Bibitor 66 - 43 Jahre im Rausch reicht

  • 9 Monate

    Hallo liebes Forum,

    manche bekommen nach so einer Zeit Nachwuchs. Ich bekomme aber so nach und nach eine Reproduktion meiner selbst.

    Meine komplette Sichtweise auf den Alkohol hat sich verändert. Alkohol gehörte so viele Jahre so selbstverständlich wie das Atmen zu meinem Leben.

    Schon als Kind/Jugendliche fühlte ich mich bei Familienfeiern an den Tischen am wohlsten, wo die meisten Flaschen und Gläser drauf standen. Denn dort herrschte die größte Stimmung. Da saß dann meistens Onkel W. und Onkel F. und kippten sich schön zu. Natürlich zum Leidwesen der restlichen Verwandschaft die nicht trank. Wenn die Onkels dann schwankten oder über ihre Füße stolperten und aus der Restrunde ein "Herrje, wie voll sind denn die schon wieder" heraus hallte, war die Örtlichkeit mit Lachen erfüllt.

    Ich hätte in meinem Leben genügend abschreckende Beispiele gehabt und habe trotzdem immer weiter gesoffen.

    Onkel W. (73) gibt es noch. Keiner aus unserer Familie hat zu ihm Kontakt. Nicht mal seine eigene Tochter. Er hat sich komplett kaputt gesoffen und wird inzwischen 2x die Woche von einem Taxidienst zur Dialyse gefahren.

    Onkel F. (wurde 63) haben wir 2024 beerdigt, nachdem er nach mehrjähriger Trockenheit seiner Spenderleber keine Beachtung mehr schenkte und die neue Leber auch kaputt soff.

    Ich möchte niemals so enden und deshalb bin ich froh hier im Forum zu sein. Ich will nie wieder in die Suchtspirale zurück. Es waren vergeudete Jahre mit dem Alkohol. Das Leben hat so viel Fülle, nur konnte ich sie nie sehen durch den vernebelten Blick.

    Sehr selten kommen noch Gedanken an Alkohol bei mir hoch. Ich erkenne oft auch keinen Auslöser für diese Gedanken, aber diese Gedanken gehen so schnell wie sie kommen. Ich denke darüber nicht weiter nach. Hätte ich weiter gesoffen, dann hätte das mit Sicherheit auch zu einem verfrühten Tod geführt. Nun beabsichtige ich aber trocken irgendwann in die Kiste zu müssen.

    Jeder einzelne Tag ohne Alkohol, führt mich zu mehr Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Es ist für mich ein neues aufregendes Leben ohne Alkohol.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Hallo Bibi,

    so einen Onkel hatte ich auch, wobei der dabei nie "lustig" war, sondern nur völlig stumpf und still neben der "normal" trinkenden Familie saß und jaum ansprechbar war.

    Hat mich (neben weiteren/andersartigen Beispielen im nahen Umfeld) auch nur insofern abgeschreckt, als ich mich dann über viele Jahre hinweg "kontrolliert", d. h. langsam, aber sicher in die Sucht gesoffen habe.

    Denn dass Alk dazugehörte, wenn Erwachsene feiern, stand in meiner Welt außer Frage. Und irgendwann resultierte daraus dann: wenn schon keine Feier, dann wenigstens Feierabend....

    Herzlichen Glücjwunsch zum ersten Dreivierteljahr in Freiheit. Schön, dass Du hier bist!

  • Und irgendwann resultierte daraus dann: wenn schon keine Feier, dann wenigstens Feierabend....

    Hallo liebe Rennschnecke,

    ja so sah ich das auch. Und zu den Onkels: Damals fand ich die zwei echt cool. Onkel W. war immer so ein Bud Spencer Haudrauf Typ. Zumindest mit seinen Sprüchen und Onkel F. den mochte ich wirklich gerne. Ich wusste lange Zeit nicht, wie hoch sein Alkoholkonsum wirklich war. Ich dachte er trinkt auch nur Bier/Weizenbier. Aber in Wirklichkeit hatte er abends immer noch ein Rendevou mit Chantre.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Huhuhuuu, Bibi…

    von mir natürlich auch herzlichen Glückwunsch 🎉 zum 9. Monat… ❣️👏👍

    Weiter so 👍

    Bzgl „Onkel‘s“

    …ich hatte auch „so einen Onkel“…

    Ich konnte ihm nicht wirklich etwas abgewinnen, auch fand ich es erschreckend/befremdlich wenn dann meine Tante, über seine besoffenen Sprüche noch gelacht hat… das hat sich tief in mir eingegraben bzw. den Graben von „mir nüchterner Spassbremse“ zu dem Onkel oder wer auch immer sich mit Alk zu/ge/schüttet hat, vergrößert…

    Das war zu meiner jungen Jugendzeit…

    Heute kann ich’s differenzierter sehen und auch die guten Anteile, vom Onkel und den anderen aus meinem Umfeld dem Alkohol zugeneigten Personen, sehen und wertschätzen. Der Graben bleibt-/ mein Sicherheitsgraben… ❣️

    Einmal editiert, zuletzt von Simsalabim (11. April 2026 um 11:38)

  • Herzlichen Glückwunsch zu 9 nüchternen Monaten. 🏆💐


    Jeder einzelne Tag ohne Alkohol, führt mich zu mehr Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Es ist für mich ein neues aufregendes Leben ohne Alkohol.

    So empfinde ich das auch.
    Und selbst wenn nicht jeder Tag immer nur schön ist, so ist es doch ein guter Tag…. ein gelebter Tag.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Herzlichen Glückwunsch zu 9 Monaten wiedergewonnener Freiheit, Bibi.

    Wie sich doch die Geschichten gleichen, nur dass meine Onkel D. und Onkel J. hießen.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

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