Jump! aus dem Hamsterrad

  • Im ersten Jahr ist die Rückfallquote sehr hoch, das stimmt.

    Aber generell kann man es daran nicht festmachen, dass ein Alkoholiker nicht rückfällig wird.

    Es ist immer ein schmaler Grat zwischen Abstinenz und Saufen.

    Und leider wird sehr häufig davon gesprochen, dass ein Rückfall dazu gehören soll. Das ist ein völliger Unsinn, denn jeder Rückfall ist ein Energieräuber, und so verbleibt man wieder im Kreislauf der Sucht. Und der führt unweigerlich nach unten, zerstört Körper und Geist! Und mit jedem Rückfall vermindert sich die Chance den Absprung wirklich zu schaffen.

    Und deswegen tauschen sich hier die Alkoholiker auch Jahre nach ihrem Start in die Abstinenz regelmäßig aus, arbeiten an sich und nehmen die Sucht, die in ihnen schlummert, sehr ernst.

    Wer nicht gewillt ist und eine Entgiftung nur für andere macht, der kann es gleich lassen, weil derjenige es nicht für sich selbst tut.

    Nur wer es tatsächlich eingesehen hat, dass es keinen Weg zurück gibt und das Leben nur abstinent lebenswert ist, der hat die Chance es auch lebenslang zu schaffen.

    Es tut mir sehr leid, dass Dein Mann alles über Bord wirft und selbst die wochenlange Therapie nichts gebracht hat, Jump.

    Das beweist, dass er von Anfang an nicht mit dem Saufen aufhören wollte und Du die richtige Entscheidung mit der eigenen Wohnung getroffen hast.

    Ich wünsche Dir, dass Du jetzt erstmal zur Ruhe kommen kannst und Deine weiteren Schritte überdenkst, ob diese Beziehung eine Zukunft hat, wie Du es Dir innerlich immer gewünscht hast.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Jump!

    Das tut mir sehr leid für dich! Ich habe dieselbe Erfahrung mit meinem Mann gemacht, einen Tag nach Entlassung aus der Suchtreha hat er wieder getrunken. In der Reha war er mustergültig und man sah wirklich eine Chance daß er es schaffen könnte.

    Ich war erst auch am Boden zerstört aber es hatte auch sein Gutes. Ich war sämtlicher Illusionen beraubt worden und konnte mich (endlich) auf den Weg aus der Suchtspirale machen. Einige Wochen später habe ich mich hier angemeldet und es tat mir gut in meinem Tun bestärkt zu werden.

    Für meinen Mann ging es tragisch aus, er hat getrunken bis zum bitteren Ende und wurde tot aufgefunden. Keiner konnte ihm helfen und er hat auch nie seinen Tiefpunkt erreicht.

    Alles Liebe und Gute für dich, Zeit heilt Wunden und auch für dich lacht die Sonne wieder.

    LG Marie

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Liebe Jump,

    schade, ich habe mit dir gehofft, wenngleich ich auch skeptisch war.

    Ich habe nur gesagt, dass ich jetzt nicht mehr da bin, wenn er fällt. Und dass es mir gerade nicht um ihn geht, sondern um mich.

    Es geht jetzt um dich…. genau der richtig An(satz)!

    Ich fühle mich im freien Fall. Und es tut in der Seele weh, dass er sich zerstört. Aber ich kann nix machen.

    Ich fühle so sehr deine Worte.

    Liebe Grüße Petra

  • Liebe Jump,

    Die Erkenntnis nix machen zu können tut sehr weh.

    Ich fühle mit Dir. Ich bin auch an so einem Punkt angelangt wo ich akzeptieren und loslassen muss.

    Wir haben alles gegeben unser Leben für jemand aufgegeben und waren immer in Hoffnung. Die Blase ist geplatzt. Wir sind dabei und mit diesem Kampf selber krank geworden und brauchen Hilfe. Ich versuche auch jeden Moment darauf zu richten dass es mir gut geht.

    Gib nicht auf, es wartet ein schönes, neues Leben auf uns.

  • Guten Morgen liebe Jump!

    ich verfolge deinen Weg weiter und lese heute nach ca 2 Wochen mal wieder hier mit. Und es tut mir leid, dass die Reha für deinen Mann völlig fürn A. war.

    Ich kann das auch nur schwer nachvollziehen, wenn ein Alkoholiker sich in Langzeitreha begibt, dann direkt am ersten Tag draußen wieder trinken zu müssen.

