Selbst wenn ich mich penibel an die Grundbausteine halte ist es schon schwer genug. Unvorhersehbare Situationen, einkaufen, Alkohol verherrlichendes Gelaber von den` normalen` Leuten, Werbung, u.v.m. Mein Suchthirn springt schnell an bei solchen Situationen. Von daher halte ich mich dran, warum noch schwerer machen.
xx Jahre trocken.
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Und irgendwann läuft das an dir vorbei wie der Wetterbericht
Triggern bedeutet ja etwas aktivieren oder auslösen.Das wird immer weniger und leiser im laufe der Zeit (Jahre)
Weiter so
LG Bolle
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Was bedeutet denn "weitgehend" bei einer Regel? Entweder ich halte sie ein oder ich halte sie nicht ein.
Jetzt wird Hartmut aber pingelig / kleinkariert, es ist doch lobenswert wenn jemand schreibt, dass er weitgehend die Grundbausteine einhält.
... war mein erster Gedanke und wollte schon "los poltern"
Ich hab noch mal eine Nacht über Hartmuts Aussage geschlafen und dabei kamen mir folgende Gedanken:
Bin ich meiner Frau überwiegend treu? Bin ich an der Supermarkt Kasse überwiegend ehrlich? Halte ich mich überwiegend an die Gesetze? Bin ich überwiegend abstinent ?
Überwiegend ist bedeutungslos, entweder ich bin treu oder eben nicht... halte mich an die Gesetze oder eben nicht. Entweder ich saufe oder eben nicht.
Von daher vielen Dank an Hartmut für deine Einfassungen, auch wenn ich manchmal bei dir ums Eck denken muss.
LG Stevi
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war mein erster Gedanke und wollte schon "los poltern"
Moin Stevi,
siehste, manchmal lohnt es sich eben doch, bei meinem kleinkarierten Geschreibsel einmal ums Eck zu denken.
Deine Beispiele treffen ziemlich genau das, was ich mit „weitgehend“ gemeint habe.Für mich kommt bei der Sucht aber noch etwas Entscheidendes dazu.
Ob ich an der Supermarktkasse mal einen Fehler mache oder mich im normalen Leben nicht immer an jede selbst gesetzte Regel halte, ist das eine.
Meine Abstinenz ist etwas anderes. Da geht es für mich um eine Sucht, die mich im schlimmsten Fall das Leben kosten kann. Wer einen Grundbaustein anders handhaben möchte, kann das tun. Dann geht er an dieser Stelle eben einen anderen Weg.
Für mich war nur klar: Ich kam nach einem fast tödlichen Rückfall wieder in die Spur. Danach hatte ich wenig Interesse daran, mir bei meiner Sucht irgendwelche Hintertüren offenzuhalten. Wenn ich diesen Weg gehe, dann gehe ich ihn ohne Kompromisse. Denn aus „weitgehend“ wird schnell „ausnahmsweise“. Und aus „ausnahmsweise“ kann bei einer Sucht verdammt schnell wieder etwas werden, das mit einer Ausnahme nicht mehr viel zu tun hat.

Genau diese Verhandlungen wollte ich mit meiner Sucht nicht mehr führen.
Aber keine Sorge. Du darfst beim nächsten Mal ruhig gleich lospoltern. Ich habe schon Schlimmeres erlebt. Ich war verheiratet.
Also: Ich bin "weitgehend" belastbar. 
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Weiter im Text.
Was mir am Anfang ebenfalls im Weg stand, war mein eigenes Denken. Zum Glück eigentlich nur in den ersten zwei, drei Monaten.

Schaffe ich das? Das wird ein langer Weg. Das wird schwer. Alles in meinem Tempo. Ich brauche Zeit. Und was einem sonst noch so alles einfällt, wenn man gedanklich schon die nächsten zwanzig Jahre bewältigen will, obwohl man noch nicht einmal den heutigen Tag hinter sich gebracht hat.
Eine Zeit lang hat mich das tatsächlich beschäftigt.
Dann fragte ich mich irgendwann: Was soll der Mist eigentlich? Woher wusste ich denn, dass es ein langer und schwerer Weg werden würde? Hellsehen konnte ich damals jedenfalls noch nicht. Heute übrigens auch nicht.
Sonst hätte ich vermutlich längst andere Einnahmequellen.

