Julia - Ich werde gerade wach

  • Liebe Julia,

    du kannst zurecht stolz auf dich sein. Vor allem, dass du bei eurem Gespräch ruhig und standhaft geblieben bist, ist sehr gut. Denn du hast ihm damit gezeigt, dass du es ernst meinst.

    Seine Reaktionen, Heulen, Abwerten, sich Rausreden, das habe ich fast genauso erlebt damals. Es gehört einfach dazu. Und zu wissen dass es so ist, erleichtert es irgendwie auch. Denn bei mir war es so, dass ich mich nicht mehr so schuldig und schlecht gefühlt habe.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Liebe Julia,

    da hast du einen Stein ins Rollen gebracht! Wirklich stark, wie du anfängst deinen Weg zu gehen.

    LG,

    Kintsugi

    Alles was man über das Leben lernen kann, ist in 3 Worte zu fassen: es geht weiter.

  • Hallo Julia,

    Ich finde dass du dich hier nicht rechtfertigen musst. Nur du alleine kennst DEINE Kinder und ich denke du kannst recht gut einschätzen was du zu ihnen sagst und was du zum Schutze weg lässt. Sie wissen jetzt, dass sie mit dir über Ihre Empfindungen und Gefühle über dieses Thema sprechen können, Klasse!!!

    Ich finde deinen Mut stark, du hast es angesprochen und somit den ersten Schritt in die richtige Richtung gewagt.

    Dass du in der letzte Woche mit den Gedanken durcheinander warst, kann ich sehr gut nachvollziehen, ging mir im übrigen ganz genauso.

    Du darfst auch stolz auf dich sein.

    👍👌

    Liebe Grüße Petra

  • Hallo Julia,

    gerade habe ich Deine Geschichte gelesen. Du hast den Stein ins Rollen gebracht auf allen Seiten. Bei wem Du das zuerst getan hast, finde ich nicht so wichtig. Du hast zeitnah alles auf den Tisch gehauen, von daher find ich es gut.

    Die Wahrnehmungen der Kinder bestätigen, das schafft Vertrauen und eine gute Basis für ein gutes Verhältnis.

    Du reflektierst Dich gut, ich denke, da liegt eine Veränderung vor Dir!

    LG Cadda

  • Mir ging es hier im Forum am Anfang auch so, dass ich bei den ersten Antworten, wie ich es empfand etwas in die Mangel genommen wurde. Ich verstehe aber jetzt, dass es wahrscheinlich zb als EKA hart ist von der "anderen Seite " zu lesen und da vielleicht auch Alarmglocken eher klingeln und böse Erinnerungen wach werden. Gerade wenn Kinder im Spiel sind. Und die Warnungen sind gerechtfertigt. Aber ich verstehe dich auch. Man vermutet ja auch nur zuerst dass er betrunken fahren könnte. Man ahnt es, will es nicht wahrhaben und bekommt immer gesagt das stimme ja gar nicht. Bis dann der Punkt kommt wo man es akzeptieren muss und total geschockt ist, dass man die ganze Zeit richtig lag. Das ist ein Prozess. Rechtfertigen musst du dich dafür nicht. Du hast schon eine Menge bewegt.

  • Hallo,

    nach dem Gespräch mit meinem Mann, seinen Schuldzuweisungen mir gegenüber usw. (ich hatte ja berichtet) war für ihn am nächsten Tag wieder alles wie immer. Er ignoriert einfach alles was ich gesagt habe. Zwischendurch trinkt er mal weniger, aber genau kann ich es nicht sagen, weil ich gerade daran arbeite ihn nicht ständig zu kontrollieren. Ich will raus aus der Co-Abhängigkeit. Aber es ist schwer. Es kommt da immer wieder der Zweifel an der eigenen Wahrnehmung. Er verhält sich unauffällig, riecht nicht nach Alkohol. Das er trinkt ist mir aber bewusst und ich habe immer wieder das Gefühl ich muss es mir beweisen, weil ich es nicht sehe, rieche...., aber ich kämpfe gegen dieses Verlangen nach Kontrolle. Ich muss zugeben, es klappt noch nicht immer, aber ich werde immer stärker. Ich weiß nicht wann er trinkt. Nur am Abend oder auch tagsüber? Aber das ist ja im Prinzip egal. Er trinkt und das ist Fakt.