    Mitbekommen hab ich es und tatsächlich kann ich es auch verstehen, wenn es nach dem Entzug so schnell geht. Denn dann war klar, dass die eigene Motivation nicht vorhanden war. Denn Sucht ist, was sie ist 😟

    Aber Langzeit und dann sofort? Das ist ganz großer Mist!

    Für dich hat es bei aller Härte, mit der du wohl aufgeschlagen bist, jetzt aber auch was Gutes!

    Du kannst dich jetzt endgültig befreien!
    Du kannst loslassen!
    Du weisst, es hat absolut nichts mit dir, deinem Verhalten, mit dem was du machst oder nicht machst, zu tun!

    Er wird sich nicht ändern.
    Das ist enttäuschend und traurig, aber deine Chance, dich um dich zu kümmern und DEIN Leben zu leben!

    Ich hoffe für dich, dass du neben der lieben, tollen Unterstützung hier im Forum, auch zu Hause jetzt die richtigen Menschen um dich hast!

    Ich denk an dich und sende dir eine dicke Umarmung und ganz viel Kraft 💪

  • Mensch Ihr Lieben, eure Reaktionen tun mir wahnsinnig gut. Ganz herzlichen Dank! An jede und jeden einzelnen!

    Mir fällt es im Moment schwer zu schreiben. Ganz ungewohnt von mir. Ich habe aber auch viel weniger Zeit, weil ich so viel am Machen bin.

    Ich kann immer noch nicht sagen wie es mir geht. Ich fühle mich wie ein Geist. Oder wie in einem Film, in dem ich die Hauptrolle spiele. Ich gehe weg, hab mich neu eingekleidet, war beim Friseur, habe Bilder aufgehängt, noch bisschen gemütlicher dekoriert, habe mir endlich eine Waschmaschine und eine Spülmaschine gekauft, habe vergeblich versucht endlich die Beine an meinen neuen Sessel zu bohren und meine geschlechtsspezifische Erziehung verflucht 😜.

    Heute Nacht bin ich um 3 Uhr aufgewacht und plötzlich kam der Schmerz hoch geschossn und ich konnte erstmals weinen, kurz. Ich spüre eine Ruhe vor dem Sturm in mir.

    Als ich gestern zum Supermarkt bin, kam mir dort auf dem Parkplatz ein Mann entgegen, vom Alkohol schwer gezeichnet, mit klimpernder Tasche. Mir sind die Tränen aufgestiegen. Habe gedacht: bald wird mein feiner, hübscher Mann auch so aussehen. Ich kann das dann aber weg schieben.

    Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass während und auch noch viele Wochen nach! einem Entzug neurologische Prozesse in Gang gesetzt werden, die dazu führen, dass nach einem Rückfall umso mehr getrunken werden muss. Ein Rückfall ist also nicht einfach "nur" ein Rückfall, der wieder glatt gebügelt werden kann, indem die Person wieder aufhört. Sondern der anschließende Entzug macht die Rutschbahn immer steiler nach unten. Genauso beobachte ich es. Jetzt mal abgesehen davon, dass das Beenden einer Trinkpause kein Rückfall ist - aber der Neurologie ist das egal.

    Ich glaube nicht, dass ich bei meinem Mann noch von einem freien "Willen" sprechen kann. Die Sucht hat komplett übernommen. Dass Denken bleibt nass, auch ohne Alk.

    Was einen kurzen Einfluss hatte war der Anfall Anfang des Jahres. Das hatte eine Wirkung. Aber nicht als Tiefpunkt gereicht. Es war aber MEIN Wendepunkt. Die Reha hat er wahrscheinlich nur für mich gemacht.

    Ich habe gestern mit jemandem einer SH-Organisation telefoniert, damit ich an einer Angehörige-Gruppe vor Ort teilehmen kann. Leider haben die kommende Woche eine Weihnachtsfeier, zu der ich gerne kommen könnte, aber die eigentliche Gruppe fällt aus. Zur Feier zu gehen, passt nicht so zu meiner Stimmung und fände ich komisch. Ich gehe dann zum nächsten Treffen.

    Was ich gut fand war, dass er meinte ich soll erst ein Vorgespräch führen, in dem mir die Regeln erklärt werden würden: ich solle nur von mir reden, niemand würde mich beraten, ich soll mich selbst in den Fokus stellen und nicht den Alkoholiker... 😉. Ja, das kam mir vertraut vor 😅

    Gleich mache ich einen langen Spaziergang und treffe mich mit meiner Schwester. Sie ist meine Rettung zur Zeit. Meine engste Freundin vor Ort ist gerade in Indien, auf einer Vollmond - Mela in Rajasthan... Die Bilder und Videos sind wahnsinnig beeindruckend und es ist toll, dass sie mich teilhaben lässt. Meine beste Freundin lebt weit weg und hat gerade selbst eine schwere Zeit. Die anderen sehe ich eigentlich nur sporadisch. Aber ich bin ja jetzt auch erst angekommen und es muss sich alles noch entwickeln.

