Jump! aus dem Hamsterrad

  • Ich beiße mich nicht fest, ich stelle fest. Wenn mein Post eine ganz andere Interpretation erfährt, als er gemeint ist, dann benenne ich das und zwar auf Grundlage dessen, was ich in 19 Jahren hier an Erfahrung gesammelt habe.

    Wenn ich sehe, dass etwas gegen jede Erfahrung in eine Richtung läuft, die die Co‑Rolle festhält, dann schreibe ich das auch. Denn der offene Bereich ist für alle sichtbar, und dort wird nicht nur dem Thread‑Inhaber geschrieben, sondern auch denen, die mitlesen.

    Ich weiß nicht, wo du den Vergleich mit meiner Partnerin gelesen hast. Die jetzige kann es jedenfalls nicht gemeint gewesen sein. Ich hatte schon selbst gehandelt, als sie dazu kam. Muss ich selbst mal schauen, ob das im offenen Bereich war, damit nichts durcheinandergebracht wird. Also bitte nicht verwechseln.

    Wenn, dann war es eine der anderen Partnerinnen aus der damaligen nassen Zeit , inklusive Anhang. Die habe ich verlassen, weil sie mich beim Saufen gestört hat, weil sie versucht hat, mich trocken zu legen. Die letzte versuchte dann, mit den neuesten psychologischen Erkenntnissen zu argumentieren, weil sie aus diesem erweiterten Bereich tätig war, aber sie hatte nur etwas Küchenpsychologie aufgeschnappt und angewendet.

    Genau dasselbe Muster lese ich eben auch immer wieder hier. Co‑Rolle pur.

    Wenn ich mich hier festbeiße, dann nur, um anderen diesen Mist vielleicht zu ersparen. Klar, wenn es jemanden persönlich nervt aus welchen Gründen auch immer weil bestimmte Punkte getroffen wurden, Da geht man schnell mal in die Abwehrhaltung, reagiert mit Angriff, Gegenfrage und vorgetäuschtem Unverständnis. Ist ja nichts Neues für mich.

    Vielleicht bin ich da sogar selbst ein Stück Co oder ich weiß als Nasser wie auch als Trockener, was Alkohol mit einem Menschen macht.

    Sonst würde ich mir seit 19 Jahren den Austausch hier nicht immer wieder antun jede Kritik, jede Anfeindung, jedes Persönliche.

    Sucht ist etwas Zerstörendes, das auf beiden Seiten wirkt. Es sind nicht die Argumente, die einen hineinziehen oder herausführen, sondern die Sucht selbst.

    Das finde ich auch komisch. die Männer, deren Partnerinnen oder Ex Partnerinnen Co Verhalten zeigte, erklären jetzt wieder anderen Frauen wo der Hase lang läuft. Für mich ist das irgendwie schräg.

    Ich fände es seltsam, wenn das nicht zur Sprache käme in einem Forum, in dem sich Menschen genau über Co-Abhängigkeit oder Alkoholismus austauschen. Wenn nicht hier, wo dann?

    Jetzt wünsche ich euch allen einen guten Rutsch, mehr Gelassenheit und einen gesunden Start ins neue Jahr.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich bin jetzt auch mal provokant. Ich glaube ihr wisst, dass ich das nicht persönlich meine: Ich wundere mich immer wieder weshalb manche Alkoholiker, hier jetzt speziell Hartmut und Lebenskuenstler sich an der Thematik so dermaßen fest beißen.

    Hartmut, du hast bei einem früheren Austausch mal geschrieben, dass eine frühere Partnerin genauso argumentiert hätte wie ich. Liegt es daran? Habt ihr eigene offene Themen mit Angehörigen? Könnt ihr nicht zugeben, dass ihr denen extrem viel zugemutet habt und pocht deshalb so stark darauf, dass Cos ja selber schuld sind?

    also erst mal: Meine Frau sieht das genau so wie ich, dass sie das lange nicht recht geschnallt hat, mich retten wollte und ihre Liebe dazu. Sie sieht, das sie mich manipulieren wollte, damit ich aufhöre, und ich sehe, dass ich weitersaufen wollte, wie ich es getan habe, als unsere Beziehung begann. Und sie sieht es auch genau so wie ich, wenn mans dann weiss und keine Konsequenzen daraus zieht, ist man einfach nicht zu retten. Und zwar weder Trinker noch Co.

