Erwartungshaltung beim Trockenwerden

  • Immer wieder mal ein Thema hier.

    Am Anfang steht die Sucht. Und irgendwann kommt der Moment: Ich will da raus. Wie man dahin kommt, ist unterschiedlich , ob durch einen Tiefpunkt, eine Laune oder einfach, weil klar wird: Wenn ich so weitermache, verrecke ich.

    Dann kommt der Stopp. Entgiftung. Und das trockene Leben beginnt. Erst Euphorie, alles neu, alles besser. Aber dann knallt die Erwartungshaltung gegen die Realität .„Jetzt müsste doch was passieren!“ Nur kommt da nichts Magisches. Da ist plötzlich Alltag. Da ist nüchtern.

    Und das ist oft genauso trist wie vorher fühlt sich so an nur ohne Pegel. Genau da meldet sich die Sucht zurück: „War doch früher auch nicht besse .“ Sie bietet sich wieder an. Für mich war Trockenwerden kein Upgrade. Es war eine Notwendigkeit. Ein Überlebensmodus.

    Und auch die Erwartungshaltung der Co-Fraktion der Familie, Kinder, Partner ist oft überhöht. Wenn der Partner endlich aufhört zu saufen, wird alles besser.


    wie habt ihr das erlebt ?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Erst Euphorie, alles neu, alles besser. Aber dann knallt die Erwartungshaltung gegen die Realität .„Jetzt müsste doch was passieren!“ Nur kommt da nichts Magisches. Da ist plötzlich Alltag

    Genau so geht es mir gerade. Für mich ist klar, Alkohol ist aus meinem Leben gestrichen aber auf der Suche nach Ausgleich bin ich doch irgendwie (Bewegung, Hobbies, Unternehmungen) Mich würde wirklich interessieren ob sich das irgendwann legt und man den Alltag einfach so nimmt wie er ist. Nicht mehr auf der Suche nach dem "Glücksgefühl" ist.

  • Immer wieder mal ein Thema hier.

    Am Anfang steht die Sucht. Und irgendwann kommt der Moment: Ich will da raus. Wie man dahin kommt, ist unterschiedlich , ob durch einen Tiefpunkt, eine Laune oder einfach, weil klar wird: Wenn ich so weitermache, verrecke ich.

    Dann kommt der Stopp. Entgiftung. Und das trockene Leben beginnt. Erst Euphorie, alles neu, alles besser. Aber dann knallt die Erwartungshaltung gegen die Realität .„Jetzt müsste doch was passieren!“ Nur kommt da nichts Magisches. Da ist plötzlich Alltag. Da ist nüchtern.


    wie habt ihr das erlebt ?

    Meine Antwort besteht eigentlich nur aus zwei Wörtern: genau so

    Um noch etwas auszuholen: Ich beherzige den Tipp "Meide Dein nasses Umfeld", aber da ich mir die letzten fast 25 Jahre halt ausschließlich ein nasses Umfeld geschaffen habe, habe ich jetzt halt gar keins mehr.

    Und jetzt ist da zugegeben schon sehr viel Langeweile. Ich kann mit meinen Hobbys Sport und Lesen schon 4- 5 Stunden am Samstag füllen, aber halt keine 10 - 12 wie früher beim Saufen. Der Rest ist dann eher Tristesse. Aber die Alternativen wären die berühmten 3 K's (Knast, Klapse oder Kiste) und sind somit keine wirklichen Alternativen.

    Hoffe hier tatsächlich noch auf Besserung bzw. Veränderung und bleibe geduldig.

    VG Soapstar

  • habe ich jetzt halt gar keins mehr.

    Bist Du in einem Verein? Da findet sich schnell Anschluss. Ich hatte auch nasses Umfeld. Aber ein, zwei Leute waren/sind keine Alkoholiker. Vielleicht kannst Du da Kontakt aufnehmen.

    Nicht mehr auf der Suche nach dem "Glücksgefühl" ist.

    Das war nur ganz am Anfang. Das Suchthirn hat mir das Gefühl gegeben, dass ich mich mit Alkohol belohnen muss.

    Jetzt lebe ich einfach (meistens) zufrieden. Das ist Belohnung genug.

    Mir selbst ist damals aufgefallen, dass mir, nach ca. 4 Monaten, die Rosa Brille von der Nase fiel. Das habe ich hier auch geschrieben.

