Momo2006 - Irgendwie hilflos- Ich weiß gerade nicht weiter

  • Hi Zusammen,

    Ich habe schon lange nichts mehr geschrieben hier in meinem Faden. Heute schreibe ich, weil es mir im Moment gesundheitlich nicht so gut geht. Nichts was man nicht in den Griff bekommt, aber dennoch anstrengend und wahrscheinlich auch etwas langwierig. Und dann kommen so Gedanken hoch, wie oft ich mich für einen anderen Menschen aufgeopfert habe, um liebenswert zu sein, um geliebt zu werden. Immer so als ich hätte ich sonst sowieso keine Liebe erhalten. Nicht nur bei meinem suchtkranken Ex, sondern auch bei Freunden. Es gab ein Problem, es wurde Hilfe benötigt, klar ich war sofort zur Stelle, ohne wenn und aber. Das habe ich geändert. Aber der Freundeskreis ist nun natürlich sehr klein und irgendwie fühle ich mich gerade alleine gelassen. Mir würde Hilfe jetzt auch ganz gut tun. Auf der anderen Seite weiß und kennt das ja niemand von mir. Ich habe ja immer Alles irgendwie selbst gemacht. Vom Kind bis zu irgendwelchen Reparaturen. Und ich schaue gerade mit Neid auf Freundinnnen, welche immer Hilfe und Unterstützung erfahren. Ich denke, dass ist mein großer Co-Anteil -alles alleine machen, für Andere die eigene Seele verkaufen, da ich mich sonst nicht wertvoll genug gefühlt habe. Und soll ich Euch was sagen, dass wurde mir anerzogen. Mein Ex war nur sie Spitze vom Eisberg. Eine Frau mit gesundem Selbstbewusstsein hätte sich wahrscheinlich relativ schnell wieder verabschiedet. Ja eine Suchterkrankung ist schlimm, aber die Frage ist doch warum ich mich überhaupt auf diesen Menschen eingelassen hatte. Das ist mir zwar mittlerweile klar, aber wieviel Jahre und wieviel Freude habe ich dadurch einfach verloren. Im Nachhinein ist es nicht mehr zu ändern. Beschäftigt mich aber heute. Sorry für mein Gejammer. Es musste jetzt einfach mal raus.

    LG Eure Momo die heute mal in einem tiefen Loch sitzt. Morgen sieht es bestimmt schon wieder besser aus

  • Liebe Momo,
    verstehe ich gut. mir fällt das auch nicht leicht ,obwohl mir anerzogen wurde, wegen jedem bisschen nach hilfe zu fragen. (was auch nicht immer toll ist, das mindset dahinter ist, ein mann is per se geschickter, und wenn frau nicht weiterkommt, sucht sie sich hilfe, - vorzugsweise bei einem mann). GROSSER QUATSCH!

    davon abgesehen:
    kannst du nicht auch nach hilfe fragen? wenn du schon geändert hast, daß du nicht immer zur stelle bist wenns brennt, dann geht das andere vielleicht auch...

    Momo die heute mal in einem tiefen Loch sitzt.

    man könnte auch sagen du nimmst deine bedürfnisse wahr und schreibst drüber. ich finde das nicht jammerig.
    sende dir eine umarmung!

    koda

  • Hallo Momo,

    hier ist jammern ausdrücklich erlaubt, denn manchmal geht es einfach nicht anders.

    Ich weiß wie schwer es fallen kann, um Hilfe zu bitten. Konnte ich auch nicht, und tue mich bis heute schwer damit. Da mein xy aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr Auto fahren darf, brauche ich immer mal wieder Unterstützung, wenn schwere Dinge zu transportieren sind. Fragen wollte ich niemanden, wollte ja niemanden zur Last fallen. Irgendwann habe ich es dann doch getan, und für den anderen war es kein Problem, Termin wurde vereinbart, und dann sind wir los gefahren. Es kann niemand wissen, wie es bei dir aussieht, da hilft aber das reden. Ich bin mir sicher, dass du dann auch Hilfe bekommst.

    Eine Geschichte von mir noch aus meiner tiefsten COzeit. Ich war zu einer Reha, mir ging es beschi...en, und der Therapeut hatte mich ins Schwesternzimmer geschickt, um mir ein Medikament zu holen. Dann bin ich freudestrahlend dahin, weil ich mich den Krankenschwestern nicht so mies präsentieren wollte, die konnten ja nichts dafür. Ergebnis war, dass sie sich beim Therapeuten rückversicherten, weil ich eben vordergründig so gut drauf war. Bei mir kam an, dass ich jetzt auch nicht mehr glaubwürdig war. Sie haben mir dann quasi die "Erlaubnis" gegeben, dass ich so sein darf, wie es mir tatsächlich geht. Das würde ich dir auch wünschen, es ist doch nichts schlimmes wenn du bedürftig bist. Versuch es mal, ich glaube, du findest die Hilfe, die du dann in dem Moment brauchst.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Ich denke, dass ist mein großer Co-Anteil -alles alleine machen, für Andere die eigene Seele verkaufen, da ich mich sonst nicht wertvoll genug gefühlt habe. Und soll ich Euch was sagen, dass wurde

    Liebe Momo, bei diesem satz ging mir gerade ein ganzer Kronleuchter auf nach der Frage wo sich meine Co-Abhängigkeit am meisten zeigt. Danke mdein beitrag finde ich so gut.