    Ach, noch eins: als der SH-Mensch entschuldigend meinte, dass die nächste reguläre Gruppe dann erst Anfang Dezember ist, meinte ich: macht nix, ich habe ja schon eine online-SH-Gruppe und bin gut aufgehoben 🐣

    Danke euch! 🏵️

  • Für meinen Mann ging es tragisch aus, er hat getrunken bis zum bitteren Ende und wurde tot aufgefunden. Keiner konnte ihm helfen und er hat auch nie seinen Tiefpunkt erreicht.

    Alles Liebe und Gute für dich, Zeit heilt Wunden und auch für dich lacht die Sonne wieder.

    LG Marie

    Das tut mir super leid für dich Speranza,

    🤗

  • Hallo Zotti!

    Das tut mir super leid für dich Speranza

    Dankeschön an dich für dein Mitgefühl :) es ist alles so lange her aber diese Zeit hat mich sehr geprägt ich bin ganz anders geworden aber wie ich finde im Positiven.

    LG Marie

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Ich fühle mich als hätte ich eine Zwangsjacke an. Oder wie in einer Sackgasse. Ich komm' nicht vor und nicht zurück.

    Ich glaube nicht, dass ich es schaffe mit der Situation klar zu kommen. Ich mache alles was vernünftig ist, ja. Wir haben keinerlei Kontakt. Ich versuche über alle Löcher zu springen, die sich vor mir auf tun und gut für mich zu sorgen. Heute gehe ich auf den Weihnachtsmarkt, morgen abends mit Leuten essen... Es ist aber alles mechanisch und kostet mich so viel Kraft.

    Ich wusste, dass er schwer krank ist - aber jetzt weiß ich, dass es kein Halt mehr gibt. Für mich ist es wie, wenn ein Arzt mitteilt, dass die Behandlung leider nicht geholfen hat und die Lebenserwartung nun nur noch kurz ist. Da sind die Angehörigen doch auch im Schock. Weinen. Trösten sich. Da sagt niemand: sieh es doch positiv, jetzt kannst du nur auf dich selbst gucken.

    Ich kann es niemandem erzählen, weil es kaum jemand versteht. Und auch hier spüre ich den Druck jetzt doch erleichtert sein zu müssen.

    Ich habe mich aber nicht jahrelang nur aufgeopfert. Ich habe immer auch sehr viel zurück bekommen. Solange er noch konnte. Jetzt kann er nicht mehr.

    Ich kann mich fern halten, ja. Aber nach fast 30 Jahren ist da eine tiefe innere Bindung. Die bleibt. Das ist nicht so wie früher, wenn ich mich verliebt hatte, mich getrennt habe, dann irgendwann jemand anderes. Das ist eher vergleichbar mit meiner Bindung zur Familie. Das ist mehr als romantische Liebe. Und ganz sicher keine emotionale Abhängigkeit. Es ist ein Zusammengehorigkeitsgefühl im tiefsten Inneren nach fast 30 gemeinsamen Jahren. Eine tiefe Bindung.

    Ich weiß ja, dass der Mensch, mit dem ich diese Gemeinsamkeit spüre, nicht mehr wirklich existiert. Dass er nur noch diese "komische Kopie von sich selbst ist" (wie buymyselfflowers mal meinte). Das wird ein sehr langer, harter Trauerprozess. Da werde ich euch noch gehörig auf die Nerven gehen.

  • Und auch hier spüre ich den Druck jetzt doch erleichtert sein zu müssen.

    Neeeeiiiin Jump!

    Das sollte nicht so rüber kommen! In so einer Situation sind wahrscheinlich wirklich alle geschriebenen Worte falsch.

    Würde Dich gerne mal ohne Worte in den Arm nehmen...geht halt nicht...

    Gestern war ich in einem netten kleinen Laden, deren Verkäuferin ich auch privat ein klein wenig kenne und sehr mag. Sie fragte wie es so geht und ich sagte ihr nicht so gut, Trennung nach fast 30 Jahren. Sie war positiv überrascht dass ich eine echte Antwort gegeben habe, sind ja meist nur so Floskeln. Haben dann gar nicht viel weiter gesprochen, hab was gesucht und als ich bezahlen wollte kam sie auf einmal hinter der Theke raus, fragte "darf ich mal" und gab mir eine ganz herzliche lange Umarmung!

