es alle Facetten."

    Danke für diese klaren Worte! Natürlich ist mir klar, dass das Leben ohne Alkohol auch kein Ponyhof ist... ich bin einfach etwas überwältigt von den Stimmungen und Gefühlen, mit denen ich jetzt konfrontiert bin, da ich nüchtern bin.
    Aber es ist gut, wie es ist... Heute ist Tag 15 und es geht schon besser und ich habe wieder etwas mehr Mut.

    Immerhin habe ich diese Woche wieder mit Tai Chi begonnen und das tut mir soooo gut, ich freu mich riesig...
    Also, die Veränderungen fangen schon an :)

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Ganz lieben Dank an alle, die Ihr mir geschrieben habt und mir Mut gemacht habt!!! 💛

    Ich hoffe, ich habe keine Nachricht übersehen! Euer Feedback ist toll und so hilfreich für mich!

    Ich war am Mittwoch bei einem großen Wohlfahrtsverband zum Erstgespräch für eine Suchttherapie bzw zur Beratung, welche Optionen es gibt. Ich habe völlig offen und ehrlich meinen früheren Konsum geschildert. Und tatsächlich hat die Frau, die mir grundsätzlich schon kompetent erschien, auch einen Kurs für kontrolliertes Trinken empfohlen. Ich fand das sehr befremdlich, muss aber zugeben, dass ich für einen kurzen Moment dachte: ach, das wär ja toll. Sofort ist mein Verstand angesprungen und hat mich auf den Teppich geholt. Mir ist vollkommen klar, dass das nicht funktionieren kann und ich bin bei meiner Abstinenz-Entscheidung geblieben. Aber ich muss schon den Kopf schütteln über die Beratung.... Nunja...

    Ansonsten ist heute Tag 15 und wie oben schon geschrieben geht es mit meiner Stimmung etwas bergauf...

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • und ich bin bei meiner Abstinenz-Entscheidung geblieben

    eine gute Entscheidung. 👍🏼

    Ich kann keinen Kontrollverlust kontrollieren und wie oft habe ich versucht kontrolliert zu trinken. Da habe ich mir nur selbst was vorgemacht.

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • die Frau, die mir grundsätzlich schon kompetent erschien,

    War dann wohl selbst keine Alkoholikerin.

    Ich habe viele Jahre versucht kontrolliert zu trinken. Ich könnte hier meine vielen Versuche schildern. Habe ich irgendwo im Forum sicher schon einige.

    Es geht nicht. Und wenn ich mal einen Tag weniger getrunken habe, war das eine große Willensanstrengung, die mit einer langen Nacht, ohne viel Schlaf endete.

    Dann war ich aber stolz am nächsten Morgen. Ha, ich habe es im Griff. Da kann ich ja heute Abend wieder. :roll:
    Das sind meine eigenen Erfahrungen.

    Schon dieses "kontrolliert" trinken. Nicht-Alkoholiker machen das automatisch. Wer will schon öfters diese Nebenwirkungen ertragen?

    Wenn ich da einen Kurs brauche ist der Zug schon abgefahren.

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • Und tatsächlich hat die Frau, die mir grundsätzlich schon kompetent erschien, auch einen Kurs für kontrolliertes Trinken empfohlen

    Unglaublich. Verdienen die daran?

    Das habe ich mir auch früher gewünscht. Hat 25 Jahre nicht geklappt und wird die nächsten 25 Jahre niemals klappen. Will es auch nicht mehr, warum auch wenns nicht klappt

    Heute trinke ich nicht

  • Kurs für kontrolliertes Trinken empfohlen.

    Das scheint jetzt trendy zu sein. Hab ich in meinem Umkreis auch schon öfters gehört. Sehr gefährlich wenn man Menschen, die einen Ausstieg aus der Sucht aufgezeigt bekommen wollen, solche Vorschläge macht. Ich kann mir nur erklären, dass es vielleicht ein Test ist um zu klären noch Missbrauch oder schon Sucht und somit Krankheit. Alles andere führt zu einer unnötigen Extraschleife und verlorene Zeit.

  • Kontrolliertes Trinken..

    Das ist ja wie kontrolliert den Kopf gegen die Wand schlagen bis es nur eine Beule gibt und nicht bis es blutet. Warum sollte ich das tun?

    Davon abgesehen weiß ich, dass das nie bei mir funktionieren würde. Mein „kontrolliertes Trinken“ bestand über 10 Jahre aus mindestens 5 Bier und besonders stolz war ich, wenn ich mal nur vier trinken musste. So viel zur Kontrolle…

    und wie oben schon geschrieben geht es mit meiner Stimmung etwas bergauf...

    Die Stimmung wird auch mal wieder runter gehen, das nennt sich Leben 😉 Wichtig ist dann nur, dass du weißt, dass das eben dazu gehört und Alk niemals nie eine Lösung ist und einfach alles nur noch potentiell verschlimmern würde.