    Ich bin nicht mehr morgens aufgewacht und habe mich gefreut, dass meine Birne nicht dick ist. Es wurde zur Normalität. Aber dennoch bin ich natürlich sehr froh, dass es so ist. Es ist eben nichts Besonderes mehr.

    Normalerweise bin ich der ganz große Planer. Aber hier habe ich es einfach laufen lassen. Risikominimierung und einfach leben. Die Zeit hat für mich gearbeitet. Das meiste hat sich von selbst gefunden.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Bist Du in einem Verein?

    Hallo Alex,

    bin ich, aber genau den meide ich aktuell, da er das nasseste Umfeld überhaupt ist. Dorffußballverein in der Kreisliga, dort steht Bierkonsum über allem und da gibt es auch keine Nichttrinker.

    Im Gegenteil, dort muss man sich fürs Nichttrinken rechtfertigen und dieses ständige "warum und wieso und trink halt eins mit" würde ich dort wahrscheinlich nicht lange aushalten. Weder nervlich noch von der Abstinenz her.

    Ich engagiere mich gerade etwas in meiner realen SHG und überlege, wie das vielleicht noch etwas ausbauen könnte, ohne gleich zu übertreiben.

    VG Soapstar

  • Dann kommt der Stopp. Entgiftung. Und das trockene Leben beginnt. Erst Euphorie, alles neu, alles besser. Aber dann knallt die Erwartungshaltung gegen die Realität .„Jetzt müsste doch was passieren!“ Nur kommt da nichts Magisches. Da ist plötzlich Alltag. Da ist nüchtern.

    Und das ist oft genauso trist wie vorher fühlt sich so an nur ohne Pegel. Genau da meldet sich die Sucht zurück: „War doch früher auch nicht besse .“ Sie bietet sich wieder an.

    Ich finde es richtig und wichtig, dass Du so nachdrücklich auf diese Gefahr hinweist, Hartmut. Ich beobachte das (seit gerade mal gut zwei Jahren Forenzugehörigkeit) auch bei manchen Neulingen.

    Generell ist so eine Erwartungshaltung (an andere, das Leben, das Schicksal, die Sterne etc...) problematisch und führt schnell zu Enttäuschungen.

    In Bezug auf körperliche Veränderungen (Gewicht, Haut, Blutdruck ...) hat allein das Nüchternwerden tatsächlich schon "Wunder" bei mir bewirkt und mich natürlich sehr gefreut. Diese Entwicklung wäre nass nicht möglich gewesen wg. Giftzufuhr.

    Die inneren Veränderungen sind zum Teil auch erst mit klarem Kopf möglich, aber eben nicht automatisch garantiert, dafür muss ich was tun.

    Aber wenn ich nicht irgendwann in der nassen Zeit für mich begriffen hätte:

    "Wenn sich was ändern soll, muss ICH aktiv werden, Schritt für Schritt",

    hätte ich gar nicht nüchtern und nach und nach trocken werden können.

    Dass ich das mit dieser Einstellung relativ einfach schaffen konnte, macht mir Mut für weitere Veränderungen nach dem Motto

    "Problem erkennen, benennen und schrittweise angehen". (Stichwort Selbstwirksamkeit).

    Und das fühlt sich gut an und geht nur mit klarem Kopf.

    Da ist die Anfangseuphorie bei mir bald einer stillen Zufriedenheit und größeren Selbstsicherheit gewichen, auch wenn manches immer noch nicht "rund" lauft bei mir.

    Aber ich bleib dran, so wie hier, und hier in diesem Forum lerne ich mich auch noch mal ganz anders kennen, auch das verdanke ich meinem Trockenwerden.

  • Immer wieder mal ein Thema hier.

    Am Anfang steht die Sucht. Und irgendwann kommt der Moment: Ich will da raus. Wie man dahin kommt, ist unterschiedlich , ob durch einen Tiefpunkt, eine Laune oder einfach, weil klar wird: Wenn ich so weitermache, verrecke ich.

    bei mir war es die erkenntnis das ich verrecken werde, wenn ich so weiter mache....

    Dann kommt der Stopp. Entgiftung. Und das trockene Leben beginnt. Erst Euphorie, alles neu, alles besser. Aber dann knallt die Erwartungshaltung gegen die Realität .„Jetzt müsste doch was passieren!“ Nur kommt da nichts Magisches. Da ist plötzlich Alltag. Da ist nüchtern.