    Solche Begegnungen wünsche ich Dir auch, das hat mich durch den ganzen Tag getragen! Ohne Worte, ohne Fragen, ohne Dramen, einfach Mitgefühl

    Herzliche Grüße

    Deine Api,

    Die Dich immer sehr aufmerksam liest🧡

  • Liebe Jump,

    Ich denke es ist doch völlig normal, dass Du diese Trauer jetzt hast. Ich wollte auch keinen Druck aufDich ausüben, sondern wollte versuchen Dir etwas Positives in dieser traurigen Situation mitzugeben. Ich entschuldige mich aufrichtig bei Dir, dass es nicht so gut ankam.

    Ich umarme Dich mal virtuell und sende Dir ein bisschen Kraft und Mut für Dich.

    Ganz liebe Grüße Momo

  • Ich mache alles was vernünftig ist, ja. Wir haben keinerlei Kontakt. Ich versuche über alle Löcher zu springen, die sich vor mir auf tun und gut für mich zu sorgen. Heute gehe ich auf den Weihnachtsmarkt, morgen abends mit Leuten essen... Es ist aber alles mechanisch und kostet mich so viel Kraft.

    Das kann ich gut nachvollziehen und vor allem nachfühlen.Du beschreibst es so treffend

    - mechanisch-

    Es fühlt sich so an ,als würde ich nichts fühlen, alles rational.Vom Kopf her vernünftige Entscheidungen treffen.Ja. Das tue ich.Es verinnerlicht sich aber nicht, das es tatsächlich der beste und einzige Weg ist...

    Aus Liebe zu diesem Menschen, ihn freigeben,das er die Chance hat, selbstverantwortlich ein besseres Leben zu führen... Auch hier ist es die Kopfstimme...

  • Liebe Jump ,

    im Grunde hast du den Menschen verloren, mit dem du lange das gemeinsame Leben gegangen bist. Und da ist es normal zu trauern.

    Fühl dich lieb umärmelt

    Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hey Jump,

    Es tut mir leid, dass du unter anderem wohl auch meinen Beitrag so wahrgenommen hast.

    Ich finde es aber auch schade, dass du die Versuche, dir Kraft geben zu wollen, als Druck empfindest.

    Selbstverständlich darfst du jetzt um deinen geliebten Menschen und die Beziehung trauern!

    Natürlich ist doch gerade hier auch ganz irre viel Mitgefühl.

    Jede(r) hier kann dich doch besser verstehen, als irgendwer sonst.

    Besonders diejenigen, die das gleiche bereits durchmachen mussten oder selbst mittendrin stecken.

    Trotzdem ist es eben eine Tatsache, dass du jetzt loslassen musst. Und um das zu schaffen, sollten dir diese Worte hier die nötige Kraft und Unterstützung geben.

    Es ist jetzt ganz frisch und du brauchst Trost, also möchte ich dir auch eine stille Umarmung schicken.

    Wenn dann einige Zeit vergangen ist, dann lies dir die Beiträge nochmal durch. Dann kannst du sie als das auffassen, was sie dir geben sollten. Beistand und Kraft.

    Ich denk ganz fest an dich 🥰

  • Liebe Jump.

    Ich war nicht 30 Jahre mit meinem Ex zusammen, der trank und doch hatte er nach einigen Jahren mein Herz komplett erobert. Ich war überzeugt, dass er mein Gegenstück ist. Daher kenne ich zumindest ein starkes Liebeskummergefühl, wenn auch nicht vergleichbar mit der langen Zugehörigkeit bei Deiner langen Partnerschaft.

    Was ich aber genau kenne ist dieser „Schockmoment“ und das Bewusstwerden des Scheiterns.

    Ich hab es schon mal erzählt, mache es aber hier noch einmal:

    Wir waren räumlich getrennt. Ich hörte auf zu trinken. Ich wünschte mir von Herzen, dass er auch aufhört. Monate des Hoffens. Er einsichtig. Nur auf den richtigen Moment wartend. Wie ich damals. Dann der letzte Urlaub. Der schönste Urlaub. Kein Tropfen Alkohol. So nah wie nie und so glücklich. Er freute sich auf eine Zukunft, die genau SO weitergehen sollte. Ich war zuversichtlich, dass wir es nun gemeinsam schaffen.

