Wenn mir jemand vor ca. 3 Jahren vorhergesagt hätte, dass ich heute auf den Tag 1000 Tage abstinent bin, hätte ich ihn als gutmeinenden Phantasten abgetan.
Ich habe ja noch nicht einmal mehr als 2 Tage am Stück geschafft und ich war der festen Überzeugung, dass ich aus dieser Nummer nicht mehr rauskomme.
Denn wie sollte das gehen, ohne Alkohol? Mein Körper und mein Geist waren „ohne“ nicht mehr in der Lage, einigermaßen vernünftig und unauffällig am Leben teilzunehmen.
Ich war in mir gefangen und der Weg, den ich ging, der wurde immer einsamer und dunkler.
Selbst, wenn ich mir vertraute Hilfe geholt hätte, so wäre eine Zukunft doch ohne Alkohol gewesen und davor hatte ich eine Heiden Angst, ja sogar Panik.
Angst und Panik bekam ich aber auch vor dem, was unweigerlich auf mich zukam, wenn ich einfach so weitermache. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis mein Körper völlig zusammenbrechen würde.
Und dann war er plötzlich da, mein Tiefpunkt, der Punkt an dem ich die richtige Entscheidung treffen konnte. Warum gerade an diesem Tag?
Mir ging es mal wieder miserabel und ich kann nur sagen, ich war wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Wenn ich heute nach 1000 Tagen zurückblicke, dann weiß ich eines ganz bestimmt.
Ein Leben ohne Alkohol ist möglich, es ist sogar hervorragend möglich und der Weg hinaus war einfacher als ich mir vorstellen konnte.
Hätte ich damals gewusst, was ein qualifizierter Entzug (mit medizinischer Betreuung) bedeutet und wie ich innerhalb von Tagen plötzlich wieder Lebensmut und Zuversicht erlangen kann, ich hätte mich wohl nicht so lange quälen müssen.
Das war der Anfang, der Alkohol war aus meinem Körper, mehr aber auch nicht.
Es folgten Entwöhnung und Nachsorge und dieses Forum.
Hier habe ich gelernt, was ich lernen kann, um stabil und zufrieden trocken zu sein.
Hier habe ich Erfahrungen erlesen und gesammelt und ich habe mich unendlich viel mit mir selbst auseinandergesetzt, denn nur ich konnte dafür sorgen, dass ich abstinent bleibe, es war und ist meine Verantwortung, mein Tun.
Ich nehme heute diesen Tag zum Anlass um denen Mut zu machen, die mich hier lesen.
Es geht, wenn ihr euch jede Hilfe holt, die ihr bekommen könnt.
Geht zum Arzt, legt die Karten offen auf den Tisch, das ist der erste Schritt.
Und die Angst und die Scham? Ja sie ist da, sie war auch bei mir da, aber genau diese Angst und die Scham, zusammen mit dem Alkohol, hätten mich ins Grab gebracht.
Ich musste und konnte einen Weg finden, diese Angst und diese Scham zu überwinden,
denn wie ich heute weiß, beide sind rational betrachtet unbegründet und sie existierten nur in meinem Kopf.
Das erste Arztgespräch war eine unglaubliche Befreiung. Ich war plötzlich nicht mehr alleine und da war jemand, der mich verstanden hat und der mir helfen konnte.
Worauf wartest du? Pack es an!
Nayouk