Alles anzeigenTausend Dank für diesen extrem wertvollen Input! Deine Worte regen mich gerade wahnsinnig zum Nachdenken an und ich bin dir wirklich dankbar für diese Perspektiven.
Was das Absagen bei der Nachbarin angeht: Ich hatte im Kopf einfach das Gefühl, ich muss einen triftigen Grund liefern, warum ich nicht komme. Zu sagen "Ich trinke keinen Alkohol" hätte dazu geführt, dass sie sagt "Dann komm halt rüber und trink nichts". Zu sagen "Ich bin auf dem Weg in die Abstinenz und mich triggert dass Alkohol serviert wird, gerade viel zu sehr" war für mich keine Option. Deshalb habe ich zu der gesundheitlichen Ausflucht gegriffen.
Rückwirkend betrachtet war das eigentlich Blödsinn. Ein einfaches "Ich komme heute nicht" hätte völlig ausreichen müssen, ganz ohne Erklärung. Ich muss schlichtweg lernen, dass ein "Nein" reicht und ich absolut niemandem eine Rechenschaft schuldig bin. Wem ich mich irgendwann in der Tiefe offenbare oder zu wem ich einfach nur sage "Ich trinke keinen Alkohol, Punkt" oder "Ich vertrage es nicht", kann ich dann immer noch ganz in Ruhe entscheiden.
Der Punkt mit dem Umfeld und den Kindern hat bei mir aber noch mal einen ganz tiefen Eindruck hinterlassen. Und das betrifft ja nicht nur das Dorfleben, sondern das generelle Umfeld. Man hat da oft jahrelang wie eine Art Scheuklappen auf, weil man das Verhalten anderer gar nicht mehr hinterfragt, da man sich dauernd in diesen Kreisen bewegt. Auch wenn das bei uns keine Feiern sind, wo sich die Leute besinnungslos besaufen und niemand mehr nach den Kindern schaut – ich weiß, dass auf sie geachtet wird. Aber es ist eben ein Umfeld, in dem Alkohol als völlig normal gilt und einfach zum Alltag dazugehört.
Wenn ich mir den Schutz meiner Kinder so groß auf die Fahne schreibe, ist es absolut sinnvoll zu hinterfragen, in welchem Rahmen und mit welcher Selbstverständlichkeit sie Alkohol im Alltag vorgelebt bekommen. Auch wenn Menschen selbst vielleicht gar nicht merken, dass ihr Konsum problematisch sein könnte.
Danke dir wirklich für diesen Augenöffner! Ich nehme mir fest vor, da in Zukunft viel genauer hinzuschauen, mein Umfeld zu soundieren und für uns als Familie da ganz neue Standards zu setzen.
Respekt. Hannah