    Er möchte jetzt sogar einen Sommerurlaub planen, obwohl ich ihm gesagt habe, dass ich nicht mit ihm in den Urlaub fahre, weil es mir zu anstregend ist immer auf seine Launen Rücksicht zu nehmen, bzw. immer darauf warten zu müssen, dass sich seine Laune von jetzt auf gleich ändert. Ich muss das wohl nochmal konkreter ansprechen. Nicht nur seine Launen erwähnen, sondern auch seien Alkoholkonsum.

    Da ich nicht sicher weiß, ob er trinkt und trotzdem nochmal Auto fährt (das war ja auch ein Thema), vermeide ich es ja, dass meine Kinder mit ihm Auto fahren. Im normalen Alltag ist er eh nicht mit ihnen unterwegs, aber jetzt hatte er ja Urlaub. Es gab jetzt den Fall, dass er mit meinem jüngeren Sohn zu meinem Schwager, ca. 1 Stunde entfernt, fahren wollte. Ich habe versucht es zu vermeiden ohne weitere Personen darin zu verwickeln, aber leider ist mir das nicht gelungen. Ich habe also mit meiner Schwägerin gesprochen, da sie selbst schon Erfahrungen mit einem Alkoholiker in einer früheren Beziehung gemacht hat. Sie hat mich ohne viele Worte verstanden. Sie hat dann auch meinen Schwager informiert, welcher ziemlich geschockt war aber ich glaube, dass er denkt das ich übertreibe. Ist so ein Gefühl. Er sagte, dass er bei seinem Bruder noch nie irgendwas bemerkt hat. Eigentlich wollte ich meinen Schwager nicht einweihen, da wir nicht gerade ein super Verhältnis haben und er auch nicht so eine vertraute Beziehung zu meinem Mann hat, aber hier ging es mir um die Sicherheit meiner Familie. Außerdem arbeite ich gerade daran, mich aus der Co-Abhängigkeit zu lösen und da würde der engere Familienkreis so und so irgendwann etwas mitbekommen. - und schon fange ich an mich wieder für mein Verhalten zu rechtfertigen -. Leider hat die ganze Familie meines Mannes schon seit Jahren mitbekommen, dass er ständig schlechte Laune hat. Leider hat ihn nie jemand gefragt, was mit ihm los ist und ob sie ihm helfen können.

    Ich lese weiterhin viel hier im Forum und das gibt mir Kraft. Wenn ich diese Berichte lese und nicht selber in einer Co-Abhängigkeit stecken würde, würde ich so manch einem Menschen - mir selber übrigens auch - sagen, dass er sich doch lösen soll und fragen worauf diese Person denn noch wartet. Wenn es doch nur so einfach wäre....... Schritt für Schritt.

  • Achso....der Vollständigkeit halber....

    Letztendlich bin ich unter einem Vorwand mit zu meinem Schwager gefahren und konnte mich auf diesem Weg lange mit meiner Schwägerin über die Situation unterhalten. Mit meinem Mann in diesem Moment über die Fahrt zu diskutieren, wäre nicht möglich gewesen, ohne das mein Jüngster das voll mitbekommen hätte. Und die ständigen Wiederholungen bringen ja auch nichts.

    Mein Schwager wird erst ein Gespräch mit seinem Bruder suchen, wenn er vorher mit mir gesprochen hat. Das ist auch gut so denke ich. Ich bin ja gerade erst dabei mich zu öffnen und mich dem ganzen entgegenzustellen.

  • Hallo, ich habe lange nichts geschrieben, weil sich nicht viel getan hatte. Ich informiere mich weiter nach meinen Möglichkeiten bzgl. einer eventuellen Trennung. Wie ich schon vor einiger Zeit geschrieben habe, möchte ich auf alles vorbereitet sein.

    Vatertag hatte er einen kompletten Absturz. So habe ich ihn noch nie gesehen. Er konnte nicht mehr laufen, ist ständig gefallen, war kaum ansprechbar, hat geflucht und im nächsten Moment bitterlich geweint. Er wollte mit mir reden, aber ich habe ihn abgewiesen und ihm gesagt, dass ich nicht in diesem Zustand mit ihm rede. Er saß einfach nur da, kaum ansprechbar und hates nicht geschafft aufzustehen und ins Bett zu gehen. Ich alleine hätte nicht geschafft ihn zu stützen und habe unseren besten Freund zur Hilfe geholt, welcher sich dann leider auch noch von meinem Mann beschimpfen lassen musste. Wir haben es geschafft ihn ins Bett zu schaffen und er hat die ganze Nacht durchgeschlafen. Ich war fix und fertig. Unser Freund war sehr geschockt, weil er sich das Ausmaß nicht so vorgestellt hatte.