    Umarme dich, Mariexy

  • Das ist mir zwar mittlerweile klar, aber wieviel Jahre und wieviel Freude habe ich dadurch einfach verloren.

    Hallo Momo,

    Da haben wir was gemeinsam, nur jeweils auf der anderen Seite und sind nicht die Einzigsten.
    Auf die Warum-Frage gibt es oft keine Antwort. Als ich akzeptiert hatte, dass das was war nicht mehr zu ändern ist und ich das was kommt besser machen kann, hatte die Warum-Frage keine Berechtigung mehr, eine Antwort zu bekommen.

    Viele Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Guten Morgen Zusammen,

    wollte mal wieder was in meinen Faden schreiben, ein Gefühl, ein Gedanke der in mir hochkam, warum ich so lange in dieser ungesunden Beziehung mit meinem Ex- Partner war. Nämlich dieses Gefühl - wir gegen den Rest der Welt. Als wären wir eine besondere Einheit gewesen, oft mit dem Gedanken, andere verstehen uns nicht. Und irgendwie rückblickend hat mich dieses Gefühl falsch darin bestärkt diese Beziehung so zu schützen. Alles abzuwinken, kam Kritik oder Sorge von außen. Mein Beziehungsende war hart und schmerzhaft und selbst am Anfang hier in der Gruppe hatte ich noch den Gedanken "Bei uns ist das anders, hier versteht das keiner". Jetzt 1,5 Jahre später habe ich immer noch Augenöffner und arbeite weiter an meinen Themen. Aber es tut mir gut, dass zu erkennen.

    Ganz liebe Grüße Eure Momo

  • Hallo Momo,

    Nämlich dieses Gefühl - wir gegen den Rest der Welt. Als wären wir eine besondere Einheit gewesen, oft mit dem Gedanken, andere verstehen uns nicht. Und irgendwie rückblickend hat mich dieses Gefühl falsch darin bestärkt diese Beziehung so zu schützen.

    Du sprichst mir sowas von aus der Seele, super auf den Punkt gebracht... Hab mich genau daran erinnert, als ich vorhin Poni geschrieben habe. Keiner verstand zu Beginn, dass xy und ich doch unbedingt zusammengehören. Da entsteht so eine ungesunde "Exklusivität" - wenn andere sich kopfschüttelnd abgewendet haben, hab ich das einfach für mich umgedeutet und meine ungesunde Beziehung verteidigt. Das bringt einen immer mehr in Isolation. Es kostet viel Kraft, sich daraus zu befreien. Du hast es geschafft, super, auch wenn es heftig ist, wie lange das nachwirkt. Mir macht das total Mut. Danke für Deine Worte!

  • Liebe EllaDrei ,

    Danke für Deine Worte. Es geht mir schon lange gut. Die Themen wirken nach, weil ich durch das schlimme Ende und der Gewalt immer noch viel an mir arbeite, aus Selbstschutz. Ich denke auch, dass es leichter zu verarbeiten ist, wenn man die Chance hat die Beziehung von sich aus zu beenden. Ich habe sie beendet, aber ohne Vorbereitung und durch die erfahrene Gewalt, dann sofort und mit Hilfe der Gruppe hier. Also ich bin hier praktisch angekommen, als eigentlich die Beziehung vorbei sein musste. Ich kann nur Allen hier wünschen, dass Sie den Absprung schaffen, so hart das klingt. Mit einem suchtkranken Menschen kann nur eine kranke Beziehung geführt werden.

    LG und viel Mut Momo

  • Als wären wir eine besondere Einheit gewesen, oft mit dem Gedanken, andere verstehen uns nicht.

    Dafür gibt es sogar einen Fachbegriff ‚Romeo und Julia Effekt‘. Wegen diesem wird oft geraten z.B. als Eltern nicht zu sehr Einfluss zu nehmen, wenn das Kind ganz offensichtlich in einer ungesunden Beziehung steckt. ‚Wir gegen den Rest der Welt‘ hat leider was sehr romantisches. Gut dass du es da raus geschafft hast!