    Wir sind da intern inzwischen gnadenlos, jeder der in so einer Situation verharrt muss selbst wissen, was er oder sie macht und das auch vor sich selbst verantworten. Und wenns weh tut - nicht meine Kommentare, sondern das eigene Handeln - , bitte sehr, jede(r) wie er oder sie es braucht, wie man sich bettet, so liegt man. Ich bin da tolerant.

    Da Andere ist, dass mir mehrere Cos geschrieben haben, dass ihnen das viel gebracht hat, was ich schreibe. Und ich versuchs ihnen zu erklären, um ihnen gerade die Sinnlosigkeit ihres Festhaltens am Trinker, oder besser an den Versuchen, ihn zu retten, obwohl der das gar nicht will (die Aussage, dass der Trinker nichts ändern will, steht ja öfter direkt dabei) zu verdeutlichen. Und bei mir als Trinker hätte ein reines Trinkverbot nichts geholfen, ich musste die Mechanismen dahinter verstehen, um weicher loslassen zu können, nicht nur so hozhammermäßig, um zufriedener weiter machen zu können. Das kann ja bei Cos auch genau so sein, dass besseres Verständnis das Loslassen erleichter. Und es ist nicht co meinerseits so zu denken, ich stülpe da nichts über, sondern ich nehme die Reaktionen und Antworten wahr, wenn ich im Gespräch bin, auch wenn es schriftlich ist.

    Wenn Du aber nichts damit anfangen kannst, dann nehme ich das zur Kenntnis.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

    Einmal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (31. Dezember 2025 um 11:31)

  • Obwohl der Alkohol dem Co/einem Alkoholiker alles nehmen kann, Freunde, Job, das Zuhause, Gesundheit, Ehe, Würde, Freiheit...kommen viele nicht davon los.

    Ich bin mir dessen immer bewusst gewesen und habe lange gebraucht und viel wertvolle Zeit in die Tonne gekickt.

    Und ich behaupte das gilt für beide Parteien.

  • Ich habe (mal wieder) den Eindruck, dass meine wesentlichen Punkte gar nicht ankommen.

    Das war mein Motivation in Alexas Faden zu schreiben:

    Denn der offene Bereich ist für alle sichtbar, und dort wird nicht nur dem Thread‑Inhaber geschrieben, sondern auch denen, die mitlesen.

    So kam es zu der Diskussion und ich hab's zu mir geholt.

    Warum ist das wichtig?

    Mir ist es wichtig. Api ich wollte dich oder andere Cos aber nicht "zwingen" jetzt was schreiben zu müssen. Wenn es für dich unwichtig ist, dann ist es so.

    Wie gesagt stehe ich mit meiner Sichtweise dann eben "alleine" da. Damit kann ich leben. Der Austausch lebt davon, dass Perspektiven verschieden sind.

    Das kann ja bei Cos auch genau so sein, dass besseres Verständnis das Loslassen erleichter.

    Lebenskuenstler ich finde es für mich durchaus hilfreich, wenn du über dich selbst sprichst. Und ich will auch um Himmels Willen keine Diskussion über deine Frau los treten. Mir fällt auf, dass du sehr viel bei Cos unterwegs bist. Und das wundert mich. Ich danke dir aber dennoch für deine Einblicke.

    Hartmut , ja es war im Offenen. Da achte ich streng drauf nichts rüber zu bringen:

    Das hat meine letzte "Co-Abhängige" in der nassen Zeit auch zu mir gesagt, dass ich das und das nicht verstehe und ich habe munter weitergesoffen

    Das muss auch nicht vertieft werden. Ich zitiere das nur, weil du dich gewundert hast wo es her kommt.

