Paul_ - und jetzt bin ich mal dran

  • Im Forum bin ich nicht mehr so aktiv, nehme hier das für mich mit was ich brauche um nüchtern zu bleiben. Denke wohl auch deswegen weniger an Alk weil mich dieses Forum nunmal zwangsweise daran erinnert.

    Ich hatte um den Jahreswechsel auch die Idee etwas weniger im Forum zu sein. Aber ich habe mich umentschieden. Das Forum erinnert auch daran, nicht leichtsinnig zu werden und in Erinnerung zu behalten, dass die Sucht nur schläft.

    Von Rückfalligen habe ich nun öfter gelesen, dass sie weniger im Forum waren und die Abstinenz lockerer nahmen. Dann kam es zum Rückfall.

    Ich nehme mir lieber die Leute hier als Vorbild, die trotz jahrelanger Abstinenz noch immer regelmäßig im Forum sind und lesen und schreiben.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Abend,

    danke für die Denkanstöße, ich beherzige Sie. Es ist natürlich die Sucht die solche Gedanken produziert, das wird sie auch immer mal wieder tun. Dagegen komme ich nicht an, ich kämpfe da auch nicht gegen an. Den Kampf verliere ich. Also akzeptiere ich es, lass die Sucht reden, die Gedanken zu Ende spinnen und dann ist es auch gut. Solange das Ergebnis ist, dass ich nichts trinke, bin ich gut gefahren.

    Momentan ist es wie ein Gefühl einfach aufgegeben zu haben, aber ein befreiendes Gefühl. Ich kämpfe einfach nicht mehr und halte mich an meine Regeln. Für mich funktioniert es, jeder hat wohl seinen Weg.

    LG,

    Paul

  • Guten Mittag,

    kleines Statusupdate: Mittlerweile sind über 9 Monate rum. Der genaue Tag spielt für mich eine untergeordnete Rolle, schliesslich werde ich ja nie wieder trinken, das ist auch keine bestimmte Zeit.

    Gedanken an Alk sind im Vergleich zu früher selten geworden, es gibt Tage da denke ich null dran, als wenn es auf der Welt keinen Alkohol gäbe. Nun, in meiner Umgebung gibt es auch keinen, keine Alk-Freunde. Alk-freies Zuhause ist wirklich hilfreich.

    Ich träume nicht mehr von Alk, denke aber kurz nach, was ich wohl heute vor einem Jahr gemacht habe, sicher besoffen oder auf dem Weg dahin.

    Was ich erst lernen musste ist, einfach mal zur Ruhe zu kommen. Dass es ok ist mal nichts zu machen. Saufen war ja zunächst ein Zeitvertreib, dann Sucht, aber wozu soll ich die Zeit jetzt vertreiben? Klingt vlt. banal, aber spätestens Abends musste ich den Tag ja irgendwie "würdevoll" abschliessen. Ohne Saufen war es ein verlorener Tag. Dann saufen bis es nicht mehr geht und ich ins Bett falle.

    Aber ich blicke nach vorne, sieht besser aus als die letzten Jahre die ich im Klo runtergespült habe, fühlt sich heute zumindest so an.

    Bin also weiter auf Kurs und freue mich auf die Zukunft, die ich selbst gestalte und nicht mein Suchthirn.

    Euch einen frohen Valentinstag!

    Liebe Grüße,

    Paul

  • Mittlerweile sind über 9 Monate rum.

    Du hörst dich wirklich gut an. Klingt nach einem stimmigen Weg. Und zu deinen 9 Monaten gratuliere ich dir herzlich 🎉

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Guten Morgen,

    Es läuft weiterhin alles stabil. Mit der Zeit immer stabiler, das freut mich.

    Mir ist aufgefallen, dass ich nicht jünger werde, im positiven Sinn. Ich neige dazu immer alles schaffen zu wollen. Im Beruf, in der Familie, bei meinen Hobbys, wirklich bei allem. Das endet für gewöhnlich in zig angefangenen Dingen, kaum eins wirklich zu Ende gebracht. Das frustriert.

    Der Satz "Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon" fiel hier schon häufiger in Bezug auf Abstinenz. Aber er passt auch wunderbar auf alles andere. Ich muss nicht alles schaffen, es reicht wenn ich mich auf die Dinge konzentriere die wichtig sind und die ich gut kann, diese dann aber auch erfolgreich bewältige. Den Rest KÖNNTE ich machen, werde ich aber nicht.

    Ich bin in meinem Job sehr gut, das fordert und belohnt mich. Den Rest der Zeit verwende ich für Familie und für EIN Hobby. Nichts mehr mit alles schaffen, immer wieder neues anfangen weil ich ja mein Leben noch vor mir habe und es noch so viel gibt was ich tun muss.

    Ich werde niemals Profi-Fussballer oder ein begnadetet Pianist, der Zug ist abgefahren. Aber das ist ok, ich kann damit jetzt gut leben. Ich verwende meine Zeit für einige wenige Dinge, mache die aber dafür sehr gut, den Rest hingegen fange ich garnicht erst an und bin damit zufrieden.

    Das ist der entscheidende Punkt. Ich bin damit zufrieden nicht alles zu machen. Ich habe mir früher viel Druck auferlegt, alles zu machen was ich machen kann. Wenn ich etwas nicht anfing oder nicht schnell zu ende brachte, kam Frust auf. Dieser wurde irgendwann in Alk ertränkt und ich erreichte noch weniger, schaffte nichts, was in noch mehr Frust und noch mehr Alk endete.