    Gestern kam mein Mann auf mich zu. Er hat sich zum ersten Mal entschuldigt und war anscheinend von seinem eigenen Absturz geschockt. Er konnte sich auch nicht mehr an alles erinnern.

    Ich habe zum ersten Mal seit sooooo langer Zeit gemerkt, dass er aufnahmefähig ist und wir haben geredet. Es war ein sehr langes Gespräch und es flossen bei ihm und auch bei mir Tränen. Wir haben sehr offen geredet und es hat so gut getan. Ich habe alles auf dem Tisch gebracht ohne böse zu werden, weil ich ja wollte, dass er weiter zuhört. Ich habe ihm erklärt wie wir uns fühlen und unter seinem Konsum und den damit verbundenen Launen usw. leiden. Er hat zum ersten Mal so richtig über seine Gefühle gesprochen und auch zugegeben, dass er ein Alkoholproblem hat.

    Ich habe ihn gefragt, ob er beschreiben kann wie es angefangen hat, dass er zur Flasche gegriffen hat und er erklärte mir, dass er das Gefühl hatte, dass er etwas braucht das er nur für sich hat. Zeit in der er runterfahren kann, bevor er nach Hause kommt. Nach dem Stress auf der Arbeit und den ganzen Sorgen die er im Kopf hat, braucht er einen Moment nur für sich und dann, bevor er zu Hause ist, hält er irgendwo an und trinkt.

    Ich weiß nicht, ob ich seine Worte hier wiedergeben kann so das sie verständlich sind.

    Ich könnte noch ganz viel schreiben.

    Durch die vielen Berichte die ich hier schon gelesen habe, habe ich viel gelernt bzw. lerne noch. Ich bin weiterhin vorsichtig.

    Es ist jetzt so, dass er vom Alkohol weg möchte. Er möchte uns nicht verlieren usw. (Ich kenne solche Aussagen schon aus euren Berichten) Er weiß aber überhaupt nicht wie er es angehen soll. Wo er anfangen soll.

    Da es unser erstes richtiges ruhiges klärendes Gespräch war und er das erste Mal so richtig zugehört hat, werde ich ihn auf den ersten Schritten begleiten. Mir ist klar dass nur er etwas ändern kann und er es für sich und nicht für andere tun muss, daher rede ich hier eher davon ihn bei der Suche nach Anlaufstellen (Arzt usw.) zu helfen. Ich habe ihm deutlich gemacht, dass er nicht unendlich viele Chancen bekommt, weil ich auch auf mich aufpassen muss und nicht mit ihm untergehen werde. Das der Weg sehr schwer werden wird, wissen wir beide. Ich weiß auch, dass es sich nicht von jetzt auf gleich ändert. Er hat so viel aus seiner Vergangenheit aufzuarbeiten und riesige Angst vor der Zukunft, das alles wird hart.

    Es hört sich vielleicht blöd an, aber ich glaube diesen Absturz hat er gebraucht um zu erkennen wo er gelandet ist. Dieser schlimme Absturz hat auch dazu beigetragen, dass wir endlich ein gutes Gespräch hatten, für welches er vorher nie ein offenes Ohr hatte. Er hat ha immer alles abgeblockt usw.

    Es ist vielleicht für manche eine ganz schreckliche Aussage, aber ich muss zugeben, dass ich seinen Absturz und diesen Anblick auch gebraucht habe. Ich hatte vor Augen, was ich nicht will. Bisher hatte ich ja blöderweise immer an meiner Wahrnehmung gezweifelt, aber dieser Tag hat mir gezeigt, dass mit meiner Wahrnehmung alles okay ist und daher konnte ich bei unserem Gespräch auch so selbstsicher reden. Ich fühle mich befreit. Ich habe auch das Gefühl mich jetzt leichter trennen zu können falls es nötig sein sollte, weil ich ihm sagen konnte wie es uns geht und dadurch nicht mehr dieses schlimme Gefühl habe, etwas noch nicht erledigt zu haben.