  • Dafür gibt es sogar einen Fachbegriff ‚Romeo und Julia Effekt‘. Wegen diesem wird oft geraten z.B. als Eltern nicht zu sehr Einfluss zu nehmen, wenn das Kind ganz offensichtlich in einer ungesunden Beziehung steckt. ‚Wir gegen den Rest der Welt‘ hat leider was sehr romantisches. Gut dass du es da raus geschafft hast!

    krass, dass es dafür sogar einen Fachbegriff gibt. War bei uns exakt so.

  • Liebe Momo,

    Du kannst stolz auf dich sein. Ich bin neu hier . Mich hat deine Geschichte erschüttert.
    Mir ging es genauso. Gewalt. Dann hab ich ihn rausgeschmissen.
    Ich habe es aber nicht geschafft. Ich bin wieder zurück und wir wohnen wieder zusammen.
    Jetzt wieder gleiches Spiel!!
    Ich weiß was du durchgemacht hast.
    Dein Weg ist richtig!
    Starke Frau!
    Wenn einmal die Grenze überschritten wird… dann wird das auch ein zweites Mal geschehen! Du hast es richtig gemacht! Und sei froh das du eine eigene Wohnung hast.
    ich wünsche dir ganz viel Kraft und Glück! Du hast es verdient!

  • Und irgendwie spielt einem das Gehirn auch einen Streich. Wenn es zur Veränderung kommt, denkt man sich: „war es wirklich so schlimm?“ „es waren auch schöne Zeiten“…. Man hilft und besonders in den trockenen Phasen, egal wie kurz sie sind, gibt man sein Bestes, damit die Rückfall Gefahr sinkt… aber sie sinkt nicht dadurch. Wenn ich richtig überlege, waren die schlechten Zeiten 80% und dann 10% Entgiftungen und Therapie so er trocken war… da bleibt nicht viel positives. Habe ich habe die Zeit umso mehr geliebt

  • Genau das ist es .. war es so schlimm.. ist es das wert alles wegzuwerfen… man fasst Mut! Hoffnung , Zuversicht.. das ist doch normal. Jeder gesunde Mensch denkt positiv , weil er eben liebt. Das Gehirn entscheidet so. Und hier im Forum hat einer geschrieben… die alkoholiker haben den Alkohol im Blut. Die co abhängen im Gehirn!!! Das trifft es. Das ist es … das Gehirn spielt uns einen Streich???

  • Hi Zusammen,

    Ich habe jetzt lange überlegt, ob ich über meine derzeitige Situation schreibe und habe mich auf Grund von anderen Fäden hier aber beschlossen doch einen kleinen Teil mit Euch zu teilen. Ich habe Mitte Juni eine bescheidene medizinische Diagnose erhalten, bin mittlerweile schon operiert und liege gerade zu Hause. Ob die Operation rechtzeitig war erfahre ich in 3 Wochen. Warum schreibe ich? Mir gehen natürlich viele Gedanken durch den Kopf. Das Leben wird von heute auf morgen auf den Kopf gestellt und ich habe angefangen viele Entscheidungen in meinem Leben zu hinterfragen. Wie oft lebt man, als wäre das Leben endlos. Der Kampf mit dem suchtkranken Partner, da ziehen Jahre ins Land in denen nicht wirklich gelebt wurde. Das Leben ist fragil und wir haben nur eins. In der Klinik hatte ich Gedanken wie, zum Glück bin ich nicht mehr in der Beziehung. Es hätte mich gestresst wenn er dort verkatert oder sogar angetrunken dabei gewesen wäre, wenn das überhaupt passiert wäre. Und auf einmal wird mir bewusst, wie ich mich jetzt selbst in den Mittelpunkt stellen muss. Nicht nur fiktive Zukunftspläne planen darf. Alles steht Kopf. Der Spruch man hat zwei Leben, das zweite Leben fängt an, wenn man verstanden hat, daß man nur ein Leben hat... Stimmt.

    Ich wollte meine Gedanken hier teilen und hoffe das ist in Ordnung für Euch.

    Jetzt versuche ich den Tag einigermaßen positiv zu gestalten. Morgens ist es immer erstmal schwierig und die Gedanken teilweise anstrengend und ermüdend.

    Schaut nach Euch. Als Co wird ja die eigene Gesundheit oft ganz weit hinten angestellt. Ihr seid wichtig.

    Ganz liebe Grüße Eure Momo

  • Hallo Momo,

    als erstes wünsche ich dir von ganzem Herzen gute Besserung.

    Klar gehören deine Gedanken hierher.

    Viele liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Gut dass du das teilst Momo. Bei diesen Diagnosen geht es immer wieder um warten auf die nächste gute oder schlechte Nachricht. Das stelle ich mir zermürbend vor. Ich hoffe du hast keine Schmerzen und kommst irgendwie mit der Hitze gut klar.

    Und ja du hast recht: wir denken viel zu selten daran, dass wir dieses Leben mehr wertschätzen sollten. Danke dafür und alles Gute für dich!

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