    Durch die trockene Zeit und dieses Forum habe ich viel gelernt, vor allem über mich. Mir hilft es zu verstehen wieso ich in diese Sucht geraten bin. Ein Faktor ist eben vieles zu tun, nichts zu beenden, ergo kein Belohnungsgefühl, ergo Belohnung wo anders holen, Alk.

    Das zu ändern ist für mich keine Heilung, aber es ist eine Risikominimierung. Ich lerne einen Weg mir mein Glück zu erarbeiten und nicht es in der Flasche zu suchen.

    Die Folge ist: ich bin stabil, abstinent und fühle mich gut. Das reicht mir.

    Liebe Grüße,

    Paul

  • Guten Mittag,

    Gestern vor einem Jahr, bin ich hier verzweifelt aber entschlossen aufgekreuzt und habe mir viele Jahre zusammengekürzt von der Seele geschrieben.

    Ein ganzes Jahr ohne einen Tropfen Alkohol.

    Dachte wenn ich das jetzt runterschreibe, werde ich von Euphorie erfüllt sein, bin ich aber nicht. Es ist irgendwie nicht so besonders wie ich es mir vor einem Jahr vorgestellt habe.

    Nicht Trinken ist jetzt mein Alltag, es funktioniert mittlerweile, ich habe nicht vor daran etwas zu ändern. Es ist jetzt gut.

    Ich trinke heute nicht. Was morgen kommt ist morgen, daran denke ich heute nicht. Aber heute ist heute und heute trinke ich nicht.

    Dieses "Mantra" hat mir schon geholfen zu verstehen, dass es kein Sprint sondern ein Marathon ist.

    Gedanken wie "irgendwann kannst Du wieder normal trinken" hatte ich, ich lasse Sie zu, mit der Bedingung "nicht heute". Das funktioniert und das Suchthirn merkt dass es auf Granit beisst.

    Ich bin glücklich, dass der Abstand zu dem versoffenem Parkbank Leben mit Peinlichkeiten, Unwohlsein, Herzrasen, schlechter Haut und dem endlosen schlechten Gewissen, immer größer wird. Mich trennt zwar nur ein Schluck davon, aber, naja, nichts aber. Ich bin einfach weiter achtsam und halte mich an die Spielregeln.

    Vielen Dank an das Forum und die Mitglieder, ich verdanke euch viel.

    In dem Sinne, einen schönen Tag.

    LG,

    Paul

  • Ein Jahr rückwirkend zu sehen ist natürlich stark. Aber am Ende zählt immer nur heute und genau das hast du verstanden. ;)

    Das schmälert nichts von dem, was hinter dir liegt. Im Gegenteil. Es zeigt, wie stabil du geworden bist.

    Glückwunsch zu einem Jahr, das du dir selbst erarbeitet hast.:thumbup:

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Mein Glückwunsch zum ersten Jahr, das erfahrungsgemäß das schwerste ist.

    Gedanken wie "irgendwann kannst Du wieder normal trinken" hatte ich, ich lasse Sie zu, mit der Bedingung "nicht heute". Das funktioniert und das Suchthirn merkt dass es auf Granit beisst.

    Das funktioniert so bei mir nicht. Klar schossen mir in den letzten Jahren immer wieder mal Trinkgedanken, nicht zu verwechseln mit Trinkdruck, durch den Kopf. Ich habe sie abgeblockt. Das ist für mich am besten. Etwas zulassen, unter dem Gedanken "heute nicht" birgt für mich persönlich die Gefahr, dass der Gedanke morgen "wieder auf der Matte steht." Und genau das möchte ich nicht.

    Ich habe in all den Jahren bei Rückfällen von langjährigen Abstinenten beobachten können, dass der von Dir erwähnte "Trinkvorbehalt" der Paradegrund war, wieder zur Pulle zu greifen. Entweder war der Trinkvorbehalt nie wirklich aus dem Hirn verbannt oder hat sich später wieder eingeschlichen z.B. infolge mangelnder Selbstfürsorge, sich das Problem wieder und wieder zu spiegeln, manche nennen es Trockenarbeit. Für mich ist es einfach nur Training. Und ich trainiere unglaublich gerne.

    Dies nur als kleine Anmerkung aufgrund meiner eigenen persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen.

  • Meinen Glückwunsch zum ersten abstinenten Jahr, Paul! 🌼

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Das funktioniert so bei mir nicht. Klar schossen mir in den letzten Jahren immer wieder mal Trinkgedanken, nicht zu verwechseln mit Trinkdruck, durch den Kopf. Ich habe sie abgeblockt. Das ist für mich am besten. Etwas zulassen, unter dem Gedanken "heute nicht" birgt für mich persönlich die Gefahr, dass der Gedanke morgen "wieder auf der Matte steht." Und genau das möchte ich nicht.

    Erstmal Danke, ich wünschte mir, dass es bei mir auch immer so klar wäre. Aber ich handle anders. Ich kämpfe nicht gegen Gedanken an, ich male mir aber auch nichts aus im Sinne "nur noch heute, morgen kannst du endlich saufen". Aöso bitte nicht falsch verstehen. Ich kämpfe auch nicht gegen die Sucht, sondern ich trinke heute einfach nicht. Punkt. Was mein Suchthirn sich da sonst so vorstellt, mach... Aber ohne mich und unter der Bedingung heute nichts zu trinken. Ja es klingt wackelig, aber meine Abstinenz fällt nicht. Und so werden die Gedanken seltener und ich stabiler und glücklicher.

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