NovaSol - Und noch eine Neue

  • Hallo NovaSol , das alles ist neu für euch beide. Versuche erstmal ruhig zu bleiben. Wenn du denkst, er denkt, dann denkst du nur...

    Das tut dir im Moment nicht gut. Ich habe auch erst vor einigen Monaten aufgehört. Oberste Priorität hat bei mir mein eigenes Wohlbefinden.

    Wenn er kontrolliert, dann kontrolliert er eben. Wenn er sich nur Sorgen macht, dann eben das.

    Ziehe du dein Ziel durch, vieles ergibt sich von selbst.

    Und wenn du wissen willst was er denkt, frage ihn.

  • Heute starte ich in Tag 29, ich laufe also mit großen Schritten in den ersten nüchternen Monat ein. Gestern Abend ergab sich eine gute Gelegenheit mit meiner besseren Hälfte über das Hinterhertelefonieren zu sprechen. Wir haben gestern bis zum gute Nacht sagen 5 mal telefoniert, dann gute Nacht gesagt und 21:30 Uhr rief er dann nochmal an um zu fragen, ob ich auch die Haustür abgeschlossen habe und die Alarmanlage aktiviert ist. Ich habe ein paar Sekunden gar nichts gesagt und ihn dann vorsichtig gefragt, ob es wirklich um die Tür, die Alarmanlage, den Rasendünger, oder den Wartungsvertrag für unsere Haustechnik geht oder ob ihn etwas anderes antreibt. Tja…da ist er dann mit der Sprache rausgerückt. Er hat Angst. Natürlich arbeitet das ganze auch in ihm und er meinte, dass sich grade viele Kreise schließen und er nun viele Situationen, in denen ich „seltsam“ war, ganz anders einsortieren kann. Der knappe Monat in dem ich nun nicht mehr trinke war für ihn so schön, weil ich wieder so nahbar war, weniger verschlossen. Er hat solche Angst, dass das einfach wieder weg ist. Ich habe ihm ja erzählt, dass ich vorwiegend so viel zu viel getrunken habe, wenn ich allein war und die Anrufe sind grad für ihn das einzige Mittel, um irgendwie das Gefühl zu haben, die Situation kontrollieren zu können. Das kann ich nachvollziehen. Morgen ist er wieder da und wir haben uns jetzt darauf geeinigt, dass er heute weiter so anruft, wie er es braucht. Wenn er morgen wieder hier ist loten wir mal aus, welche Hilfsangebote es für Angehörige hier in der Gegend gibt. Eine Selbsthilfegruppe hielt er für eine gute Idee. Auf Dauer möchte ich mich nicht auf die Stufe eines Kleinkindes, welches stetiger Überwachung bedarf“ setzen lassen. Ich weiß, dass ich schuld an seinen Ängsten bin aber er muss wege für sich finden, ich welche für mich und wir welche als paar. Das sieht er genauso, also haben wir da schon mal einen Konsens. Ich bin guter Dinge, dass wir einen Weg finden, um uns da durchzunavigieren, wenn wir aufrichtig miteinander umgehen. Ich werde die eingerosteten Knochen jetzt mal ein bisschen in Bewegung bringen und eine Runde spazieren gehen. Die Sonne scheint grad noch so schön. Habt einen guten Start in die Woche.

  • Erzähl ihm nichts von dem Forum hier, denn das ist jetzt DEINE Selbsthilfegruppe und außerdem würde er dich hier auch kontrollieren wollen.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • und die Anrufe sind grad für ihn das einzige Mittel, um irgendwie das Gefühl zu haben, die Situation kontrollieren zu können. Das kann ich nachvollziehen.

    Ich kann das gar nicht nachvollziehen. Also ich für mich. Ich würde mich extrem unwohl fühlen, würde mich Jemand mit Kontrollanrufen überwachen….um mich zu kontrollieren und um seine Ängste in den Griff zu bekommen.

    Ich weiß, dass ich schuld an seinen Ängsten bin aber er muss wege für sich finden, ich welche für mich und wir welche als paar.

    Das bist du nicht. Du bist nicht Schuld an seinen Ängsten. Es sind seine Ängste. Damit muss er umgehen (lernen) ….unabhängig davon, was du machst.

    Ich finde es gut, dass ihr unabhängig voneinander an den eigenen Sachen arbeiten wollt.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Natürlich fühle ich mich unwohl damit, das ändert aber nichts daran, dass ich verstehe woher dieses -sein Bedürfnis herkommt. Das das so nicht bleiben kann, darüber wurden wir uns gestern in dem Telefonat schon einig. Jetzt heißt es Wege finden. Morgen ist er erstmal wieder zu Hause und dann schaut er, welche Angebote es gibt und was ihn anspricht. Wir sind grade am Anfang dieser riesigen Veränderung und da gehört es vielleicht auch dazu hier und da über das Ziel hinauszuschießen, mal einen falschen Abzweig zu nutzen und das ist für mich okay, solange meine Abstinenz dadurch nicht aufs Spiel gesetzt wird. Das liegt aber in meiner Hand allein. Ich gestehe es ihm zu nicht alles sofort „richtig“ zu machen und solange wir im Gespräch bleiben und einen Konsens finden, ist alles für mich so ok, wie es ist.

