Naira - ich stelle mich vor

  • Hallo Naira,

    Nicht-Betroffene wissen nicht, was die Krankheit für einen bedeutet. "Dann trink doch einfach nicht" ist oft der erste Gedanke. Dass es so nicht funktioniert und nicht so einfach ist, muss man dann kommunizieren.

    Niemand kann in dich hinein sehen, Reden hilft. Was du dann von ihnen erwarten kannst ist Unterstützung und das Respektieren der Grenzen. Z. B., dass kein Alkohol in der Wohnung gelagert wird.

    Ich finde es gut, das so klar zu kommunizieren.

    Viele Grüße

    Seeblick

  • Hm, also bei meiner Familie könnte ich nicht von hellseherischen Fähigkeiten ausgehen, was Gefühle angeht. Die sind alle eher grobmotorisch veranlagt. :)

    Mit hoffen oder andeuten komme ich da nicht weiter. Da hilft nur klare Worte bzw. Taten.

    Körpersprache ist auch eine Sprache. Wenn ich mich gerade hinstelle, Blickkontakt, Ansage - dann wirkt das völlig anders als wenn ich verhuscht durch die Wohnung schleiche.

    Bei dir scheint echt was in Bewegung gekommen zu sein, Naira.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Ich ärgere mich darüber, dass ich gefühlt zuhause zu kurz komme. Aber ich tue nichts dagegen. Wie sollen sie verstehen, dass mich etwas stresst, wenn ich es nicht äussere. Wie sollen sie wissen, dass es mir schlecht geht, wenn ich so tue, als ob alles gut wäre. Wie sollen sie wissen, dass ich traurig bin, wenn ich lächle. Woher sollen sie verstehen, dass mich manche alkoholische Getränke sehr stressen, und dass mir der Verzicht nicht so leicht fällt- wenn ich es nicht äussere? Ich kann nicht erwarten, dass alle in mich hineinsehen können, wenn ich nach aussen etwas Gegenteiliges vermittele.

    Nach meinem Wutausbruch konnte ich mit beiden, die mit mir hier wohnen, sprechen und ihnen erklären, dass mir der Verzicht eben schwer fällt und warum es mir wichtig ist, es diesmal dauerhaft zu schaffen. Und beide reagierten verständnisvoll. Und gleichzeitig- habe ich mit den offenen Gesprächen die Türe zum Alkohol noch mehr verschlossen. Denn ich könnte mir so nie verzeihen, rückfällig zu werden. Jetzt wissen sie ja, dass ich unbedingt alkoholfrei leben möchte. Das wussten sie bei den letzten Versuchen nicht...

    Hallo Naira

    Das finde ich ein riesen Schritt nach vorne.

    Mach weiter so:thumbup:

    LG Bolle

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • … weil es Deine Familie ist und und man Dinge spürt, die vielleicht nicht ausgesprochen werden. Und wenn man nicht weiß, was los ist, kann man ja nachfragen.

    Das sehe ich anders.

    Mein Spruch dazu ist immer "nur sprechenden Menschen kann geholfen werden".

    Ich finde es wichtig, dass man lernt, über eigene Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen zu sprechen. Man kann anderen immer nur vor den Kopf gucken und ich finde es zuviel erwartet, dass mein Gegenüber erahnen soll, wie es mir geht oder welche Bedürfnisse ich habe.

  • Hallo Naira,

    das sind Dinge, die du jetzt lernen darfst. Deine eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren. Bei mir hat das auch recht lange gedauert. Ich bin meistens in die selbstgerechte Empörung gegangen. Also, erwarten, dass andere meine Bedürfnisse kennen und wenn sie es nicht in mir gelesen haben (weil sie es nicht konnten), sauer und beleidigt sein.