    Aber wenn ich deine Beiträge lese empfinde ich daß du deine eigene Meinung über alles stellst und gar nicht bereit bist andere Sichtweisen zuzulassen

    Komisch. Genauso erlebe ich es hier bei einigen mir gegenüber.

    Das Pauschalisieren kommt daher, dass ich immer noch diese wissenschaftliche Studie dazu im Kopf habe. Das wollte ich aber nicht kenntlich machen, weil ich keine Studien-Diskussion lostreten wollte.

    So. Ich gehe jetzt wieder zurück ins grüne Körbchen 😉

    Genug hin und her, denke ich.

  • Mir ist es wichtig. Api ich wollte dich oder andere Cos aber nicht "zwingen" jetzt was schreiben zu müssen. Wenn es für dich unwichtig ist, dann ist es so.

    nee, ich hab mich auch nicht gezwungen gefühlt ;)

    hatte gestern auch schonmal angefangen, was zu schreiben, hab es aber dann wieder gelöscht weil ich den Eindruck hatte, dass es irgendwie nicht so wirklich zu der Diskussion beiträgt. Oder ich die Frage bzw die Wichtigkeit dahinter nicht so ganz verstehe. Und den Beginn im blauen Bereich auch nicht gelesen hatte. Aber hat mich ja scheinbar dann doch beschäftigt, sonst hätte ich dann heute nicht doch nochmal was geschrieben:)

  • Jump!,

    Du kannst es vielleicht nicht nachvollziehen.
    Aber mir tat meine Frau tatsächlich leid, dass sie so unter der Situation litt. Ich konnte aber trotzdem nicht aufhören, weil ich es teilweise nicht gesehen habe und weil ich mich auch nicht so einfach ändern kann, und weil Selbstbehauptung bei mir auch eine große Rolle spielt. Selbstbehauptung und Festhalten am eigenen Weltbild spielt bei fast allen eine Rolle. Und mir tun sogar manchmal auch Cos leid. Ich weiss um die begrenzten Möglichkeiten, aber das ist doch bei dem ganzen Forenthema so.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
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  • Ich habe auch mal darüber nachgedacht , was meine Therapeutin zu mir gesagt hat. Ich habe sicherlich co-abhängiges Verhalten gezeigt, aber sie meinte ich zeige keine co-abhängige Persönlichkeitsstörung, weil ich in anderen Bereichen des Lebens sehr unabhängig agiere und auch mit dem Start der Loslösung von meinem Ex-Mann immer mehr in die Selbstständigkeit zurückgefunden habe.

    Ich denke nicht, dass die Sucht und die Co-Abhängigkeit vergleichbar sind. Sicherlich gibt es Persönlichkeitsakzentuierungen, die eine höhere Neigung zu solchem Verhalten zeigen.

  • Tja, in der Zwischenzeit 8 Beiträge von Alkoholikern und 4 von Cos. Das ist eigentlich das, was mich selbst immer bisschen ratlos zurück lässt. Das wäre umgekehrt nicht denkbar. Oder ich bin halt doch relativ alleine mit meiner Sichtweise.

    Liebe Jump!

    Ich bin unterwegs. Daher nur kurz:

    Du bist nicht allein mit deiner Sichtweise. Ich stimme dir zu.

    Wollte mich gestern an der Diskussion beteiligen, habe es dann aber nicht abgeschickt. Ich schreibe später.

    Wünsche an dieser stelle erst mal einen guten Rutsch ins neue Jahr

  • Immer diese Leute die ständig am Handy hängen🫣

    Aber jetzt kann ich nicht mehr aufhören, nachzugrübeln.

    ich zeige keine co-abhängige Persönlichkeitsstörung

    Oh nein, also ich würde mir jetzt auch keine Persönlichkeitsstörung attestieren. Wenn das gemeint war, hab ich es falsch verstanden.