    Und das ist oft genauso trist wie vorher fühlt sich so an nur ohne Pegel. Genau da meldet sich die Sucht zurück: „War doch früher auch nicht besse .“ Sie bietet sich wieder an. Für mich war Trockenwerden kein Upgrade. Es war eine Notwendigkeit. Ein Überlebensmodus.

    ja genau so...das ganze hielt so an die 2-3 jahre an, bis es klick gemacht hat.

    1. was mir immer wieder auffällt, gerade bei frischlingen (nicht böse gemeint), man bindet seine "trockenheit" an etwas. ob partner, familie, job etc. ...völlig falsch. was mir als erstes beigebracht wurde in der LZ war, dass ihr es "ausschliesslich" für euch selber macht:idea: das ist kein egoismus! um es mal mathematisch zu beschreiben, ihr seit die einzigste konstante:idea: in dieser rechnung. alles andere sind variablen. sprich partner sind austauschbar, kinder sind irgentwann aus dem haus, jobs sind kündbar (ob man will oder nicht), freunschaften sind austauschbar, auch ein wohnort kann man wechseln. man hat es also in der hand entscheidung zu treffen und mit ihnen zu leben. so wie es milliarden anderer menschen jeden tag tun, die kugel dreht sich weiter;)

    2. auch so eine sache, nun sind wochen und monate rum...was hat sich für mich geändert? wie geh ich damit um? es gibt gerade 2-3 themenbereiche wo es sich darum dreht. meines erachtens ist das noch "nasses" denken. man wägt ab was man gewonnen und was man verloren hat und eigentlich hat sich ja nichts geändert:/ doch hat es! ihr habt schon ein geschenk erhalten. eines was ihr euch selbst hart erarbeitet habt. ihr habt "zeit" geschenkt bekommen, die ihr jetzt frei zu verfügung habt! ihr seit nicht gebunden an eine substanz die euch zerstört, die ander zerstört und euch das letzte bischen leben aussaugt. "carpet diem" nutze den tag und das geschenk das ihr euch selber gemacht habt. es ist immer die crux, dass wir den guten zeiten so wenig aufmerksamkeit schenken, sich bewusst zu sein das es einem jetzt und hier einfach nur gut geht... nutzt die zeit mit euren liebsten unternehmt etwas, was auch immer euch gut tut;)

    Und auch die Erwartungshaltung der Co-Fraktion der Familie, Kinder, Partner ist oft überhöht. Wenn der Partner endlich aufhört zu saufen, wird alles besser.

    wie habt ihr das erlebt ?

    hier müsste ich fasst meine ex-frau zu wort kommen lassen...die beste entscheidung die sie je getroffen hat war mich rauszuschmeissen:idea: sonst hätte ich es nie begriffen! zu erwartungshaltung von co, familie etc. möchte ich nur soviel sagen(es steht mir sonst nicht zu) dass ich jeden tag den ich abstinenz lebe und das seit über 16 jahren der beweis ist das sich menschen ändern können und es schaffen über ihren schatten zu springen..."good speed"

    gruss eternal

  • Am Anfang steht die Sucht. Und irgendwann kommt der Moment: Ich will da raus. Wie man dahin kommt, ist unterschiedlich , ob durch einen Tiefpunkt, eine Laune oder einfach, weil klar wird: Wenn ich so weitermache, verrecke ich

    Bei mir war es „ich will da raus“, konnte mich selbst nicht mehr ertragen und wusste, wenn ich jetzt nicht daraus komme, war es das.

    Dann kommt der Stopp. Entgiftung. Und das trockene Leben beginnt. Erst Euphorie, alles neu, alles besser. Aber dann knallt die Erwartungshaltung gegen die Realität .„Jetzt müsste doch was passieren!“ Nur kommt da nichts Magisches. Da ist plötzlich Alltag. Da ist nüchtern

    Da kann ich mich - obwohl das schon 13 Jahre her ist - noch gut erinnern. Diese Euphorie, das Überschwängliche,.. Und dann war sie plötzlich weg. Da dachte ich zuerst „Und was jetzt?“, „Was kommt da noch, oder war das alles?“

    War irgendwie sehr ernüchternd. Da war ich teilweise auch irgendwie etwas enttäuscht. Hatte wohl auch gedacht oder gehofft, dass da irgendwas Besonderes in meinem Leben kommen muss. Kam aber nicht. Sondern es kam der Alltag, der irgendwie halt auch nur Alltag war. Die wieder aufgelebten Hobbys oder Interessen waren auch nur vorübergehend interessant.