    Manchmal will diese kleine selbstgerechte Empörung heute auch noch raus. Aber ich habe sie viel besser im Griff als damals und kann sie zu 98% im Keim ersticken. ;)

    Das erste Jahr Trockenheit war für mich ein ständiger Lernprozess. Gefühlt jeden Tag gab es etwas Neues, was mir aufgefallen ist oder was ich lernen durfte. Darum empfand ich das erste Jahr auch als besonders anstrengend. Wie ein Grundschulkind, welches nochmal ganz von vorn anfängt.

    Und dabei kannst du auch ganz wunderbar lernen, dich einfach mal zurück zu nehmen und machen zu lassen, statt selber zu machen. Dich selber auch mal etwas entschleunigen. Köperlich wie auch geistig. :)

  • Das sehe ich anders.

    Mein Spruch dazu ist immer "nur sprechenden Menschen kann geholfen werden".

    Ich finde es wichtig, dass man lernt, über eigene Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen zu sprechen. Man kann anderen immer nur vor den Kopf gucken und ich finde es zuviel erwartet, dass mein Gegenüber erahnen soll, wie es mir geht oder welche Bedürfnisse ich habe.

    Sehe ich genauso! Es gibt keine grössere persönliche Last, als sie alleine in sich zu tragen. Du solltest dein Unglück aussprechen können, in Worten die zusammenhängen und Sinn haben. Worte, die du selbst noch verstehen kannst und vielleicht sogar dein Gegenüber verstehen könnte. Das wäre fast schon wieder Glück und deine Chance für eine neue Leichtigkeit <3

  • Heute ist Tag 100 :)

    "Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." (Niebuhr)

  • Es ging eigentlich ganz gut.
    Gestern bin ich an einem Markt vorbeigelaufen. Dort gibt es ganz gutes Essen. Aber es waren viele Leute dort, die mittags mit einem Glas Alkohol an den Tischen standen. Ich hab schon bevor ich mit dem Trinken aufhörte, nie verstanden wie man mittags schon Alkohol trinken kann…

    Und bei den angebotenen Speisen waren Gerichte mit und ohne Alkohol durcheinander- und dies ohne Kennzeichnungen. Ich bin dann woanders etwas essen gegangen, wo ich mir sicher war, dass nichts drin ist.

    "Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." (Niebuhr)

  • Herzlichen Glückwunsch zu nun schon 102 nüchternen Tagen. 💐

    Nur ja nicht von mir reden... Die meisten Menschen sind ja dankbar, wenn sie nicht zuhören müssen sondern stattdessen ihr Herz ausschütten können. Oder nicht?

    Ja, irgendwie ist das wohl so.

    Ich habe aber bemerkt, dass es doch einige Menschen wirklich interessiert, wie es mir geht. Und genau das sind die Menschen, mit denen ich gern zusammen bin.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Ich habe aber bemerkt, dass es doch einige Menschen wirklich interessiert, wie es mir geht. Und genau das sind die Menschen, mit denen ich gern zusammen bin.

    Das stimmt absolut! Und in der Freizeit sollte man sich eigentlich auch hauptsächlich mit solchen Menschen umgeben :)

    "Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." (Niebuhr)

  • Ja, Naira, das ist so.

    Seit ich in meinen Sätzen ‚eigentlich‘ weglassen konnte und ‚man‘ durch ich ersetzte, kommen meine eigenen Sätze viel besser bei mir selbst an….bei den anderen auch.
    ‚Eigentlich‘ lässt viel zu viel Spielraum und wenn ich ‚man‘ sage, sieht mein Gegenüber alle möglichen Leute…mich nur ganz selten.

    Das Ausformulieren der eigenen Wünsche ist ganz schön schwer, finde ich.
    Ich habe mit ‚nein‘ angefangen. Also, erstmal das sagen, was ich nicht möchte. Und ich war oft ganz schön erstaunt, dass das für die Anderen oftmals gar kein Problem ist. Probiere das mal. 😀

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Danke Stern!

    Das Wort eigentlich wollte ich auch eigentlich aus meinem Wortschatz streichen :D.
    Du hast wirklich recht. Ich werde künftig darauf achten! Dann komme ich auch glaubwürdiger und selbstbewusster rüber.

    "Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." (Niebuhr)

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