Und dieses „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe“ gefiel mir irgendwann ebenfalls nicht mehr. Denn was sagte ich mir damit eigentlich? Vielleicht schaffe ich es. Vielleicht aber auch nicht. Und falls ich irgendwann wieder saufen würde, hätte ich die passende Erklärung gleich mitgeliefert: Ich habe es eben nicht geschafft. Praktisch.
Die Entschuldigung gleich vorsorglich mitbestellt und dem Suchtgedächtnis damit eine Steilvorlage gegeben. . Nö. Das war mir irgendwann zu nah an einer Hintertür.
Also fing ich an, meine eigenen Einwände auf den Prüfstand zu stellen.
Und selbst wenn ich heute lese: „Jeder geht in seinem Tempo“ oder „Alles braucht seine Zeit“, denke ich manchmal: Ja. Klingt gut. Macht sich bestimmt auch hervorragend auf einem Kalenderblatt. Nur konnte ich bei meiner Sucht damit wenig anfangen.
Die hat schließlich auch nicht gesagt: „Mach langsam, Hartmut. Lass dir ruhig Zeit. Wir schauen in ein paar Jahren noch einmal, wie weit du bist.“ Bei meiner Abstinenz galt für mich deshalb erst einmal nicht irgendwann. Sondern jetzt.
Ich lebe schließlich nicht heute schon die nächsten zwanzig Jahre. Ich lebe heute. Und das gilt nicht nur für meine Sucht, sondern für mein ganzes Leben. Ich weiß nicht, welche Krankheiten noch kommen, welche Aufgaben vor mir liegen, welche Entscheidungen ich treffen muss oder was mir das Leben sonst noch vor die Füße wirft.
Damit beschäftige ich mich, wenn es da ist. Und am besten Trocken .
Warum sollte ausgerechnet meine Abstinenz anders funktionieren?
Also raus mit „Es wird ein langer und schwieriger Weg“. Weiß ich ja nicht. Raus mit „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe“. Muss ich heute auch nicht wissen. Und raus mit all den Erklärungen, warum es vielleicht irgendwann doch nicht funktionieren könnte.
Je mehr ich meine eigenen Einwände auf den Prüfstand stellte, desto weniger blieb davon übrig. Am Ende blieb eigentlich nur eine einzige Aufgabe.
Heute trocken bleiben.
Was morgen ist? Keine Ahnung. Morgen ist morgen. Und wenn es da ist, kümmere ich mich darum. Heute habe ich schließlich schon genug mit heute zu tun.

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Früher, als es noch keine Navis gab, gab es Landkarten. Das hat prima funktioniert. Auf der Landstraße ist man einfach rechts rangefahren und hat mühselig seinen aktuellen Standort analysiert. Als man dann irgendwann wusste, wo man war, konnte man mithilfe der Karte die Richtung einschlagen, in der das Ziel lag.
Problematischer war es auf der Autobahn. Man reduzierte die Geschwindigkeit von 120 auf 90 und versuchte, sich sehr zu konzentrieren, ob die kommende Ausfahrt die richtige war oder nicht. Alle Insassen, Kinder inbegriffen, mussten still sein, damit der Fahrer die richtige Entscheidung treffen konnte. Und es kam, wie es kommen musste: Auf den darauffolgenden Schildern erkannte man schnell, dass man komplett in die falsche Richtung fuhr.
Das ist sehr ärgerlich, aber das Gute daran ist: Nach vielen unnötig gefahrenen Kilometern kann man wenden, zurückfahren und einen erneuten Versuch starten, um sein Ziel zu erreichen.
Ich hatte vor einiger Zeit hier geschrieben, dass ich mir sehr schlimm vorstelle, wie es früher gewesen sein muss, ohne Internet und ohne Forum. Darauf hatte jemand geantwortet: „Ja, man ist einmal falsch abgebogen, und schon hatte man wieder den Salat.“ Das war ein Denkanstoß für mich, heute diesen Text zu schreiben. Deshalb: Danke, Forum!
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Auf der Landstraße ist man einfach rechts rangefahren
Hach, das waren noch Zeiten. schwelg
Das Beste war, dass ich - auch wenn es weiter weg war - nach einmal wo hin fahren, wusste wie ich da das nächste Mal fahren muss. Heute fahre ich fünfmal nach Navi zum gleichen Ort.
Obwohl. Stimmt ja gar nicht. Ich habe ja gar kein Auto mehr.