    Liebe Grüße,

    Julia

  • Hallo Julia,

    ich kann gut verstehen, wie dich dieses offene Gespräch erleichtert.

    Jetzt ist es an ihm, dass er auch zeigt, dass er es ernst meint.

    Hilfreich dabei ist z.B.eine Suchtberatungsstelle und ein Gespräch beim (Haus-) Arzt. Wegen einer körperlichen Entgiftung. So als erste Schritte.

    Es ist gut, dass du ihn unterstützen möchtest! Dabei ist es aber ganz wichtig, ihm nicht alles abzunehmen. Es ist für seinen Weg sehr wichtig, dass er alleine Verantwortung für sich übernimmt. Du kannst ihm sagen, dass Suchtberatungsstellen sehr hilfreich sind, dass eine begleitete Entgiftung lebenswichtig ist.

    Und dann lässt du los und siehst, was er macht. Er kann alleine Termine, ein Anruft bei der Suchtberatung und so machen. DAS solltest du ihm nicht abnehmen. Denn er ist erwachsen und handlungsfähig. Er kann googlen, sich informieren, wie alle das können, die Hilfe brauchen.

    Ich drück die Daumen, dass es sein Wendepunkt war, was passiert ist.

    Liebe Grüße

    Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Zitat

    Er weiß aber überhaupt nicht wie er es angehen soll. Wo er anfangen soll.

    Hallo Julia,

    er kann einfach zu seinem Hausarzt gehen und sagen, was Sache ist: Er ist Alkoholiker, er braucht eine Entgiftung und was gibt es für Nachsorgemöglichkeiten... Alles andere findet sich dann.

    Nimm ihm nix ab. Er ist schon groß.

    Außerdem merkst du dann, ob es nur Absichtserklärungen waren oder ob er tatsächlich etwas tut.

    Viele liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Guten Morgen,

    vielen Dank für eure Antworten.

    Glücklicherweise bin ich schon einen Moment in diesem Forum und habe das über den kalten Entzug gelesen. Ich habe meinem Mann auch gleich bei unserem Gespräch gesagt, dass er ohne ärztliche Begleitung nicht einfach den kompletten Alkohol für einen Entzug absetzen darf.

    Ob unser Hausarzt der richtige für solche Angelegenheiten ist, weiß ich nicht. Aber er wird schon eine Stelle finden an welche er sich wenden kann.

    Linde66 und Aurora ich verstehe euren Rat ihm nichts abzunehmen und ich werde den Rat befolgen. Ich hoffe ich schaffe es auch und mein allgemeines Helfersyndrom kann ich in diesem Fall unterdrücken. Ich verstehe, dass ich ihm und auch mir keinen Gefallen tue diese Aufgaben abzunehmen.

    Ich hoffe auch, dass dieser eine Vorfall etwas verändert. Ich habe hier schon viel gelesen und weiß, dass ich meine Euphorie in Schacht halten sollte.

    Noch eine Frage... wie ich meinen Mann kenne, wird er wohl eher nach einer Online SG schauen, als zu einem Treffen zu gehen. Zumindest am Anfang. Ich möchte nicht, dass er auf dieses Forum stösst, weil ich hier schreibe und noch weiter schreiben möchte. Daher wollte ich ihm gerne wenigstens eine Online SG vorschlagen damit er nicht suchen muss und am Ende noch auf diese hier stösst. Ich habe gesehen, dass es noch andere online Gruppen gibt.

    Was meint ihr dazu?

    Liebe Grüße,

    Julia

  • hallo Julia,

    das ist deine Gruppe und da sollte er auch nicht mit dazukommen. Da hast du vollkommen recht.

    Du mußt ihm aber auch nicht anderes vorschlagen, eine Selbsthilfegruppe findet er auch ohne dich, über Ärzte, Suchtberatungen usw.

    Was machst wenn "deine Empfehlungen" nichts bewirken? Es kann da bei uns Angehörigen ganz schnell passieren, dass wir uns wieder Schuhe anziehen, die nicht passen.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Schlag ihm doch einfach mal Meetings im online Format vor. Einige shg's bieten dies seit corona an und sind auch dabei geblieben.

    Dann sucht er vielleicht schon mal ganz anders im Netz als wenn er sich auf ein forum konzentriert.

    Edit: gibt es übrigens auch im e-mail Format. Da kann man ei fach entweder nur lesen oder auch ab a und an über sich schreiben.