  • Aus meiner männlichen Perspektive:

    Unsicherheit aufgrund fehlenden Wissens über die Krankheit verstärkt den Beschützerinstinkt. Es ist ähnlich wie bei einer Schwangerschaft – in einer guten Beziehung fühlen sich oft beide Partner schwanger. Und nun werdet ihr eben beide trocken.

    Ich hatte keinerlei Probleme mit meiner Partnerin, da ich es zu meiner Sache gemacht und es zur "Chefsache" erklärt habe. Ich habe ihr gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen muss, es ist nichts Ansteckendes und es macht nicht handlungsunfähig.

    Sie kann mich zwar gerne unterstützen mit einem alkoholfreien Haushalt, aber alles andere ist meins.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich finde, es läuft doch alles bestens.

    Du hast ihn darauf angesprochen. Er hat diese Emotionen. Wo sie ihren Ursprung genau haben ist irrelevant.

    Ihr habt darüber gesprochen und nun geht er sich Hilfe holen. Was kann man da noch besser machen? Emotionen einfach abstellen geht ja nicht.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Hallo zusammen,
    Ich bin nun einen knappen Monat nüchtern und auch gesundheitlich wieder auf dem Damm. Am Montag gehe ich also wirklich auskuriert wieder zur Arbeit. Heute arbeiten mein Liebster und ich noch ein bisschen im Garten und heute Abend haben wir Besuch zum grillen. Darauf freue ich mich schon. Mittwoch geht’s dann wieder in die Selbsthilfegruppe vor Ort und mein Mann hat auch eine Gruppe für Angehörige gefunden, die er sich kommende Woche ansehen will. Wir haben in den letzten Tagen viel gesprochen, er hat versucht seine Gedanken und Ängste für mich etwas greifbarer zu machen aber wir sind beide zu der Einsicht gekommen, dass wir zwar schnittmengen haben, was die Bewältigung angeht, wir aber auch wenigstens gleichgroße Bereiche haben, wo der andere keinen Einfluss hat. Er kann mich unterstützen, indem er dieses Haus weiter alkoholfrei hält aber er kann mich nicht kontrollieren. Wenn ich saufen wollte, würde ich eine Gelegenheit finden. Die Motivation es nicht zu tun, kann nur aus mir selbst kommen. Rational versteht er das, er braucht aber dafür Unterstützung von „Seinesgleichen“ die kann ich nicht leisten. Wir werden das alles hinbekommen, solange wir jeder unseren Solotanz üben und darüber den Weg zum Paartanz nicht vernachlässigen. Habt alle eine tolles Wochenende

  • Hallo Nova,

    solange wir jeder unseren Solotanz üben und darüber den Weg zum Paartanz nicht vernachlässigen.

    wow , was für ein Satz, der gefällt mir. Beim tanzen kann man sich ja auch mal auf den Füßen stehen, und dann kann jeder seine Schritte überdenken. Dann beginnt der nächste Tanz.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo NovaSol,

    wie geht es Dir? Normalerweise schreibst Du spätestens jeden 3. Tag etwas - alles okay bei Dir?

    Lieben Gruß Martha

    Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten ...

