Rennschnecke - bin froh, hier zu sein

  • Hallo Rennschnecke,

    ich möchte Dir auch zu Deiner einjährigen Abstinenz gratulieren. Toll! Und auch zu Deiner anderthalbjährigen Forumszugehörigkeit wenn sich das noch besser für Dich anfühlt.;)

    Ich bin manchmal ein Wortnerd und finde den Namen Rennschnecke absolut großartig.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hallo liebe Rennschnecke,

    wenn auch nicht pünktlich zum 1 jährigen, aber ich möchte dir auch zu deiner einjährigen Abstinenz gratulieren, Respekt!💪🏼 Und noch viele weitere tolle trockene Jahre! Ich weiß selber was das für psychische Arbeit ist..

    Liebe Grüße

    Matrix

  • So, bevors arbeiten geht, heute mal wieder ein Beitrag zum Thema "Ich dachte, ich wär schon weiter."

    Ich gucke ja zur Entspannung gern mal online, nicht nur beim Friseur, was (echte, nicht Reality-)Promis und "Königshäuser" so treiben, muss wohl daran liegen, dass ich mit entsprechenden goldenen Blättern aufgewachsen bin. 😉 Früher wars mir peinlich, heute weniger ...

    Gestern kam mir ein Artikel vor die Füße, in dem an Rande erwähnt wurde, dass ein mittelalter Promi wegen einer Organtransplantation schon seit jungen Jahren gar keinen Alkohol mehr trinkt und auch sonst sehr gesundheitsbewusst lebt.

    Mein spontanes Gefühl dazu war allen Ernstes Mitleid: "Der Arme, musste immer schon vernüftig sein.. "

    Das hat mich sehr schockiert und eine ganze Weile beschäftigt ...

  • Hallo Rennschnecke,

    was meinst Du, woher dieser spontane Gedanke kam? Hast Du für Dich selbst das Gefühl durch Deine Abstinenz auf etwas verzichten zu „müssen“?

    Wenn das so wäre, bist Du dann noch im „Ich darf keinen Alkohol mehr trinken“- Modus?

    VG Sue

    You will bloom if you take the time to water yourself 🌷

  • Das ist lieb, Matcha. Neben der Spur fühle ich mich gar nicht.

    Was mich schockiert hat und weswegen ich das hier aufschreibe, ist die Erkenntnis, dass der Alk tief in mir drin anscheinend immer noch mit Genuss verknüpft ist und Nichttrinken mit "Bravsein".

    Da fällt mir ein, dass ich mich mit Anfang 20 mit der Bierflasche in der Hand nicht mehr so "schrecklich brav" fühlte...

  • Für mich war Saufen mit 20 unter Anderem auch Protest gegen die Spiessergesellschaft. Ich fand die Leute, die nach meinem Empfinden nur hinter dem Geld her rannten und für die nichts zählte ausser Leistung, einfach so, dass ich nie so werden wollte.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Hallo Rennschnecke,

    Immer wieder habe ich auch abwegige Gedanken.
    Wenn ich dann drüber nachdenke, kann ich diese dem Suchthirn zuordnen.
    Im gleichen Maße, wie mein Weg stabiler wird, zieht auch das Suchthirn neue Register.
    In dem Fall will mir das Suchthirn suggerieren, dass ich doch gar keine Operation hatte, die mich zwingt abstinent zu leben und trotzdem verzichte ich „freiwillig“ auf Alkohol. „Das ist doch wirklich nicht nötig“. So oder so ähnlich.

    Ich gehe diesen Gedanken nicht weiter nach und stelle sie in die Ecke, dort wo sie hingehören.

    ist die Erkenntnis, dass der Alk tief in mir drin anscheinend immer noch mit Genuss verknüpft ist

    Bei mir ist die Erkenntnis gereift, dass das lange so bleiben wird. Aber das bin nicht ich, dass ist der für immer kranke Teil in meinem Kopf. Ich sehe ihn als autark agierenden Teil und nenne ihn für mich auch bewusst Suchthirn aus dem die Suchtstimme spricht. Ich kann akzeptieren, dass er da ist, ich weiß aber auch, dass ich ihm nicht mehr Raum geben darf, als seine Ecke.