  • Hallo,

    ich habe lange nichts geschrieben, weil ich erstmal die jetzige Situation beobachtet habe.

    Nach seinem Absturz und unserem darauffolgenden Gespräch, hat mein Mann den Alkoholkonsum sofort stark verringert. Nicht aufgehört, weil davon ja abgeraten wird (kalter Entzug), aber verringert. Er zeigt wieder mehr Interesse am Familienleben und hat einen klaren Kopf.

    Ich merke, wie anstrengend und kräftezehrend diese Veränderung für ihn ist, wie er seine Gefühle, welche er vorher duch Alkohol versucht hat zu betäuben, in ihm kochen und er sie unterdrückt.

    Es ist so, als brodelt es in einem Vulkan und es ist klar, dass dieser irgendwann ausbrechen wird, wenn nichts passiert um es zu verhindern.

    Vergangenheit, Stresssituationen in der Gegenwart und Zukunftsangst können nicht ohne Hilfe von aussen bewältigt werden, denke ich.

    Nachdem etwas Zeit vergangen war, bemerkte ich, dass er nch und nach wieder mehr zum Alkohol gegriffen hat. Ich merkte es an seiner Art. Es sind zwar nicht mehr die harten Sachen wie Whiskey und auch nicht die Menge, aber trotzdem Alkohol.

    Als wir vor einer Woche einen Geburtstag von einem Familienmitglied gefeiert haben, habe ich ihn gefragt, ob er bedenken wegen des Abends hat, im Bezug auf Alkohol. Seine Antwort: "Du glaubst doch wohl nicht, dass ich in meinem Leben nie wieder Alkohol trinken werde." Puh, dass war wie ein Schlag ins Gesicht. Ich war in diesem Moment froh, eure Worte und Erfahrungsberichte gelesen zu haben. Ich hatte sozusagen schon mit solch einer Aussage oder diesem Verhalten gerechnet. Trotzdem war es schmerzlich. Er war zu diesem Zeitpunkt weder bei unserem Hausarzt oder sonst irgendwo.

    An dem besagten Abend war er ständig in Bewegung. Er musste sich sehr ablenken. Getrunken hat er garantiert etwas im Hintergrund, aber ich habe gemerkt, dass er dagegen gekämpft hat. Er hielt sich zurück. Noch vor ein paar Wochen, wäre der Abend ganz anders verlaufen.

    Bevor ich dazu kam mit ihm ein Gespräch zu suchen, kam er eines Abends in der letzte Woche auf mich zu. Er sagte mir, dass er beim Hausarzt war und jetzt nach einem Therapeuten sucht. Der Hausarzt hat ihm leider nur gesagt, wo er eine Auflistung von Therapeuten findet, aber es war nicht die Rede von einem Entzug. Das Gespräch soll auch garnicht lange gedauert haben, da der Arzt in Eile war. Ich glaube mein Mann hatte sowas wie eine Anleitung erwartet. Eine Information wie es jetzt weitergeht und wie die nächsten Schritte gemacht werden.

    Ohne Therapie wird er es nicht schaffen. Das steht fest und das weiß er auch. Wo die Probleme liegen sieht er ganz deutlich.

    Klar ist es wichtig und ein "muss" zu einem Therapeuten zu gehen, aber sollte er nicht auch einen Entzug machen? Oder reicht eine Therapie auch ohne Entzug?

    Wir reden momentan sehr viel und er öffnet sich mir gegenüber immer mehr. Es sind gute Gespräche. Auch ich kann über meine Gefühle reden. Ich kann ihm endlich sagen, was in mir vorgeht und er hört zu und zieht nicht alles ins lächerliche oder schiebt die Schuld auf andere. Momentan ist er sehr reflektiert. Ihm nicht zu helfen einen Therapeuten zu finden fällt mir schwer, aber ich halte es weiter durch. Er weiß, dass ich hinter ihm stehe, solange er den Weg weitergeht den er jetzt begonnen hat, aber ich bin kein Therapeut. Ich stehe ihm bei, höre ihm zu, aber ich kann ihn nicht therapieren.

    Ich schreibe oft "momentan", weil ich noch vorsichtig bin. Trotz der Nähe die gerade wieder entsteht, ist einfach so viel passiert in den letzten Jahren, dass ich nicht einfach komplett umschalten kann. Ich bin immer noch in "hab acht"-Stellung. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, aber ich glaube hier können mich so einige verstehen. Ich sehe auf jeden Fall eine Chance für unsere Ehe, aber ich weiß, dass es noch viel Arbeit ist und vor allem, dass er da weiter handeln muss.