    Trocken seit 2010

  • Seit Montag hat mich das Arbeitsleben wieder und ich übe fleißig weiter Abgrenzung. Ich muss nicht durch jeden Reifen springen, der mir hingehalten wird. Grad ist die Urlaubsplanung an der Reihe und ich weigere mich dieses Mal, die Konflikte bei Überschneidungen zu lösen. Ich begleite sie -falls gewünscht- ich setze mir diesen Affen aber nicht mehr auf die Schulter. Es ist nicht mein urlaubsplan, sondern der meiner Leute und sie dürfen mich gern hinzuziehen, einigen müssen sie sich aber selbst. Tut gut und nimmt mir eine enorme Last. Mein Holder war am Dienstag bei seiner ersten Selbsthilfegruppe. Wir haben miteinander vereinbart, dass wir uns nicht nach Inhalten aus unseren jeweiligen Gruppen ausfragen aber natürlich jeder teilen darf, wenn er möchte und der andere auch bereit dazu ist, die Inhalte anzuhören. Er sagte nun also, dass ihm der Kontakt mit anderen Angehörigen geholfen hat, bestimmte gefangen und Gefühle einzuordnen und das er sich vorstellen kann, sich dieser Gruppe dauerhaft anzuschließen. Ich freue mich für ihn. Ich war gestern in meiner Gruppe und es war diesmal schon deutlich entspannter. Ich habe mich diesmal auch getraut ein bisschen zu erzählen. Mir geht es wirklich wirklich gut und auch mein Liebster scheint ruhiger zu werden. Von einem kurzen Schreckmoment möchte ich euch noch berichten. Wir waren heute bei Freunden eingeladen. Ich habe mir zum essen Wasser einschenken lassen. Als ich kurz auf der Toilette war, wurde mir vom Gastgeber mein Becher aufgefüllt. Er war aber der Meinung ich hätte Apfelsaft gehabt, also goss er diesen ein. Als ich wieder am Tisch saß, nahm ich einen Schluck, erwartete also „wassergeschmack“ und als sich der nicht mit dem deckte, was ich dann wirklich schmeckte, gabs nen synapsenkollaps 😅 Gaumen meldete an Hirn „ist kein Wasser“ Hirn meldete „muss aber!“ Gaumen meldete „ja isses aber nicht“ und ich hab vor Schreck alles wieder zurück in den Becher gespuckt. Nicht ladylike aber ich konnte es absolut nicht verarbeiten, was da los ist. Naja…lieber so, als das ausversehen, etwas im Bauch landet, was da nichts verloren hat.

    Habt einen ruhigen Abend 🤗

  • Holder

    Ich war jetzt etwas verwirrt, weil ich an einen Stakeholder gedacht habe. Aber im Prinzip ist das gar nicht mal so falsch. Er ist ja auch mit betroffen. ^^

    zurück in den Becher gespuckt.

    Das finde ich gut. Vor ein paar Monaten habe ich im Geschäft versehentlich was Süßes, in dem Alkohol war, runtergeschluckt. Keine fünf Minuten später hing ich über der Kloschüssel. Da finde ich gleich wieder ausspucken doch viel eleganter. ;)

    Als ich später daheim war habe ich ein großes Gejammer veranstaltet, dass mir so komisch wäre. Da ich noch mit dem Auto wohin musste, hat mich meine Partnerin gefragt, ob sie fahren soll "wegen Restalkohol". ^^ Das war so lustig, dass es mir schon wieder besser ging.

    Auf alle Fälle ist der Schreck, wenn wirklich was drinnen ist, schon erstmal recht groß (bei mir). Aber jetzt weiß ich wenigstens, dass ich es überlebe.

    Das war der zweite Vorfall. Beim ersten hatte ich es "nur" im Mund. Ausgespuckt, Zähne geputzt, Mundwasser, Bonbon gelutscht. Das Forum hier voll gejammert. Die Kombi hat ganz gut geholfen.

    Einfacher ist es auf alle Fälle, immer achtsam zu sein.

    ich setze mir diesen Affen aber nicht mehr auf die Schulter.

    Ja, seit ich (mir) nicht mehr beweisen muss, wie gut ich funktioniere, mache ich auch einige Dinge weniger, auf die ich keine Lust habe. Das ist eine gute Veränderung.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Eine ähnliche Situation hatte ich letztes auch. Ich war mit Kollegen beim Business Lunch, bin kurz auf die Toilette, kam wieder und hatte ein volles Weinglas an meinem Platz stehen. Eigentlich ist allen erst da so richtig aufgefallen, dass ich den nicht (mehr) trinke und plötzlich waren alle etwas peinlich berührt. Naja, ist nicht zu ändern.

  • Das nächste nüchterne Wochenende ist rum und ich war richtig produktiv. Wir haben eine kleines Gartenhäuschen und ich hab es abgeschliffen und komplett neu gestrichen, nun ist es ein Traum in Eierschale und Salbei 🤗. Sonntag war ich noch auf dem Flohmarkt, bei dem ich neulich so aus der Bahn geflogen bin, dass ich lieber gegangen bin. Diesmal war es kein Problem und ich hab den Bummel sehr genossen. Gestern wurden wir noch zu einer Halloweenparty eingeladen. Ich würde da wirklich gern hingehen. Die Gastgeber werden dort auch alkoholische Getränke anbieten, aber es ist eine Gruppe, die eher wenig trinkt. Ich habe noch nicht zugesagt, muss da nochmal in mich gehen. Es ist keine Veranstaltung, bei der es vorrangig ums trinken geht, ich bin aber „erst“ knapp 6 Wochen nüchtern. Mein Liebster sagte, wir gehen nur hin, wenn ich mir das zutraue. Na mal schauen, ich habe noch bis Ende der Woche Zeit, um zuzusagen.

    Startet gut in die Woche ihr Lieben

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