    LG KW

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Das ist, weil viele absolut nicht aufhören wollen, aber sich trotzdem was ändern sollte.
    Der Grundgedanke ist der, bei Einzelnen klappt es, weil die Sucht noch nicht so weit fortgeschritten ist, und die Anderen merken vielleicht, dass es mit der Kontrolle nicht klappt.

    Das Trinken zu kontrollieren ist meiner Ansicht nach eine ziemlich normale Station auf dem Weg zur Erkenntnis, dass es nur ganz ohne funktioniert. Für mich war es auf jeden Fall einfacher, gar nichts zu trinken als wenig.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Zur Info die Regel hier, damit das nicht wieder zum Selbstläufer wird;)

    Wir diskutieren in unserem Forum nicht über „kontrolliertes Trinken“.

    Das Thema ist hier tabu. Wir haben uns Abstinenz auf die Fahne geschrieben.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Wir diskutieren in unserem Forum nicht über „kontrolliertes Trinken“.

    Wer kontrollieren kann, hat keinen Kontrollverlust. Letzteres ist das Kennzeichen des Alkoholismus. Alles klar?

    Fazit: Das KT eignet sich allenfalls für Leute, die zu viel, jedoch noch nicht abhängig trinken, die noch vor(!) dem Kippunkt zum Alkoholismus stehen. Die sich hier austauschenden User haben diesen Punkt schon lange(!) hinter sich.

    Ob mir so ein Programm vor ca. 25 Jahren etwas gebracht hätte, weiß ich nicht und ich werde es auch nie erfahren. Ich bin zufrieden wie es jetzt ist. Mir fehlt nichts, erst recht kein Alkohol.

  • Hartmut : Eigentlich wollte ich nur meine Freude und mein kleines bisschen Stolz darüber teilen, dass ich trotz des KT-Angebots bei meiner Abstinenz-Entscheidung geblieben bin - es tut mir leid, wenn ich da ein Tabu-Thema herein gebracht habe!

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • es tut mir leid, wenn ich da ein Tabu-Thema herein gebracht habe!

    Mach dir da mal keinen Kopf. Alles gut. War nicht persönlich, war allgemein.

    Du bist nicht der erste und wirst garantiert nicht der letzte User sein, der das Thema auf dem Schirm hat. Ist schließlich Sucht.;)

    Wir hier leben Abstinenz. Wir halten nichts von betreutem Saufen, Runtertrinken oder „ein bisschen die Sucht im Zaum halten“ Das verlängert für mich nur das Leiden und führt nicht aus der Sucht raus.

    P.S. Lass dich nicht irritieren von meiner, sagen wir mal, unorthodoxen Art, Dinge anzusprechen ... ich beiße nicht.:saint: Meistens jedenfalls nicht

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Was mir Sorge bereitet ist, dass es jetzt Gefühle der Leere in mir gibt, die ich bisher mit nichts lindern konnte. Das ist schwer auszuhalten und kein Hobby, keine Beschäftigung hilft. Ich nehme an, ich muss das einfach akzeptieren und annehmen und hoffen, dass das irgendwann leichter wird...

    Ich hol das mal zu dir.

    Damit hatte ich auch zu kämpfen und habe gelernt, dass das eine Folge der Abstinenz ist.
    Es hängt mit dem Belohnungssystem zusammen, welches durch den Alkohol völlig gestört ist.
    Alkohol erzeugt Dopaminausschüttung . Gute Stimmung usw. ist die Folge. Da nun ständig Dopamin im Übermaß zur Verfügung steht, hat das Gehirn die Anzahl der Rezeptoren reduziert um wieder ein Gleichgewicht herzustellen.

    In der Abstinenz wird durch Alkohol kein Dopamin mehr ausgeschüttet. Es herrscht plötzlich ein Mangel an Dopamin. Andere Tätigkeiten, die mich früher motiviert und befriedigt haben, durch Dopamin, reichen jetzt nicht aus um die gewünschte Wirkung zu erzeugen, da das System auf viel mehr Dopamin eingestellt ist. Aktivitäten, die mir immer Spaß gemacht haben, konnten mich nicht mehr hinterm Ofen vor locken.

    Die gute Nachricht: Auch jetzt wird das Gehirn sich an den neuen Zustand durch erneute Bildung von Rezeptoren anpassen.
    Das sind neurobiologische Prozesse und die brauchen Zeit. Bei mir waren das eher Monate statt Wochen, aber das ist bei jedem unterschiedlich.
    Also ist jetzt deine Geduld gefragt. Ich habe vieles ausprobiert und bin so auf Sachen gestossen, die die innere Leere etwas füllen konnten. Später kamen einige die alten spaßmachenden Interessen wieder zurück.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Morgaine das Gefühl der Leere kenne ich auch. Habe mir da einiges überlegt. Von Eis essen über Beautytime in der Badewanne, häkeln und Gymnastik.

    Das hat bei mir richtig lange gedauert, bis diese Leere weg war.

    Dopaminausschüttung

    Ob meine Dopaminausschüttung sich wieder richtig normalisiert hat, weiß ich ehrlich gesagt nicht.

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    🦋 Heute trinke ich nicht 🦋 Heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

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