Hallo, liebe Leute!
Nachdem ich jetzt drei Wochen nichts geschrieben habe (aber mitgelesen habe ich immer fleißig), ein oder zwei Gedanken, die mich in letzter Zeit etwas "plagen":
Wie ich schon weiter oben geschrieben habe, baue ich nach x Jahren des Gewohnheitstrinkens, welches vor meinem Entschluss, dauerhaft nichts mehr zu konsumieren, zuletzt schon schwer bedenkliche Ausmaße angenommen hat, mein Leben komplett neu auf. bzw. bin ich da mittendrin. Will heißen: Umzug in eine andere Stadt, Aufbau neuer Sozialkontakte, weniger Arbeit (die war der Hauptgrund für die Trinkerei), viel Sport, ehrenamtliches Engagement, Veranstaltungen etc. - also eine bessere work-life-Balance eben. Und natürlich kein Alkohol.
Was mir nun langsam immer mehr auffällt, ist allerdings, dass (nennen wir es mal so:) mein bisheriges "Umfeld" mir teilweise meinen Umstieg bzw. meine neue Lebensweise doch immer wieder "madig" zu machen versucht (sagt man das so?). Es sind zwar oft nur Kleinigkeiten, aber sie fallen auf. Immer mehr. Bei der Arbeit (habe weiterhin dieselbe Stelle) vermeiden manche den Kontakt, Einladungen zu Veranstaltungen werden nicht mehr ausgesprochen, die neue Wohnung passt nicht, meine Freizeitaktivitäten werden kritisiert (zu viel, zu anstrengend, "du mutest dir zu viel zu", "geh' es lockerer an", "früher hast du dich nicht so herausgenommen" [gemeint: Feiern und so], etc.). Irgendwie wird mir hier der Boden unter den Füßen weggezogen. Bzw. kommt es mir vor, als möchten mich manche geradezu sabotieren.
Ja klar, zur nassen Zeit war der Umgang mit mir bzw. mein Umgang mit anderen anders - "einfacher", lockerer, vorhersehbarer für so manchen - zum damaligen Zeitpunkt betrachtet. Heute rückblickend natürlich war es ein unverantwortlicher Zustand, der da herrschte. Unverantwortlich meinen Mitmenschen (die haben teils genug mitgemacht) und auch mir selbst gegenüber. Über so viele Jahre. Und das soll es in Zukunft nicht mehr geben.
Wie auch andere in Bezug auf ihre Lebensgeschichte schreiben, ist meine derzeitige Situation nichts Außergewöhnliches - das alte Umfeld passt eben nicht mehr in die trockene Zeit und es ist freilich am besten, neue Pfade zu beschreiten und die alten ungesunden Beziehungen zu beenden und Gewohnheiten zu lassen.
Dass dies aber so hart ist, hätte ich mir nicht gedacht. Vor allem, wenn sich langjährige "Freunde", die man seit dem Kindergarten kennt, von einem abwenden. Wobei: Freunde waren es dann wohl doch nicht...
Andererseits: Zumindest sehe ich jetzt, dass ich vieles in der Vergangenheit vollkommen falsch eingeschätzt habe. Also heißt es, wieder einmal von vorne anzufangen (ist nicht das erste Mal - aber in Bezug auf die Abstinenz schon). Habe mir jetzt einmal das Ziel gesetzt, mich bis spätestens nach dem Sommer komplett neu aufzustellen, die Vergangenheit in eine Kiste zu packen und diese irgendwo zu vergraben. Ich hoffe, das klappt.
Wie unlängst meine Psychotherapeutin meinte: "Gehen Sie noch mehr raus!", da dachte ich mir schon: Ja, das sagt sich so leicht. Aber ein einsturzgefährdetes Haus setzt man man auch nicht von heute auf morgen wieder in Stand.
Es wird also wohl noch ein langer Weg...
Da nun auch der Regen schön langsam aufhört, geht es jetzt noch zum Sport und dann in ein hoffentlich ruhiges Wochenende.
Liebe Grüße, Euer Stef.