    Seit unserem Gespräch vor ein paar Wochen, in dem ich alles ausgesprochen habe was ich denke und fühle, was ich will und was nicht, meinen Standpunkt vertreten habe, habe ich übrigens nicht mehr dieses extreme Gefühl ihn kontrollieren zu müssen, um meine Wahrnehmungen zu bestätigen. Ganz ohne Kontrolle schaffe ich es noch nicht, aber es hat sehr stark nachgelassen. Es ist eine Art Gewohnheit und gehörte lange Zeit zu meinem Alltag. Ich traue meinen Wahrnehmungen jetzt und bin zuversichtlich, dass ich das mit der Kontrolle auch in den Griff bekommen werde. Und ganz wichtig.... ich lerne für mich einzustehen und vertrete meine Meinung immer mehr. Ich bin auch auf einem guten Weg (wenn ich mich mal selber loben darf ;) ).

    Viele Grüße,

    Julia

  • Hallo Julia,

    aber es war nicht die Rede von einem Entzug. Das Gespräch soll auch garnicht lange gedauert haben, da der Arzt in Eile war. Ich glaube mein Mann hatte sowas wie eine Anleitung erwartet.

    kenne ich sehr gut, diese Aussagen, hat mir mein xy auch immer erzählt, als er noch nicht daran dachte mit der Trinkerei aufzuhören.

    Ein Alkoholiker kann nicht kontrolliert trinken, alles was er bisher getan hat, sind in meinen Augen "Beruhigungspillen" für dich. Du redest dir etwas schön, bist voller Hoffnung.

    Das soll nicht vorwurfsvoll klingen, denn es war auch meine erlebte Realität. Das er nicht aufhören will, hat er dir ja deutlich gesagt.

    Warum geht er nicht zu einem anderen Arzt? Wenn ich so abgefertigt würde, wäre dass ein Grund den Arzt zu wechseln.

    Klar ist es wichtig und ein "muss" zu einem Therapeuten zu gehen, aber sollte er nicht auch einen Entzug machen? Oder reicht eine Therapie auch ohne Entzug?

    Ein Entzug steht auf jeden Fall an, wie will er denn in eine Therapie, wenn er weiter trinkt? Zuerst muß er mal klar im Kopf werden, um in einer Therapie überhaupt an sich arbeiten zu können.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Morgenrot

    Hallo Morgenrot,

    vielen Dank für deine Antwort. Ich sehe sie nicht als vorwurfsvoll. Du sprichst aus deinen Erfahrungen und das ist sehr wertvoll und wichtig. Dafür sind wir hier. Danke für deine ehrliche, direkte Nachricht dazu.

    Zu dem Thema "Beruhigungspillen".... Ich habe schon vermutet, dass ich so etwas hören werde. Habe selber schon darüber nachgedacht, weil ich hier ja auch schon so viel dazu gelesen habe. Das ist auch der Grund, warum ich ihm da nicht schon eine Liste mit Informationen usw. vorgelegt habe. Ich hatte trotzdem versuch mit diesen negativen Gedanken schön zu reden. So auf die Art.... immerhin hat er ja was gemacht, er hat nochmal nachgedacht und will ja was tun.... etc. Man möchte es nicht wahrhaben nur hingehalten zu werden.

    Meine Euphorie und große Hoffnung war wahrscheinlich nicht zu überlesen. Aber ich halte mich so gut ich es schaffe zurück. Schwierig, wenn man in allen Bereichen ein Helfersyndrom hat. Zur Stärkung und um mich selber wieder zu besinnen, brauche ich dieses Forum und bin ich froh hier zu sein.

    Vielen Dank.

    Liebe Grüße,

    Julia

  • Aus meiner Erfahrung kann ich dir sagen, dass mir meine damalige Therapie nicht dabei geholfen hat den Schalter in meinem Kopf bzgl des trinkens umzulegen.

    Eine Therapie ist übrigens auch null zielführend wenn der Patient noch nass ist. Ein guter Therapeut wird sich dann auch weigern die Behandlung aufzunehmen.

    Dein Mann möchte nicht mit dem Trinken aufhören. Das hat er klar kommuniziert. Ob er jemals an diesen Punkt kommen wird, weiss keiner.