    Genau da meldet sich die Sucht zurück: „War doch früher auch nicht besse .“ Sie bietet sich wieder an

    Das blieb bei mir im Großen und Ganzen zum Glück aus. Durch das Lesen hier habe ich erfahren, dass bei vielen der länger Trockenen auch „einfach nur“ der Alltag kam. Aber viel wichtiger: mit dem (nüchternen!) Alltag kam dann auch eine Zufriedenheit, die es eben vorher nicht gab.

    Gar nix Spektakuläres, aber genau darum geht es meiner Meinung auch: nicht die „Jagd“ nach dem Außergewöhnlichen, sondern das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen zu entdecken und wahrzunehmen.

    Das ist mir dann auch sehr schnell gelungen.

    Und jetzt, 13 Jahre später, kann ich rückblickend sagen: irgendwie hat sich doch einfach Alles geändert. Still und leise. Mein Leben ist ein völlig anderes (passenden „“Topfdeckel“ gefunden 😍, neuer Job, neuer Wohnort).

    Ich kann allen „Neulingen“ nur wünschen, keine Erwartungshaltung zu haben 😉

    Sich einfach auf die Trockenheit zu konzentrieren und ihr die oberste Priorität einzuräumen.

    You will bloom if you take the time to water yourself 🌷

  • Dann kommt der Stopp. Entgiftung. Und das trockene Leben beginnt. Erst Euphorie, alles neu, alles besser. Aber dann knallt die Erwartungshaltung gegen die Realität .„Jetzt müsste doch was passieren!“ Nur kommt da nichts Magisches.

    Es beruhigt mich, daß der Weg zum Anfang der Abstinenz bei den meisten ähnlich ist. Mein Euphorielevel war ziemlich hoch, als ich hier im Forum ankam. Selbstbewustes Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit!! ;):) Zum Glück habe ich hier im Forum gleich die richtigen Informationen bekommen und die Euphorie ist nun seit geraumer Zeit,der Normalität gewichen.Das ist für mich aber auch vollkommen in Ordnung. Ich habe keine Heldentat vollbracht. Ich bin einfach für mich nüchtern geworden.Die Trockenheit ist auch kein Selbstläufer! Ich muss mich darum kümmern.

    Mach ich gerade, indem ich meine Gedanken hier aufschreibe.Vielleicht war es tatsächlich wichtig, wenn ich ernsthaft aus dem Suchtkarussel aussteigen will, gleich die richtigen Informationen zu bekommen und sie natürlich auch annehme. Ich denke nach wie vor mit einem schalen Beigeschmack an mein nasses Leben. Das will ich nicht mehr. Ich vermisse nichts. Die zusätzlich gewonnene Zeit, kann ich gut mit sinnvolleren Sachen füllen.

  • Das ist der springende Punkt.

    Ja, wenn sie denn auch kommt, die Zufriedenheit...

    Ich selbst habe mit der Trinkerei aufgehört, weil ich irgendwann - naja sagen wir es mal so: da gab es ein Jahr, da gingen viele kleinere oder auch größere Dinge ziemlich schief - realisierte, dass ich sprichwörtlich den "Karren an die Wand fahre", wenn ich so weitermache bzw. weiterlebe wie bisher.

    Die Umstellung auf "Kein Alkohol mehr!" war an sich nicht wirklich schwer, es war ja auch genug Motivation da. Und die Veränderungen (Gesundheit, Aktivitäten, Arbeit, Umfeld) stellten sich ja auch recht rasch ein. Mein Leben war (und ist auch heute noch) ganz anders als die letzten 25 oder vielleicht auch 30 Jahre... Klar: Besser! Aber auch anders und nicht immer ganz so, wie es sein sollte.

    Die Sache mit der "Zufriedenheit", das ist für mich so ein Ding. Mir gefällt es, ein trockenes Leben zu führen, das ich so eigentlich nicht kannte. Im Grunde fing das nasse Leben bei mir Anfang zwanzig an. Wirklich "zufrieden" (im Gesamten) bin ich aber nicht, weil ich tagtäglich sehe, wie sich andere aus meinem Umfeld die letzten 20, 30 Jahre entwickelt haben, was sie sich geschaffen haben, kurz: wie sie leben. Da denke ich mir, schade, dass ich vieles davon nie gehabt habe, vielleicht auch nicht haben werde.