    Wir fuhren wieder nach Hause (zu ihm). Er begann seine Koffer auszupacken, ich fuhr in meine Wohnung, um kurz meine Sachen auszupacken. Ich packte eine neue Tasche, fuhr zurück zu ihm ins Haus (wo ich vorher gemeinsam mit ihm wohnte). Wir wollten noch das Wochenende bei ihm zu Hause verbringen.

    Ich fuhr auf den Hof, stellte mein Auto ab, ging glücklich ins Haus, wollte wieder zu ihm.
    Und da saß er. Vor ihm auf dem Tisch eine Flasche Bier und sah mich an. Ohne was zu sagen. Komplett ernst.

    Ich wusste sofort: Das war’s.

    Mir war übel, ich merkte, wie ich blaß wurde. Ich fühlte mich als ob ich nur eine Rolle in einem fremden Körper spiele. Es lief irgendwie alles nebenbei. Mechanisch trifft es.

    Hätte damals jemand zu mir gesagt „sei froh, nun hast Du Gewissheit, das Hin- und Her ist vorbei“.
    Das hätte ich nicht hören wollen. Ich hatte andere Sorgen. Mein Herz schmerzte.

    Heute sehe ich das anders. Diesen Tag werde ich nie vergessen. Aber er hat eine neue Richtung vorgegeben. Er hat eine Zeit beendet, in der ich ständig Energie verlor, Kummer hatte.

    Ja, nach diesem Tag hatte ich erst einmal so RICHTIG Kummer. Aber das war dann auch der Moment des Umdenkens. Es dauerte, aber es wurde immer besser und besser und besser.

    Ich habe mich mit wenigen Worten verabschiedet in einer Karte auf der stand „in Liebe loslassen“. Diese Karte legte ich ihm auf den Tisch, daneben den Haustürschlüssel. Als ich ging und in mein Auto stieg war ich traurig, aber gleichzeitig entlastet. Es konnte nur noch aufwärts gehen mit MIR.

    Mit ihm nicht. Er sitzt immer noch an diesem Tisch und säuft. Aber das war seine Entscheidung.

    Für mich ist es wie, wenn ein Arzt mitteilt, dass die Behandlung leider nicht geholfen hat und die Lebenserwartung nun nur noch kurz ist. Da sind die Angehörigen doch auch im Schock. Weinen. Trösten sich. Da sagt niemand: sieh es doch positiv, jetzt kannst du nur auf dich selbst gucken.

    Das sagen die Menschen nicht bei Erkrankungen, wo der Betroffene keine Möglichkeit hat, die Krankheit zu stoppen.

    Das ist hier aber nun einmal anders.

    Er hat die Wahl, was er aus seinem Leben macht. Wer bereits auf dem Rückweg der Klinik rückfällig wird, hat nicht ernsthaft aus tiefstem Herzen aufgehört. Das ist seine Entscheidung gewesen.

    Jump, ich wünsche Dir, dass Du hier irgendwann schreiben kannst, dass Du Dich gut und frei fühlst.
    Ich glaube daran.

  • Ich glaube nicht, dass ich es schaffe mit der Situation klar zu kommen.

    Das wird ein sehr langer, harter Trauerprozess.

    Liebe Jump, du bist so stark und bist deinen Weg bis jetzt so mutig gegangen. Du wirst das schaffen. Davon bin ich überzeugt! Aber wie du selbst schreibst, ist es ein Prozess. Leider einer, der mit viel Schmerz verbunden ist.

    Ich kann so gut nachempfinden was du fühlst. Die Trauer kommt in Wellen. Und so einschneidende Erlebnisse bringen die Wogen natürlich wieder richtig in Bewegung. Manchmal ist da bei mir das Gefühl, dass ich keine Energie mehr habe und es nicht mehr aushalte. Und dann ist die Kraft doch irgendwie wieder da, um weiterzumachen.

    Nichts wirklich tun zu können, für den geliebten Menschen, das ist so schwer. Aber es ist die Realität, mit der wir umgehen müssen. Du machst auf mich den Eindruck, dass du eine starke Persönlichkeit bist. Da ist es vermutlich umso schwerer, akzeptieren zu müssen, dass es nicht im eigenen Einflussbereich liegt. Ich kann das so gar nicht gut aushalten. Aber daran zu wachsen, das habe ich mir vorgenommen.

    Ich wünsche dir für die kommenden Tage, dass auch glückliche Momente dabei sind und dir Kraft geben.

    p.s.: Du kannst uns übrigens gar nicht nerven. All das, was du an Gefühlen und Erkenntnissen teilst, das hilft auch uns weiter!

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