    LG Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Kann ich total gut nachvollziehen. Wenn man Jahrzehnte lang Alkohol mit Genuß verknüpft, kommen da wahrscheinlich noch Reste des alten Denkens durch.
    Mit 20 hat sich ja sogar die Szene geteilt in die Säufer und Kiffer und die die wir als ‚Streber‘ bezeichneten und die eben einfach andere Interessen hatten als sich dauernd weg zu ballern.
    Alkohol bleibt Teil meiner Sozialisation. Wenn ich nicht süchtig geworden wäre, hätte ich das nie hinterfragt. Schade- erst jetzt wird mir klar, dass ich dadurch viel verpasst habe.

  • Danke Euch für Eure Rückmeldungen.

    was meinst Du, woher dieser spontane Gedanke kam? Hast Du für Dich selbst das Gefühl durch Deine Abstinenz auf etwas verzichten zu „müssen“?

    Nein, bis auf gelegentliche kurze Suchtgedanken nicht. Mein "Problem" ist ja, dass mir der Alk noch bis kurz vor der Abstinenzentscheidung geschmeckt hat und ich keine schlimmen Abstürze oder andere Erfahrungen hatte, die abschreckend wirken könnten. Da kann das Suchthirn wohl gut andocken ...

    Immer wieder habe ich auch abwegige Gedanken.
    Wenn ich dann drüber nachdenke, kann ich diese dem Suchthirn zuordnen.
    Im gleichen Maße, wie mein Weg stabiler wird, zieht auch das Suchthirn neue Register.

    ich hoffe, dass es nur das ist, und werde aufmerksam beobachten ..

  • Mein "Problem" ist ja, dass mir der Alk noch bis kurz vor der Abstinenzentscheidung geschmeckt hat und ich keine schlimmen Abstürze oder andere Erfahrungen hatte, die abschreckend wirken könnten. Da kann das Suchthirn wohl gut andocken ...

    Und, wie sich das für mich liest, tut es das ja auch gerade.

    Ich habe (hoffentlich) auch keine besonderen bleibenden Schäden davongetragen. Aber es hätte nicht mehr lange auf sich warten lassen und es ging mir dann schon recht schlecht. Aber ich sehe das heute so.

    Erstens bin ich froh und brauche das auch nicht. Ich habe genug bei anderen gesehen, wo es hinführt. Auch bis zum Tod. Oder ein Leben als Zimmerpflanze - wie mein Vater.

    Zweitens brauche ich mir nicht überlegen, wie besch... es mir ging. Oder was das für ein Stress war. Vom Verheimlichen, bis zum fehlenden Selbstwertgefühl.

    Ganz am Anfang, war es vielleicht wichtig für mich. Bis ich endgültig nicht mehr mit dem Suchthirn argumentiert habe. Mir überlegen, wie schlecht es mir ging, ist doch eigentlich schon wieder mit dem Suchthirn argumentiert.

    Das Leben wird nach vorne gelebt und nach hinten verstanden. Und nach vorne geht es nur ohne Alk. Sonst wird es sch...ße.

    Und damit ist das Ganze für mich nicht mehr komplex. Grundbausteine so gut es geht einhalten. Auf Risiken achten. Besonders, wenn ich denke es geht mir so gut, dass es mir nichts ausmacht.

    Hm, da bekommt "Dem gehts wohl zu gut" eine ganz andere Dimension. :)

    dass der Alk tief in mir drin anscheinend immer noch mit Genuss verknüpft ist

    Und trotz meiner Rede gerade, murmelt auch bei mir da die Suchtimme auch mal aus dem Nichts was, wenn es gerade besonders schön ist.

    Von mir wird sie aber nicht aufmerksam beobachtet. Sondern - wie Nayouk schreibt - in die Ecke gestellt. Oder bei mir eher angesch...en.

    Soll nicht rum nerven. Ich trinke sowieso nichts.