Ich glaube aber auch, dass es früher schwieriger war abstinent zu leben. Selbst in der Arbeitswelt war es ganz anders.
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wenn man gedanklich schon die nächsten zwanzig Jahre bewältigen will, obwohl man noch nicht einmal den heutigen Tag hinter sich gebracht hat.
Ich bin nun ungefähr (erst) drei Monate trocken und ich denke, dass es wichtig ist, nicht die ganze Zeit zu denken,
es bewältigen zu müssen.
Es ist ja etwas positives was man für sich selbst tut und das kann man genießen.
Wenn ich den Tag nur ‚hinter mich bringe‘, wäre er genauso vergeudet wie ein Tag an dem ich saufen würde.
Aber wahrscheinlich ist das für jeden unterschiedlich leicht/schwer.Ich weiß nicht, welche Krankheiten noch kommen, welche Aufgaben vor mir liegen, welche Entscheidungen ich treffen muss oder was mir das Leben sonst noch vor die Füße wirft.
Damit beschäftige ich mich, wenn es da ist. Und am besten Trocken .
Jeder Tag , den ich nüchtern bin, ist ein Geschenk! -
Es ist ja etwas positives was man für sich selbst tut und das kann man genießen.
Wenn ich den Tag nur ‚hinter mich bringe‘, wäre er genauso vergeudet wie ein Tag an dem ich saufen würde.
Aber wahrscheinlich ist das für jeden unterschiedlich leicht/schwer.Servus Steevie,
mit „den heutigen Tag hinter sich bringen“ meinte ich nun nicht, dass ich morgens die Zähne zusammenbeiße und abends erleichtert einen weiteren überlebten Tag im Kalender abstreiche. Ganz im Gegenteil. Ich lebe heute und deshalb möchte ich den heutigen Tag möglichst auch genießen. Nur muss ich heute eben nicht gleichzeitig die nächsten zwanzig Jahre meiner Abstinenz bewältigen.
Und einen trockenen Tag würde ich für mich auch nicht als vergeudet betrachten, nur weil er vielleicht mal schwierig war oder ich ihn tatsächlich nur irgendwie hinter mich gebracht habe. Solche Tage gehören zum Leben genauso dazu.
Wenn ich anfange, trockene Tage danach zu bewerten, ob sie sich gelohnt haben oder vergeudet waren, trage ich schon wieder ein kleines Stück Verzicht und Futter für das Suchtgedächtnis mit mir herum. Als müsste mir die Abstinenz jeden Tag etwas Schönes bringen, damit sie sich lohnt.
Nö. Manchmal ist ein Tag schön, manchmal beschissen und manchmal einfach nur Donnerstag

Mir ging es vielmehr darum, mir nicht heute schon einzureden, dass mein weiterer Weg schwer werden muss. Was heute schön ist, genieße ich heute. Was heute schwierig ist, erledige ich heute. Und was in fünf Jahren kommt, darf freundlicherweise noch fünf Jahre warten. Das Trocken natürlich. Sonst wird die Planung wieder unnötig kompliziert.
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Weiter im Text.
Sauffreunde entsorgen ist das eine. Aber dann kommt das gute alte alkoholfreie Zuhause.

Der Partner muss bei mir nicht saufen, Gäste müssen bei mir nicht saufen. Also was soll das Zeug dann überhaupt bei mir herumstehen?
Der Klassiker ist natürlich: „Ich kann meinem Partner doch nicht verbieten, etwas zu trinken. Der trinkt doch nur ab und zu mal ein Glas.“ Stimmt. Verbieten kann und will ich einem erwachsenen Menschen gar nichts. Aber ich kann sehr wohl entscheiden, was in meinem Zuhause herumsteht. Das sind für mich zwei völlig verschiedene Dinge.

Und meinem Suchtgedächtnis ist es herzlich egal, wem die Flasche gehört. Da steht schließlich kein Namensschild drauf: „Keine Sorge Hartmut, die ist für deine Frau.“ Für meine Suchtmechanik zählt erst einmal etwas viel Einfacheres: Alkohol ist da und Alkohol ist greifbar.
Genau deshalb habe ich damals keine Ausnahmen gemacht. Bier, Wein, Whisky, Wodka, Likör, teuer, billig, für Gäste, für irgendwen irgendwann. Raus damit.