    Ich habe aber Muster, die so lange und so tief in mir verwurzelt sind, dass ich sie alleine durch eine Trennung oder durch einen Auszug nicht ablegen kann. Es ist krass schwer (wenn auch spannend), die zu durchschauen. Und dabei brauche ich selbst nach einem Jahr immernoch professionelle Hilfe. Wenn auch nicht mehr so intensiv wie am Anfang💪

    Aber: im Unterschied zu einer Suchterkrankung oder einer Persönlichkeitsstörung kann ich sie dann ablegen. Ich hab weder Entzugserscheinungen noch werde ich mein Leben lang "auf der Hut" sein müssen denke ich.

  • Aber Muster, die durch die Kindheit entstanden sind, haben ja nichts mit einer Sucht durch eine Substanz zu tun.

    Und ich denke man muss hier mal ganz klar trennen. Es gibt Menschen mit Persönlichkeitsstörung, die gibt es auch in der Co-Abhängigkeit, aber ein ängstlicher Bindungsstil mit einer Tendenz zur Anpassung ist keine Störung per se.

  • Ah ok...Ja kann sein. Ich sag ja ich hab die ganze Zeit das Gefühl, den Kern der Diskussion nicht zu verstehen...knapp daneben ist auch vorbei😃

    Bin verwirrt und jetzt mal raus.

    (hahaha bis ich dann gleich doch wieder irgendeinen Gedanken loswerden will)

  • …kleiner GedankenEinWurf… :

    was mich in letzter Zeit manchmal triggert…: wieviele Runden Alkoholiker im Behandlungskarussell drehen… und vielseitige Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen…

    Wo kann ich als angehöriges Familienmitglied meine 3. Runde Entgiftung vom alkoholkranken Partner bekommen… ärztlich begleitet … ?!? 🧐

    Mit anschließender Reha…?!? 🧐


    Keine Frage, ich möchte mit niemandem Schicksal tauschen, mir reicht mein eigenes… jedoch gestehe ich, diese obigen Gedanken in letzter Zeit gehabt zu haben…


    LG Simsalabim…

  • auch mal ein gedanke dazu. vielleicht geht es beim alki um sein "leben" und das im wahrsten sinne des wortes?

    wohingegen der co die möglichkeit hat zu gehen wenn es ihm reicht. ich weiss klingt einfach, aber im allgemeinen wird das so gesehen.

    gruss

  • Aber Muster, die durch die Kindheit entstanden sind, haben ja nichts mit einer Sucht durch eine Substanz zu tun.

    die wissenschaft sieht das anders, gerade im suchtbereich. derweil geht man davon aus, dass eine genetische disposition+ trauma aus der kindheit dafür zum grossteil verantwortlich ist. das war schon grundtenor vor 20 jahren.

    gruss

  • Wo kann ich als angehöriges Familienmitglied meine 3. Runde Entgiftung vom alkoholkranken Partner bekommen… ärztlich begleitet … ?!? 🧐

    Das ist ein vollkommen berechtigter - und wie ich finde auch wichtiger Einwand. Meine Frau wusste anfangs nur durch mich (heute trockener Alkoholiker) wie sie mit mir umgehen soll.

    Während meiner ambulanten Langzeitterapie konnte aber auch sie, als Angehörige, an Therapiegesprächen, alleine oder mit mir, Teil nehmen.

    Deshalb sind in unserer realen Selbsthilfegruppe die Angehörigen auch immer sehr gerne gesehen.

    Ich finde aber, das auf Angehörogenseite da etwas sehr wichtiges an Hilfe fehlt.

  • …wie leicht/schwer es den Co‘s /mir fällt „einfach zu gehen“… das erzählen Bände bzw. die Erfahrungen, hier im Forum einsehbar…

    ich weiss das und der rest im forum auch, aber dafür sind wir die falschen ansprechpartner. mit diesem anliegen müsstest du zu den trägern, sprich KK oder rententräger. wie meinte mal mein anwalt"...in deutschland ist es so das erst was passieren muss, bevor gehandelt wird..." und genau so ist es.

    gruss

    ps: hatte den beitrag von stromer erst jetzt gesehen. stimmt, bei meiner langzeit gab es wochenendseminare in form von paartherapie. also für beide den alki und partner.