    Gut, vieles bei anderen ist auch mehr Schein als Sein und wer weiß, welche Probleme es in meinem Umfeld gibt (von ein paar "hässlichen" weiß ich auch).

    Vor allem aber nun (hier und heute) - und da möchte ich Soapstar recht geben - wenn die Erkenntnis kommt, dass trotz vieler Trinkpausen (bei mir) mein Umfeld eigentlich immer "nass" war und ich mich so weit es geht von diesem fernhalte, dann finde ich es im Grunde eher traurig, dass es soweit kommen musste. Nun gilt es, das Leben auf komplett neue Beine zu stellen. O.k., an meiner Situation bin ich selber schuld [wobei: Ich glaube, diesbezüglich werde ich mal was in meinem Faden schreiben, weil ich die Sache mit der "mea culpa" doch etwas differenzierter sehe.] Aber Wunsch und Wirklichkeit sind eben auch nicht dasselbe.

    Was heißt das für mich? Ich finde es gut, richtig und wichtig, mit der Trinkerei aufgehört zu haben. Die Abstinenz war (ist) alternativlos. Ja, ich bin auch "zufrieden" damit, dass ich keinen Alkohol mehr trinke und dass ich vieles machen kann, was früher nicht mehr möglich war. Bloß mit der Gesamtsituation kann ich (für mich) - zumindest derzeit - nicht zufrieden sein, weil sich insgesamt so furchtbar viel geändert hat, dass es noch sehr lange dauern wird, bis ich das alles wieder auf die Reihe bekomme.

    In der Abstinenz wurde mir diese Situation erst klar...

    LG

    Stef.

    Einmal editiert, zuletzt von stef2303 (12. Oktober 2025 um 18:51)

  • Für mich ist eine zufriedene Abstinenz eine notwendige aber nicht hinreichende Bedingung für ein zufriedenes Leben.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Aber dann knallt die Erwartungshaltung gegen die Realität .„Jetzt müsste doch was passieren!“ Nur kommt da nichts Magisches. Da ist plötzlich Alltag. Da ist nüchtern.

    Damit hatte ich mich erst später auseinandergesetzt, glaube da war ich schon hier im Forum. Vorher, die ersten Monate, war ich erstmal mit der Verbesserung meiner Gesundheit beschäftigt.

    Ich will da raus.

    Ich klar und ehrlich sagen, dass ich definitiv aus gesundheitlichen Gründen aufgehört habe. Ich war beim Arzt und war vom Ergebnis wach gerüttelt. Aber ich habe irgendwie ne zeitlang vorher auch schon gewusst, dass ich nicht mehr so weiter saufen kann. Der ausschlaggebende Punkt war aber wie gesagt die Untersuchungsergebnisse beim Arzt. Die haben mir die Augen geöffnet.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Die Euphorie und den anschließenden Abfall selbiger habe ich auch so wahrgenommen. Aber im Rückblick habe ich wohl immer zum richtigen Zeitpunkt mehr "Kohlen" in den Kessel gehauen sprich mit immer weiter neue Hobbys gesucht oder alte reaktiviert.

    Der Kontrast zwischen meinem abstinente Leben jetzt und der nassen Zeit ist einfach zu drastisch als dass es sich für mich (zumindest aktuell noch nicht) wie Alltag anfühlt. 28 Kilo abgenommen, wieder viel mehr Sport, neue Hobbys, aufgehört zu rauchen, Freundeskreis gewechselt (wo notwendig), Ernährung komplett geändert, keine Depressionen mehr seit ich aufgehört habe zu saufen. An manchen Tagen fühlt es sich an, als wäre die nasse Zeit Bestandteil des Lebens einer anderen Person gewesen...

    Ich genieße jeden Tag meiner Abstinenz und lasse mir das von meinem Suchtgedächtnis nicht mehr nehmen. Insofern hat sich für mich das Gefühl von Normalität noch nicht eingestellt, mein Leben wieder selbstbestimmt gestalten zu können ist für mich immer noch etwas Besonderes.