    Aber dieses kontrollierte trinken wird auf Dauer nicht funktionieren. Sonst wäre er kein alkoholiker.

    Für mich klingt es so, dass er jetzt wieder irgendwas macht, damit du dabei bleibst. Das ist aber nicht ganzes und nichts halbes weil er weiterhin trinken möchte.

    Diesen wechsel zwischen hoffnung und Enttäuschungen wirst du so immer und immer wieder durchleben.

    Abgesehen davon haben Therapeuten zur Zeit eine sehr lange Warteliste. Da können schon mal 6-12 Monate ins Land ziehen bis es wirklich losgeht. Wenn er es denn überhaupt ernsthaft in Betracht zieht und das nicht auch wieder nur eine Aussage ist, zm dich ruhig zu halten.

    Gut möglich, dass er in zwei Wochen schon wieder nichts von Therapie hören will (weil es zu lange dauert, weil der therapeut nicht passen würde etc. Ausreden kenne wir alkoholiker ja zur genüge).

    Gerade diese ständigen stimmungswechsel, vor allem wenn der Partner eine Verhaltensänderung fordert, der alkoholiker aber eigentlich gar nicht selber möchte, sind für alkoholiker ganz typisch.

    Auch wenn das jetzt hart klingt, ist es ein Szenario was eintreffen kann.

  • Hallo Julia,

    Seine Antwort: "Du glaubst doch wohl nicht, dass ich in meinem Leben nie wieder Alkohol trinken werde."

    Damit ist alles gesagt.

    Den Gang zum Arzt oder Therapeuten kann er sich somit in Bezug auf das Alkohol-Thema komplett sparen.

    Egal wie sehr er es sich wünsch bzw. Mühe gibt:

    Weniger/kontrolliert trinken ist auf Dauer nicht möglich.

    Könnte ein Alkoholiker das auf Dauer steuern, wäre er kein Alkoholiker.

    Eine Therapie wird auch nichts an seiner Einstellung ändern können. Eine Therapie ist keine Gehirnwäsche, durch die ein Alkoholiker trocken wird.

    Eine Therapie ist nicht einmal nötig, um trocken zu werden. Sie kann lediglich begleitend helfen, psychisch stabil zu werden oder bleiben.

    Mir tut es echt leid, aber ich sehe keinen einzigen Schritt, der einem Hoffnung schenken kann :(

    LG Cadda

  • Hallo,

    ihr habt recht. Seine Aussage hat alles gesagt.

    Ja, er denkt wohl er könnte kontrolliert trinken. Ich lese hier im Forum immer davon, dass es nicht funktioniert und hab keine Ahnung wie ich ihm das klarmachen soll.

    Muss ich ihm überhaupt was klarmachen?

    Es ist echt hart.

    Danke für eure ehrlichen Worte.

    Liebe Grüße,

    Julia

  • Hallo Julia,

    in deinem Beitrag ging es bis auf die letzten zwei, drei Sätze ausschließlich um ihn.

    Ganz ohne Kontrolle schaffe ich es noch nicht, aber es hat sehr stark nachgelassen. Es ist eine Art Gewohnheit und gehörte lange Zeit zu meinem Alltag. Ich traue meinen Wahrnehmungen jetzt und bin zuversichtlich, dass ich das mit der Kontrolle auch in den Griff bekommen werde. Und ganz wichtig.... ich lerne für mich einzustehen und vertrete meine Meinung immer mehr. Ich bin auch auf einem guten Weg (wenn ich mich mal selber loben darf

    Darfst du. ;)

    Sollst du sogar. Denn nach der langen Zeit ist es bestimmt nicht einfach, den Fokus von ihm weg, hin zu dir zu lenken.

    Es hört sich an, als ob er Zeit schinden will und daher deinem Druck nachgibt. So hält er dich bei Laune und braucht nicht wirklich was zu ändern. Seine Absichtserklärungen lullen einem so schön ein. Aber kommt dann auch was Konkretes...?

    Zitat

    Du glaubst doch wohl nicht, dass ich in meinem Leben nie wieder Alkohol trinken werde.

    Das ist eine klare Ansage. Wenn er wirklich trocken werden wollte, würde er gar nicht erst zu einer Geburtstagsfeier gehen.

    Plane langfristig für dich selber deine Schritte. Denn er will weiter trinken.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

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