    Gut ist, dass Du das hier niedergeschrieben hast. Für Dich und auch für mich. Danke.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Nein, bis auf gelegentliche kurze Suchtgedanken nicht. Mein "Problem" ist ja, dass mir der Alk noch bis kurz vor der Abstinenzentscheidung geschmeckt hat und ich keine schlimmen Abstürze oder andere Erfahrungen hatte, die abschreckend wirken könnten. Da kann das Suchthirn wohl gut andocken ...

    Sei froh, dass Du das alles nicht erlebt hast, Rennschnecke.

    Ich habe das ales hinter mir und kann nur sagen, es war die Hölle!

    Wenn die Suchtstimme gewinnen würde, wärst Du ganz schnell wieder beim alten Level und der würde dann auch ganz fix ansteigen. Das ist der Verlauf der Krankheit Alkoholismus. Saufen bis zum Tod, bis der Körper und die Seele nicht mehr kann. - Ausser man findet dieses tolle Forum und den Ausstieg aus der Suchtkarriere.

    Ich konnte zum Schluss gar nicht mehr genug saufen, ich bin dann auf härtere Getränke umgestiegen und hatte dann vermehrt Aussetzer. Ganz, ganz schrecklich!

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Sei froh, dass Du das alles nicht erlebt hast, Rennschnecke.

    Ich habe das ales hinter mir und kann nur sagen, es war die Hölle!

    Wenn die Suchtstimme gewinnen würde, wärst Du ganz schnell wiederElly, beim alten Level und der würde dann auch ganz fix ansteigen. Das ist der Verlauf der Krankheit Alkoholismus. Saufen bis zum Tod, bis der Körper und die Seele nicht mehr kann. - Ausser man findet dieses tolle Forum und den Ausstieg aus der Suchtkarriere.

    Absolut, Elly, seit ich hier täglich lese, weiß die rationale Seite in mir mehr als deutlich, was mir gerade noch erspart geblieben ist.

    Von dieser rationalen Seite her bin ich schon länger so weit, zu denken: "Ich trink doch auch kein Terpentin - danke, mein Resthirn brauche ich noch..."

    Aber das Suchthirn haust wohl in einem eher unerreichbaren Winkel meines Dickschädels. ...Damit muss ich leben und umzugehen wissen. Ihr helft mir dabei sehr ...

  • Aber das Suchthirn haust wohl in einem eher unerreichbaren Winkel meines Dickschädels.

    ...und es kann auch nach langer Abstinenz unvermittelt zuschlagen.

    Am Anfang ist es wie das laufen auf rohen Eiern, ein ständiger Kampf mit den Gedanken, vermischt mit Angst und Übervorsicht. Stück für Stück kommt dann das Vertrauen in sich Selbst und es wird besser, alltäglicher.

    Das schlimmste was einem trockenen Alkoholiker passieren kann, ist aus meiner Sicht das Vergessen. Auch nach langer Trockenheit ist es wichtig sich IMMER zu fragen: "warum, was war da, wieso jetzt" und das daraufhin eine Abgleichung mit den persönlichen Gefahrenpunkten erfolgt, wenn der Gedanke an das Trinken aufkommt. Nur so können wir uns schulen in unserem ganz eigenen Erleben. Jeder empfindet anders, jeder hat andere Trigger.

    Du gehst z.B. irgendwo nichtsahnend durch eine Tür und landest in einer Alkoholwolke. Warum auch immer. Alles in Dir springt sofort an. Darauf kann man sich nicht vorbereiten, dann müssen die Strategien greifen. Kompromisslos und sofort.

    In diesem Fall wäre das Verlassen des Raumes das Beste und einfachste. Aber es gibt auch Situationen aus denen man sich schlecht sofort entfernen kann. Dann muss die Ratio übernehmen, und das kann sehr schwer werden wenn man das ( noch)nicht für Sich verinnerlicht hat was da zu tun ist.

    Damit muss ich leben und umzugehen wissen.