  • man bindet seine "trockenheit" an etwas. ob partner, familie, job etc. ...völlig falsch. was mir als erstes beigebracht wurde in der LZ war, dass ihr es "ausschliesslich" für euch selber macht :idea:

    Guten Morgen Eternal/Forum, also so einfach wie du das siehst ist es nicht. Jobwechsel, Familie, Kinder. Das ist nicht einfach so austauschbar. Die Abstinenz steht klar vorne aber nicht an erster Stelle, da steht meine Familie. Wenn ich trinke geht es mir und meiner Familie nicht gut von da her ist trinken nicht gut.

    Wenn man seine Abstinenz über alles andere stellt führt der Weg unweigerlich wieder zur Flasche mMn...glücklich sein sieht für mich anderst aus.

    Um abstinent zu werden muss man natürlich eisern sein da ist es natürlich eine Notwendigkeit sich zu schützen und alle Eventualitäten auszuschließen die wieder zur Flasche führen. Um trocken zu bleiben muss man aber glücklich sein, sonst wird das nichts oder man bleibt halt sein Leben lang ein Gefangener des Alkohols, denn eigentlich würde man ja gerne wieder trinken darf aber nicht.

    Um sich nicht in die Hose zu machen ist es eine Notwendigkeit aufs Klo zu gehen aber das muss ich ja auch wollen, man muss aufstehen und loslaufen wo wir wieder beim "Willen" wären. Mein Wille ist für mich mein Bewusstsein also ICH warum man sich hier so schwer tut und die Worte auf die Goldwaage legt ist mir ein Rätsel.

  • Wenn man seine Abstinenz über alles andere stellt führt der Weg unweigerlich wieder zur Flasche

    Das ist ja eine steile These.

    Für mich steht das Trockenbleiben an erster Stelle, aber davon profitiert ja gleichzeitig mein Kind. Wenn ich die Trockenheit nicht an die erste Stelle setze, heißt das, dass ich - vermeintlich für meine Familie - Abstriche bei meiner Abstinenzsicherung mache und vermeidbare Risiken eingehe. Das kann für mich nicht der Weg sein.

    Du schreibst viel von „man“ - und dass „man muss“ - das lege ich jetzt mal auf die Goldwaage und frage dich, ob das Erfahrungen sind, die du ganz persönlich gemacht hast, und Erkenntnisse, die du für dich persönlich gewonnen hast.

    —-
    Aber das Thema hier beschäftigt sich ja mit „Erwartungen an die Trockenheit“, und da habe ich mich bisher nicht beteiligt, weil ich mich nicht mehr so richtig erinnere, wie es am Anfang für mich war, außer, dass ich wusste, dass ich trocken werden musste, um weiterzuleben. Das war eine Notwendigkeit, daher mein inneres „Musste“. Und daraus folgend meine Erwartung, dass „es“ (das Leben) dadurch wieder lebbar werde.

  • Für mich steht das Trockenbleiben an erster Stelle, aber davon profitiert ja gleichzeitig mein Kind.

    Tja Thalia, es ist meine Meinung und so sieht das bei mir aus, führt aber letztlich zum selben Ziel. Meine Familie ist mir wichtiger und ich bin mir auch sehr wichtig und das steht nun mal an erster Stelle. Jeder kann es ja so machen wie er will.

    Am Anfang war natürlich die Abstinenz das wichtigste inzwischen sehe ich das anderst, 1. Familie 2. Abstinenz alles andere führt jedenfalls bei mir, nicht zum Erfolg und ehrlich gesagt will ich auch kein Sklave meiner Abstinenz sein so wie ich Sklave des Alkohols war. Nein ich bin jetzt frei! Zwar Alkoholiker aber halt frei.

    Ich gehe auch nicht lax damit um, ich bin vorsichtig und pass auf mich auf, inzwischen halt nur ohne Brechstange oder Faust in der Tasche und genauso kommt es mir vor was ich manchmal lese aber das muss ja jeder selber wissen.

    Ihr wisst das ich mich manchmal kompliziert und falsch ausdrücke, ich hoffe ihr versteht wie ich das meine.

  • Meine Erwartungshaltung zielt darauf ab, weitere gesundheitliche Vorteile zu verspüren. Langweilig war und wird es mir nicht. Ich hatte auch trinkend ein riesiges Aufgabenfeld. Nur habe ich alles nicht mit Leidenschaft erfüllt. Ich verspürte auch keinen Frieden mehr in meinem Alltag. Der Alkohol hat mich in sämtlichen Lebensbereichen nur ausgebremst und gleichzeitig gehetzt. Und meine Gesundheit ging wirklich den Bach runter.