Ich hätte das Zeug natürlich auch verschenken können. Aber etwas zu verschenken, was mir selbst geschadet und mich süchtig gemacht hat, und es dann jemand anderem in die Hand zu drücken, dem das genauso passieren kann? Nö. Das war nicht meins. Wenn jemand anderes das anders handhabt, ist das seine Entscheidung. Für mich gab es keinen vernünftigen Grund dafür.
Die entsprechenden Gläser kamen übrigens gleich mit weg. Was sollte ich noch mit Wein-, Whisky- oder sonstigen Alkoholgläsern? Für nostalgische Abende mit meinem Suchtgedächtnis brauchte ich jedenfalls kein passendes Service. 😉
Und wegen des Geldes wurde ich auch nicht plötzlich sentimental. Ich hatte über Jahre Tausende Euro durch den Hals geschüttet. Da wäre es schon ziemlich bekloppt gewesen, ausgerechnet beim Aufhören den sparsamen Hartmut zu entdecken, weil eine Flasche mal 30, 50 oder 100 Euro gekostet hatte. Das Geld war sowieso weg.
Später bekam ich geschäftlich auch mal Wein geschenkt. Obwohl bekannt war, dass ich keinen Alkohol trinke. Den habe ich einfach stehen lassen. Und gerade dabei merkte ich, wie schnell plötzlich wieder andere Begründungen auftauchen können: Ist doch ein Geschenk. Ist doch guter Wein. Ist doch teuer. Kannst du doch jemandem mitnehmen.
Meine Sucht hatte mir lange genug gute Gründe fürs Saufen geliefert. Ich musste ihr trocken nicht auch noch dabei helfen, gute Gründe fürs Aufheben zu erfinden.
Für mich bedeutete alkoholfreies Zuhause deshalb genau das, was draufsteht: kein Alkohol zu Hause. Keine Sternchen, kein Kleingedrucktes und keine Sondergenehmigung für Tante Erna.
Die gab es wirklich, Gott hab sie selig.Ich wollte trocken werden. Dann konnte ich mich auch so verhalten.
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Weiter im Text.
Ich kann auf die tollste Feier gehen. Ich kann an der Bar stehen. Ich kann anderen beim Saufen zuschauen und mir vorher einen wunderbaren Fluchtplan zurechtlegen. Eigenes Auto, jederzeit gehen können, Notausgang im Blick. Liest sich vernünftig. Fast schon professionell.
Blöderweise hat sich meine Sucht nie besonders für meine Sicherheitskonzepte interessiert.Beim Lesen hier fiel mir gerade wieder Norderney ein. Reha, Anfangszeit. Gruppenzwang, dazugehören wollen, „mir macht das nichts“ und der ganze Blödsinn, den man sich eben so erzählen kann, wenn man etwas unbedingt für eine gute Idee halten möchte. Ein oder zwei Abende später bin ich allein in meinem Zimmer wie ein Bär im Käfig hin und her gelaufen.
Einer der heftigsten Suchtdrücke meiner Trockenzeit. Hat mir als Feldversuch gereicht.

Seitdem sehe ich das ziemlich einfach. Wenn ich mir für eine Veranstaltung vorher schon überlegen muss, wie ich im Notfall möglichst schnell wieder verschwinde, könnte ich auch auf die revolutionäre Idee kommen, gar nicht erst hinzugehen. Ich musste mir schließlich nicht beweisen, dass ich trocken neben Alkohol stehen kann. Warum hingehen, wenn ich einen Fluchtplan brauche? Welchen Zweck hat das?
Ich wollte mich vom Alkohol lösen. Mit den Jahren wurde ich natürlich sicherer. Alkohol nimmt heute kaum noch Raum in meinem Leben ein. Das ist schön.
Nur bilde ich mir deshalb nicht ein, dass sich das Risiko gleich mit verabschiedet hat. Auf einer hohen Brücke kann ich anfangs mit weichen Knien am Geländer stehen. Zwanzig Jahre später laufe ich entspannt darüber und genieße die Aussicht.
Die Brücke ist deshalb keinen Zentimeter niedriger geworden. So ist es für mich auch mit Alkohol. Ich habe heute keine Angst vor Alkohol, auch nicht, wenn ich welchen sehe. Vor meiner Sucht habe ich allerdings Respekt.

Die Ganzen trockene Jahre haben mir Sicherheit und Erfahrung gebracht. Sie haben mich aber nicht unverwundbar gemacht. Der Alkohol ist heute derselbe wie in meinen nassen Jahren. Und ich bin immer noch Alkoholiker.
Deshalb passt für mich auch das Bild mit der Brücke. Ich muss keine Angst vor der Höhe haben. Ich muss nur nicht ausprobieren, ob die Schwerkraft noch funktioniert.
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