    Es ist wichtig zu wissen das es diese Funktion des Suchthirns gibt. Und Du weisst das ja nun und kannst Dich darauf einstellen. Das ist ein wichtiger Schritt.

    lG WW

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • So, bevors arbeiten geht, heute mal wieder ein Beitrag zum Thema "Ich dachte, ich wär schon weiter."

    Bist du doch, sonst hättest du ja nicht bemerkt, dass es ein "nasser" Gedanke ist. Wenn überhaupt. Vielleicht auch nur eine Nebenwirkung eines trockenen Alkoholikers ;). Alles gut.

    Ich finde es gut , wenn mir das Suchtgedächtnis immer wieder paar Bruchstücke vor die Füße wirft und denkt, ich bin so bescheuert und merke es nicht. Alles normal.

    Mein "Problem" ist ja, dass mir der Alk noch bis kurz vor der Abstinenzentscheidung geschmeckt hat

    Schon mal reinen Alkohol getrunken? Ungenießbar. Kenne niemanden, dem das schmeckt. Purem Alkohol fehlt jede Süße oder Bitterkeit, die man bei alkoholischen Getränken findet, da er weder Zucker noch Aromen enthält.

    Nur durch die Mischung wird er genießbar, sonst ist er reines Gift.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Zweitens brauche ich mir nicht überlegen, wie besch... es mir ging. Oder was das für ein Stress war. Vom Verheimlichen, bis zum fehlenden Selbstwertgefühl.

    Das fand ich am belastendsten. Körperlich merkte ich noch wenig Auswirkungen (außer die Verletzungen von Stürzen). Aber die Psyche war krass beeinträchtigt.

    Bei mir kommt gerade der Punkt wo ich überlege ob mir Alkohol je wirklich geschmeckt hat. Schnaps auf gar keinen Fall. Aber ein ‚guter‘ Wein? War das nicht einfach Wein der ein weniger pelziges Gefühl im Mund verursacht hat? Bier schmeckt eigentlich echt nicht. Hm.

    Weil ich fand’s bis zum Ende auch ‚lecker‘ frage mich aber gerade ob das nur die Konditionierung war.

    Wenn der Druck kommt, dann erscheint es mir als erstrebenswert zu trinken - aber das ist eher die Sehnsucht nach einer Wirkung, die es am Ende ja gar nicht mehr gab.

    Wie wenn man sich nach einem Partner sehnt mit dem man nie glücklich war.

    Wir müssen alle wachsam sein!

  • Nein, bis auf gelegentliche kurze Suchtgedanken nicht. Mein "Problem" ist ja, dass mir der Alk noch bis kurz vor der Abstinenzentscheidung geschmeckt hat und ich keine schlimmen Abstürze oder andere Erfahrungen hatte, die abschreckend wirken könnten. Da kann das Suchthirn wohl gut andocken ...

    St ja gut, dass es „nur“ die Suchtstimme ist, die sich da mal zu Wort gemeldet hat. Solange Du für Dich die Abstinenz nicht mehr als Kampf oder Verzicht, sondern als Gewinn siehst, ist alles in Ordnung.
    Bei mir war es auch so, dass mir „mein“ Alkohol (also das Getränk, das ich immer getrunken habe) auch bis zum Schluss noch geschmeckt hat (zumindest die ersten Gläser…). Und auch heute nach über 12 Jahren, meldet sich die Suchtstimme gelegentlich immer mal noch. Das sind dann immer „schöne“ Situationen, wo in meinem Kopf dann kurz der Gedanke auftaucht, dass „jetzt so ein Glas“ ja doch „ganz schön“ wäre.

    Nehme ich dann als kleinen Gruß vom Suchthirn wahr und damit ist es dann auch erledigt.

    You will bloom if you take the time to water yourself 🌷

  • Der Alkohol hat mir nur "geschmeckt", weil ich mir den Geschmack über viele Jahre antrainiert habe. Heute kann ich ihn schon gar nicht mehr riechen. Es ekelt mich richtig. Und das ist ja auch richtig, denn es ist und bleibt eben Gift.

    "Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." (Niebuhr)

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