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • denn eigentlich würde man ja gerne wieder trinken darf aber nicht.

    Moin Arno, ich würde nicht gerne wieder trinken.Jedenfalls bis jetzt nicht. Ich kann natürlich nicht in die Zukunft schauen. Ich weiß auch nicht was passiert, wenn irgendwelche Schicksalsschläge eintreten.Bin ich glücklich ? Ich bin zufrieden abstinent (tatsächlich und das nach erst 11 Monaten Abstinenz).Ich kann nur hoffen, das es so bleibt, und das ist mehr als ich erwartet habe.

    Die andere Sache, wegen dem Willen scheint dich sehr zu beschäftigen!? Das nimmst du glaube ich, viel zu persönlich. Ging mir zu Anfang auch so. Allerdings habe ich hier auch gelernt ruhig zu bleiben und vor allen Dingen nichts gleich persönlich zu nehmen. Außer,wenn ich unfair angegriffen würde. Das ist aber noch nicht passiert. Streitkultur ist oftmals garnicht so einfach.

    Manche Diskussionen drehen sich wirklich im Kreis und es wird diskutiert,weil jeder meint, Recht zu haben.Das ist ein Machtkampf, wie es auch oft in Partnerschaften vorkommt Da wird dann um Kleinigkeiten gestritten und das Thema zerredet und verdreht, um doch irgendwie recht zu haben. Vergebene Liebesmüh, oft spielen da auch Missverständnisse mit! .Durchatmen, bis !0 zählen und nicht gleich zurückschießen.

    Also lass dir nicht die Stmmung verderben. Ich wünsche dir einen schönen nüchternen Sonntag. LG Bono1

    2 Mal editiert, zuletzt von Bono59 (9. November 2025 um 10:49)

  • Die Frage war immer: Wer ist man?
    Klar, ich sag manchmal „man macht das so“ aber nicht bei der Sucht. Die ist persönlich. Die gehört nur mir.
    Wenn ich „man“ sage, dann such ich unbewusst nach Absolution. Ich hol mir andere mit ins Boot, damit ich mich nicht so allein fühle. Aber bei der Sucht bin ich allein. Ich bleibe trocken nur für mich. Alles andere ordnet sich dieser Entscheidung unter.


    Priorität 1 ist Trocknen bleiben " Wer das nicht versteht, nimmt mich nicht ernst. Oder hat kein echtes Interesse daran, wie es mir wirklich geht. Ich stehe und falle mit mir und meiner Nüchternheit. Trockene Alkoholiker, die in der Familie/ Bekannte/ Freunde Zugeständnisse machen und dafür ihre Abstinenz aufs Spiel setzen, tun das entweder, weil sie nichts von Sucht verstehen – oder weil es ihnen egal ist, ob sie rückfällig werden.
    Meistens steckt ein schlechtes Gewissen dahinter. Weil durchs Saufen viel kaputtgemacht wurde . Aber das gehörte eben zum nassen Leben. Und nicht zum Trockenen Leben, meine rjetzigen Abstinenz. Ich stehe dazu, was ich kaputtgemacht habe. Aber ich laufe heute nicht gebückt rum.

    Die Schäden, die andere durch mein Trinken und Suchtverhalten erlitten haben, sind zwar auf mein Verhalten zurückzuführen, aber wenn sie über Jahre hinweg toleriert wurden, liegt die Verantwortung nicht allein bei mir. Wer sich nie aus der Schusslinie gebracht hat, sollte sich vielleicht mal fragen, warum das so ist. Und jetzt soll ich Wiedergutmachung leisten auf Kosten meiner Abstinenz? Rücksicht nehmen darauf, dass der eine oder andere mit seinem Verhalten meine Abstinenz gefährdet? In meiner Gegenwart keine Rücksicht auf meine Risikominimierung nimmt? "Nöö";)

    Zerbrochene Scherben aus dem nassen Leben müssen woanders geklärt werden. Wenn es bei manchen nicht mehr klappt, weil zu viel zerbrochen ist dann ist das so. Das gilt es zu akzeptieren. Das ist der Preis, den ich durch mein Saufen zahlen muss, egal ob vor meiner Sucht oder mit meiner Sucht, was keinen Unterschied macht. Aber ich zahle diesen Preis nicht mit meiner Abstinenz. Die bleibt bestehen.

    Gruß Hartmut

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