  • Liebe Jump! ,

    bereits in deinen ersten Beiträgen thematisierst du die Co-Abhängigkeit.
    Für mich war die Co-Abhängigkeit damals ebenfalls ein so wichtiges Thema, dass sie zur Überschrift meines Thread wurde.

    Daher habe ich, als Hartmut das Verhalten von Angehörigen gefühlt als pauschal "krankhaft" einstufte, erst einmal gestockt.

    Da ich Hartmuts Erklärung vom 26.12.2025 bei orangeblau zu seinem Verständnis von Co-Abhängigkeit jedoch zustimme, habe ich mich zum Begriff "krankhaft" nicht geäußert.

    Zitat Hartmut : "Die erste Frage wäre für mich. Will ich wirklich jedem Alkoholiker helfen oder nur dem, dessen Sucht mein eigenes Leben direkt beeinträchtigt? Die zweite Frage. Was mache ich, wenn es mir nicht gelingt, genau diesem „eigenen“ zu helfen?

    Genau hier entscheidet sich es. Ob meine Hilfe gesund bleibt oder in Co-Abhängigkeit kippt. Wenn ich "Scheitern" mit noch mehr Einsatz, Kontrolle oder Ersatz-Hilfe kompensiere, verliere ich mich selbst. Hilfe darf kein Ersatz für eigene Ohnmacht werden.

    Co-Abhängigkeit beginnt für mich da, wo Helfen krankhaft wird. Solange niemand zwanghaft retten will, der sich nur selbst retten kann, ist alles im Rahmen. Kritisch wird es, wenn sich Tagesablauf, Bedürfnisse und das eigene Leben nur noch ums Retten drehen und man dabei selbst untergeht.

    Unterstützung ist nur dann Unterstützung, wenn sie freiwillig angenommen wird – sichtbar durch Handlungen, nicht durch leere Sätze.

    Ich denke . Hilfe ohne Selbstaufgabe ist Unterstützung. Hilfe mit Selbstaufgabe ist Co-Abhängigkeit.

    Gruß Hartmut "

    Zitat Ende.

    Als ich auf das Forum stieß, habe ich erst durch die vielen Beiträge der Angehörigen erkannt, wie weit der Alkohol nicht nur das Leben der Alkoholiker bestimmt, sondern auch das der Angehörigen.
    Mich störte zwar der Alkoholkonsum meines Mannes, mir war aber gar nicht bewusst, in wie weit sich dadurch bereits das Leben von mir und den Kindern verändert hatte.
    Zu dem Zeitpunkt war der Alkoholkonsum meines Mannes allerdings auch noch nicht so auffällig wie er in den letzten Jahren geworden ist. Durch die Berichte der Angehörigen und Alkoholiker wurde mir aber klar, dass die Krankheit sich weiter entwickeln wird (gesundheitliche Probleme, Demenz, Pflege, Tod), wenn sie nicht gestoppt wird. Und da mein Mann damals noch kein echtes Einsehen hatte, war ein Stoppen unwahrscheinlich.
    Für mich war diese Erkenntnis ein heilsamer Schock, denn ich wollte auf gar keinen Fall in diese tiefe Verzweiflung geraten, von der ich teilweise gelesen hatte.
    Durch die Trennung habe ich diese hilflosen sinnlosen krankmachenden Verhaltensweisen beenden wollen.
    Das Lesen im Alkoholiker Bereich empfinde ich nicht als co-abhängiges Verhalten, denn die dabei gewonnenen Erkenntnisse nutze ich nicht, um meinen Mann trockenzulegen, sondern um die Sucht besser zu verstehen. Das immer noch Hoffnung besteht, mag naiv sein, ich empfinde es aber nicht als krankhaft.

  • Hallo liebe Jump!

    Du schriebst zwar oben, dass es genug Hin und Her war, aber da danach noch weitere Beiträge kamen, ist hoffentlich okay, wenn ich auch noch was schreibe.

    Ich hab lange mit dem Begriff Co-Abhängigkeit an sich gehadert, hab ihn erst von mir gewiesen, fand ihn unpassend, pauschalisierend, pathologisierend, abwertend, schuldzuweisend. Die typischen, so oft beschriebenen Verhaltensweisen - Flaschen kontrollieren, beim Chef verleugnen etc. - gab es bei uns nie. Aber schon viel Verhalten meinerseits, mit dem ich letztlich nur mich geschädigt und nichts erreicht habe. Auch Verantwortungsübernahme an seiner Stelle. Alles aus "Liebe" und Sorge um ihn, so dachte ich. Und da wird es doch auch schräg, vielleicht auch auf gewisse Weise"krank" (ich spreche nur für mich). Auf jeden Fall nicht gesund für mich selbst. Ich glaube, jede und jeder muss das ganz individuell für sich betrachten. Ich sehe mich nicht gerne so, aber mir hilft es nicht, es mir selbst schön zu reden. Ich hab mir in dieser Beziehung mit diesem Mann selbst Leid angetan, weil ich lange nicht in der Lage war, sie zu stoppen, obwohl sie mir nicht gut tat. Immer noch im Vergangenen fest hing. Verlustängste hatte, mich an Hoffnungen geklammert hab, auf meine Art Realitätsverleugnung betrieben hab. Und wenn jemand das Ganze als eine Art Sucht definieren würde, läge er - nur für mich gesprochen- vermutlich gar nicht so weit daneben. .

    Mein Ex zog sich für seine Konsumphasen ja immer zurück, tauchte dann wie aus dem Nichts wieder auf, war dann fast schon über-zugewandt und aktivierte damit wieder mein Bindungsverhalten. Lange Zeit war ich in so Situationen sowas von erleichtert, dass er wieder da war, dass ich bereitwillig verdrängt habe, was er mir immer wieder zumutete. Dabei spielte seine manipulative Art natürlich eine Rolle. Ich will aber bei mir bleiben - warum hab ich das mit mir machen lassen? Ich hab ja längst die manipulativen Tricks erkannt, trotzdem war ich wie paralysiert, hab das Karussell nicht angehalten.

    Mittlerweile sehe ich Co-Abhängigkeit als eine Art "Arbeitsbegriff". Mir macht er für mich klar, dass da etwas ganz gewaltig nicht gestimmt hat, dass ich auf der Suche nach Liebe und Zweisamkeit mich selbst verloren habe. Ich wollte diese Beziehung halten, wider besseres Wissen. Ob das symptomatisch für mich ist, weiß ich nicht. Ein wenig vielleicht, und vielleicht war es auch vor allem meiner jetzigen Lebensphase geschuldet. Ich hatte aber auch in jungen Jahren (kürzere) Beziehungen zu Männern, die zu viel tranken oder auch anderes konsumiert haben. Die straighten haben mich schlicht nicht so interessiert, so blöd und teenagerhaft das auch klingt. Vielleicht/vermutlich bin ich aus dieser unreifen Denke nie herausgekommen.

    Welche Konsequenzen meine "Risikoneigung" in Beziehungen hat, durfte ich jetzt endgültig lernen. Bin kein EKA, und kann sagen, dass ich aus einer stabilen und fürsorglichen Familie komme, Ich sehe mich selbst dafür verantwortlich, da so mit offenen Armen hineingerannt zu sein. Ich habe meinen Ex als damals schon suchtgefährdeten oder bereits Süchtigen in meiner Jugend kennengelernt.

    Bei anderen Betroffenen sind die Fälle natürlich wieder ganz anders gelagert. Viele müssen erleben, wie eine einst glückliche und unbeschwerte Beziehung durch Sucht eines/einer Partners/Partnerin immer mehr zum Scherbenhaufen wird und sich sehr mühsam ihren Ausgang suchen. Ich aber hätte es wissen können, dass es so kommt. Co-Abhängigkeit hat glaube einfach viele Gesichter.

    Ich wünsche Dir einen guten Start ins neue Jahr. Les Dich immer gerne und freue mich auf den weiteren Austausch - auch 2026,

    alles Liebe von Ella

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